Frankreich hat bekanntlich viele schöne Dörfer, doch nur die schönsten von ihnen dürfen sich zur illustren Gruppe „Les plus beaux villages de France“ zählen. Mit diesem Titel schmücken sich landesweit 168 Gemeinden.

Sieben von ihnen liegen rund um das Massiv des Luberon – eines felsigen Gebirgszuges, der sich aus der Ebene der Provence bis auf mehr als 1100 Meter erhebt. Die Gegend ist reich an Geschichte, Kultur sowie Weingütern, und im Frühsommer leuchtet das Land im Blau der Lavendelfelder.

Ein Highlight sind die wöchentlichen Markttage, an denen sogar die sonst ruhigsten Dörfer für ein paar Stunden aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen. Du kannst die Landschaft des Luberon zwar in einer guten Stunde mit dem Auto durchqueren, aber die Provence entfaltet ihren Charme vor allem, wenn du dir Zeit nimmst. Mit seinen 250 Kilometern an Radwegen lässt sich der Luberon auch bestens mit dem Fahrrad entdecken. Wir stellen dir einige der schönsten Dörfer des Luberon vor.

1. Lacoste: Sex, Drugs und ein Modezar

Wie Schwalbennester kleben die Häuser des mittelalterlichen Lacoste am Nordhang des Petit Luberon. Die meist menschenleeren Kopfsteinpflastergassen führen hinauf zur mittelalterlichen Burgruine. Mit dem gleichnamigen Modelabel hat Lacoste nichts zu tun. Dafür residierte hier im 18. Jahrhundert der berüchtigte Marquis de Sade und feierte – wenn er nicht gerade wegen Unzucht im Gefängnis saß – zahlreiche seiner Orgien im Schloss.

Wie Schwalbennester kleben die Häuser des mittelalterlichen Lacoste am Nordhang des Petit Luberon.

Im Lauf der Jahrhunderte erging es Lacoste wie vielen der kleinen Bergdörfer: Immer mehr Bewohnerinnen und Bewohner wanderten ab in die Städte. Seit wenigen Jahrzehnten steigen die Einwohnerzahlen wieder. Vor einiger Zeit erwarb der Modeschöpfer Pierre Cardin die Burgruine, die in den Sommermonaten besichtigt werden kann.

So hängt Lacoste nun doch mit der Mode zusammen. Auch kulturell blüht der Ort mit zahlreichen Veranstaltungen wieder auf.

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Tipp: Auf der Terrasse des Café de France lässt sich der grandiose Ausblick über das weite Tal und auf das gegenüberliegende Bonnieux genießen.

2. Cucuron: Mehr als eine filmreife Kulisse

Cucuron liegt an den südlichen Ausläufern des Luberon. Von der ehemaligen Zitadelle ist heute nur noch der klobige Bergfried Saint-Michel auf dem Hügel mit seinen windgebeugten Pinien übrig. Auf der anderen Seite der Altstadt bildet die Kirche Notre-Dame de Beaulieu den Gegenpol.

Cucuron liegt an den südlichen Ausläufern des Luberon.

Wer Cucuron im Mai oder Juni besucht, wundert sich vielleicht über die am Kirchturm lehnende Pappel. Der Brauch reicht zurück bis ins Jahr 1720, als die Pest Cucuron verschonte. Die Reste der Stadtbefestigung zeugen von der ehemaligen Bedeutung des Ortes.

Das eigentliche Zentrum Cucurons bildet aber das im 16. Jahrhundert als Löschbecken angelegte, rechteckige Bassin de L’Etang. In den Bistros um das überdimensionierte Wasserbecken mit seinen 200 Jahre alten, hohen Platanen lassen Einheimische und Reisende den Tag an sich vorübertreiben.

In den Bistros rund ums das Bassin de L’Etang lassen Menschen den Abend an sich vorübertreiben.

