Es gab eine Zeit, in der ­Saimi Hoyer in London, New York, Tokio, Rom oder Paris im Scheinwerferlicht über die Laufstege lief. Jetzt spaziert das einstige Topmodel am liebsten über einsame Waldwege und sammelt Pilze. Vor sieben Jahren hat sich die heute 48 Jahre alte Finnin im Seengebiet ihrer Heimat ein vom Verfall bedrohtes Hotel gekauft und liebevoll restauriert.

Das frühere Topmodel Saimi Hoyer betreibt in der Gegend das älteste Hotel Finnlands.

Topmodel betreibt ältestes Hotel des Landes

Das verwinkelte Gebäude mit der cremerosa gestrichenen Holzfassade gilt als das älteste Hotel Finnlands. Schon 1845, als das Großfürstentum Finnland noch Teil des russischen Reiches war, hat Zar Nikolaus I. mit einem Forsthaus für Waldhüter und Besucherinnen und Besucher den Grundstein gelegt.

Heute verfügt das Hotel Punkaharju am Puruvesi-See im Saimaa-Gebiet über zwanzig Zimmer, zwei Restaurants, Kanus und wie die meisten Hotels der Region über eine Holzsauna am See mit einem riesigen natürlichen Tauchbecken vor der Tür.

Das Hotel Punkaharju am Puruvesi-See gilt als ältestes Hotel in Finnland.

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Pilze suchen und nach wilden Tieren sehen

Wer mag, kann mit Hoyer durch den Kiefernwald streifen und Ausschau nach wilden Tieren wie Elchen, Braunbären und Wölfen halten. Oder Pilze sammeln. Die Finnin hat sich zur Pilzexpertin entwickelt. Sie bietet Wochenendkurse und eine Vielfalt von Pilzspezialitäten auf der Speisekarte ihrer Restaurants. Sogar das Dessert und den Schnaps gibt es mit Pilzgeschmack.

„Hier ist die Heimat meiner Seele“, sagt die Finnin. „Ein Ort voller Magie. Das ist, als würde man in einer Seifenblase leben, fernab von allem.“ Die Winter allerdings verbringt Hoyer meistens in Italien, wo sie dann auch hin und wieder noch als Model arbeitet. Dabei hält die kalte Jahreszeit auch im finnischen Seengebiet etliche Reize bereit.

Sauna ist Treffpunkt zu jedes Jahreszeit

Ob Eisschwimmen, Schlittschuhlaufen oder Skilanglauf – wer die Kälte nicht scheut, muss nicht in der Stube hocken. Und zum Warmwerden gibt es schließlich die Sauna. Ein sozialer Mittelpunkt, an dem die Finninen und Finnen buchstäblich auftauen – an nahezu jedem Ort und zu jeder Tages- und Nachtzeit.

Am Saimaa-See gibt es auch viele ­Saunen. Nach dem Schwitzen am Holzofen bringt ein Sprung ins Wasser Abkühlung.


Besonders im Trend liegt derzeit die Morgensauna, die mit dem Frühstück kombiniert werden kann. Anders als in Deutschland wedelt hier allerdings beim Aufguss niemand mit dem Handtuch. Stattdessen kann man sich gegenseitig mit Birkenzweigen auspeitschen. Auch Sanduhren sucht man vergeblich. Den Glücklichen schlägt keine Stunde. Und die Finninen und Finnen sind Studien zufolge bekanntlich die glücklichsten Menschen der Welt.

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Im Einklang mit der Natur

Fragt man nach den Gründen, schwärmen die meisten von der Ruhe und dem Leben im Einklang mit der Natur – besonders rund um den Saimaa-See, dem mit 4370 Qua­dratkilometern größten See Finnlands, der mit weiteren Seen vernetzt ist und ein glitzerndes Labyrinth bildet, das fast bis an die russische Grenze heranreicht. Wenngleich kaum jemand zugibt, Angst vor dem expansiven Nachbarn zu haben, sind doch offenbar die meisten froh über den geplanten Nato-Beitritt Finnlands.

Boote laden im Saimaa-Gebiet überall zu Paddeltouren auf dem Wasser ein.

Seltene Ringelrobbe ist hier zu Hause

Für die Ringelrobbe dürfte alles beim Alten bleiben. Diese äußerst seltene Robbenart hat sich seit der Eiszeit an das Süßwasser des Saimaa-Seengebiets angepasst und verfügt über ein deutlich größeres Gehirn und größere Augen als ihre Artgenossen. Der Bestand hat sich in den vergangenen Jahren leicht erholt. Trotzdem ist es nicht leicht, eines der rund 400 Exemplare zu sehen zu bekommen. Wer Glück hat, sieht eine der Robben, wenn sie sich am Rand einer der unzähligen Inseln auf einem Stein sonnt. Wir machen immerhin den Kopf aus, den einer dieser Seebewohner aus dem Wasser reckt.

Im finnischen Linnansaari-Nationalpark leben die seltenen Ringelrobben.

