Die schwüle Hitze schlägt sofort zu, als sich die Türen zum Oberdeck öffnen. Doch an diesem Abend auf der „Disney Wish“, dem neuesten Schiff in der Flotte des US-amerikanischen Unterhaltungskonzerns, sind wir so abgelenkt, dass wir das Schwitzen vergessen: Captain Jack Sparrow aus „Fluch der Karibik“ tanzt auf der Bühne vor Hunderten Gästen, nachdem eine Piratencoverband sich durch Rockklassiker arbeitete, ehe sich zu einer Technoversion des musikalischen Filmthemas Dutzende Feuerwerksraketen in den Himmel irgendwo zwischen den Bahamas und Florida schrauben.

Natürlich ist ein derartig übertourtes Spektakel ziemlich genau das, was man von einer Kreuzfahrt auf einem Disney-Schiff erwartet. Allerdings ist das Laute, das Bunte nicht alleiniges Merkmal einer solchen Unternehmung.

„Wish“ ist das fünfte Schiff der Disney-Flotte

Bei Disney haben inzwischen nicht nur die Filme einen beachtlichen Anteil am Firmenumsatz. Freizeitparks, Hotels, Shows – alles zahlt ein in die Bekanntheit der Marke und sorgt dafür, dass Milliarden Kindheiten eng (und kostspielig) verbunden sind mit beliebten Figuren wie Micky, Elsa, Nemo, Yoda und Iron-Man. 1995 gründete der Konzern Disney Cruise Line, eine Kreuzfahrtabteilung, die 1998 mit der „Disney Magic“ erstmals Passagierinnen und Passagiere auf die Weltmeere hinausfuhr. Bis 2012 folgten drei weitere Schiffe. Im Sommer 2022 wurde die Flotte nach zehn Jahren um ein fünftes Schiff vergrößert.

Die „Disney Wish“ wurde in Papenburg in der Meyer-Werft gefertigt.

Platz für bis zu 4000 Passagierinnen und Passagiere

Die „Wish“ wurde in Papenburg in der Meyer-Werft gefertigt und ist das derzeit größte Disney-Schiff. Sie ist das erste der Flotte, das mit dem als umweltfreundlicher geltenden Flüssigerdgas LNG angetrieben wird. Der 341 Meter lange Ozeanriese ist mit bis zu 4.000 Passagierinnen und Passagieren in 1.254 Staterooms genannten Kabinen unterwegs. Viele Touren beginnen in Disneys eigenem Terminal in Cape Canaveral – keine Stunde entfernt von Walt Disney World, dem riesigen Freizeitresort, das jährlich Millionen Menschen nach Florida lockt.

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Tatsächlich macht sich beim Betreten der „Wish“ ein Unterschied bemerkbar: Das Atrium, Grand Hall genannt, ist viel größer als bei den bisherigen Schiffen. Zur Begrüßung werden die Namen der ankommenden Reisenden laut verkündet. Cinderella – ihr ist die Halle gewidmet – winkt uns freudig von einem Balkon zu. Über uns hängt ein riesiger Kronleuchter, der uns später am Abend einen Gute-Nacht-Gruß zuflimmert.

Das ­Atrium des Ozeanriesen soll an ein Schloss erinnern.

Alles beginnt mit „Es war einmal...“

„Wir haben uns gefragt, wie wir all die Geschichten von Marvel, Pixar, Star Wars und Disney erzählen können“, sagt Laura Cabo, verantwortlich bei Disney Imagineering für den Kreativprozess. Schnell habe man die Essenz all dieser Universen gefunden: Sie verzaubern die Menschen auf unterschiedlichste Art, und doch beginnen sie im Kern alle mit einem „Es war einmal“. Märchen eben. „Und bei Disney steht Cinderella genau dafür, mit dem Song ,A Dream Is a Wish your Heart Makes‘ – so haben wir auch den Namen für die ,Wish‘ gefunden“, erklärt Cabo.

