Galt Schlaf vor einigen Jahren noch als Zeitverschwendung, ist er mittlerweile zu einem teuren Gut geworden. Barack Obama und Angela Merkel gaben an, mit täglich unter sechs Stunden Schlaf auszukommen. Doch diese Einstellung gehört genauso der Vergangenheit an wie die Amtszeit der beiden: Schlaf wird gefördert, getrackt und in immer neuen Apps verglichen. Eine Gesellschaft denkt um – und mit ihr eine ganze Branche: Der Schlaftourismus boomt, wie „CNN“ berichtet.

Die Vorstellung, in den Urlaub zu fahren, um zu schlafen, und nicht, um etwas zu erleben, scheint erst einmal ungewöhnlich. Doch wer kennt nicht das Gefühl, nach der Reise weitere freie Tage zu brauchen, um sich vom Urlaub zu erholen? Und genau da setzt der Schlaftourismus an – die Schlafbedürfnisse der Reisenden sollen erfüllt werden. Weltweit werben immer mehr Hotels und Resorts mit ihren speziellen Schlafangeboten. Wir stellen ein paar vor.

In den Schlaf schaukeln

In New York erwartet dich im Park Hyatt in der 900 Quadratmeter großen Schlafsuite ein ganz besonderes Schlaferlebnis: Neben Schlafmasken, Büchern zum Thema Schlaf und einem Schlaf fördernden Raumduft soll vor allem das intelligente Bett für eine unvergessliche Nachtruhe sorgen.

Das Bett passt sich dynamisch an, um Druckpunkte beim Schlafen zu entlasten, und kontrolliert das Klima in unterschiedlichen Schlafphasen.

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Selbst in der Stadt, die niemals schläft, ist guter Schlaf zu finden.

„Das Bett hilft, Jetlag zu bekämpfen, schneller einzuschlafen und länger durchzuschlafen“, heißt es auf der Homepage. Außerdem kann ein sanfter Wellenrhythmus in der Matratze aktiviert werden, der die Besucher sanft in den Schlaf gleiten lässt.

Die Präferenzen können von den Gästinnen und Gästen gespeichert werden – bei einer Rückkehr können sie so auf ihr persönliches Bettprofil zugreifen.

Dornröschenschlaf in Paris

Die Rosewood Hotels und Resorts haben Anfang des Jahres gleich mehrere Rückzugsorte für Schlaftouristinnen und -touristen unter dem Namen „Alchemy of Sleep“ veröffentlicht.

Mit Schlaf anregenden Behandlungen soll die Erholung der Besucherinnen und Besucher gefördert werden. „Wir haben unsere Alchemy-of-Sleep-Erlebnisse so konzipiert, dass sie den Gästen Werkzeuge zur Verfügung stellen, die sie benötigen, um langsamer zu werden und dauerhafte Schlafhygienegewohnheiten zu entwickeln“, sagt Regionaldirektor Emmanuel Arroyo.

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In Paris etwa erwartet die Besucherinnen und Besucher das „Dornröschen-Set“, das zu einem tiefen und erholsamen Schlaf verhelfen soll. Personalisierte Botschaften, Meditationssitzungen und eine Schlafberatung sollen den erholsamen Schlaf auch zu Hause fördern.

Mit Klangschalen sollen im Six Senses Resort in Guangzhou Gehirnwellen für einen besseren Schlaf stimuliert werden.

In dem Resort in Guangzhou setzt man dagegen mehr auf Massagen, Klangheilung, Meditation und den Einsatz von traditionellen chinesischen Kräutern. Auf Saint-Barthélemy wird mit einer bestimmten Geräuschtherapie versucht, Ruhe und inneren Frieden zu finden. Mit den Klängen sollen Gehirnwellen für einen traumhaften Zustand aktiviert werden.

Auf den Britischen Jungferninsel setzt das Rosewood auf Reflexzonen- und Aromatherapie, um den Körper von Spannungen zu befreien. Kurz vor dem Zubettgehen können die Besucherinnen und Besucher am Yoga Nindra, auch bekannt als „Yogischer Schlaf“, teilnehmen und so bereits bei vollem Bewusstsein einen Zustand der Entspannung erleben – unter dem Sternenhimmel.

Schallisolierung für angenehme Träume

Im Zedwell Hotel in London wird die Geräuschkulisse auf ein Minimum reduziert, um so den Schlaf zu fördern.

Auch in der hektischen Metropole London muss guter Schlaf nicht länger ein Tagtraum bleiben: 2020 eröffnete dort das Zedwell, Londons erstes auf Schlaf ausgerichtetes Hotel. Mit innovativer Schallisolierung und Verzicht von Fernsehern soll die Schlafqualität verbessert werden. Getreu dem Hotelslogan: Einchecken, um abzuschalten.

Ein Jahr später folgte das Cadogan mit einem „Schlaf-Concierge“. Er verwöhnt die Besucherinnen und Besucher auf Wunsch mit Schlaf anregenden Meditationen, einer großen Kissenauswahl, Gute-Nacht-Tee oder einer Gewichtsdecke.

Wissenschaft im Hotelzimmer

Andere Unterkünfte sind beim Schlaftourismus noch einen Schritt weitergegangen und haben sich die Wissenschaft an die Seite geholt. In den Luxushotels von Six Senses wird der Schlaf der Gästinnen und Gäste zwei Nächte lang getrackt und liefert so Informationen über das jeweilige Schlafverhalten.

In der Schweiz hat sich das Mandarin Hotel mit einer privaten Schlafklinik zusammengetan, um in einem dreitägigen Programm mögliche Schlafprobleme aufzudecken.

Im Luxushotel von Six Senses wird der Schlaf der Gästinnenund Gäste zwei Nächte lang aufgezeichnet.

Corona rückt Schlaf in den Fokus

Doch woher kommt der Trend des Schlaftourismus? Spätestens seit den zwangsläufigen Ruhepausen durch die Corona-Lockdowns hat bei vielen ein Umdenken begonnen: raus aus der Schnelllebigkeit und Hektik des Alltags, rein in die Ruhe und Entschleunigung.

„In der Covid-19-Ära wurde dem Schlaf erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt. Wahrscheinlich, weil so viele Menschen mit ihm zu kämpfen hatten“, sagt Dr. Rebecca Robins, Schlafforscherin, gegenüber „CNN“.

Auch für Daniela Moore vom Rocco Forte Hotel in London ist ein klarer Zusammenhang zwischen Corona und der Nachfrage im Schlaftourismus erkennbar. „Schlaf ist so wichtig, und wir haben festgestellt, dass es nach Lockdowns und Covid einen Trend im Schlaftourismus gibt“, sagte sie gegenüber „CNN“.

Das Hotel in Mayfair bietet seit Kurzem ein zweitägiges Schlaf-Erlebnis an, das den Gästinnen und Gästen helfen soll, „völlig erfrischt aus einem ungestörten Schlaf zu kommen“. Was wünscht man sich mehr für einen gelungenen Urlaub?