„Deutschlands erster Bierfernwanderweg“ – so bewirbt die Tourismusbehörde des Arberlands den 125 Kilometer langen Wanderweg durch den Bayerischen Wald. Wer hier vatertagsähnliche Züge mit Bollerwagen von Brauhaus zu Brauhaus erwartet, liegt falsch. 

Stattdessen finden Wandernde auf dem Rundweg in Bayern vor allem ganz viel Stille und Idylle. Der Bierfernwanderweg kombiniert verschiedene vorhandene Wanderstrecken miteinander und führt vom Viechtacher Tal durch den Nationalpark Bayerischer Wald, über das Hochplateau Schareben und durch den Böhmerwald zurück nach Viechtach.

Die Strecke müssen Wandernde und Bierliebhaberinnen und -liebhaber natürlich nicht an einem Stück bewältigen. Der Rundweg ist in sechs Etappen aufgeteilt, für besonders Motivierte gibt es noch zwei zusätzliche Abschnitte.

Eine Wegebschreibung und Karte zum Download auf das Smartphone weist den Weg. Der reisereporter stellt dir die Etappen und ihre Highlights auf dem Bierfernwanderweg vor.

Von Viechtach nach Drachselsried

Gleich die erste Etappe startet mit einer Durststrecke: Eine Einkehrmöglichkeit gibt es nämlich erst am Ende der Etappe. Los geht es am Bahnhof in Viechtach.

Blick auf Viechtach in Niederbayern.

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Von hier aus wanderst du über die Regenbrücke und entlang des Flusses Schwarzer Regen über Stein, Hartbühl und Baumgarten bis nach Neunußberg.

Hier lohnt sich ein Besuch in der Burgruine Neunußberg, die einen wunderbaren Panoramablick bietet. Von dort aus führt der Wanderweg durch grüne Wald- und Wiesenkulisse bis zum Ortszentrum Drachselsried, wo in der Brauerei mit Restaurant Falterbräu eine süffige Stärkung wartet. Die Etappe ist 13 Kilometer lang und du überwindest 548 Höhenmeter.

Von Drachselsried nach Bodenmais 

Zu tief ins Glas schauen solltest du dort nicht, denn auf der zweiten Etappe geht es auf Waldwegen weiter bergauf bis zur Berghütte Schareben. Hier bietet sich bereits die nächste Möglichkeit zur Einkehr. Vorher solltest du dir aber kurz Zeit nehmen, den Panormamablick über das Zellertal vom Aussichtsfelsen „Spitzwaldkanzel“ zu genießen.

Erfrischt geht es nach der Einkehr hinauf zum 1134 Meter hohen Hochstein, ein hoher Felsvorsprung unter dem Gipfel von Heugstatt.

Eine Felsenformation auf dem Hochstein.

Durch den Arber-Hochwald wanderst du dann vorbei am beeindruckenden Hochfall. Hier rauscht der Moosbach über den zweitgrößten Wasserfall im Bayerischen Wald steil zu Tal – gut zu beobachten vom Wanderweg aus, der den Bach auf einer Brücke überquert.

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Im Etappenziel Bodenmais laden viele Einkehrmöglichkeiten im Ortszentrum dazu ein, die zweite Etappe ausklingen zu lassen. Am Ziel angekommen hast du 16 Kilometer und 651 Höhenmeter überwunden.

Die Bahnhofstraße in Bodenmais.

Von Bodenmais nach Zwiesel

Vom Rathaus Bodenmais führt die dritte Etappe durch den Ortsteil Böhmhof und am Alten Forsthaus vorbei bis nach Brandten. Hier kannst du in der örtlichen Gastronomie das erste Bier des Tages genießen.

Von dort führt der Wanderweg nach Berghäusl, wo der Anstieg bis zum 965 Meter hohen Hennenkobel beginnt. Auf dem felsigen Gipfel hast du einen herrlichen Ausblick über den Zwieseler Winkel.

Der Quarzbruch nahe dem 965 Meter hohen Hennenkobel bei Zwiesel.

Bergab geht es vorbei an Rabenstein und Innenried bis zum Zwieseler Bahnhof. Eine Erfrischung bekommst du hier zum Beispiel im Gasthaus zum Kirchenwirt oder im Biergarten Schalander in der Dampfbierbrauerei Pfeffer, die auch Führungen anbietet.

