Wohin soll die Reise gehen? Die Hoffnung, dass sich die Corona-Lage im nächsten Jahr entspannt zeigt, lässt viele Menschen derzeit ihren Urlaub buchen. Auch die erschütternden Kriegsbilder aus der Ukraine und die steigenden Energiekosten wirken sich nur wenig auf die Reiselust aus.

Tui: Bedürfnis nach Sicherheit

„Reisen bleibt für die Menschen eine Herzensangelegenheit, auch in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten“, sagt Anja Braun, Leiterin Presse Tourismus bei Tui. „Allerdings ist durch die Inflation das Bedürfnis nach Sicherheit aktuell groß, sodass zum einen mehr Pauschalreisen gebucht werden als individuelle Trips und zum anderen die Nachfrage nach All-inclusive-Angeboten deutlich steigt.“ Als Beweggründe nennt Braun Preistransparenz und Budgetsicherheit.

Ziele wie Ägypten, Tunesien, die Türkei oder die Kapverden, die mehr als 90 Prozent All-inclusive-Unterkünfte haben, würden deshalb deutlich profitieren.

„In den Wintermonaten sind Langzeitaufenthalte besonders gefragt. Immer mehr Reisende sehen darin eine attraktive Alternative zum hiesigen Winter, auch um im Süden bei warmen Temperaturen zu arbeiten“, sagt die Tui-Sprecherin. „Mit den neuen Möglichkeiten des Homeoffice und den flexiblen Arbeitszeitmodellen hat der Trend Workation eine ganz neue Klientel geschaffen. Daher bieten wir vor allem bei den eigenen Marken wie Robinson, Tui Magic Life und Tui Blue attraktive Arbeitsmöglichkeiten in der Sonne.“

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Dort gebe es auch besondere Workation-Möglichkeiten mit speziell eingerichteten Zimmern mit Schreibtisch, Bürostuhl und Drucker. Optionen, die es auch in den Sommermonaten geben soll.

„Der Trend zu kurzfristigen Buchungen hält weiter an“, sagt Braun. „Allerdings werden wieder mehr Urlauberinnen und Urlauber günstige Frühbucher-Angebote nutzen als noch in diesem Jahr, sodass das Tourismusgeschäft insgesamt wieder langfristiger sein wird.“

Die Trendziele für 2023

Und wo geht es hin? „Mittelmeerziele in Spanien – hier allen voran die Balearen – sowie in Griechenland und der Türkei bleiben auch 2023 die wichtigsten Auslandreiseziele.“ Auf den Fernstrecken würden Destinationen wie die Malediven und die Dominikanische Republik, die auch während der Pandemie bereist werden konnten, weiterhin gefragt sein.

Das Lhaviyani-Atoll auf den Malediven ist ein schönes Reiseziel – wenn das Wetter stimmt.

Nachholbedarf erwarte Tui vor allem für Ziele, die erst später wieder geöffnet haben, wie etwa Thailand und die USA. Der neue „Shootingstar“ in der Ferne sei Sansibar. Und: „Ganz neu im Angebot und bereits gefragt ist der Senegal mit seinen Traumstränden, tropischen Wäldern, unberührten Wüstenlandschaften und spannenden Städten.“

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Dertour: Aus für spontane Billigtrips

„Der Reiseverzicht während der Pandemie hat den Stellenwert des Reisens deutlich erhöht“, sagt Sven Schikarsky, Produktchef von Dertour und seinen Schwestermarken Jahn Reisen, ITS und Meiers Weltreisen. „Dementsprechend war 2022 bislang von starken Nachholeffekten und dem Trend zu Premium-Reisen geprägt.“ Schikarsky geht davon aus, dass die wiederentdeckte Lust am Reisen auch 2023 anhält.

Die vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass die Gäste Wert auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis legen. „Preisattraktive Ziele werden im kommenden Jahr aufgrund der allgemeinen Kostensteigerungen sicher sehr gefragt sein“, sagt Schikarsky, der aber glaubt, dass hochwertiger Urlaub ebenfalls angesagt sein wird.

Insgesamt sei der Wunsch nach Exklusivität und Individualität zu beobachten. „Gebucht werden höherwertige Hotels mit mehr Sternen und höhere Zimmerkategorien“, so der Dertour-Produktchef.

Auch das Bedürfnis nach möglichst viel Privatsphäre würde die Buchungsentscheidungen beeinflussen: „Zimmer mit mehr Privatsphäre und eigenem Pool wie zum Beispiel auf den Malediven werden stärker nachgefragt als noch vor der Pandemie.“

Zu den Top-Destinationen des Sommers 2023 zählt Schikarsky die Türkei, Griechenland, Mallorca, Tunesien und Ägypten, aber auch Kroatien, Italien, Norwegen, Schweden und nicht zuletzt Deutschland. Für die Fernstrecke sieht er die Malediven sowie die Karibik – vor allem die Dominikanische Republik, Kuba sowie Mexiko –, die USA, Thailand und Mauritius.

Die Reise mit dem Rocky Mountaineer führt zwischen Denver und Moab durch außergewöhnliche Landschaften wie den Red Canyon.

