Die Golden Gate Bridge liegt am Bodensee. Die Berberaffen wiederum sind bei Salem zu Hause. Glaubst du nicht? Doch, doch, kannst du aber! Großes Indianerehrenwort. Am Bodensee ist es so einfach, mehr zu erleben als das Bekannte. Alles, was du brauchst, sind richtig gute Geheimtipps. Mit denen rücken wir jetzt raus.

Am Bodensee kannst du auf kuriose Naturschätze wie den mystischen Teufelstich oder die steinernen Churfirsten bei Sipplingen treffen. In der Barockkirche Birnau lernst du die Figur des Honigschleckers kennen und auf der idyllischen Halbinsel Wasserburg deckst du ein düsteres Geheimnis aus der Vergangenheit auf. Neugierig geworden? Gut so, es lohnt sich! Raus aus dem Sofa, liebe Couchpotatoes, und ab an den Bodensee. Wir sehen uns in der Luft, bei Perlwein und First-Class-Zeppelin-Aussicht.

1. Die schöne Halbinsel mit der düsteren Geschichte: Wasserburg

Weithin sichtbar ragt der Zwiebelturm der Kirche St. Georg auf der Halbinsel vor dem idyllischen Städtchen Wasserburg auf. Er ist ein Wahrzeichen für die ganze Region und zudem ein beliebtes Fotomotiv.

Im Museum im Malhaus gleich neben der Kirche überkommt dich allerdings das Grauen. Das Malhaus war nämlich früher ein Gerichtshaus mit einer ziemlich düsteren Geschichte. Insgesamt 26 Personen, überwiegend Männer, sollen hier im 17. Jahrhundert der Hexerei angeklagt, gefoltert und in Hegne verbrannt worden sein. Ein Teil der Ausstellung im Malhaus ist daher den Hexenprozessen gewidmet, die dort zu den Zeiten stattfanden, als die Fugger über Wasserburg herrschten.

Heutzutage weht hier natürlich ein anderer Wind: Der 3500-Seelen-Ort Wasserburg liegt fünf Kilometer westlich von Lindau und bietet sich als Ausgangspunkt für Streifzüge durch die nahen Naturschutzgebiete und die Streuobstwiesen des Hinterlandes an.

Wasserburg: Wer hätte gedacht, dass sich hinter diesem malerischen Ort eine so düstere Vergangenheit versteckt?

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2. Abgehoben, abgefahren: Im Zeppelin den Bodensee erkunden

Am Himmel über dem Bodensee, bei Friedrichshafen, ist er zu Hause: der Zeppelin. Die eleganten und leise dahinschwebenden Luftschiffe haben das Bild der Region entscheidend mitgeprägt. Am Bord eines Zeppelins lernst du das „Schwäbische Meer“ und seine Landschaften aus einer neuen Perspektive kennen.

(Luft-)Schifffahrt mal anders: Mit einer fliegenden Zigarre den Bodensee erkunden – wie wär’s?

Markante Bauten und Buchten aus der Vogelperspektive betrachten und dabei gemächlich über den blauen Bodensee gleiten, das erlebst du wirklich nicht alle Tage. Im modernen Zeppelin NT gibt es mehrmals täglich Rundflüge von März bis November. Zwar gibt es an Bord keinen mondänen Luxus wie früher, doch wird den Passagieren die Ankunft mit einem Graf-Zeppelin-Perlwein versüßt.

Wem die Preise mit über 200 Euro zu happig sind und wer lieber nicht die Bodenhaftung verlieren will, kann sich auch auf der Zeppelinwerft umsehen. Der Flugbetrieb selbst lässt sich hautnah im Restaurant direkt am Hangar miterleben.

3. Zurück in die Steinzeit: Die Pfahlbauten in Unteruhldingen

In der Stein- und Bronzezeit lebten viele Menschen in der Region in Häusern auf Stelzen. Insgesamt wurden im gesamten Alpenraum 111 Fundstätten mit solchen Pfahlbauten von der Unesco zum Welterbe erklärt.