Die Kabinen der „Disney Wish“ sind von beliebten Disney-Filmen inspiriert.

Ausstattung ist eher gediegen

Die Annahme, sich nun in einem überzuckersüßen Kitschkirmes zu verirren, liegt nah. Tatsächlich ist die Ankunft gediegener als erwartet (oder befürchtet?). In den Gängen sind angejazzte Instrumentalversionen von Disney-Klassikern zu hören. Überall auf dem Schiff hängen Kunstwerke, inspiriert von den vielen Zeichentrickfilmen, die seit der Premiere von „Schneewittchen“ 1937 über Leinwände und Handydisplays liefen.

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Aber nichts ist knallig-bunt, dafür alles gediegen-festlich gestaltet. Hook’s Barbershop etwa, ein Friseur mit Whiskyversorgung. Oder The Bayou: Die stilvolle Bar ist angelehnt an den in New Orleans spielenden Film „Küss den Frosch“. Beides wirkt, als hätten die Kreativen dahinter den Disney-Zusammenhang fast verschleiern wollen.

Hier ist Minnie die Kapitänin

Bis, ja bis man dann wieder mal aus einem Fahrstuhl tritt und im Gang auf Captain Minnie trifft, die mit Passagierinnen und Passagieren für Fotos posiert. Auch an Disney geht der Fortschritt nicht vorbei, erstmals ist die weibliche Maus aus der Truppe offiziell für die Kreuzfahrt verantwortlich. Micky trifft man zwar wahlweise im maritimen oder Piratenoutfit auch immer wieder, die „Wish“ jedoch ist Minnies Schiff.

Captain Minnie ist auf der „Wish“ ­offiziell für die Kreuzfahrt verantwortlich.

Von Quizabenden bis zu Showproduktionen

Das ist dann auch einer dieser großen Unterschiede zu gewöhnlichen Kreuzfahrten. Natürlich ist vieles hier auf Kinder und Kind gebliebene Erwachsene ausgelegt. In zwei Kinos laufen Filme aus dem Firmenportfolio, es gibt Quizabende und gleich drei größere Showproduktionen, außer „Aladdin“ und einer launigen Goofy-als-Kapitän-Schmonzette auch einen modernen Aufguss der „Arielle“-Geschichte. Zwei Themenrestaurants werden uns als „hochimmersiv“ angekündigt, was heißt, dass wir nicht nur essen und zuschauen, sondern uns als Teil des Erlebnisses wahrnehmen sollen.

Superheldenfans werden auf der „Disney Wish“ vor ­allem vom Restaurant Worlds Of Marvel angetan sein.

Im Restaurant Teil des Geschichte werden

Im „Arendelle“ werfen Eiskönigin Elsa und Schneemann Olaf eine Verlobungsfeier für Anna und Kristoff und wir sind Gäste. Im „Avengers: Quantum Encounter“ müssen sich Ant-Man und die Wespe gegen einen bekannten Marvel-Bösewicht zur Wehr setzen und brauchen unsere Hilfe. Auf dem Sonnendeck gibt es Sing-a-Longs, also gemeinsames Singen, und Partys, dazu einen Foodmarket.

Mit der Aquamouse gibt es auch ein Fahrgeschäft – im Prinzip eine glorifizierte Wasserrutsche. Immerhin: Wenn Eltern das Ganze zu viel wird, können sie den Nachwuchs wahlweise in einem Star-Wars- oder Marvel-Kinderland hinter sich lassen und sich im bisher größten Adult-only-Bereich auf einem Disney-Schiff entspannen.

Kinder werden in der „Star Wars: Cargo Bay“ beaufsichtigt, wenn die Eltern mal etwas Zeit für sich wollen – oder brauchen.


