Beispiel Hamburg: Die Hansestadt hat für jede Art von Interesse etwas zu bieten, sei es Geschichte, Natur, Moderne, Kultur oder Nachtleben. Vom Tagesausflug bis zu einem mehrtägigen Urlaub wird es Besucherinnen und Besuchern in dieser Großstadt nicht langweilig.

Doch auch in dieser bekannten Stadt gibt es geheimnisvolle Orte, die nur wenige Menschen kennen, wie den Römischen Garten. Und das gilt auch für den Rest von Deutschland. Der reisereporter hat solche Sehenswürdigkeiten und Kleinode für dich aufgespürt – hier sind unsere zehn Highlights.

1. Gespensterwald Nienhagen

Die Ostsee brandet ins Seh- und Hörweite an die Steilküste. Und doch scheint das Meer weit weg und die Zeit stehen geblieben zu sein, wenn du durch den Waldabschnitt am Ortsrand von Nienhagen bei Rostock wanderst. Je nach Wetter magst du dich an manchen Tagen sogar in einer anderen Welt wähnen – etwa bei Nebel, wenn die Bäume schaurig wirken.

Wie Soldaten scheinen sich die Bäume gegen die Kräfte des Ostseewindes zu stemmen – ein mystischer Ort.

Geformt vom Ostseewind – die Baumkronen haben sich vom Meereswind weggedreht – sehen die Bäume ungewöhnlich und bizarr aus, insbesondere bei Dämmerung. Rauscht der Wind durchs Laub, unterstreicht das die gespenstige Stimmung.

Manch Besucher oder Besucherin schwört sogar, hier Feen gesehen zu haben. So überrascht es also nicht, dass die Einheimischen das etwa 100 Meter breite und 1300 Meter lange Mischwaldgebiet „Gespensterwald“ getauft haben.

Eichen, Buchen, Hainbuchen und Eschen wachsen hier, sie sind zwischen 90 und 170 Jahre alt. Da sie relativ weit auseinanderstehen und dazwischen nur wenige Pflanzen wachsen, haben Licht und Schatten hier viel Raum, eine mystische Atmosphäre zu schaffen.

Der Gespensterwald befindet sich am westlichen Ortsrand von Nienhagen direkt an der Steilküste. Parkmöglichkeiten gibt es direkt am Waldrand.

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2. Roseburg

Würde ein Ritter mit seinem Pferd durch den Torbogen schreiten, würde es niemanden wundern. Die Roseburg bei Gernrode am nördlichen Harzrand, wirkt wie frisch dem Mittelalter entsprungen.

Dabei ist das Gebäude quasi ein Neubau, erst 1908 fertiggestellt durch den Burg- und Bauherren Bernhard Sehring. Dieser erwarb das geschichtsträchtige Gelände drei Jahre zuvor. Bereits 963 nach Christus wurde an dieser Stelle eine Rudeloffsburg/Rolevesborch erstmals urkundlich erwähnt.

Mitte des 16. Jahrhunderts finden sich jedoch keine Einträge mehr dazu – außer, dass sich auf dem Gelände nur noch ein paar Mauerreste befinden würden.

1905 acquired the Berlin architect Bernhard Sehring the site and designed the Roseburg according to his ideas, Rieder, Quedlinburg, Harz, Saxony-Anhalt, Germany, Europe, No Property Release available! imago images/Gunter Kirsch

Anscheinend der perfekte Ort für Sehring, ein neues Ensemble bauen zu lassen – eine Mischung unterschiedlichster Baustile. Entstanden sind ein Torhaus, ein Wohn- und ein Wachturm mit aufsteigendem Wehrgang. Über einer gestaffelten Vorburg ließ Sehring einen Bergfried mit Zinnen, zahlreiche Anbauten und mehrere Burghöfe nach dem Vorbild alter Burganlagen errichten. Eine 1600 Meter lange Steinmauer rahmt die Vorburg ein. Später entstanden noch ein Mausoleum samt Aussichtsturm und eine weitläufige, teilweise verwunschen wirkende Parkanlage.

Auch diese Grünfläche beeindruckt mit ihren vielfältigen Elementen aus der italienischen Renaissance, dem Barock und aus englischen Landschaftsgärten. Dazu gehört auch eine Wasserkaskade.

