Der Odenwald erhebt sich zwischen Rhein, Main und Neckar. Seine landschaftliche Vielfalt verdankt er einem geologischen Dreiergespann aus vulkanischen Gesteinen, Buntsandstein und Muschelkalk. Der wohl schönste Weg, die Region zu ergründen, ist auf Schusters Rappen.

Wanderwege wie der berühmte Neckarsteig oder Spazierstrecken wie der romantische Philosophenweg führen dich über Streuobstwiesen und Felder, durch Wälder mit überraschenden Felsformationen oder durch liebliche Täler. Markante Burgruinen und Ritterfestungen, Überreste römischer Siedlungen entlang des Limes-Grenzwalls oder Berge wie der Katzenbuckel und die Neunkircher Höhe wollen entlang des Weges erkundet werden. Worauf wartest du also noch? 

1. Der Neckarsteig – Mark Twains Geheimtipp und dem Neckar folgen

Der Neckar hat Millionen von Jahren gebraucht, um sich einen Weg durch den Odenwald zu bahnen. Heutige Wandernde kommen schneller voran, die Schilder geben es vor: Für den Neckarsteig folgst du einfach dem blauen N! Auf dem 128 Kilometer langen Wanderweg marschierst du von Heidelberg durch den Naturpark Neckartal-Odenwald nach Bad Wimpfen, der größten Kaiserpfalz nördlich der Alpen. Das Programm lautet: immer dem Neckar hinterher! 

Der Neckarsteig führt auch an saftigen Wiesen durch idyllische Landschaften.

Heute scheint der einst wilde Neckar durch Staustufen gezähmt. Doch dem Flusstal haftet noch immer eine ehrwürdige Magie an. Wie Perlen reihen sich hoch über dem Neckar Burgen, Schlösser und Ruinen aneinander. Abwechslungsreich bringt dich der Fernwanderweg durch dichte Wälder und offene Wiesen sowie Wacholderheiden zu Weinbergen und vorbei an Streuobstwiesen.

Die begeistern Reisende schon seit Jahrhunderten: „In deinen Tälern wachte mein Herz mir auf zum Leben“, sinnierte einst Hölderlin. Auch Mark Twain kam ins Schwärmen, als er Ende des 19. Jahrhunderts den verschlungenen Strom zu Fuß und mit dem Floß erkundete. Der Huckleberry-Finn-Autor würdigte besonders die Kulinarik, etwa die frische Forelle, die er „im Garten mit Behaglichkeit und Muße“ verkosten durfte. Über den regionalen Wein hatte der Amerikaner nur Spott übrig: „Er ist sehr beliebt. Von Essig unterscheidet er sich durch das Etikett.“ 

2. Der Limeslehrpfad – den Knick in der Optik und die Grenze im Blick

Mit einer Länge von 550 Kilometern ist der Obergermanisch-Raetische Limes das größte historische Denkmal in Deutschland. Die ehemalige Markierung der Grenze zwischen dem römischen Kaiserreich und den von Germanen und Kelten besiedelten Gebieten steht als Weltkulturerbe unter dem Schutz der Unesco. 

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Für Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen ein Mysterium: Ab Walldürrn macht der Limes einen Knick und verläuft über 80 Kilometer kerzengerade bis nach Welzheim.

Die Grenze verlief vom „Nassen Limes“ bei Miltenberg am Main über Walldürn, wo er den sogenannten Limes-Knick macht. Ab hier verläuft die provinzialrömische Grenze auf über 80 Kilometern kerzengerade bis nach Welzheim – eine technische Meisterleistung, deren Planung und Umsetzung den Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen bis heute Rätsel aufgibt.

