Auf der Schwäbischen Alb locken jede Menge Abenteuer unter der Erde – kühle Kavernen, verborgene Grotten und majestätische Tropfsteinhöhlen. Die Orte sind so bedeutend, dass die Unesco sechs von ihnen unter dem Titel „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“ auf die Liste des Welktulturerbes gesetzt hat. 

In viele Orte der unterirdischen Schwäbischen Alb darfst du hinabsteigen und tauchst ein in die Erd- und Menschheitsgeschichte, in eine Welt der Tropfsteine und der Sagen – und manchmal in ein Abenteuer.

1. Hohler Fels

Der Hohle Fels liegt im Achtal nur ein paar Kilometer von Blaubeuren entfernt. Nach einem etwa 30 Meter langen Gang öffnet sich vor dir eine riesige, im spärlichen Licht der Höhlenbeleuchtung schimmernde Halle. Mit bis zu 30 Metern Höhe und ihrer Akustik wirkt sie wie eine unterirdische Kathedrale.

Der Hohle Fels liegt im Achtal nur ein paar Kilometer von Blaubeuren entfernt.

Früher, als die Menschen im benachbarten Schelklingen noch nicht wussten, welchen Schatz der Hohle Fels hütete, holten Besucher den Schlüssel noch beim nahe liegenden Bahnwärterhäuschen ab.

Doch dann machten Forscher der Uni Tübingen einen spektakulären Fund: Sie gruben im Eingangsbereich unter dem meterdicken Schutt der Jahrtausende eine kaum sechs Zentimeter große Figur aus Mammut-Elfenbein aus.

Die auf etwa 40.000 Jahre datierte Venus vom Hohlen Fels gilt heute als älteste plastische Darstellung eines Menschen weltweit und ist im Museum für Ur- und Frühgeschichte in Blaubeuren ausgestellt. Die Höhle kannst du mit Führung und auf eigene Faust zu den Öffnungszeiten erkunden.

Aktuelle Deals

2. Vogelherdhöhle

Die nur 40 Meter lange Vogelherdhöhle bei Niederstotzingen im Lonetal muss mit ihren zwei Eingängen für die Menschen der Jungsteinzeit nahezu perfekte Bedingungen geboten haben. In der Höhle fanden Archäologen große Mengen an geschnitzten Tierfiguren, vor allem von Mammuts und Wildpferden.

Eine mehr als zwei Meter lange Stange am Höhleneingang zeigt, wie tief die Forscher auf der Suche in die Vergangenheit gruben. Im Archäopark Vogelherd rund um die Höhle erfährst du, wie man als Steinzeitmensch Mammuts erlegte, und kannst selbst mit Feuerstein Feuer entfachen (was gar nicht mal so schwer ist).

Die Vogelherdhöhle im Lonetal ist eine Karsthöhle. Darin wurden 1931 Kunstwerke gefunden, die zu den ältesten der Menschheit gehören, unter anderem Musikinstrumente. Als Zeugnis der ersten modernen Menschen, die sich in Europa ansiedelten, wurden die Höhlen und die Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb 2017 Welterbe.

Das kleine Museum des Archäoparks zeigt interessante Funde der Vogelherdhöhle, die zusammen mit dem Hohlen Fels und vier weiteren Höhlen seit 2017 das Unesco-Welterbe Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb bildet.

3. Charlottenhöhle

Mit fast 600 Metern ist die Charlottenhöhle bei Hürben die längste begehbare Tropfsteinhöhle der Schwäbischen Alb. Im Lauf der Jahrtausende bildete sich in den Gängen und Hallen ein wahres Paradies an Stalagmiten (das sind die Tropfsteine, die von unten nach oben wachsen) und Stalaktiten (von oben nach unten).

An mehreren Stellen in der Höhle zeugen die glatt polierten Felsflächen davon, dass hier Höhlenbären über Jahrtausende ihr Fell von getrocknetem Schlamm und Ungeziefer reinigten.

Blick durch die Charlottenhöhle auf der Schwäbischen Alb.

