Dass Fluggesellschaften pleitegehen, ist keine Seltenheit mehr. Das Jahr 2019 sorgte in Sachen insolventer Fluggesellschaften für Rekorde: Gleich 23 Airlines stellten weltweit den Betrieb ein, darunter Wow Air und Germania.

Von diesen Zahlen ist das Jahr 2022 noch weit entfernt. Neben der Corona-Pandemie stellen in diesem Jahr weitere Krisen viele Airlines aber vor Schwierigkeiten: der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine, steigende Preise für Flugzeugbenzin und die Inflation zum Beispiel.

Wir geben dir einen Überblick, welche Airlines in diesem Jahr bereits pleitegegangen sind, und erklären, welche Rechte Passagiere im Fall einer Airline-Insolvenz haben.

Air Malta

Bestätigt ist die Auflösung von Air Malta zwar noch nicht, schon im Oktober 2022 könnte die Airline aber vom Markt genommen werden. Die nationale Fluggesellschaft des europäischen Inselstaats Malta schreibt seit Jahren hohe Verluste, durch die Corona-Krise hat sich die finanzielle Situation noch verschlechtert.

Seit April 2021 verhandelt das Land mit der Europäischen Kommission über Staatshilfen. Ein Hilfspaket von 290 Millionen Euro soll der angeschlagenen Airline unter die Arme greifen. In einem ersten Anlauf im vergangenen Jahr war Malta in Brüssel mit dem Plan jedoch gescheitert.

Aktuelle Deals

Wie das investigative Nachrichtenportal „The Shift“ berichtet, hat die Regierung in Valletta deswegen einen Plan B ausgearbeitet. Demnach plant sie, Air Malta noch in diesem Jahr aufzulösen und gleichzeitig eine neue staaliche Fluglinie zu gründen. Die verbleibenden Vermögenswerte würden dann auf die neue Airline übertragen.

Laut den Informationen von „The Shift“ ist vorgesehen, alle Mitarbeitenden von Air Malta zu entlassen und einen Teil wieder bei der neuen Airline einzustellen – allerdings zu „aktuellen Marktbedingungen“, also zu schlechteren Bedingungen auf dem Niveau von Billigfluglinien. 

Wer bereits Flüge bei Air Malta gebucht hat, soll entweder das Geld erstattet bekommen oder Tickets für die neue Airline angeboten bekommen, berichtet reisetopia.

Scandinavian Airlines

Im Juli 2022 hat die skandinavische Fluggesellschaft SAS Insolvenz nach US-Recht angemeldet. Scandivian Airlines kämpft seit Jahren ums Überleben. Traditionell hohe Kosten und die Konkurrenz durch Billigfluggesellschaften wie Ryanair oder Norwegian haben der Airline schon vor der Corona-Krise zu schaffen gemacht. 

Beschleunigt wurde die Entscheidung zur Anmeldung der Insolvenz nach Angaben von SAS durch den Pilotenstreik im Juli. Hunderte Flüge mussten ausfallen, der Ausstand kostete die Airline nach Unternehmensangaben zwischen 9 und 12 Millionen Dollar täglich.

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Flugzeuge von SAS: Der Flugbetrieb der Airline soll trotz Insolvenz weiterlaufen.

Ziel des Insolvenz-Verfahrens ist es laut SAS-Chef Anko van der Werff, das geplante Sanierungsprogramm und Verhandlungen zur Restrukturierung des Unternehmens zu beschleunigen, geschützt vor dem Zugriff seiner Gläubiger. Neun bis zwölf Monate soll das Verfahren laut SAS dauern. Den Flugbetrieb will die Airline dabei aufrechterhalten. 

Tel Aviv Air

Nur zwei Monate nach ihrem ersten Start musste die Hamburger Fluggesellschaft Tel Aviv Air im Mai 2022 ihren Flugbetrieb wieder einstellen. Mitten in der Corona-Krise hatten zwei Freunde die Firma gegründet, die in Medienberichten als „kleinste Airline der Welt“ bezeichnet wurde.

