In Deutschland gibt es fast 100 Inseln in der Nordsee und Ostsee. Wie bunte Kleckse zieren sie die Meere vor der Küste. Manche sind so klein, dass man sie auf der Landkarte kaum ausmachen kann. Doch so klein die Inseln auch sein mögen, so spannend sind ihre Geschichten.

Wir zeigen dir die zehn kleinsten Inseln Deutschlands – und welches Geheimnis sich auf ihnen verbirgt.

1. Ruden: 0,4 Quadratkilometer

In der Mündung des Peenestroms vor der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns findest du die Insel Ruden, die gerade mal 2,2 Kilometer lang und 390 Meter breit ist. Ruden war einst Grenz- und Beobachtungsstation. Soldaten kontrollierten von dort aus die Probeflüge von Hitlers V2-Raketen, zu DDR-Zeiten überwachten Grenzschützer ein- und auslaufende Boote. 

Die Ostseeinsel Ruden misst nur 0,4 Quadratkilometer.

Es gibt auf der Insel weder Strom noch fließendes Wasser. Bis November 2015 hatte die kleinste Insel Deutschlands zwei Einwohner, danach übernahm der Verein Jordsand die naturschutzfachliche Betreuung.

Seit 2021 lebt wieder ein Paar auf der Insel und der Hafen, der fünf Jahre geschlossen war, wurde saniert und in Betrieb genommen. Nun ist die Insel wieder für Gäste zugänglich, die für eine geführte Tour nach Ruden kommen können. Das Schiff legt von der Insel Usedom ab.

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2. Greifswalder Oie: 0,6 Quadratkilometer

Zwölf Kilometer vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns zwischen Usedom und Rügen befindet sich ein schmaler Streifen Land: Die Greifswalder Oie ist 1550 Meter lang und zwischen 350 und 570 Meter breit. Zu DDR-Zeiten war die Greifswalder Oie Sperrgebiet. NVA-Soldaten waren dort stationiert und lauschten Richtung Westen, Raketenwissenschaftler des Dritten Reiches testeten auf der Insel die erhoffte Wunderwaffe V1.

Der schmale Landstreifen in der Ostsee ist ein Paradies für Ornithologen.

Heute sind auf der Greifswalder Oie die Vögel an der Macht. Seit 1990 betreibt der Verein Jordsand einen der wenigen ganzjährig besetzten Außenposten. Neben Vogelkundlern leben immer wieder Zivis und Jugendliche auf der Oie, die ein Ökologisches Jahr absolvieren. Nur ein Seenotrettungskreuzer sowie die „MS Seeadler“ dürfen die Insel ansteuern – und mit jeder Fahrt maximal 50 Passagiere.

3. Öhe: 0,7 Quadratkilometer

Eine Insel mit drei Buchstaben, zwei Wohnhäusern, einer Familie, einem Hund, 140 Rindern und 60 Heidschnucken: Familie Schilling lebt alleine auf Öhe, einer Insel im Privatbesitz, die nahe vor der Küste von Rügen liegt. Schon seit dem 14. Jahrhundert befindet sich die Insel in privater Hand.

Auf ihrer Insel betreibt die Familie eine Bio-Insel-Rinderzucht, die Produkte kommen in Schaprode im nordwestlichen Teil des Rügener Muttlandes auf den Tisch. Hier führen die Schillings die ehemalige Dorfgaststätte Schillings Gasthof direkt an der Hafenkante. Besuchen darf man die Privatinsel nicht, dafür kann man im reetgedeckten Gästehaus der Familie in Schaprode einchecken – mit direktem Blick auf die Insel Öhe.

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4. Vilm: Ein Quadratkilometer

Eine Insel mit DDR-Vergangenheit ist Vilm, die etwa 2,5 Kilometer vor der Südküste von Rügen liegt. Nur ausgewählte Mitglieder der SED-Führungsriege wie Erich Honecker oder Walter Ulbricht durften ihren Urlaub auf Vilm verbringen. Heute gehört Vilm zu der auf Rügen gelegenen Stadt Putbus und ist Teil des Naturschutzgebiets Insel Vilm. 

Die Ferieninsel Vilm ist berühmt für ihre DDR-Vergangenheit.

In den ehemaligen Ferienhäusern der SED-Prominenz haben seit 1990 das Bundesamt für Naturschutz und seine Naturschutzakademie einen Sitz. Wer die Insel besichtigen möchte, muss sich anmelden und eine geführte Exkursion buchen. Am Tag dürfen maximal 60 Gäste die Insel Vilm besuchen.

5. Görmitz: Ein Quadratkilometer

Im Achterwasser von Usedom östlich der Halbinsel Gnitz liegt die kleine Insel Görmitz, die gerade mal einen Quadratkilometer misst. Seit den späten 1960er-Jahren spielte die Insel eine Rolle bei der Usedomer Erdölförderung, heute ist Görmitz als Naturschutzgebiet bekannt. Besucher und Besucherinnen werden geduldet, sollten sich aber unbedingt an die markierten Wege halten.

In der Mitte der Insel befinden sich ein bewohnter Bauernhof, Reste eines Ferienheims und im Süden ein ehemaliges Leuchtfeuer. Vier Menschen leben dort, es wird aber gemunkelt, dass es mehr werden könnten: Medienberichten zufolge ist der Bau von Ferienunterkünften auf Görmitz in Planung.