Der 2,3 Kilometer lange Limespfad verläuft im Nordosten der Stadt parallel zum Limes durch den Wald. Entlang des Pfades stößt du auf die Grundmauern einstiger Wachtürme, eine Wall-Graben-Anlage sowie die Rekonstruktion eines Palisadenabschnitts. Auf Infotafeln erfährst du Wissenswertes über den Limesaufbau und das Leben von Soldaten, die an der Grenze ihre Arbeit verrichteten. Schon 150 nach Christus wurde das Gebiet um Walldürn von römischen Truppen erobert.

3. Der Margarethenschlucht-Pfad – alpines Klettervergnügen genießen

Zwischen Mosbach und Eberbach bei Neckargerach hat sich der Flursbach in den Odenwälder Buntsandstein gegraben und einen Wasserfall geschaffen. In der 300 Meter langen Schlucht überwindet das Wasser in acht Stufen einen Höhenunterschied von 110 Meter. 

Klarstes Wasser: Die Margarethenschlucht gehört zu den Wanderhighlights im Odenwald.

Die Margarethenschlucht steht schon seit 1940 unter Naturschutz, am besten lernst du den Flusslauf und seine Fauna und Flora während eines Spaziergangs kennen. Der drei Kilometer lange Margarethenschlucht-Pfad informiert auf Tafeln über die Flora und Fauna sowie die geologische Beschaffenheit der Region. Seltene Farne, Moose und Flechten sowie geschützte Amphibien, zum Beispiel Feuersalamander und Bergmolch, haben hier ein Refugium gefunden.

Ausgangspunkt der Tour ist in Neckargerach, dessen Camping-Platz Odenwald River Camp Tipi-Übernachtungen und Kanutouren anbietet. Der Lehrpfad führt nach dem Städtchen ein Stück am Neckar entlang. Hier hast du einen schönen Blick auf Guttenbach, die Minneburg und die nahe gelegene Neckarschleuse.

4. Hinauf zur Neunkircher Höhe – Turm erklimmen, Heuneburg entdecken

Zugegeben: Die 22 Kilometer lange Rundwanderung von Niedernhausen zur Neunkircher Höhe und über die Burgruine Rodenstein zurück erfordert Kondition. Doch sie führt überwiegend über bequeme Wald- und Forstwege und lockt mit ihrem abwechslungsreichen Panorama. Auf der Waldwanderung kannst du bis auf das Dach des hessischen Odenwalds gelangen! 

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Schöne Aussichten: Auf der Neunkircher Höhe siehst du unter anderem vom Kaiserturm auf das Gersprenztal.

Los geht’s im Dorf Niederhausen im Fischbachtal auf der Lichtenberger Straße hinauf zum imposanten Schloss Lichtenberg. Der dreiflügelige Renaissancebau beherbergt ein landeskundliches Museum und gilt als „Geopark-Eingangstor“.

Nächstes Highlight auf dem Weg ist die keltische Ringwallanlage der Heuneburg, dann geht’s hinauf in das Bergdorf Neunkirchen und zur Neunkircher Höhe. Hier gewährt der Kaiserturm einen 360-Grad-Blick, und die höchstgelegene Gaststube des Odenwalds lädt zum Entspannen ein. Zurück geht es am Felsmassiv Wildweibchenstein und am Fallenbachfall vorbei, dem höchsten Wasserfall des Odenwalds, bis zu den imposanten Ruinen von Burg Rodenstein.

5. Der Philosophenweg – Heidelbergs Schokoladenseite genießen

Die beste Sicht auf Heidelberg und sein Schloss gibt’s vom Philosophenweg aus auf der gegenüberliegenden Neckarseite. Seit Jahrhunderten zieht die Strecke Berühmtheiten wie Joseph von Eichendorff oder Friedrich Hölderlin in ihren Bann. Einst wandelten hier Gelehrte in steifen Gehröcken und lockerten ihre Gedanken beim Spaziergang. 

Bei der Südseite des Heiligenbergs handelt es sich um eine der wärmsten Gegenden in Deutschland. Kein Wunder, dass der Philosophenweg mit einer südländischen Vegetation verzaubert.