Anfang März war der erste Flug von Hamburg in die israelische Metropole Tel Aviv gestartet. Mit nur einem Flugzeug wollte die Fluggesellschaft jeden Donnerstag und Sonntag einen Direktflug zwischen den beiden Städten anbieten. Kurze Zeit später teilte sie auf ihrer Website mit, sie habe beim Amtsgericht Hamburg Insolvenz angemeldet.

Flugzeuge am Hamburger Flughafen: Die Direktverbindung nach Tel Aviv mit Tel Aviv Air gibt es nicht mehr.

Die Gründe seien vielfältig, erklärte Shlomo Almagor, einer der beiden Geschäftsführer, gegenüber der „Jüdischen Allgemeinen“. Besonders die stark gestiegenen Preise für Flugzeugbenzin hätten dem Unternehmen zu schaffen gemacht. Im Mai habe man die steigenden Kosten nicht mehr ausgleichen können.

Auf seiner Website teilte die Tel Aviv Air mit, Fluggäste, die von Stornierungen betroffen sind, würden gesonderte Mitteilungen erhalten. Man werde alles daransetzen, die Direktverbindung so schnell wie möglich wieder verlässlich anzubieten.

Cargologic Airline

Auch die vier Maschinen der Cargologic Airline mit Sitz im sächsischen Schkeuditz heben nicht mehr ab. Der Grund: Wegen den Russland-Sanktionen hat das Luftfahrt-Bundesamt der Frachtairline die Flugerlaubnis entzogen. Denn die CLG ist eine hundertprozentige Tochter der britischen Cargo-Logic Holding. Deren Eigentümer ist ein Russe, der auf der Sanktionsliste der Europäischen Union steht.

Laut Insolvenzverwalter war in Gesprächen mit dem Bundesverkehrsministerium zwar erreicht worden, dass die insolvente Airline von der Sanktionsliste gestrichen wurde. Doch es fehlte an Geld und Investoren für die Wiederaufnahme des Geschäfts.

Ein Flugzeug der Cargologic Germany auf dem Flughafen Hannover.

Im Mai meldete die CLG deswegen Insolvenz an, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden entlassen. Die CLG hat rund 100 Beschäftigte und flog vor allem für DHL.

Die Airline ist pleite – diese Rechte haben Passagiere

Mit der Insolvenz stellen Airlines auch oft den Flugbetrieb ein. Obwohl zahlreiche Kundinnen und Kunden Tickets haben, fallen die Flüge von einem auf den anderen Tag einfach aus. Andere Airlines, wie SAS, erhalten den Flugbetrieb dagegen trotz Insolvenz aufrecht. 

Wenn eine Airline Insolvenz anmeldet, solltest du dich deswegen zunächst erkundigen, ob die Flüge wie geplant stattfinden. Werden sie gestrichen, dann kommt es darauf an, ob du eine Pauschalreise gebucht hast oder die Tickets selbst gekauft hast.

Anzeigetafel am Flughafen. Geht eine Airline insolvent, werden Flüge oft gestrichen.

Wer eine Pauschalreise gebucht hat, ist bei einer Airline-Insolvenz rechtlich geschützt. Der Reiseveranstalter muss für eine Ersatzbeförderung sorgen. Wird der Flug gestrichen, solltest du dich also beim Veranstalter erkundigen, wie du ans Ziel kommen kannst. Wenn der Ersatzflug viel früher oder später startet als geplant, kannst du den Reisepreis entsprechend mindern. Passt die Alternative nicht, ist es in der Regel möglich, den Reisevertrag ohne Stornokosten zu kündigen.

Wer jedoch nur einen Flug über die Airline gebucht hat, hat schlechtere Karten. Passagiere können zwar ihre Forderungen nach Erstattung der Flugkosten beim Insolvenzverwalter anmelden, es ist aber fraglich, ob und wie viel Geld du im Insolvenzverfahren zurückbekommst.

Außerdem musst du dich selbst um eine Ersatzbeförderung kümmern und diese bezahlen. Auch solche Kosten kannst du später beim Insolvenzverwalter anmelden.