In Unteruhldingen kannst du im Freilichtmuseum auf Stegen über dem Wasser durch ein kleines Dorf der Jungsteinzeit und ein bronzezeitliches Dorf spazieren. Heute sind hier 23 Pfahlbauten aus der Zeit von 4000 bis 850 vor Christus ausgestellt. Sie entstanden in den Jahren 1922 und 1931. Vorbilder dafür waren Funde am Bodensee, von Schweizer Seen und im oberschwäbischen Federseemoor.

Einmal durch die Steinzeit schlendern: Bei den Pfahlbauten in Unteruhldingen ist das möglich.

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Spuren der versunkenen Epochen wurden in Seen und Mooren gut konserviert, darunter Stoffreste, Holzschalen und Reste von Steinzeit-Mahlzeiten. Das „Archaeorama“ bietet eine Multimedia-Show, bei der du einen virtuellen Tauchgang unternehmen kannst.

4. Eine Hängepartie: Die „Golden Gate Bridge“ über die Argen

In Gohren, an der alten Straße nach Langenargen, spannt sich eine 72 Meter lange Miniatur-Version der Golden Gate Bridge über den Fluss Argen. Die Brücke mit ihren vier hoch aufgemauerten Türmen ist ein sehenswertes Industriemonument.

Württembergs König Wilhelm II. ließ das eindrucksvolle technische Meisterwerk im Jahr 1897 errichten. Sie war damals die dritte Hängebrücke in Deutschland. Da die Argen häufig verheerendes Hochwasser führte, war eine Verankerung von Pfeilern im Flussbett nicht möglich – die Hängekonstruktion erschien daher als einzig mögliche Lösung. 

Auf der Weltausstellung von 1900 beeindruckte sie die Zuschauermassen in Paris: Die „Golden Gate Bridge“ vom Bodensee.

Die 130 Meter langen Tragekabel wurden auf jeder Seite der Brücke durch zwei Pylonen geführt. Auf der Weltausstellung von 1900 in Paris präsentierten die Deutschen die Bauzeichnungen dieser Hängepartie als beeindruckende Leistung im Brückenbau. Heute dürfen nur Radfahrer und Radfahrerinnen sowie Fußgänger und Fußgängerinnen das Kulturdenkmal überqueren.

5. Die rosa-barocke Wundertüte: Wallfahrtskirche Birnau

Sie thront über einem Weinberg: Stolz und majestätisch präsentiert die Wallfahrtskirche Birnau ihre roséfarbene Schauseite dem Bodensee. Um diesen Effekt zu erzielen, verzichtete der Bauherr, Kloster Salem, sogar auf die übliche Ost-West-Ausrichtung des Gotteshauses.

Die Kirche gilt als schönster barocker Sakralbau am Bodensee. Ihr künstlerischer Höhepunkt sind die meisterlich gearbeiteten Deckengemälde. Wer die Birnau betritt, meint sich in himmlischen Sphären zu bewegen und von Engeln umgeben.

Zisterzienserkloster Birnau am Bodensee. Die Birnau blickt mit rosaroter Barock-Brille auf den Bodensee.

Entdeckst du am Altar des Heiligen Bernhard die berühmte barocke Figur des „Honigschleckers“? Der Bienenkorb, den er trägt, symbolisiert die Beredsamkeit des Heiligen Bernhard, dessen Worte der Legende nach wie Honig aus dem Mund flossen. Heute ist die Birnau nicht nur Ziel von Wallfahrern und Wallfahrerinnen und Kunsthistorikern und Kunsthistorikerinnen, sondern auch Heiratswilligen. Um die 50 Paare lassen sich hier jährlich trauen.

6. Ein teuflisch guter Tipp: Der Teufelstisch bei Wallhausen

Zwischen Überlinger See und Untersee schiebt sich die Halbinsel Bodanrück zwischen die beiden Wasserarme. Mit bis zu 693 Meter Höhe bildet sie einen hügeligen Bergrücken aus Molassefels. Auf der Halbinsel, deren nördliche Küstenlinie steil in den Bodensee abfällt, gibt es neben der Marienschlucht weitere, tief eingeschnittene Scharten wie das Echotal oder den Katharinen-Tobel.

Manche Geheimnisse können nur mit dem Kajak oder Kanu gelüftet werden: Dazu zählt der sogenannte „Teufelstisch“ bei Wallhausen.