Ein wenig versteckt liegt der Startpunkt nahe der Theodor-Heuss-Brücke. Nachdem du von dort aus den steilen Aufstieg durch das Villenquartier geschafft hast, kommt auch schon die erste Belohnung: Auf dem Naturbalkon erwarten dich Gärten mit teilweise mediterranem Bewuchs. Von hier oben kannst du die Stadt auf dich wirken lassen und genießt einen tollen Postkartenblick mit Neckar, Alter Brücke, Heidelberger Schloss und dem 600 Meter hohen Königstuhl.

Da es sich auf der Südseite des Heiligenbergs um eine der wärmsten Gegenden in Deutschland handelt, grünt die Vegetation besonders üppig und mutet beinahe schon südländisch an. Pinien, Palmen, Granatäpfel und Zitrusfrüchte verströmen ihren Duft. Exoten wie japanische Wollmistel und amerikanische Zypresse, spanischer Ginster und portugiesische Lorbeerkirsche gedeihen prächtig.

Über den sogenannten Schlangenweg gelangst du genauso steil über Treppen bergab, wie es vorher bergauf ging. Nach wenigen Minuten erreichst du schließlich in der Nähe der Alten Brücke den Neckar, den Endpunkt dieses schönen Spaziergangs. 

6. Die Rundtour zum Katzenbuckel – wandern auf dem Vulkan

Der Katzenbuckel-Vulkan bei Waldbrunn ist mit 626 Metern die höchste Erhebung des gesamten Odenwaldes. Seine Entstehung verdankt er mehreren Vulkanausbrüchen vor 60 Millionen Jahren. Der fünfzehn Kilometer lange Rundwanderweg führt von der St.-Johannes-Nepomuk-Kirche zur Burgruine Eberbach und vom Katzenpfad schließlich auf die Spitze des Katzenbuckels. 

Der Katzenbuckel im Odenwald ist ein beliebtes Ziel unter Wandernden.

Die großen Felsbrocken ringsherum machen deutlich, dass es sich beim höchsten Berg des Odenwalds um einen ehemaligen Vulkan handelt. Oben thront ein 18 Meter hoher Aussichtsturm, der 1820 inklusive Zinnenkranz aus Sandstein gemauert wurde. Wer ihn erklimmt, wird mit einem schönen Rundumblick belohnt: im Süden über den Kraichgau, nach Norden über den Odenwald. Bei klarer Sicht schaust du sogar bis zum Donnersberg oder in den Taunus sowie in die Rhön.

Auf dem idyllisch gelegenen Vogellehrpfad und dem Rhein-Neckar-Weg geht es zurück nach Eberbach.

7. Der Burgensteig – Schlösser belagern und Festungen erklimmen

Auf ritterlichen Spuren führt dich der Burgensteig von Darmstadt nach Heidelberg zu über 30 Burgen, Schlössern und Kultstätten an der Bergstraße-Odenwald. Die Gesamtlänge des anspruchsvollen Weges beträgt 115 Kilometer, während derer du 4500 Höhenmeter überwindest. Du kannst die landschaftlich schöne Strecke gut in neun Etappen aufteilen. 

Burgensteig, Grande Finale: Schlossruine Heidelberg wirft sich in Pose.

Die teilweise schmalen und urigen Wege queren Bäche, Wiesen, Wälder und Weinberge. Immer wieder eröffnen sich Aussichtspunkte mit Blick in den Odenwald und die Rheinebene. Zu den Höhepunkten der Strecke zählen unter anderem Burg Frankenstein, Ruine Tannenberg oder Schloss Auerbach. Mit Heppenheim passierst du eine romantische Fachwerkstadt.

Auf dem Kreuzberg überrascht dich ein großer Findling, der als „Steinerner Gaul“ bekannt ist. Weiter geht’s durch das Sechs-Mühlen-Tal entlang des Flüsschens Weschnitz. Oberhalb von Weinheim entdeckst du die mächtige Anlage der Wachenburg und gelangst zu einem historischen Bergwerk. Der beeindruckende Steinbruch Leferenz bei Dossenheim gibt Zeugnis ehemaliger Vulkanausbrüche.

