In Georgien sagt man: „Jeder Gast ist ein Geschenk Gottes“ – und so herzlich werden Reisende auch in dem Land am Kaukasus willkommen geheißen. Der kleine Staat am Schwarzen Meer, der flächenmäßig so groß wie Bayern ist, hat sowohl für Aktivreisende als auch für Kulturinteressierte jede Menge zu bieten. Ein Überblick.

Tiflis – Hauptstadt mit Heilbädern

Hölzerne Terrassenhäuschen neben schicken Einkaufszentren, verblichene Jugendstilhäuser neben modernen Glasfassaden – Tiflis ist eine Hauptstadt voller Kontraste und reich an Kultur. Durch die Altstadt, die in das Unesco-Weltkulturerbe aufgenommen werden soll, führte einst die Seidenstraße. Noch heute erinnern geschichtliche Spuren von Römern, Persern, Arabern, Türken und Russen an die multikulturelle Vergangenheit der Stadt.

So wurde zum Beispiel die Nariqala-Festung Ende des dritten Jahrhunderts unter der Besetzung der persischen Sassaniden erbaut. Heute sind zwar nur noch die Ruinen des einst wichtigsten Gebäudes von Tiflis zu bestaunen, aber der Besuch lohnt sich. 

Schwefelbäder sind eine beliebte Touristinnen- und Touristenattraktion in Tiflis.

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Denn die Festung steht auf dem Gipfel des Sololaki-Gebirgskamms – über den Dächern der Altstadt. Besonders stimmungsvoll ist ein Besuch zur blauen Stunde oder zum Sonnenuntergang.

Auch die Sioni- und die Zminda-Sameba-Kathedrale gehören zu den architektonischen Höhepunkten der Stadt. Ihr offizieller Name ist heute übrigens Tbilisi, was soviel wie „Stadt des warmen Wassers“ bedeutet – schließlich sprudeln hier zahlreiche heiße Schwefelquellen, die seit Jahrhunderten für Heilbäder genutzt werden.

Uplisziche – Höhlenstadt an der Seidenstraße

Uplisziche wurde im ersten Jahrtausend vor Christus gegründet. Hier lebten die Menschen von der Bronzezeit bis in die Neuzeit in Höhlen, die sie in die Felsen geschlagen hatten. Die ältesten erhaltenen Teile der Stadt stammen aus dem zweiten und dritten Jahrhundert nach Christus. Doch bereits vor der Christianisierung wurden in Uplisziche die verschiedensten Götter angebetet.

Strategisch war der Ort früher viel umkämpft. Nicht zuletzt, weil die Karawanen regelmäßig an dem wichtigen Umschlagplatz Rast machten. Mit dem Untergang des Byzantinischen Reiches 1453 endeten auch die Handelsbeziehungen zu Westeuropa.

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Die Höhlenstadt Uplisziche an der Seidenstraße, die etwa zehn Kilometer von Gori entfernt auf einem Felsplateau liegt, war ein wichtiges Handelszentrum.

Im 18. Jahrhundert verließen die letzten Bewohnerinnen und Bewohner den Ort. Heute klettern Besucherinnen und Besucher fast ungestört durch die Geisterstadt, entdecken so das Labyrinth aus Stollen, Gängen und Hallen.

Kachetien – Wiege des Weines

Von den rund 4.000 Weinsorten auf der Welt stammen etwa 500 aus Georgien. In Kachetien, im Osten des Landes, liegt das Zentrum dieser jahrtausendealten Rebenkultur. Hier ist so gut wie jede Bäuerin oder jeder Bauer eine Winzerin oder ein Winzer, die ihren eigenen Landwein keltern.

Einige von ihnen nutzen für ihre Weinproduktion noch Kwewri – Tonamphoren, die komplett in die Erde eingegraben werden. Nach einigen Wochen ist der edle Tropfen fertig – er kann ab Mitte Dezember getrunken werden. Gefeiert wird aber schon vorher: Vor allem das Wintererntefest Alaverdoba Ende September gehört zu den beliebtesten Festen in der Region.

Kachetien im Osten von Georgien gilt als Wiege des Weines.

Auch Naturfreunde reisen gern nach Kachetien. Der Lagodechi Nationalpark, ältestes Schutzgebiet des gesamten Kaukasus, fasziniert nicht nur mit der massiven Bergwelt des Großen Kaukasus, sondern auch mit einem äußerst dichten Baumbestand, der an unberührte Urwälder erinnert.

Kutaissi – turbulentes Zentrum im Westen

Kutaissi ist die Hauptstadt der Region Imeretien im Westen Georgiens – eingebettet in der Kolchischen Tiefebene im Schutz des Ukimerioni Hügels. Hier geht es turbulent zu: Geschäfte werden abgewickelt, Gäste empfangen, das kulturelle Leben genossen. Die Weiße Brücke, die über den Fluss Rioni führt, sowie die Markthalle im Stadtzentrum dominieren mit ihrer Architektur das mittelalterliche Bild. Und hoch über der Stadt thront die Bergrati-Kathedrale auf dem Ukimerioni-Berg.

15 Kilometer von Kutaissi entfernt lädt das Kloster Gelati zum Innehalten ein. Es zählt zu Recht zu den bedeutendsten Werken georgischer Kunst und zum Weltkulturerbe der Unesco. Der Gebäudekomplex besteht im Kern aus der Hauptkirche der Geburt der Jungfrau Maria, die im 12. Jahrhundert erbaut wurde. Sehenswert sind vor allem die mittelalterlichen Fresken und die Mosaike – das einfallende Licht durch die Fenster der Kuppel setzen sie effektvoll in Szene.

Kloster Gelati bei Kutaissi im Westen von Georgien wurde von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannt.

Batumi – Hafenstadt am Schwarzen Meer

Mediterranes Flair in Georgien? In Batumi geht es lässig und locker zu, zahlreiche Touristinnen und Touristen flanieren durch den sonnenverwöhnten Ort, überall locken Cafés zum Verweilen. Kein Wunder: Die zweitgrößte Stadt in Georgien am Schwarzen Meer ist ein beliebter Badeort, geprägt von einem bunten Stilmix aus Jugendstil und Pseudoklassizismus, aber auch von gesichtslosen Hochhäusern und futuristischen Bauwerken.

Die Medea-Skulptur auf dem Europaplatz erinnert an die antike Geschichte Georgiens, die maroden Betonbauten an die Sowjetzeit. Vom botanischen Garten aus bietet sich ein grandioser Blick auf Batumi und das weite Meer.

Die Skyline von Batumi in Georgien erinnert vor allem bei Nacht an die von Las Vegas in den USA.


Batumis Höhepunkt ist jedoch zweifellos die Strandpromenade, die sich sieben Kilometer an der Küste entlangzieht. Die bunten Lichter des Riesenrades und die beleuchteten Wasserspiele inmitten luxuriöser Hochhäuser geben der Szenerie am Abend einen Hauch von Las-Vegas-Atmosphäre.