Wie stilsicher sich die zuweilen ins Kitschige abzurutschen drohende Märchenwelt mit gehobenem Anspruch verbinden lässt, erleben Passagierinnen und Passagiere vor allem im The Rose, der Bar, die den Eingangsbereich zu den zwei Restaurants Palo, einem Steakhouse, und Enchanté bildet. Das Areal ist inspiriert von „Die Schöne und das Biest“, aber so dezent, dass man es fast übersehen kann. So tragen im Enchanté die Bedienungen abstrahierte Kerzenleuchterpins am Revers, ein Hinweis auf den Lumière, eine Figur aus dem Filmklassiker.

Drei-Sterne-Koch hat Menü kreiert

Serviert werden hier Speisen des französischen Drei-Sterne-Kochs Arnaud Lallement in einem minimalistisch designten Gastraum mit viel Gold. Das Neun-Gänge-Menü mit Champagnerbegleitung ist ein Erlebnis so fernab der anderen Angebote, dass man den Disney-Ursprung des Ortes völlig vergessen kann, außer dass es wirklich märchenhaft schmeckt.

Das feinste Restaurant an Board ist das Enchanté, das Menü hat der französische Drei-Sterne-Koch Arnaud Lallement entwickelt.


Das genaue Gegenteil befindet sich einige Decks tiefer: Die Star Wars Hyperspace Lounge ist laut, Barkeeper schießen Nebelkugeln auf Cocktails, auf in die Wand eingelassenen Bildschirmen sehen wir das Weltall, gelegentlich erschüttern Begegnungen mit Raumschiffen den Barraum. Bars gibt es übrigens an jeder Ecke, eventuell für jene, deren Fantasie doch etwas Schmieröl benötigt.

Castaway Cay: Disneys Privatinsel

Derzeit fährt die „Wish“ zwischen Florida und den Bahamas auf und ab und steuert dabei auch Castaway Cay an, eine Insel, die Disney in den Neunzigerjahren gekauft und seitdem zu einem makellosen Zwischenstopp umfunktioniert hat. Fahrgeschäfte gibt es nicht, dafür drei Strände (einen nur für Erwachsene), Rochenbegegnungen und Schnorchelaktionen.

Die Disney-Schiffe legen direkt an der Disney-Insel Castaway Cay an, zu Fuß oder mit einer kurzen Trolley-Fahrt geht es dann zum Strand.


Vorbei ist der Flottenausbau nicht – zwei weitere Schiffe sollen in den nächsten paar Jahren dazukommen und der Marktanteil sukzessive ausgebaut werden. Im Sommer 2023 kommt erst mal die „Disney Dream“ nach Europa. Viele Disney-Fans diesseits des Atlantiks dürfte das enorm freuen. Denn den hohen Anspruch an die Parks, mit Service, Sauberkeit und Storytelling Menschen in den Bann zu ziehen, setzt Disney auf den Schiffen fort. Im Detail – aber eben auch manchmal mit einer krawalligen Piratenparty.

Tipps für deine Reise mit der „Disney Wish“

Anreise: Mit dem Flugzeug nach Orlando in Florida, dann mit dem Taxi, Shuttle oder Mietwagen weiter nach Port Canaveral zum ­Cruiseterminal.

Einreise: Deutsche müssen mindestens 72 Stunden vor der Abreise online eine Esta-Einreisegenehmigung beantragen. Kosten: 21 US-Dollar.

Das Schiff: Eine Kreuzfahrt auf der „Wish“ zu den Bahamas und der Disney-Insel Castaway Cay mit drei bis vier Übernachtungen ab Port Canaveral ist je nach Saison und Kabinenkategorie ab etwa 1000 Euro pro Person buchbar (ohne An- und Abreise). Es gibt Kombinationsangebote mit der Walt Disney World in Orlando. Im Reisepreis eingeschlossen sind die Verpflegung in Standardrestaurants, Entertainment wie Shows und Kino, Meets-and-Greets, alkoholfreie Getränke, Snacks und Eis.

Die Reise wurde unterstützt von Disney Cruise Line. Über Inhalte entscheidet allein die Redaktion.