Kommt dir der L’Etang bekannt vor? Dann hast du es wahrscheinlich schon einmal auf der Leinwand gesehen: Cucuron ist eine beliebte Kulisse für Filmemacher. Unter anderem wurde hier „A Good Year“ gedreht, in dem sich Russell Crowe vom Londoner Investmentbanker zum provenzalischen Weingutbesitzer wandelt.

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3. Gordes: Akropolis des Luberon

Dass Gordes zu den schönsten Dörfern Frankreichs gezählt wird, ist schon auf den ersten Blick klar, lange bevor man die Stadt erreicht. Imposant zeichnet sich die steinerne Silhouette Gordes’ auf dem Ausläufer eines Hochplateaus ab. So viel Schönheit bleibt nicht unbemerkt: In der Altstadt drängen sich in den Sommermonaten die Touristinnen und Touristen durch die engen Gassen rund um das Château de Gordes.

Die Abbaye de Sénanque nahe dem Bergdorf Gordes ist wegen der Lavendelfelder, von denen sie umgeben ist, ein beliebtes Fotomotiv. Das Zisterzienserkloster kann aber auch besichtigt werden.

Die Zitadelle stammt aus dem elften Jahrhundert, ihre heute sichtbare Form mit den charakteristischen Wehrtürmen erhielt sie in der Renaissance. Gordes bietet seinen Besucherinnen und Besuchern neben der spektakulären Lage eine reiche Auswahl an Cafés, Restaurants und Kunstateliers.

Ebenfalls sehenswert: Das „Village des Bories“ – das Freilichtmuseum ein paar Kilometer außerhalb mit seinen restaurierten kegelförmigen Steinhäusern, die Schafhirten und Bauern im 17. Jahrhundert in Trockenbauweise ohne Mörtel errichteten.

4. Bonnieux: Das Dorf der Päpste

Wie in den meisten Dörfern des Luberon musst du auch beim Besuch von Bonnieux einige Höhenmeter auf dich nehmen. Den höchsten Punkt des Dorfes markiert die alte Kirche (Vieille église) aus dem zwölften Jahrhundert, ganz unten im jüngeren Dorfteil befindet sich die neue Kirche (Église neuve) aus dem 19. Jahrhundert.

Mit seinen rund 1200 Einwohnerinnen und Einwohnern ist Bonnieux im Gegensatz zu manch anderer Gemeinde in dieser Region quicklebendig. In den Sommermonaten wird die alte Kirche zur Kulisse für klassische Konzerte. Die Gegend von Bonnieux war bereits in paläolithischer Zeit bevölkert, später zog sich dann die römische Via Domitia auf dem Weg von Italien nach Spanien durch das Gebiet.

Bonnieux gilt als das Dorf der Päpste.

1274 ging Bonnieux über in den Besitz der damals in Avignon residierenden Päpste. Wunderbare Ausblicke auf die im weiten Tal liegenden Weingärten und Lavendelfelder bietet gerade zum Sonnenuntergang das italienische Lokal La Terrazza di Bonnieux. Außerdem sehenswert: Das Bäckereimuseum Musée de la Boulangerie zeigt alte Brot- und Backtradition.

5. Roussillon: Wie von einer anderen Welt

Bereits auf dem Weg nach Roussillon verändert sich die Landschaft. Ein unwirklicher, rötlicher Schimmer legt sich über die Felder, es ist ein wenig so, als wäre man auf dem Mars. Die Farbe wird durch das Eisenoxid im Boden verursacht.

Die Legende hat freilich eine andere Erklärung: Im Mittelalter war ein junges Mädchen mit Raymond d’Avignon verheiratet, dem Herrn von Roussillon. Als Raymond davon Wind bekam, dass seine junge Frau einen Geliebten hatte, ermordete er diesen und servierte sein Herz Sermonde zum Abendessen. Sermonde stürzte sich daraufhin vom Gipfel des Roussillon und die Erde ringsum färbte sich rot von ihrem Blut.

Die ockerfarbenen Schattierungen tauchen das Dorf Roussillon und seine Umgebung in eine wunderbare Stimmung.