Info zur Roseburg:

  • Die Burg liegt direkt an der Landesstraße 242 zwischen Ballenstedt und Gernrode.
  • Dort gibt es einige kostenlose Parkplätze.
  • Burg und Garten sind täglich von 9 bis 20 Uhr geöffnet.
  • Eintritt: 3 Euro pro Person.

3. Römischer Garten

Es gibt ihn seit gut 130 Jahren: den Römischen Garten in Hamburg. Das Park-Kleinod thront, gut versteckt vor neugierigen Blicken, oberhalb der Elbe am Kösterberg in Blankenese. Zwei Wege führen dich in dieses kleine Paradies: entweder der steile Aufstieg über die Treppen vom Falkensteiner Ufer an der Elbe oder der weniger anstrengende Fußweg den Waseberg entlang.

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Am Ziel angekommen, scheinst du in die Toskana katapultiert worden zu sein, besonders an Sommertagen. Ordentlich getrimmte Koniferen erinnern an die italienische Landschaft. Blumen- und Staudenbeete, ein Seerosenteich in der Mitte des Gartens ebenso wie eine ausladende Treppe und Emporen unterstreichen den mediterranen Eindruck. Das kleine Amphitheater mit Platz für circa 200 Zuschauerinnen und Zuschauer tut ein Übriges. Das Theater N.N. Hamburg e.V. veranstaltet hier in den Sommermonaten regelmäßig Aufführungen auf der kleinen Freilichtbühne.

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Adresse: Römischer Garten, Kösterbergstraße 40e, 22587 Hamburg

4. Rakotzsee und die mystische Brücke

Nahezu halbrund spannt sich eine steinerne Brücke übers Wasser eines Sees. Die Wasserspiegelung macht daraus einen fast perfekten Kreis. Das könne nur der Teufel zustande bringen, glaubten einst die Bewohnerinnen und Bewohner und gaben dem Bauwerk den Namen Teufelsbrück. Kommen noch Nebel oder ein tiefer Sonnenstand mit orange Farbenspiel hinzu, wirkt die Rakotzbrücke verwunschen und wie aus der Welt von J.R.R. Tolkien. Kein Wunder, dass sie ein beliebtes Fotomotiv ist, obwohl vergleichsweise wenige Besucherinnen und Besucher anzutreffen sind. Auch Filmemacher wissen das zu schätzen und so war sie beispielsweise auch Drehort für den Film „Der Zauberlehrling“.

Einfach nur zum Staunen schön: Die Rakotzbrücke im Rhododendrenpark Kromlau.

Leider ist die Brücke nur von Weitem zu betrachten, denn das 35 Meter lange Bauwerk ist einsturzgefährdet, das Betreten daher strengstens verboten. Erbaut wurde die Rakotzbrücke zwischen 1863 und 1882 aus Feld- und Basaltsteinen. Unter Anleitung von Friedrich Hermann Rötschke entstand ein hoher, harmonischer Bogen, der den Rakotzsee überspannt und sich harmonisch in den umgebenen Wald einfügt. Diesen mystischen Anblick kannst du das ganze Jahr genießen.

Adresse: Rhododendrenpark Kromlau, Altes Schloß 11, 02953 Gablenz

5. Mittelalterliche Ritterfeste Löwenburg

Erhaben und trutzig, ganz wie es sich für eine mittelalterliche Ritterburg gehört, thront die Löwenburg im Bergpark Wilhelmshöhe (Unesco-Weltkulturerbe) über der Stadt Kassel.

Erbaut wurde sie zwischen 1793 und 1801 als eine der ersten nachgebauten mittelalterlichen Burgruinen Europas im Auftrag des Landgrafen Wilhelm IX., dem späteren Kurfürsten Wilhelm I. Mit diesem Gebäude wollte er sich zum einen ein Lustschloss errichten, welches die historische Bedeutung seiner seit dem Mittelalter regierenden Familie unterstreicht.

Zum anderen wünschte er, hier bestattet zu werden – nach mittelalterlichem Brauch. Heißt: Ein gebührend großer Leichenzug, angeführt von einem Ritter in schwarzer Rüstung, geleitete ihn in seine letzte Ruhestätte.

Die Löwenburg liegt oberhalb von Kassel und ist voller Geschichte und gruseligen Legenden.

Einer Legende nach ist jene schwarze Rüstung aber mit einem Fluch belegt: Der Träger würde einen baldigen Tod erleiden. Und tatsächlich verstarb Christian von Eschwege, Vasall des Kurfürsten, kurze Zeit nach dem Tragen der Rüstung.

