Pass, Bordkarte, Maske. Seit vielen Monaten gehört die Mund-Nasen-Bedeckung auf Flugreisen ebenso zu den Must-haves wie die Reisedokumente. Wer innerhalb Deutschlands fliegt oder in einem Flugzeug unterwegs ist, das in Deutschlands startet oder landet, muss eine Maske tragen.

Damit ist ab dem1. Oktober Schluss. Wie viele andere europäische Länder zuvor hat auch Deutschland die Maskenpflicht gekippt. Das erleichtert vor allem die deutsche Luftfahrtindustrie: „Wie froh sind unsere Mitarbeiter, die nicht mehr Maskenpolizei spielen müssen“, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Mehrheit will Maske weiter tragen

Einer Umfrage zufolge will eine Mehrheit der Fluggäste weiter eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen: 35 Prozent der Befragten gaben gegenüber dem Marktforschungsinstitut YouGov an, dass sie es für wahrscheinlich hielten, ab dem 1. Oktober weiter freiwillig eine Maske im Flieger zu tragen. Für 27 Prozent ist das „nicht wahrscheinlich“. 31 Prozent gaben in der Umfrage an, gar nicht zu fliegen. 7 Prozent machten keine Angaben.

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Was die einen erleichtert, bereitet anderen Sorge. Schließlich stecken sich weiterhin täglich zahlreiche Menschen mit dem Virus an. Wie also kannst du dich in der Flugzeugkabine schützen, wenn niemand um dich herum eine Maske trägt?

Mut zur eigenen Maske 

Dieser Tipp ist ebenso banal wie effektiv: Wer sich selbst im Flugzeug vor einer Corona-Infektion – oder auch vor einer Erkältung, einer Grippe oder anderen Viren – schützen will, sollte auch in Zukunft Maske tragen. 

Auf dem Koffer liegt der Mundschutz griffbereit – er ist weiterhin ein wirksamer Schutz gegen eine Corona-Infektion.

In Flugzeugen wird die Luft zwar stark gefiltert, sodass die Wahrscheinlichkeit, sich über Viren in der Luft anzustecken, eher gering ist. Ein deutlich größeres Ansteckungsrisiko geht aber von erkrankten stehenden und sprechenden Personen aus, zum Beispiel dem Bordpersonal, sagt Eberhard Bodenschatz, Professor am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen, gegenüber dem RND.

Ohne Maske bringen sie beim Sprechen viele Tröpfchen in die Luft, die nach unten fallen. „Weil das Bordpersonal in der Regel dicht und vor allem über einem steht, ist das Risiko natürlich sehr hoch, dass man als Passagier solche Tröpfchen abbekommt“, so Bodenschatz. Aber auch wenn eine infizierte Person auf dem Nebensitz hustet, niest oder laut spricht, kannst du dich schnell anstecken. Der Experte rät deswegen, die Maske im Flugzeug weiterhin freiwillig zu tragen.

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Laut einer Untersuchung der University of Greenwich, die im „Journal of Travel Medicine“ veröffentlicht wurde, senkt eine Mund-Nasen-Bedeckung im Flugzeug das Risiko einer Ansteckung um bis zu 73 Prozent. Das gilt allerdings nur dann, wenn die Maske dauerhaft getragen wird und eng anliegt. Auch in Warteschlangen, beim Boarding, beim Ein- und Aussteigen und der Sicherheitskontrolle – also überall, wo Abstände nicht eingehalten werden können und du engere Gesprächskontakte zu anderen Menschen hast – ist das Masketragen sinnvoll. 

Kurzstrecke statt Langstrecke

Grundsätzlich gilt: Je kürzer du dich im Flugzeug aufhältst, desto besser. Wer lange sitzt, wird unruhig, steht auf, um sich die Beine zu vertreten oder auf die Toilette zu gehen. So kommen dir auf einem Acht-Stunden-Flug wahrscheinlich mehr Menschen nahe als auf einer zweistündigen Reise.

Auf Dauer wird auch das Masketragen oft unangenehm, der Hunger meldet sich und dann wird das Essen serviert. Aber: Nimmst du die Maske während des Essens an Bord ab, steigt das Ansteckungsrisiko laut der Untersuchung der University of Greenwich aber um 59 Prozent. Für einen optimalen Schutz solltest du die Maske deswegen den gesamten Flug über tragen, und das ist auf kürzeren Strecken sicher leichter.

Außerdem sitzen auf Langstreckenflügen in der Regel deutlich mehr Passagiere im Flugzeug, weil die Kapazitäten höher sind als auf Kurzstrecken. Und je mehr Menschen an Bord sind, desto höher ist statistisch gesehen der Anteil an erkrankten Passagieren und damit das Risiko, dass du dich ansteckst.

Spät abends oder früh morgens fliegen

Wenn du die Wahl zwischen mehreren Flügen mit verschiedenen Abflugzeiten hast, entscheide dich für einen, der außerhalb der klassischen Stoßzeiten startet. Spät am Abend, in der Nacht oder früh am Morgen sind die Flughäfen in der Regel deutlich leerer als tagsüber. Reist du mit Bus oder Bahn an, begegnest du auch hier weniger Menschen. So sinkt zumindest das Risiko, sich auf dem Weg zum Flughafen zu infizieren.

Mit Glück ist aber auch dein Flug außerhalb der Stoßzeiten nicht voll ausgelastet, sodass sich weniger Menschen an Bord aufhalten und vielleicht sogar der Platz neben dir frei bleibt. 

Leerer Flugzeugsitz: Mit mehr Abstand zu infizierten Sitznachbarn sinkt das Ansteckungsrisiko.

Laut einer Studie der US-Seuchenschutzbehörde CDC und der Kansas State University sinkt das Infektionsrisiko um 23 Prozent, wenn du mit einem Platz Abstand zu einem coronapositiven Passagier sitzt, als direkt daneben.

Platz am Fenster wählen

Der beste Sitzplatz, um dich vor einer Infektion zu schützen, befindet sich dort, wo der Kontakt zu anderen Passagieren am geringsten ist. In der Regel sind das die Fensterplätze. Hier hast du maximal einen Sitznachbarn. Außerdem bist du am weitesten entfernt von den herabfallenden Tröpfchen, die möglicherweise infizierte Fluggäste auf dem Weg zur Toilette oder das Bordpersonal beim Sprechen in die Luft bringen. 

Vollständigen Schutz gibt es nicht

Bei all diesen Tipps gilt natürlich: Wie an allen Orten, wo du anderen Menschen begegnest, lässt sich das Risiko einer Corona-Infektion auch im Flugzeug nie vermeiden. Auch auf dem Fensterplatz eines Kurzstreckenflugs kannst du dich anstecken, andererseits bedeutet ein Langstreckenflug mit Gangplatz und ohne Maske noch lange keine Corona-Infektion. 

Und auch, ob die Infektionszahlen überhaupt steigen, wenn die Maskenpflicht in Flugzeugen fällt, wird sich zeigen müssen. Sollten die Fallzahlen im Herbst wieder stark steigen, könnte es aber sein, dass das verpflichtende Tragen wieder eingeführt wird. Das kündigte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach Anfang September an.