Weiterlesen nach der Anzeige

Anzeige

Die Höhle ist jedes Jahr von Anfang April bis Ende Oktober geöffnet und zieht rund 35.000 Besucher an. Zurück an der Oberfläche informieren das Erlebnismuseum und das Höhlenhaus über die Höhle und die Urzeit. Daneben gibt es einen großen Abenteuer- und Wasserspielplatz mit Grill- und Rastplätzen.

4. Tiefenhöhle

Die insgesamt fast 1300 Meter lange Tiefenhöhle auf der Albhochfläche bei Laichingen reicht etwa 80 Meter unter die Oberfläche und ist die einzige begehbare Schachthöhle Deutschlands. Auf steilen Eisentreppen kannst du mit oder ohne Führung oder Audioguide rund 330 Meter weit und 55 Meter tief hinabsteigen und zahlreiche Tropfsteinformationen bewundern. Entdeckt hatte die Höhle vor etwa 130 Jahren ein Sandgräber.

Die insgesamt fast 1300 Meter lange Tiefenhöhle auf der Albhochfläche bei Laichingen reicht etwa 80 Meter unter die Oberfläche und ist die einzige begehbare Schachthöhle Deutschlands.

Er wunderte sich, dass der Sandhaufen, den er tagsüber angehäuft hatte, am nächsten Morgen verschwunden war. Als er in der folgenden Nacht dem Sanddieb auflauerte, sah er, dass der Sand wie bei einer Sanduhr in einer Bodenspalte verschwand.

Im Gelände mit den noch immer sichtbaren Sandgruben gibt es heute einen großen Abenteuerspielplatz und zahlreiche Grillstellen. Das kleine Höhlenmuseum und ein Lehrpfad informieren über die Geologie und Höhlenentstehung.

5. Schertelshöhle

Die Schertelshöhle liegt unterhalb der Gemeinde Westerheim. Auf den zugängigen 160 von insgesamt rund 200 Metern siehst du neben imposanten Tropfsteinen mit etwas Glück auch die ein oder andere Fledermaus vorbeihuschen. Als Überwinterungsplatz für Fledermäuse ist die Schertelshöhle – wie fast alle Albhöhlen – in den Wintermonaten für Besucher gesperrt.

Auf den zugängigen 160 von insgesamt rund 200 Metern siehst du in der Schertelshöhle neben imposanten Tropfsteinen mit etwas Glück auch die ein oder andere Fledermaus.

Entdeckt hat die Höhle der Überlieferung nach der Freiherr von Schertel, dessen Hund mitsamt seiner Jagdbeute in das Loch gefallen war. Daraufhin ließen sich einige Burschen aus dem Dorf etwa 20 Meter hinab, wo sie die unterirdischen Höhlengänge entdeckten.

Das Loch siehst du noch heute, der daneben künstlich angelegte Eingang erleichtert aber inzwischen den Zugang zur Höhle.

6. Bärenhöhle und Nebelhöhle

Bären- und Nebelhöhle liegen bei der Gemeinde Sonnenbühl-Erpfingen. Das Skelett eines Höhlenbären gab der Bärenhöhle ihren Namen. Heute ist es die Hauptattraktion auf dem etwa 250 Meter ins Erdinnere führenden Besucherweg.

Neben dem Skelett fanden Forscher auch zahlreiche Knochen von Nashörnern und Höhlenlöwen. Unter dem Fundloch türmten sich die Überreste aus vielen Jahrtausenden – von altsteinzeitlichen Klingen über römische Keramik bis zu menschlichen Skeletten aus verschiedensten Zeiten.

Mit jährlich etwa 80.000 Besuchern ist die Bärenhöhle die meistbesuchte Schauhöhle der Schwäbischen Alb.

Die wenige Kilometer entfernte Nebelhöhle hat besonders imposante Tropfsteinformationen und ist auf rund 450 Meter begehbar. Dass die beiden Sonnenbühler Höhlen besonders Familien mit Kindern anziehen, liegt neben dem Bärenskelett sicher auch am benachbarten Freizeitpark Traumland auf der Bärenhöhle.