Das große Finale der Wanderung wartet mit den Ruinen der Klosteranlage Michaelskloster und der Freilichtbühne Thingstätte, die im Germanisierungswahn von den Nationalsozialisten als Kultstätte aufgebaut wurde. Den krönenden Abschluss bildet die Stadt Heidelberg mit ihrem berühmten Fürstenschloss. Stiefel schnüren und ab geht’s!

8. Der Blütenweg – der Nase nach

„Hier fängt Deutschland an, Italien zu werden“ – das soll Kaiser Josef II. über die Bergstraße gesagt haben. Zur Krönung in Frankfurt führte ihn seine Reise entlang dieser historischen Handels- und Heerstraße. Auf dem Blütenweg Bergstraße, der Darmstadt mit Heidelberg verbindet, kannst du jenes kaiserlich-mediterrane Feeling in fünf Etappen beim Wandern live erleben. 

Die rund 80 Kilometer lange Strecke folgt weitestgehend der alten Handelsroute. Im Frühling, wenn es allerorts blüht, zeigt sich der Fernwanderweg von seiner schönsten Seite. Vorbei an Obstgärten, Steinbrüchen und Parks, Wiesen und Wäldern marschierst du entlang der Hänge der Bergstraße parallel zum Rheingraben, immer mit dem duftigen Blütengeruch in der Nase. Schöne Rastplätze und Weitsichten sind in Hülle und Fülle inklusive.

Die Weinberge der Hessischen und der Badischen Bergstraße machen nebenher Durst auf Weine aus dem „Frühlingsgarten Deutschlands“. Mit kürzeren und sanfteren Anstiegen ist der Blütenweg im Vergleich zum Burgensteig Bergstraße weniger anstrengend und eignet sich auf vielen Teilstrecken zum entspannten Spazierengehen. Mit einem Glas Wein darfst du dich nach geschaffter Tour trotzdem belohnen!

Willst du dieses blühende Wunder erleben? Ist ganz einfach: immer der Nase nach! Oder auf die Schilder schauen und dem gelben B von Nord nach Süd folgen.

9. Das Felsenmeer – durch einen Wasserfall aus Riesenkieseln wandern

Einen Katzensprung vom Modautal entfernt liegt das Felsenmeer. Nirgends im Odenwald tritt die Erdgeschichte so eindrucksvoll ans Tageslicht wie hier. Mächtige, runde Felsblöcke „ergießen“ sich wie ein steinerner Strom etwa einen Kilometer lang vom Felsberg hinab ins Lautertal.

Für Abenteurer und Abenteurerinnen: Beim Felsenmeer heißt es kraxeln und krakeln.

Ob die Legende wohl stimmt? Liegt unter den Felsen tatsächlich ein Riese begraben, den du heute noch schnaufen hörst? Am besten spitzt du vor Ort selbst die Ohren. 

Gesichert ist aber die wissenschaftliche Erklärung zur Entstehung des Felsenmeeres: Es gehört zum Kristallinen Odenwald, dessen Gesteine über 500 Millionen Jahre alt sind und aus der Erdkruste nach oben gedrückt wurden. Erst nach mehreren Millionen Jahren kühlten sie ab, rissen auf und verwitterten. Heute laden die riesigen, dunkelgrauen Felsen zum Kraxeln ein.

Einige Wanderwege führen entlang der Felsen, einer von ihnen ist der Felsenmeer-Rundwanderweg, der in Lautertal beginnt. Im Zentrum vor Ort erfährst du über die Erdgeschichte hinaus auch einiges über die Steinbruchaktivitäten am Felsberg. Hier werkelten bereits vor über 2000 Jahren die Römer.