Steil schlängelt sich der Weg durch das kleine Waldstück nahe Saint-Pée- sur-Ni­velle. Mächtige Baumwurzeln und vom Regen unterspülte Senken verlangen den Elektroquads, mit denen wir durch das baskische Hinterland südlich von Biarritz fahren, so einiges ab. Doch die gut gefederten Zweisitzer meistern scheinbar mühelos den holprigen Weg durch die hügelige Landschaft.

Mit Swincars durchs Hinterland

Mit einer Geschwindigkeit von gut 30 Kilometern pro Stunde düsen wir in den sogenannten Swincars vorbei an saftigen Wiesen, auf denen Schafe, Kühe und Ziegen weiden. Weiter entfernt grasen auf einem Plateau Pferde. „Das sind Pottok-Ponys“, erklärt Tourguide Nicolas Guilleminot. Die frei lebenden Pferde seien wegen ihrer Kraft und der kurzen Beine sehr beliebt als Polopferde, ergänzt er.

Mit Nicolas Guilleminot und seinen elektrischen Quads lässt sich die baskische Berglandschaft sportlich erkunden.


Nicolas Guilleminot ist ein sportlicher Typ, der seit 2020 Swincars-Touren anbietet. Die Idee dazu hatte der ehemalige Quadrennfahrer nach einem Unfall, der ihn für einige Zeit an den Rollstuhl fesselte. Er merkte, wie schwierig für mobilitätseingeschränkte Personen jeder Ausflug ist und konzipierte zusammen mit einem Fahrzeugbauer die elektrischen Quads.

„Wir können die Ausflüge an die speziellen Bedürfnisse unserer Gäste anpassen“, sagt er und zeigt uns die höchste Erhebung in der grünen Berglandschaft. Es ist der 900 Meter hohe Berg La Rhune, ein beliebtes Ausflugsziel der Region. Auf den Berg führen viele Wanderwege, aber auch eine alte Zahnradbahn aus dem Jahr 1924. Dank der guten Sicht ist, im Westen der Atlantik zu erkennen, genauso wie die Küstenstädte Saint-Jean-de-Luz und Biarritz.

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Napoleon machte Biarritz bekannt

Beide Küstenorte sind unbedingt einen Besuch wert. Das mondäne Seebad Biarritz verdankt seine Bekanntheit Kaiser Napoleon III., der hier mit seiner Frau Eugénie die Sommer verbrachte. 1854 ließ Napoleon an der Grande ­Plage, dem großen Sandstrand von Biarritz, die Villa Eugénie erbauen. Heute trägt das einstige kaiserliche Sommerdomizil den Namen Hôtel du Palais und dient mit seinen gut 140 Zimmern als Luxushotel.

Das kaiserliche Paar zog viele ­illustre Gäste des europäischen Hoch- und Geldadels an, die sich in Biarritz ebenfalls prächtige Villen errichten ließen. Jeder baute nach seinen persönlichen Vorlieben oder dem jeweiligen Zeitgeschmack, deshalb prägen so viele unterschiedliche Architekturstile das Stadtbild. Besonders markant ist die Villa Belza, die wie eine mittelalterliche Burg spektakulär auf einer Klippe thront.

Die Villa Belza in Biarritz steht prominent auf einer Klippe am Meer.

Seebad wurde zum Suferhotspot

Außer den Villen sind es die Wellen, die das Seebad ausmachen. In den Fünfzigerjahren entdeckten die ersten Surferinnen und Surfer die hohen Atlantikwellen und die feinen Sandstrände für sich. Heute gilt Biarritz als historische Hochburg des Surfsports in Europa.

„1957 gilt offiziell als Beginn des Surfsports in Biarritz, aber eigentlich war es schon 1956“, erzählt Gibus de Soultrait, Chefredakteur der französischen Ausgabe des Surfmagazins „Surfer’s Journal“. Damals kam eine Filmcrew aus Hollywood nach Biarritz, um Ernest Hemingways Buch ­„Fiesta“ zu verfilmen.

Die hohen Wellen ziehen Surferinnen und Surfer aus aller Welt an die französische Atlantikküste.


Im Gepäck hatten die Amerikanerinnen und Amerikaner auch ein Surfbrett. Es war etwas komplett Neues, das die Jugend faszinierte, erzählt der passionierte Surfer de Soultrait. Über den Winter bauten sie erste eigene Boards und im darauffolgenden Sommer begann die erste Surfsaison in den hohen Atlantikwellen von Biarritz. Damit war der Grundstein gelegt.

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Biarritz gilt als Ursprung des europäischen Surfsports, weiß Surfspezialist Gibus de Soultrait.