Von solch grausamen Szenen ist im heutigen Roussillon nichts zu spüren. Die ockerfarbenen Schattierungen tauchen das Dorf und seine Umgebung in eine wunderbare Stimmung. Der Ort ruht in sich selbst, trotz der vielen Touristinnen und Touristen, die im Sommer durch die Gassen schlendern.

Der Hauptweg schraubt sich empor zum Burgberg und eröffnet dabei immer wieder einzigartige Fotomotive. Unbedingt einplanen: Den etwa einstündigen Ockerpfad (Sentier des Ocres), der durch die rötlichen Felsen des Roussillon führt.

6. Lourmarin: Der perfekte Plan

Das schon fast im Flachland liegende Lourmarin ist ein Muss für alle, die den Luberon besuchen: ein provenzalisches Dorf wie aus dem Bilderbuch der Klischees. In der Ortsmitte stellen die Restaurants ihre Tische auf die Kopfsteinpflasterstraßen, in zahlreichen Ateliers wird Kunsthandwerk angeboten, dazwischen locken kleine Modedesign-Boutiquen.

Richtig voll wird es hier freitags am Markttag. Das Château von Lourmarin wurde ursprünglich zur Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert im spätgotischen Stil errichtet. Heute kann es besichtigt werden und beherbergt in seinen Kellergewölben ein Weingut.

Ein typisches Viertel im Dorf Lourmarin.

Auf dem etwas außerhalb gelegenen Friedhof befindet sich das unscheinbare Grab von Albert Camus. Der Schriftsteller und Philosoph, der Autos hasste, kam ausgerechnet bei einer Autofahrt von Lourmarin nach Paris ums Leben, obwohl er zunächst den Zug nehmen wollte. In der Tasche des Verunglückten befand sich angeblich die Zugfahrkarte nach Paris.

7. Ménerbes: Dorf der Schriftsteller

In den Neunzigerjahren schrieb der Schriftsteller Peter Mayle hier das Buch „Mein Jahr in der Provence“ und katapultierte den Ort damit auf die touristische Landkarte. Dabei ist Ménerbes ein beschauliches, mittelalterliches Dorf in herrlicher Lage hoch über dem Luberon-Tal geblieben.

Im Zentrum von Ménerbes gibt es eine Handvoll Restaurants. Oberhalb liegt die Zitadelle aus dem 16. Jahrhundert, am anderen Ende der Friedhof und das Chateau du Castellet. Im Norden erkennst du bei klarer Sicht den kahlen Kegel des Mont Ventoux am Horizont.

Das Dorf Ménerbes in der Provence.

Im 16. Jahrhundert stand Ménerbes im Zentrum der Religionskriege zwischen Katholiken und Protestanten. Ménerbes ist nicht erst seit Peter Mayle ein Anziehungspunkt für Künstlerinnen und Künstler. Der Maler Nicolas de Stael lebte hier und Picasso kaufte seiner Muse Dora Maar ein Haus am Dorfrand, das heute als Dora-Maar-Haus bekannt ist. Auch das Haus und Atelier der amerikanischen Künstlerin Jane Eakin kannst du von Mai bis Oktober besichtigen.

8. Auribeau

Ein Geheimtipp ist das kleine Auribeau. Das Dorf mit seinen 70 Einwohnerinnen und Einwohnern liegt hoch oben auf dem Plateau des Luberon, weit weg von üblichen Touristenpfaden, ohne Cafés und Shops. Das Dorfbild mit seinen wenigen Häusern wird geprägt von der Kirche Sainte-Croix.

Das kleine Dorf Auribeau mit nur 70 Einwohnerinnen und Einwohnern liegt hoch oben auf dem Plateau des Luberon.

Die meisten Bewohnerinnen und Bewohner leben von der Landwirtschaft. Wenn du schon bis Auribeau gekommen bist, ist es nur noch ein längerer Spaziergang bis zum Gipfel des Luberon: Vom Dorf führt ein Fußweg zum Mourre Nègre, dem höchsten Berg des Massivs mit 1125 Metern.