Sie beschweren sich am laufenden Band, halten sich nicht an die Gepflogenheiten des Landes, grölen lautstark am Strand herum oder plündern das Hotel-Büfett: Es gibt bestimmte Typen von Reisenden, die einem wirklich die Laune verderben können.

Dabei wünschen wir uns doch vor allem eins von einem Urlaub: Erholung. Abschalten vom Alltag, einmal tief durchzuatmen und allen Stress zu vergessen.

Damit du für deine nächste Reise bestens gewappnet bist, stellen wir die sechs nervigsten Urlaubstypen einmal vor und lassen sie von Reisepsychologin Barbara Horvatits-Ebner, die auch den Blog „Reisepsycho“ betreibt, analysieren. Meist steckt mehr hinter dem lästigen Verhalten als gedacht.

1. Die Heimatliebenden

Das Essen schmeckt zu Hause besser, das Wetter ist angenehmer, der Verkehr läuft geregelter und wieso spricht hier eigentlich kein Mensch Deutsch? Schon mal so jemandem im Urlaub begegnet? Ziemlich nervig.

Die „Heimatliebenden“ beschweren sich grundsätzlich über alles, was nicht wie zu Hause ist. Am besten soll es in Thailand jeden Tag Schnitzel geben, Kontakt zu Einheimischen wird vermieden.

Mehr noch: Dieser Urlaubstyp fühlt sich der örtlichen Bevölkerung sogar moralisch überlegen, weil zu Hause ja eh alles besser ist. Deshalb umgeben sie sich auch am liebsten mit den eigenen Landsleuten. Warum diese Menschen überhaupt in den Urlaub fahren? Wissen sie wahrscheinlich selbst nicht so genau.

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„Hinter dieser scheinbaren Überlegenheit steckt meist ganz viel Unsicherheit und kulturelle Überforderung mit der fremden Umgebung“, weiß Horvatits-Ebner. Um diese Unsicherheit zu verbergen, würden manche Menschen die eigene Kultur überhöhen, nach Dingen suchen, die sie kennen, und ausschließlich den Kontakt zu den eigenen Landsleuten suchen, so die Reisepsychologin.

2. Die Respektlosen

Stell dir folgende Szene vor: Du hast es dir gerade an einer wunderschönen, ruhigen Badebucht gemütlich gemacht, schließt die Augen und willst dem Meer lauschen, da dreht jemand hinter dir auf einmal ohrenbetäubend laut die Musik auf, grölt noch laut den falschen Songtext dazu und wirft beim Vorbeigehen seine Bierflasche achtlos in den Sand.

Dieser Urlaubstyp zeigt weder Respekt gegenüber der Natur noch gegenüber den Mitreisenden oder dem Hotelpersonal. Überflüssig zu erwähnen, dass ihnen die Gepflogenheiten des Reiselandes herzlich egal sind.

Feiern im Urlaub ist natürlich okay. Nervig wird es, wenn dadurch andere Menschen gestört werden.

„Im Alltag unterdrücken wir oft unsere Wünsche und Triebe, das müssen wir auch, denn es gibt Normen und Regeln“, sagt die Grazer Psychologin. „Wenn manche Menschen dann aber in einer anderen Umgebung sind, werfen sie diese Regeln einfach unbedacht über Bord.“ Also ganz nach dem Motto: „Ich bin jetzt im Urlaub, ich kann machen, was ich will.“

Vor allem Personen, die angestauten Unmut zu Hause nicht mit Sport oder ähnlichen Aktivitäten ausgleichen könnten, würden sich in den Ferien oft in diesen nervigen Reisetyp verwandeln.

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3. Die Gierigen

Wer kennt sie nicht: Die Menschen, die sich beim Büfett den Teller mit extrem hohen Essenstürmen vollladen oder sich an der Hotelbar über die Maße betrinken. Sie können einfach nicht genug bekommen, denn sie haben ja im All-inclusive-Paket dafür bezahlt.

Dieses Verhalten ist nicht nur verschwenderisch, sondern auch achtlos und arrogant gegenüber den Gastgebenden in einem fremden Land. Aber das interessiert diesen Urlaubstyp wenig bis gar nicht. Hauptsache, sie bekommen von allem im Überfluss und werden am besten auch noch rund um die Uhr bedient.

Ein Mann nimmt sich etwas vom Büfett. Nervig wird es, wenn jemand den Teller extrem voll lädt.

Als „demonstrativen Erfahrungskonsum“ bezeichnet Barbara Horvatits-Ebner dieses Verhalten. „Urlaub kostet Geld. Und wer für etwas bezahlt und somit Kunde ist, fühlt sich schnell überlegen und glaubt, ihm oder ihr stehe vor Ort alles zu“, erklärt sie.

4. Die Massentouristen

Sie sind überall dort, wo die Top-Sehenswürdigkeiten eines Landes sind. Immer auf der Suche nach diesem einen Instagram-Motiv, das die Travelinfluencer auf ihren Profilen posten. Ohne das gehen sie nicht nach Hause, komme, was wolle. Die typischen Massentouristinnen und -touristen sind meist in großen Reisegruppen unterwegs.