Seinen Grabstein kannst du im Museum für Sepulkralkultur in Kassel besichtigen. Die schwarze Ritterrüstung ist in der Löwenburg ausgestellt. Die Legende sagt auch, dass der schwarze Ritter alle 17 Jahre aus seinem Grab tritt und den Bergpark Wilhelmshöhe durchstreift – ob das wirklich so ist, kannst du vermutlich nur bei einem persönlichen Besuch herausfinden. Die Burg und der Ausblick über die Großstadt lohnen allemal.

6. Das Felsenmeer im Odenwald

Mit Sicherheit hatten Riesen hier ihr die Hand im Spiel, so behauptet es zumindest eine Sage. Wie sonst sollen hier Hunderte Felsblöcke in den Wald gekommen sein, die an überdimensionalen Hagelzucker erinnern.

Auf dem Felsberg oberhalb von Lautertal im hessischen Odenwald triffst du auf dieses etwa 340 Millionen Jahre alte Steingebilde, bekannt als Felsenmeer. Es entstand durch die Plattentektonik der Erde. Die Witterung hat die Felsen zu einem mystischen Ort gewandelt, der bei Besucherinnen und Besuchern beliebt ist, schließlich ist dieses Naturwunder in seinem Ausmaß selten und einfach nur ein fantastischer Anblick. 

Wo gibt’s denn so was?! Das Felsenmeer vom Odenwald.

Denn eine Flut aus den mächtigen Granitblöcken scheint den Waldhang hinunterzurauchen – nur wie durch Magie erstarrt. Am oberen Ende des Felsenmeers sprudelt tatsächlich eine kleine Quelle aus der Erde. Ihr Wasser fließt zwischen den Felsen hinab ins Tal.

7. Zauberhöhle im Lustwald

Für Menschen mit Klaustrophobie ist diese Sehenswürdigkeit vermutlich nichts, für alle anderen jedoch ein Highlight. Die Rede ist von der Zauberhöhle: einem knapp 60 Meter langen, ummauerten und vor allem dunklen Gang. Einst war er mit Glitzersteinen verziert und ein steinerner Zauberer sorgte zusätzlich für Gänsehaut.

Heutzutage nicht mehr. Doch wenn du dich durch die dunkle Enge traust, wirst du belohnt, denn der Tunnel mündet in einem ursprünglich mit Spiegeln bestückten, kuppelbedeckten Rundbau. Wenn du ihn erreichst, strahlt das Sonnenlicht herein und du kommst in einem Waldstück oberhalb des Rheins heraus – von dort hast du einen schönen Ausblick über das Rheintal bis zur Burg Rheinstein und der Clemenskapelle bei Trechtingshausen.

Eingang der Zauberhöhle im Niederwald. Nach dem Gang durch die Dunkelheit belohnt ein Ausblick über das Rheintal.

Die Zauberhöhle gehört zum Osteinschen Niederwald, einem Gartenkunstwerk des 18. Jahrhunderts, welches zum Unesco-Welterbe Oberes Mittelrheintal zählt. Zum rund 250 Jahre alten sogenannten Lustwald des Grafen Karl Maximilian von Ostein (1735–1809) gehört neben der Höhle auch die künstlich erbaute Ruine Rossel.

Zur Höhle gelangst du mit dem Rüdesheimer Sessellift oder dem Pendant in Assmannshausen, das zum Jagdschloss Niederwald führt. Auf dem Rheinsteig geht es dann zum Eingang der Zauberhöhle. Von November bis Ostern ist sie in der Regel geschlossen!

8. Blautopf in Blaubeuren auf der Schwäbischen Alb

Türkis wie das Karibische Meer – so strahlt meist das Wasser des Blautopfs in Blaubeuren. Er ist die zweitgrößte Einzelquelle Deutschlands (nach dem Aachtopf) und verdankt seinen Namen der speziellen Farbe. Diese entsteht durch einen physikalischen Effekt, wenn sich das Sonnenlicht im Trichter des Blautopfs, der 22 Meter tief ist, bricht.

Je nach Lichteinfall ist die Farbe mehr oder weniger intensiv – und stets faszinierend. Auch die Umgebung trägt zu einem märchenhaften Eindruck bei, denn der Blautopf liegt an der alten Mühle, umrahmt von einem dichten Wald.

