Keine Zwänge, kein Kommerz, keine Verbote – nur Freiheit, Glückseligkeit und Selbstfindung. Mit diesem Gerücht begann in den Sechzigerjahren der hollywoodreife Wandel Arambols, eines kleinen Küstenorts im westindischen Bundesstaat Goa, der bis heute anhält.

Freiheit, Glückseligkeit und Selbstfindung

Denn unter amerikanischen Beatniks, sozusagen den Hipstern der damaligen Zeit, verbreiteten sich damals Erzählungen von einem spirituellen Ort, an dem man eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens finden könne. An den palmengesäumten Stränden im Norden Goas dürfe jede und jeder sein, wer sie oder er gern sein möchte. 

Meditation bei Sonnenuntergang: Viele Besucherinnen und Besucher reisen aus spirituellen Beweggründen nach Goa.

Die Inderinnen und Inder schauten damals wohl ziemlich verdutzt, wie Besucherinnen und Besucher aus aller Welt ihre Heimat plötzlich zu einem Wallfahrtsort erklärten und zum Rhythmus meditativer Trommelklänge und unter dem Einfluss eines bunten Straußes psychedelischer Drogen auf ihren Stränden umhertanzten.

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Der Geruch der Freiheit liegt noch in der Luft

Heute sind nur noch wenige der damaligen Hippie-Pioniere in Goa. Der Ruf hingegen ist geblieben. Menschen aus aller Welt strömen zwischen November und März nach Arambol. Dabei sind viele noch immer auf der Suche nach Spiritualität und sinnstiftenden Drogentrips. Die meisten Touristinnen und Touristen finden ihre Erleuchtung allerdings vorwiegend beim Partymachen. In den Strandbars und Clubs wird jedenfalls kräftig gebechert. 

Aus der Ferne erscheint ein Vergleich Arambols mit dem Ballermann naheliegend. Doch das würde Arambol trotz mancher Ähnlichkeit bei Weitem nicht gerecht werden. Der Partytourismus hat sich in Goa genau wie auf Mallorca längst etabliert. Doch der Geruch der Freiheit liegt noch immer in der Luft. Und das liegt nicht nur an den Joints, die am malerischen Strand die Runde machen.

Die sanften Sonnenuntergänge in Goa haben einen ganz besonderen Zauber.

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Die Partyrituale in Arambol, das knapp zwei Stunden Auto- oder vier Stunden Busfahrt vom Flughafen Dabolim entfernt ist, folgen freizügigeren Gesetzen – vermutlich, weil sich die Touristinnen und Touristen im weit entfernten Indien unbeobachteter fühlen als am europäischen Mittelmeer.

Zugleich bietet das internationale Besucheraufkommen eine gewisse Geborgenheit und Sicherheit, in der sich Reisende nach einem Trip durch das undurchsichtige Indien ein Stück weit zurückziehen können. Der Trubel in Arambol wirkt aber auch deutlich gelassener und besonderer als der am Ballermann, denn die spirituelle Vergangenheit verbindet die Reisenden in Goa noch immer. Arambol ist über die Jahrzehnte ein Mekka für Yoga-Fans geblieben.

Trommeltänze zum Sonnenuntergang

Die Abende beginnen gemäß dem alten Aussteiger-Ritual mit einem Tanz in den Sonnenuntergang – manchmal auf kreisförmigen Mandala-Mustern, die für das allabendliche Fest in den Strand gezeichnet werden.

Am Strand mischen sich dann Touristinnen und Touristen aus aller Welt unter einige Alt- und Neu-Hippies, die zu Trommelklängen im Drum Circle, zu den Vorführungen von Fackel-Jongleuren oder bei spontanen Musiker-Zusammenkünften barfuß und oberkörperfrei ausgelassen die Nacht herbeitanzen. Zum Sonnenuntergang herrscht am Strand von Arambol eine magische und verbindende Atmosphäre. Besucherinnen und Besucher bekommen dabei einen Eindruck davon, wie es zu besten Hippie-Zeiten in Arambol zugegangen sein könnte. 

Anschließend verschlägt es die meisten Party-Suchenden zum „Warmtrinken“ in die Bars und Clubs am Strand. DJs legen Techno- oder Reggaeton auf, während am Strand viel Livemusik gespielt wird. Mit etwas Glück hört man von einer geheimen Open-Air-Party, auf der es bis in die Morgenstunden weitergeht.

Strandfestival ist Höhepunkt der Partysaison

Höhepunkt der Partysaison ist das Strandfestival im Februar, wenn Musikerinnen und Musiker aus Arambol die kreative Vielfalt der alten Hippie-Zeiten hochleben lassen.

Abendgruß mit Alphorn: Über die Rituale der Langzeitreisenden wundern sich die Einheimischen auf dem Strand von Arambol schon lange nicht mehr.

Musiker aus Arambol spielen einen bunten Mix aus indischer Volksmusik, Melodien von Sinti und Roma, Hip-Hop und elektronischen Beats, zu denen sich manche Besucherin und mancher Besucher unter dem Einfluss psychedelischer Drogen gern auch mal in Trance tanzt. Die knallbunten Beleuchtungs-Konzepte für die Partypavillons haben sich im Laufe der Jahre als Exportschlager für „Goa-Partys“ im Rest der Welt entpuppt.

Strandvielfalt, Märkte und ein Hippie-Flohmarkt

Wer nicht zum Partymachen nach Arambol kommt, findet unter den Palmen am malerischen Strand oder in den gemütlichen Strandrestaurants genügend Erholung vom heimischen Alltag. In Goa gibt es noch viele weitere tolle Strände, zum Beispiel Morjim Beach mit einem flachen Wassereinstieg für Kinder oder den kleinen Butterfly Beach, der wegen seiner Beliebtheit bei Paaren in den Flitterwochen den Beinamen Honeymoon Beach trägt. Ruhiger geht es auf den Stränden von Mendrem, Patnem und Agonda zu, die mit einem Taxi oder einem gemieteten Motorroller erreichbar sind.

Spannend sind die turbulenten indischen Märkte in Panaji und Margao, auf denen Einheimische immer sonntags Lebensmittel, Kleidung, Schmuck und Souvenirs verkaufen. Legendär ist außerdem der Hippie-Flohmarkt in Anjuna.

Tierisches Sonnenbad: Am Strand von Arambol fühlen sich auch die heiligen Kühe wohl. Besonders Besucherinnen und Besucher sollten deshalb stets Ausschau nach Kuhfladen halten.

In Arambol stoßen Touristinnen und Touristen ebenfalls auf Langzeittouris und Hippies, die selbst gemachten Schmuck verkaufen. In der Nähe von Arambol liegt hinter einer kleinen Bucht ein sehenswerter Süßwassersee. Von dort führt ein Pfad zu einem Aussichtspunkt, von dem sich die malerische Bucht am besten überblicken lässt.

Eine Reise nach Goa verspricht also noch immer ein einzigartiges Erlebnis inmitten einer wunderschönen Küstenlandschaft – auch wenn das einst so berühmte Mekka für Spiritualität viel Glanz verloren hat.