Um vier Uhr morgens haben wir Málaga erreicht. Einige verfolgen die Einfahrt. Die Zeit passt zur ihrem Bord-Biorhythmus. Sie sind nicht schon, sondern noch wach. Zwei Tage liegt „Mein Schiff 2“ in der Stadt, in der Pablo Picasso geboren wurde. Unter den Metalheads gibt es auch einen „Pablo“.

Er trägt Hut, Sonnenbrille und ein Full-Metal-Cruise-Shirt. Sonst nichts. Pablo ist eine männliche Sexpuppe, die Kerstin mitgebracht und mit viel Liebeaufgeblasen hat. Wenn Pablo im Pool schwimmt, ist er völlig nackt und sichtbar erregt. Dann sind auch Pablos Brusthaare zu sehen, die Kerstin akribisch mit dem Edding aufgemalt hat. Kreativ-Kreuzfahrt.

Ein anderes Beispiel: Einer hat den schwarzen Dresscode gebrochen und läuft als Horst Schlämmer mit Schnappatmung über die Decks. Und im Treppenhaus reitet ein Metalhead auf einem Staubsauger. Den hat er sich bei der Besatzung geliehen, um die Schnipsel aufzusaugen, die sein Kabinen-Kollege mit der Konfetti-Kanone in die Luft schießt.

Wirklich nüchtern sind beide nicht. Ich sehe ihn ein paar Stunden später wieder. Eingeschlafen im Fahrstuhl mit seinem Staubsauger im Arm.

Beim Konzert von „In Extremo“ kocht das Theater an Bord über.

Achja ... Musik gibt es auch. Das Theater kocht über beim ersten Konzert von „In Extremo“ und feiert die Berliner Band mit ihrem „Mittelalter-Metal“. Mittelalt sind auch die meisten Metalheads auf dieser Tour. Schon etwas in die Jahre gekommen die britischen Rocklegenden von Saxon. Drei Songs halte ich aus – dann muss ich raus aus dem Theater. Die Band spielt eindeutig zu laut. „Da bluten dir die Ohren!“ Mein Nebenmann bringt es auf den Punkt.

Der letzte Seetag. Und die Zeremonie, die alles über die Full Metal Cruise ausdrückt. Auf dem Pooldeck wird die Crew geehrt. Barkeeper, Housekeeping, Food & Beverage werden gefeiert wie Popstars. Sie und die Metalheads verstehen sich prächtig, respektieren sich. Das ist auf anderen Kreuzfahrten nicht unbedingt so, wenn die Fraktion der Nörgel-Deutschen an Bord ist.

Bei der Full Metal Cruise geht sogar der richtige Kapitän (Omar Caruna) baden.

Zweitausend Passagiere grölen „In den Pool!“ Kapitän Omar Caruna schießt ins Wasser und reckt strahlend die beiden Hände zum Metalgruss („Pommesgabel“) in die Höhe.

Sechs Tage Full Metal Cruise gehen zu Ende. Es war vor allem eines: A lot of fun. Am Pool entdecke ich Pablo, der eindeutig schwächelt: Bei ihm ist die Luft raus...

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