6. Dänholm: Ein Quadratkilometer

Zwischen Stralsund und Rügen ist die kleine Ostseeinsel Dänholm zu finden, die zur Hansestadt Stralsund gehört. Nur etwa 120 Menschen leben auf der Insel, die sehr gut erreichbar ist. Die Ziegelgrabenbrücke verbindet Dänholm mit dem Festland, die Rügendammbrücke mit der Insel Rügen.

Die Insel Dänholm ist durch die Strelasundbrücke mit der Stadt Stralsund verbunden.

Dänholm ist bekannt für seine lange Militärgeschichte: Die Insel gilt als die Geburtsstätte der Preußischen Marine. Heute gibt es deshalb zwei spannende Museen: Das Marinemuseum ist der Geschichte der deutschen Marine gewidmet, im Nautineum dreht sich alles um regionale Fischerei und Meeresforschung.

7. Helgoland: 2,1 Quadratkilometer

Deutschlands einzige Hochseeinsel – so wird Helgoland gerne bezeichnet. Die zu Schleswig-Holstein gehörende Insel ist nämlich anders als die meisten Nordseeinseln nicht flach, sondern in Unter-, Mittel- und Oberland aufgeteilt. Um den „Höhenunterschied“ zu bewältigen, nimmt man 184 Stufen oder den Fahrstuhl.

Helgoland ist die einzige Hochseeinsel Deutschlands.

Im Jahr 1721 zerbrach Helgoland in zwei Teile. Seitdem gibt es die Hauptinsel Helgoland mit ihrer Nebeninsel Düne. Zusammen hat die Insel trotzdem nur eine Fläche von 2,1 Quadratkilometern. Die Highlights sind die Felsformation Lange Anna, die Hummerbuden am Hafen und die Seehunde und Kegelrobben, die auf der Düne am Strand chillen. Fun-Fact: Helgoland ist amtsfrei, was bedeutet, dass keine Zollgebühren und Verbrauchsteuern erhoben werden.

8. Gröde-Appelland: 2,8 Quadratkilometer

Einen Urlaub abseits der Massen – im wahrsten Sinne des Wortes – erlebst du auf der Hallig Gröde-Appelland. Die kleine Marschinsel entstand aus den beiden Halligen Gröde und Appelland, die früher getrennt waren. Heute misst das Inselchen gerade mal 2,8 Quadratkilometer.

Eine kleine Wohnsiedlung auf der Hallig Gröde.

Appelland im Norden ist nicht mehr bewohnt, während in Gröde immerhin zwölf Menschen leben. Da die Hallig im Jahresverlauf durchschnittlich zwanzig- bis dreißigmal geflutet wird, spielt sich das Leben der Einwohner auf zwei Warften ab, die je von einem Ringdeich umgeben sind.

Auf der Knudtswarft leben Bewohnerinnen und Bewohner sowie Gäste, auf der Kirchwarft befindet sich die Gröder Kirche St. Margarethen und die Schule. Reisende können auf Gröde aus fünf Ferienwohnungen für zwei bis fünf Personen wählen. Die Vermieter bieten für die Versorgung vom Festland einen Lebensmittelservice an.

9. Neuwerk: 3,6 Quadratkilometer

Im südöstlichen Teil der Helgoländer Bucht, ungefähr 15 Kilometer nordwestlich von Cuxhaven, findest du die Insel Neuwerk, die gerade mal 3,6 Quadratkilometer „groß“ ist. Noch bis Ende der 1960er-Jahre lebten die Einwohnerinnen und Einwohner hauptsächlich von der Landwirtschaft. Heute ist der Tourismus Haupteinnahmequelle. 

Der Weg auf die Insel Neuwerk führt durch das Nordseewatt.

Auf Neuwerk leben nur 25 Menschen, in den Sommermonaten strömen aber rund 100.000 Reisende auf die Insel. Deshalb gibt es auch etwa 170 Gästebetten, verschiedene Campingmöglichkeiten, Plätze in Strohlagern und mehrere Schullandheime. Je nach Tide führt der Weg mit dem Schiff oder Wattwagen auf die Insel.

10. Scharhörn: 4,1 Quadratkilometer

Lediglich ein Bewohner lebt auf der Insel Scharhörn, die im innersten Winkel der Helgoländer Bucht zu finden ist und zu Hamburg gehört: Die Insel gilt als Hamburgs nördlichster Punkt und ist etwa 4,1 Quadratkilometer groß. Scharhörn ist knapp sechs Kilometer von Neuwerk entfernt und kann über eine Wattwanderung oder Wattwagentour erreicht werden.

Der einzige Insulaner ist der Vogelwart, der Besucherinnen und Besucher über die Insel begleitet. 1900 wurde Scharhörn als Brutplatz für seltene Seeschwalben entdeckt und später zum Naturschutzgebiet erklärt. Lange zuvor war die Insel unter Seefahrern bekannt: „Scharhörn“ bedeutet so viel wie „scharfer Winkel“, da die Insel als Hindernis für einfahrende Schiffe galt. Noch heute kann man Wrackteile der damals verunglückten Schiffe sehen.