Die Dampfbierbrauerei blickt auf eine lange Tradition zurück: Im 19. Jahrhundert gab es in Zwiesel über ein Dutzend Brauereien, heute ist sie die letzte im Ort mit Craftbieren aus der Region. Am Ende der Wanderung hast du 20 Kilometer und 507 Höhenmeter zurückgelegt.

Von Zwiesel nach Regen

Für die vierte Etappe solltest du wieder genug Proviant einstecken, denn auf der Strecke gibt es keine Einkehrmöglichkeit. Sie ist 14 Kilometer lang und du überwindest 87 Höhenmeter. Gut ausgestattet startest du am Bahnhof in Zwiesel, wo du nach einer kurzen Strecke durch die Stadt auf den Fluss Regen triffst.

Ein Wanderer läuft im Nationalpark Bayerischer Wald am Fluss Regen entlang.

Die Route folgt dem Regenfluss ein Stück und biegt dann auf den Flusswanderweg ein. Immer entlang des Flusses läufst du über Bettmannsäge und Nagerlbrücke bis zum Regener Stausee und von dort aus weiter zum Regener Stadtplatz. 

Ein Highlight ist die Führung durch die historischen Bier- und Eiskeller in Regen. Neben Bier wurden dort früher auch Produkte wie Fleisch, Wurst, Lauch und Mohrrüben wie in einem natürlichen Kühlschrank gelagert.

Nachdem die Keller lange in Vergessenheit gerieten, haben die Postkellerfreunde aus Regen sie wiederbelebt. Krönender Abschluss der Führung ist eine Bierkostprobe in der Hütte der Postkellerfreunde. 

Von Regen nach Böbrach 

Die letzten beiden Etappen verlaufen bereits wieder in Richtung des ursprünglichen Ausgangspunktes in Viechtach. Vom Regener Stadtplatz über den Kirchplatz und die Mühlleite geht es zum Lehrpfad „Auf der Spur zur Natur“. 

Anschließend wanderst du entlang des Stausees zum Langdorfer Oberberg, der Schwarze Regen ist nach dem Ortsausgang wieder dein ständiger Begleiter. Auf Wald- und Forstwegen folgt ein weiterer Anstieg auf den 946 Meter hohen Kronberg.

Der Fluss Schwarzer Regen im Landkreis Regen.

Nach einer kurzen Verschnaufpause führt dich die Route über die Strecke der Bodenmaiser „Seven Summits“-Tour bis zur idyllisch auf einer Lichtung gelegenen Gutsalm Harlachberg. Das Etappenziel erreichst du von dort aus durch ein verwunschenes Waldstück und über Obersteinhaus und Maisried in Böbrach, wo du im Brauerei-Gasthof Eck einkehren kannst. Länge der Etappe: 21 Kilometer, Höhenmeter: 783.

Von Böbrach nach Viechtach

Etappe sechs mit 23 Kilometern und 523 Höhenmetern startet am Dorfplatz in Böbrach. Ortsauswärts geht es durch den Wald bis zur Mündung des Rothbaches in den Schwarzen Regen und auf dem Biberweg bis kurz vor Teisnach. Dort biegst du erneut auf den Flusswanderweg ab. 

Die Region zwischen Teisnach und Viechtach ist auch als „Bayerisch Kanada“ bekannt. Der Schwarze Regen schlängelt sich hier durch Steine, Felsen und Baumstämme. Bären, wie im echten Kanada, begegnest du dagegen wahrscheinlich eher nicht.

Der Stausee Höllensteinsee am Fluss Schwarzer Regen bei Viechtach.

Bei Gumpenried überquerst du den Flusslauf und läufst vorbei an Haid am Sand und dem Weiler Pignet ins „Liebestal“. Wild-romantisch schlängelt sich die Aitnach durch den Wald und der Weg am Ufer führt vorbei an Teppichen aus Blumen, in Baumstümpfen geschnitzten Holzfiguren und hohen Felswänden.

In Fischaitnach lohnt sich ein Abstecher zum Hotel und Adventure Camp Schnitzmühle, bevor du mit der Waldbahn zurück nach Viechtach fahren kannst.