Jede Menge Tiere bei der Robbensafari

Bei der Robbensafari im Linnansaari-Nationalpark mit Niko Venäläinen gibt es auch anderes vom Boot aus zu entdecken: Adler, Graureiher, Elche oder auf einer Insel ausgesetzte Ziegen.

Wenn der ­24-jährige Bootsführer nicht gerade Touristinnen und Touristen durch seine finnische Heimat kutschiert, stellt er Fischen nach. Die Seen in Karelien sind reich an Lachs, Hecht und Zander, und Venäläinen beliefert mit seinen Fängen wie seine wenigen Kolleginnen und Kollegen Hotels und Ferienanlagen.

Niko Venäläinen ist Anbieter von Robbensafaris. Der Finne geht aber auch sehr gern angeln – vor allem, wenn er wie hier eine Lachsforelle gefangen hat.


Regen kommt auf. Aber die wetterfesten Überzüge sorgen dafür, dass bis aufs Gesicht alle trocken bleiben. Und Venäläinen trotzt dem Schauer am Steuer des Motorboots mit aufmunterndem Lachen.
Die meisten jungen Leute verlassen das extrem dünn besiedelte Seengebiet schon bald nach der Schule. Nicht so Venäläinen. „Mir würde die Natur fehlen. Der Aufenthalt im Freien beruhigt den Geist“, sagt er. Das gelte besonders fürs Fischen, betont der Finne, der Tourismusmanagement studierte: „Kein Angeltag ist wie der andere, immer herausfordernd.“

Tausende Inseln machen das Saimaa-Seengebiet zu einem Paradies.


Venäläinen genießt es, die Touristinnen und Touristen an die Natur heranzuführen – im Sommer vor allem mit seinen Robbensafaris oder Angeltouren, im Winter mit Schneeschuhwandern, Eisfischen und Fahrten mit dem Motorschlitten durch das vereiste und verschneite Seenlabyrinth.

Opernfestival in der alten Burg

Seit 100 Jahren steht bei vielen Bewohnerinnen und Bewohnern der Region auch jedes Jahr ein kultureller Höhepunkt im Kalender: Olavinlinna, die mehr als 500 Jahre alte Burg von Savonlinna, die sich auf einer Insel erhebt, ist seit 1912 Schauplatz eines Opernfestivals, das im Juli auf riesiger Bühne hochkarätig besetzte Inszenierungen zur Aufführung bringt. In den nächsten Jahren stehen Mozarts „Zauberflöte“, Rossinis „Barbier von Sevilla“, „Romeo und Julia“ und das Musical „Anatevka“ auf dem Programm. Mehr als 2.200 Besucherinnen und Besucher finden in dem überdachten Burghof Platz.

Die Burg Olavinlinna wird jedes Jahr im Sommer zum Schauplatz von Opernaufführungen.

Spontankonzert in der Brauerei

Musik ist mit etwas Glück auch zu hören, wo man sie eigentlich nicht erwartet: Bei einem Brauereibesuch – zum Beispiel bei Jouni Purontaus, der in seiner Brauerei Karvilan Panimo in Niityaho Lagerbier klassisch und in einem Dutzend unterschiedlicher Geschmacksrichtungen wie Karamell, Schokolade oder Blaubeere braut. Eine Bierprobe ist hier bei einer Führung natürlich inklusive – und wenn man Glück hat, greift der unkonventionelle Brauereichef am Ende zur Gitarre und singt in seiner überschäumenden Bierlaune einen Popsong nach dem anderen.

Das Konzert reicht musikalisch zwar nicht an die Opern auf der Burg heran, ist aber von hohem Unterhaltungswert. Doch die eigentliche Musik des finnischen Seengebiets ist der Klang der Stille.

Tipps für deine Reise nach Finnland

Anreise: Finnair bietet von zahlreichen deutschen Städten wie Hamburg, Frankfurt am Main oder Berlin Direktflüge nach Helsinki in Finnland an. Von dort besteht eine Bahnverbindung nach Savonlinna. Fahrtzeit: etwa vier Stunden. Wer mit dem Auto anreisen möchte, kann die Fähre von ­Travemünde nehmen. Die Fahrtzeit beträgt 30 Stunden.

Unterkünfte: Bei der Vermittlung von Unterkünften hilft das örtliche Fremdenverkehrsbüro in Savonlinna. Besonders naturnah lebt es sich in den Feriendörfern.

Opernfestival: Karten für das Opernfestival in ­Olavinlinna, der Burg von Savonlinna, kosten zwischen 150 und 200 Euro pro ­Person.

Attraktionen: Brauereibesuch: Touren mit Verkostung in der Brauerei Karvilan Panimo (Miilunkankaantie 50, 58160 Enonkoski-Niityaho) sind nach ­Anmeldung ab vier Personen täglich von 10.30 bis 14 Uhr möglich. Kosten: 20 Euro pro Person. Der Brauereiladen hat freitags von 12 bis 16 Uhr geöffnet.

Die Reise wurde unterstützt von ­Visit Finnland. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte ­entscheidet ­allein die Redaktion.