Wetsuit anziehen, Board schnappen und mit Bus, Bahn oder Fahrrad zum Surfspot um die Ecke fahren: Was man in Europa sonst nur von den berühmten Surfstränden in Frankreich oder Portugal kennt, ist nun auch in einer wachsenden Zahl von Städten in Deutschland ganz normal. Immer mehr Vereine arbeiten an Plänen für „stehende Wellen“ in städtischen Flüssen.

Für das maritime Stadtspektakel werden meistens spezielle Konstruktionen auf dem Grund eines Flusses eingebaut. Das Wasser wird dadurch umgelenkt, aufgespült und zu einer Welle aufgetürmt. So können Surfsportlerinnen und Surfsportler direkt vom Ufer in eine „perfekte Welle“ einsteigen. 

Surfen in Deutschland: Städte machen die Welle

Anders als im Meer brauchen Fortgeschrittene und Profis nicht lange zu paddeln, um ihre Moves auf der nächsten Welle zu verfeinern. Und für Anfängerinnen und Anfänger vereinfacht die stets gleich bleibende Welle den Lernprozess.

Der Eisbach in München lockt nicht nur Surferinnen und Surfer an, sondern auch zahlreiche Schaulustige.

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Von den coolen Attraktionen profitieren auch die Städte. Sie peppen ihr Image auf, begeistern junge Menschen und locken Besucherinnen und Besucher an, die das Geschehen vom sicheren Ufer aus gebannt verfolgen. 

Bisher gibt es in Deutschland drei Städte mit stehenden Flusswellen: München, Pforzheim und Nürnberg. Eine weitere in Hannover ist im Bau. In Mannheim, Stuttgart, Gräfeling, Traunstein, Bad Reichenhall und Passau sind surfbare Fluss-Wellen noch in Planung oder Vorbereitung.

Der Reisereporter fasst zusammen, wo Surferinnen und Surfer in Deutschland die (Fluss-)Welle machen.

1. Der Eisbach in München

Sie ist die Urmutter der „stehenden Wellen“: die Eisbachwelle in München.

Schon in den 60er-Jahren sprangen die ersten „Brettlrutscherinnen“ und „Brettlrutscher“ mit einem selbst gebauten Brett in den rauschenden Fluss und ließen sich mithilfe eines Seils zunächst liegend auf der Welle treiben. Erst später surften die ersten Wellenreiterinnen und -reiter stehend. Damals war das Surfen auf dem Eisbach allerdings noch strikt verboten. Erst seit 2010 duldet die Stadt München den Surfbetrieb – auf eigene Gefahr der Surferinnen und Surfer.

In der Szene genießt die natürliche Eisbachwelle reichlich Ruhm und Ehre. Profis aus aller Welt kommen nach München, um sich das Spektakel am südlichen Rand des Englischen Gartens anzuschauen. Doch die Welle hat es in sich: Aufgrund des Risikos, sich bei einem Sturz zu verletzen, dürfen nur erfahrene Surferinnen und Surfer einsteigen.

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Selbst die besten Ozean-Surferinnen und -Surfer tun sich schwer damit, sich auf der etwa einen Meter hohen und zwölf Meter breiten Welle zu halten. Zum Trainieren nutzen Anfängerinnen und Anfänger deshalb die kleinere und knapp acht Kilometer entfernte Floßländewelle.

Wer die Eisbachwelle surfen möchte, sollte auch aus einem anderen Grund gut vorbereitet sein. Am Ufer und auf der Brücke stehen häufig mehrere Hundert Zuschauerinnen und Zuschauer, die eifrig Fotos knipsen. Darunter sind auch viele Touristinnen und Touristen, denn die Welle ist in den meisten Reiseführern längst als Top-Attraktion aufgeführt.

2023 dürfte München den Ruf als Surf-Hauptstadt Deutschlands noch weiter ausbauen. Vor den Toren der Stadt ist eine riesige Surfanlage geplant, in der auf 180 Metern Länge alle zehn Sekunden Wellen bis zu zwei Metern Höhe erzeugt werden. Bis zu 700 Surferinnen und Surfer sollen sich dort an einem Tag vergnügen können.

2. Die „Leinewelle“ in Hannover

Im Jahr 2019 knallten bei den Verantwortlichen für die „Leinewelle“ in Hannover die Korken: Die lang ersehnte Baugenehmigung für die erste Flusswelle in Norddeutschland lag endlich vor.

Seitdem gehen die Bauarbeiten am Flusslauf durch die Altstadt Hannovers stetig voran. Gegen Ende Juli 2022 wurde ein Betonfundament gegossen. Als Nächstes sollen drei riesige Wellenkörper in das Flussbett gehoben werden, die die Leine zu einer Welle auftürmen. Das Wehr kann an unterschiedliche Strömungsgeschwindigkeiten angepasst werden und soll damit einen ganzjährigen Betrieb für Surf- und Kanufans ermöglichen.

Der Testbetrieb am Hohen Ufer soll nach Angaben des Trägervereinsvorsitzenden Heiko Heybey im Oktober 2022 starten. Im Frühjahr 2023 soll die „Leinewelle“ dann offiziell freigegeben werden.

3. Die „Blackforestwave“ in Pforzheim

Der kleine Metzelgraben, ein Abzweig der Nagold in Pforzheim, zählt seit Neuestem zu den coolsten Surf-Sports in Deutschland. Zwischen Stadtgarten und dem Jugendkulturtreff „Kupferdächle“ wurde im September 2021 die „Blackforestwave“ eröffnet – eine neue Attraktion am Nordrand des Schwarzwalds in Baden-Württemberg.

Anders als andere Flusswellen besteht die „Blackforestwave“ aus einer Stahlrahmenkonstruktion und zehn steuerbaren Hydraulikzylindern, mit denen sich die Wellenform justieren und absenken lässt.

Vereinsmitglieder können die Anlage jederzeit nutzen – die Welle ist in der Regel an den Wochenenden und vereinzelt auch unter nach der Woche im Betrieb. Für auswärtige Surferinnen und Surfer werden regelmäßig Events angeboten. 

4. Die Fuchslochwelle in Nürnberg

Es brauchte fast zehn Jahre Planung und Bauzeit, bis die Nürnberger „Fuchslochwelle“ im Frühjahr 2022 endlich eröffnet werden konnte. Die stehende Welle ist nun ganzjährig in Betrieb und liegt in Höhe der Adolf-Braun-Straße, etwa fünf Kilometer vom Zentrum Nürnbergs entfernt. 

Für die Wellenanlage hat der Trägerverein „Dauerwelle“ eigens einen Kanalabzweig an der Pegnitz bauen lassen. Das Flusswasser wird mit einem Wehr aufgestaut, in den Kanal umgelenkt und über eine verstellbare Rampe zu einer Welle aufgetürmt. Die Größe der maximal acht Meter breiten Welle wird an den Wasserstand angepasst.

Auch Höhe, Form und der Druck lassen sich verändern. Für Profis können sogenannte Kicker erzeugt werden. Grundsätzlich ist die Fuchslochwelle aber für Anfängerinnen und Anfänger ausgelegt.