Ära der Last-minute-Schnäppchen vorbei

Die klassischen Last-minute-Schnäppchen gebe es nicht mehr. „Die Ära der spontanen Billigtrips ist 2023 vorbei. Wer günstig Urlaub machen möchte, bucht früh“, weiß Schikarsky, der festgestellt hat, dass sich bereits zur Wintersaison die Vorausbuchungsfrist tendenziell verlängert hat. „Reisen werden 2023 wieder bewusster geplant werden – allerdings mit dem Wunsch nach Flexibilität.“ Das habe sich in den vergangenen zwei Jahren fest verankert. Dertour bediene diesen Wunsch mit zubuchbaren Flex-Paketen.

„Nach der Flugsituation des diesjährigen Sommers und mit Blick auf tendenziell steigende Flugkosten werden sicherlich auch einige Reisende wieder über Autoreisen nachdenken – ein Segment, das wir in der Pandemie stark ausgebaut haben“, sagt Schikarsky. „Zudem werden auch Bahnreisen weiter zunehmen. Auch in diesem Bereich verstärken wir unser Angebot.“

Geoplan: Asiatische Länder nachgefragt

Geoplan als Reiseveranstalter für individuelle, maßgeschneiderte Angebote sieht „eine zunehmende Tendenz zu Reisen, die auf die Wünsche der Kunden zugeschnitten sind“, sagt Angela Harde, Head of Product & Operations des Berliner Unternehmens. Außerdem würden Reisende, bei denen das Budget nur eine untergeordnete Rolle spielt, weiter wie bisher Urlaub machen. Häufig würden zudem Pläne, die in den vergangenen zwei Jahren nicht umgesetzt werden konnten, nun nachgeholt.

„Stark nachgefragt sind seit der Öffnung aktuell vor allem Reisen nach Japan. Mit dieser Nachfrage rechnen wir auch in 2023“, sagt Harde. „Aber auch das Interesse an Reisen in andere asiatische Länder, nach Afrika, die Karibik, Nordamerika und Lateinamerika ist ungebremst.“

Geoplan hat zum 1. Oktober 2022 KIWI Tours, langjähriger Münchner Spezialist für Reisen in die Pazifikregion und für Gruppenreisen weltweit, übernommen. Damit will sich Geoplan zum einen mit seinem Programm für den pazifischen Raum breiter aufstellen, zum anderen auch seine Position im Bereich Sondergruppenreisen stärken.

Gebeco: Trend zu kurzfristiger Entscheidung

Der Reiseveranstalter Gebeco erwartet eine weitere Belebung des touristischen Marktes, und zwar weltweit. „Nach Öffnung vieler Destinationen in der Ferne erfolgt die Belebung hier mit etwas Zeitverzug in allen Ländern, die einfach und ohne Auflagen bereisbar sind“, sagt Geschäftsführer Michael Knapp, der für den Sommer 2023 auch weiterhin ein sehr starkes Europa-Geschäft prognostiziert.

Insgesamt würde das Segment von Studien- und Erlebnisreisen ein reisewilliges und zahlungskräftiges Publikum ansprechen, „das einerseits besonders krisenresistent, andererseits aber sehr sicherheitsorientiert ist“.

Beliebtes Fotomotiv: Der Apollon-Tempel in Side.

In den vergangenen Wochen sei vor allem der Trend zur kurzfristigen Entscheidung erkennbar, so Knapp. Dieser Trend werde sich fortsetzen, da Kundinnen und Kunden „das Marktgeschehen und die aktuellen wirtschaftlichen wie politischen Entwicklungen abwarten und gleichzeitig die Corona-Entwicklung im Herbst und Winter genau beobachten“. Die Einflussfaktoren würden sich schwer vorhersehen lassen, sie „haben aber großen Einfluss auf das Maß der Wiederbelebung“.

Alltours Flugreisen rechnet mit starkem Reisesommer

Alltours Flugreisen geht davon aus, dass auch im Jahr 2023 die Lust auf Urlaubsreisen ungebrochen hoch sein wird. Der Veranstalter rechnet damit, dass es „vor dem Hintergrund der vergangenen von Corona dominierten Jahre und der gegenwärtigen politischen Situation auch im kommenden Jahr ein starkes Bedürfnis nach Erholung und Ablenkung vom Alltag geben wird“, sagt Unternehmenssprecher Jens Völmicke.

Er sieht vor allem einen starken Reisesommer: „Der gegenwärtige Buchungseingang für den Sommer 2023 liegt bereits über dem Buchungseingang des vergangenen Jahres.“

Alltours Flugreisen erwartet, „dass im kommenden Sommer Deutschland, Österreich und die Niederlande von Gästen mit eigener Anreise als Top-Ziele bevorzugt gebucht werden“, sagt Völmicke. „Bei den Pauschalreisen werden Spanien, Griechenland, Ägypten und die Türkei die volumenstärksten Reiseziele sein. Und Destinationen mit ausgesprochen gutem Preis-Leistungs-Verhältnis wie Ägypten und die Türkei werden weiter an Popularität gewinnen.“