Am schönsten ist die Annäherung vom Wasser her, zum Beispiel mit dem Kanu oder dem Kajak von Wallhausen bis zum Bootssteg der Marienschlucht. Auf dem Weg triffst du den Teufel: Beim Seezeichen Nr. 22 liegt der Teufelstisch. Wie eine Nadel steht er im Bodensee – bei Niedrigwasser endet er etwa 1,5 Meter unter der Wasseroberfläche. Oben befindet sich eine Platte mit 15 Meter Durchmesser, darunter eine Steilwand, bis zu 90 Meter tief. Zum Teufel noch mal, nichts wie hin an diesen mystischen Ort!

7. Fünf Männlein im Walde: Die Churfirsten bei Sipplingen

Eins, zwei, drei, vier, fünf Männlein steh’n im Walde, ganz still und stumm. Wir präsentieren: die Churfirsten von Sipplingen. Die Churfirsten sind eine geologische Besonderheit inmitten des Naturschutzgebiets der Sipplinger Steiluferlandschaft. Bis zu sieben Meter sind die fünf Steinmänner hoch, alle tragen sie Mützen auf dem Kopf – glücklicherweise!

Ohne diese „Hüte“ wären sie vielleicht gar nicht mehr hier. Ihre Mützen bestehen nämlich aus einer härteren Sandsteinschicht und schützen den Rest der weichen Sandsteintürme vor Regen, Wind und Erosion. Leider haben die Wettereinflüsse der nicht ganz so standhaften Gruppe bereits ziemlich zugesetzt: Vor hundert Jahren soll es hier im Wald noch 18 Sandsteinmännchen gegeben haben. Also schnell hin mit dir, bevor die ganze Mannschaft im Sande verläuft …

8. Die (Berber-)Affen rasen durch den Wald – bei Salem

Salem. Wer diesen legendären Namen hört, denkt sofort an ein kulturell und wirtschaftlich einflussreiches Zisterzienserkloster und an die darin untergebrachte, exklusive Internatsschule. Keine vier Kilometer vom Schloss und Konvent entfernt erwartet dich am Affenberg eine Attraktion ganz anderer Art: Hier befindet sich das größte Affenfreigehege der Republik.

In Salem trifft Affe auf Mensch.

In dem 20 Hektar großen Waldgelände tummeln sich 200 putzmuntere Berberaffen. Mal lässt sich die Sippe beim gemeinschaftlichen Kraulen, mal bei lautstarkem Gerangel beobachten. Die Tiere darfst du auch füttern – mit Popcorn, das es am Eingang kostenlos gibt. Die in Marokko und Algerien beheimateten Affen scheinen sich am Bodensee wohlzufühlen und vermehren sich prächtig, sodass immer wieder Gruppen in ihren Ursprungsländern ausgewildert werden können.

9. Die Halbinsel der Kreativen: Die malerische Höri

Als Gott die Höri erschaffen hatte, rief er zufrieden auf Alemannisch: „Jetzt hör i uff!“ Daher der Name der Halbinsel, so die Legende. Historiker und Historikerinnen wiederum leiten den Namen vom mittelalterlichen hörig, also zu etwas gehörend, ab – in diesem Fall zum Bistum Konstanz.

Die Halbinsel Höri zwischen Radolfzell und dem schweizerischen Stein am Rhein gilt als die Landschaft der Künstler und Künstlerinnen, haben dort doch Größen wie Hermann Hesse, Otto Dix und andere Kreative gelebt und gewirkt.

Die Halbinsel Höri zog Künstler wie Hermann Hesse oder Otto Dix an.

Auf der Höri findest du verträumte Ufer, fruchtbare Ufer und einen stattlichen Berg mittendrin. Wozu die Gegend Maler und Malerinnen inspirierte, zeigen die Museen der Umgebung. Inspirierend fand die Höri allerdings nicht jeder auf Anhieb: „Zum Kotzen schön“, befand Otto Dix, „… ich stehe vor der Landschaft wie eine Kuh.“ Was die Höri von anderen ähnlichen Landzungen am See unterscheidet, ist vor allem der Rhein, der am Südufer Tempo aufnimmt und Strömung zeigt.