Dabei hetzen sie von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit, nur um dann zu Hause stolz ihre Fotos zu präsentieren. Rücksicht auf Mitreisende nehmen sie dabei leider selten.

„Bei Gruppenreisenden können wir ein ganz ursprüngliches menschliches Verhalten beobachten: Sie passen sich dem Rest an“, erklärt Barbara Horvatits-Ebner. Bedeutet: Wenn jemand aus der Gruppe anfängt, Tausende Fotos von sich vor einer Sehenswürdigkeit zu schießen, möchten die anderen das auch tun. Viele würden dabei gar nicht merken, dass sie mit ihrem Verhalten andere stören, sagt die Psychologin.

5. Die Geizigen

Sie fahren in ein anderes Land, um dort Urlaub zu machen, wollen aber gleichzeitig keinen Cent vor Ort ausgeben. Am Büfett stecken sie sich heimlich Essen in die Taschen und schnorren womöglich Mitreisende nach ein paar Almosen an: die Geizigen.

Die De-luxe-Version dieses Urlaubstyps ist auf so manchem Kreuzfahrtschiff anzutreffen. Sie kommen für ein paar Stunden an Land, wollen dort aber bloß nichts kaufen, weil ja alles viel zu teuer ist. Dass lokale Geschäfte auf den Umsatz, den sie mit Tagesgästen machen, angewiesen sind, kommt da keinem in den Sinn.

Überflüssig zu erwähnen, dass dieser Urlaubstyp vor allem auch bei Hotelpersonal sehr unbeliebt ist, denn Trinkgeld geben die Geizigen unter gar keinen Umständen.

6. Die Liegenreservierer

Der absolute Klassiker unter den nervigen Urlaubstypen. Sie schleichen sich in den frühen Morgenstunden, ja manchmal sogar mitten in der Nacht, runter an den Hotelpool. Dabei verfolgen sie eine Mission: die besten Plätze reservieren, solange alle anderen Gäste noch schlafen.

Laut dieses Urlaubstyps besagt ein ungeschriebenes Gesetz: Wo mein Handtuch liegt, ist besetzt. Auch wenn sie selbst noch gar nicht am Pool sind, weil sie sich von ihrer nächtlichen Tour erholen müssen. Das ist nicht nur nervig, sondern auch ganz schön egoistisch.

Der Klassiker unter nervigen Verhaltensmustern: das Reservieren von Liegen mit einem Handtuch.

Vor allem in größeren Hotelanlagen wirst du diesem Urlaubstyp leider fast immer begegnen. Das Reservieren von Poolliegen ist als Phänomen bereits so weit verbreitet, dass es augenzwinkernd sogar als „Handtuch-Krieg“ bezeichnet wird.

So wirst du nicht selbst zu einem dieser Urlaubstypen

Um nicht selbst zu einem dieser nervigen Urlaubstypen zu werden, hilft vor allem eins: gute Vorbereitung. „Jede Kultur ist anders. Aber es gibt genügend Reiseführer und Informationen im Internet, um vor dem Urlaub genau zu wissen, welches Verhalten in einem Land angebracht ist und welches nicht“, sagt Barbara Horvatits-Ebner.

Außerdem würde es auch helfen, sich mit den eigenen Gefühlen auseinanderzusetzen, wenn mal etwas nicht so laufen sollte wie geplant. „Anstatt den Ärger zum Beispiel am Hotelpersonal auszulassen, hilft es, erst einmal durchzuatmen“, so die Psychologin.

Und auch wenn es sich im Urlaub manchmal nicht so anfühlt, seid euch immer bewusst: Ihr befindet euch nicht in einer Kulisse, in der keine Regeln gelten. Dort, wo ihr gerade seid, leben Menschen, sie gehen zur Arbeit und ihrem ganz normalen Alltag nach.

Tipps zum Umgang mit nervigen Mitreisenden

Und was tun, wenn wir diesen nervigen Urlaubstypen während unserer nächsten Reise begegnen? „Es ist vollkommen legitim, Mitreisende auf Fehlverhalten aufmerksam zu machen“, sagt Barbara Horvatits-Ebner. „Schließlich tragen wir alle eine Verantwortung für unsere Welt. Wenn ich jemanden sehe, der achtlos eine Flasche ins Meer wirft, darf ich auch was sagen.“

Dabei gelte natürlich, freundlich und ruhig zu bleiben, und ganz wichtig: Wähle deine Kämpfe weise. Auf einer Partymeile Leute darum zu bitten, leiser zu sein, macht wenig Sinn.

Wenn alles Reden nicht hilft und sich die nervigen Mitreisenden nicht belehren lassen wollen, hat Barbara Horvatits-Ebner noch einen besonderen Tipp parat: „Wenn du zum Beispiel merkst, dass jemand unfreundlich zum Hotelpersonal ist, sei selbst besonders freundlich. Oder heb die Flasche auf, die jemand achtlos wegwirft. Klar, wir tragen nicht die Last der Welt auf unseren Schultern. Aber manchmal können wir sie schon mit Kleinigkeiten ein bisschen besser machen.“