Der Grund des Sees bildet den Eingang zur Blautopfhöhle – und diese birgt noch so einige Geheimnisse. Bisher konnten Taucherinnen und Taucher eine Länge von elf Kilometern erforschen, es ist damit das größte Höhlensystem der Schwäbischen Alb. Tatsächlich wird aber vermutet, dass es noch deutlich größer ist. Spektakulär ist beispielsweise die mit Luft gefüllte Höhlenhalle Mörikedom, die 25 Meter breit, 30 Meter hoch und 125 Meter lang ist.

Nahe Ulm liegt der Blautopf, eingerahmt vom mittelalterlichen Kloster und der alten Schmiede mit ihrem Mühlrad.

9. Seepyramide: Grabstätte des Fürsten von Pückler-Muskau

Ihm wird die Erfindung der gleichnamigen Eisspeise zugesprochen, er war Exzentriker, reiseliebend und fasziniert von Gartengestaltung: Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785–1871). So ungewöhnlich sein Leben war, so musste auch sein Ende sein, hat Pückler beschlossen und ließ eine circa 13 Meter hohe Pyramide bauen.

Seit 1871 ist die Seepyramide die Grabstätte des Fürsten und seiner Frau Lucie, die 1884 in die Pyramide umgebettet wurde. Seitdem liegen die beiden in einem mit Erde gefüllten Stollen auf der Nordostseite der Pyramide.

Seepyramide, Grabstätte von Fürst Pückler und Fürstin Lucie von Pückler-Muskau, Branitzer Park, Fürst Pückler Park, Cottbus, Brandenburg, Deutschland, Europa *** sea pyramid, Gravesite from Prince Pückler and Princess Lucie from Pückler Muskau, Branitzer Park, Prince Pückler Park, Cottbus, Brandenburg, Germany, Europe Copyright: imageBROKER/MichaelxNitzschke ibxtlo08349074.jpg Bitte beachten Sie die gesetzlichen Bestimmungen des deutschen Urheberrechtes hinsichtlich der Namensnennung des Fotografen im direkten Umfeld der Veröffentlichung! IMAGO/imagebroker

Die Grabpyramide ist das Wahrzeichen der durch den Landschaftsarchitekten Pückler gestalteten Parkanlage in Branitz bei Cottbus. Sie wurde 1856 innerhalb weniger Monate auf einer ebenen grünen Wiese errichtet, mit wildem Wein bepflanzt und ein künstlicher See wurde darum angelegt. Besonders im Herbst hebt sich die Pyramide dank des roten Laubes von der Umgebung ab.

10. Vilm: Wildes Ostsee-Eiland

Sie versteckt südöstlich von Rügen im Greifswalder Bodden: die Insel Vilm. Die kleine Insel ist besonders, da sie nicht bewohnt und somit ein Naturparadies mit einem der letzten Urwälder Deutschlands ist. Besucherinnen und Besucher können Vilm ausschließlich im Rahmen von Führungen betreten. Doch das lohnt sich! Du musst aber früh buchen, denn von Frühjahr bis in den Herbst dürfen maximal 60 Interessierte pro Tag auf die Insel.

Vilm von oben: Auf der Insel vor Rügen erwarten dich alte Baumriesen und Urwald.

Auf nur einem einzigen Wanderpfad kannst du dann die 2,5 Kilometer lange Insel umrunden. Die geführte Wanderung passiert zunächst elf reetgedeckte Häuser: Die ehemaligen Ferienhäuser der SED-Prominenz, gehören seit 1990 zum Bundesamt für Naturschutz und dessen Naturschutzakademie. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Naturschützer und Naturschützerinnen nutzen die Gebäude für Workshops und Seminare. Urlaubenden ist das Übernachten auf Vilm verboten.

Das bewahrt unter anderem Vilms einzigartige Natur, etwa die Wiesen mit seltenen Blumen wie Schwalbenwurz, Milchkraut oder Leberblümchen. Der Rundweg schlängelt sich auch durch den fast unberührten Teil der Insel. Hier stehen uralte Bäume, darunter bizarr geformte Eichen und Buchen, die den Pfad säumen. Die Natur auf Vilm ist seit fast 500 Jahren sich selbst überlassen. Daher sind einige Baumriesen bereits 650 Jahre alt und verleihen dem Wald eine mystische Atmosphäre.