7. Falkensteiner Höhle

Während du die meisten Höhlen auf präparierten Wegen begehst, sind einige in ihrer ganzen Wildnis erhalten. So auch die Falkensteiner Höhle. Tief im Wald unterhalb der Gemeinde Grabenstetten formt ein gigantisches Felsdach die Eingangshalle.

In der aktiven Wasserhöhle steigt der Wasserstand nach starken Regenfällen oft abrupt an. Deshalb darfst du auf eigene Faust auch nur bis zur ersten Verengung nach rund 30 Metern in die Höhle vordringen. Wenn du mehr entdecken willst, führen dich organisierte Touren tiefer in die Höhle, wo du teils durchs Wasser waten musst.

Tief im Wald unterhalb der Gemeinde Grabenstetten formt ein gigantisches Felsdach die Eingangshalle zur Falkensteinerhöhle.

Die längste Tour dauert bis zu 14 Stunden und führt mit kurzen Tauchpassagen rund 3500 Meter ins Erdinnere – nichts für schwache Nerven: „Danach bist du völlig erschöpft, aber die Eindrücke bleiben dir noch lange erhalten“, sagt Jochen Hintz vom Touranbieter Cojote Outdoor Events.

Zurück am Höhleneingang erinnert eine Tafel an David Weinland, der in seinem Steinzeitroman „Rulaman“ die Höhle als Huhkahöhle zur Wohnstatt eines Steinzeit-Stammes erkoren hat. An der Falkensteiner Höhle bist du manchmal selbst im Sommer alleine und kannst auf der nahe gelegenen Grillstelle dein Grillgut aufs Feuer werfen.

8. Wimsener Höhle

Zwischen Hayingen und Zwiefalten befindet sich die einzige Wasserhöhle Deutschlands, die Besucher mit dem Boot befahren können. „Mit dem Boot fahren wir bei den Führungen ungefähr 80 Meter in die Höhle“, erklärt Matthias López Correa.

Der Geologe arbeitet als Fährmann in der Wimsener Höhle, wo er den bis zu zehn Bootsgästen bei der etwa 15-minütigen Fahrt die Entstehung, Geschichte und Geologie der Wimsener Höhle und der Schwäbischen Alb erklärt.

Mit einem Boot werden Besucherinnen und Besucher 70 Meter weit in die Wimsener Höhle gefahren.

Die Höhle mit benachbartem Wasserspielplatz und Bio-Gasthof liegt inmitten der idyllischen Naturlandschaft des Aachtales. Auch die Wimsener Höhle schließt im Winterhalbjahr für Besucher. Hin und wieder müssen die Fledermäuse dann aber doch eine kleine Störung erdulden: Denn in einem der Höhlengänge werden ab Oktober Christstollen bei perfekten Bedingungen zur Reifung gelagert.

9. Blautopf

Im kleinen Städtchen Blaubeuren nahe Ulm liegt der Blautopf, eingerahmt vom mittelalterlichen Kloster und der alten Schmiede mit ihrem Mühlrad. Das Wasser glitzert in den unglaublichsten Blau- und Grüntönen und saugt deinen Blick hinab in die trichterförmige Tiefe.

Dort unten – wo nur Forschungstaucher eindringen können – beginnt ein kilometerlanges Höhlensystem mit luftgefüllten Tropfsteinhallen, geschaffen von Wasser und Kalkstein.

Nahe Ulm liegt der Blautopf, eingerahmt vom mittelalterlichen Kloster und der alten Schmiede mit ihrem Mühlrad.

Vor etwa 150 Millionen Jahren bildete die Schwäbische Alb den Grund des Jurameeres und ihre weißen Kalkfelsen waren von Meeressauriern bevölkerte Korallenriffe. Viele Millionen Jahre später, als sich die Landmasse längst aus dem Meer erhoben hatte, boten die vom Wasser ausgespülten Spalten und Höhlen nicht nur Tieren, sondern den Menschen der Steinzeit Zuflucht.