Immer auf der Suche nach der perfekten Welle

Im Laufe der Jahre entwickelte sich daraus ein Lebensstil, der einzig auf das Surfen der perfekten Welle ausgerichtet war. Es ging darum, den Moment zu leben. Der Spirit der Bewegung basiere auf Unabhängigkeit und Freiheit und lasse sich nicht gut mit einem Bürojob und Familie vereinbaren, erklärt Gibus de Soultrait.

Man könne nicht wie bei einem anderen Sport sagen: „Ich mache ihn am Wochenende, wenn ich frei habe“, sondern man surfe, wenn die Wellen da seien – und das könne auch am Montagvormittag sein, führt er weiter aus. Inzwischen ist das Surfen zum Mainstream geworden. Es gibt in jedem Küstenort der Region Surfschulen.

Mit dem Rad an der Küste entlang

Das Meer zieht aber nicht nur Surferinnen und Surfer an, auch für Familien sind die breiten Sandstrände ein Paradies. Zudem gibt es gut ausgebaute Radwege wie den Vélodyssée, der die gesamte französische Atlantikküste entlangführt.
Für die rund 15 Kilometer von ­Biarritz nach Saint-Jean-de-Luz radelt man etwa eine Stunde auf der Veloroute.

Ungefähr auf halbem Weg liegt das Dorf Bidart. Im Ortskern befindet sich ein schöner Dorfplatz mit Rathaus, ein paar Geschäften und Lokalen. Die typisch baskischen Fachwerkhäuser mit ihren rot gestrichenen Holzkons­truktionen und schneeweiß gekalkten Fächern machen den Ort zu einem Postkartenidyll.

Rot-weiße Fachwerkhäuser wie am Dorfplatz von Bidart sind typisch für die französische Region.

Viele kommen zum Campen

Baskische Beschriftungen, die so gar nichts mit dem Französischen gemein haben, etwa „Etxe“ für Haus oder „Egunkariak“ für Zeitungen, geben zusätzliches Lokalkolorit. Und auch ein sogenannter Frontón fehlt nicht: der Sportplatz für das traditionelle Pelotaspiel. Das baskische Ballspiel wird gegen eine hochgemauerte Wand gespielt, ähnlich wie beim Squash. Wie so viele Orte in der Gegend verfügt auch Bidart über etliche Campingplätze. Campingtourismus ist weit verbreitet in der Region, vielleicht auch, weil die Zimmerpreise in der Saison recht hoch sind.

Zum Shopping nach Saint-Jean-de-Luz

Weiter geht’s Richtung Süden nach Saint-Jean-de-Luz. Die 14.000 Einwohnerinnen und Einwohner zählende Hafenstadt gilt als eine der schönsten Städte im Baskenland. In der malerischen Altstadt mit den schmucken rot-weißen Baskenhäusern kann man sich wunderbar durch die Fußgängerzone treiben lassen.

Als Mitbringsel bieten sich Espadrilles an, die baskischen Leinenschuhe mit Hanfsohle. Ein weiterer Klassiker ist die Baskenmütze, der Béret basque. „Sie besteht aus 100 Prozent Merinowolle, ist wasserdicht, kühlt im Sommer und wärmt im Winter“, erklärt Jean-Michel Gibert in seinem Hutgeschäft, das seit 1840 die traditionelle Kopfbedeckung herstellt.

Sie ist nicht nur populär in Frankreich, sondern wird auch gern in Japan und Korea getragen, erzählt Gibert, während er uns Tragemöglichkeiten der Mütze präsentiert. „Früher war es sogar üblich, das Barett vom Vater an den Sohn zu vererben oder es dem Toten mit ins Grab zu legen“, verrät er.

Jean-Michel Gibert ist Inhaber eines Hutgeschäftes und kennt sich mit Baskenmützen bestens aus.


Eine besondere Geschichte steckt hinter den Macarons genannten Keksen aus der Bäckerei Maison Adam. Es heißt, dass sie 1660 zur Hochzeit von Louis XIV. mit der spanischen Infantin Maria Theresia der Mutter des Königs als Willkommenspräsent überreicht worden seien. Diese fand die Mandelkekse wohl so köstlich, dass sie dem Bäckersmädchen einen goldenen Rosenkranz als Dankeschön schenkte.

Die königliche Hochzeit war aber nicht nur für die Bäckerei ein großes Ereignis, sondern für die gesamte Stadt. Der Hofstaat residierte mehrere Wochen in Saint-Jean-de-Luz.

Das Baskenland ist nicht nur für die Baskenmütze bekannt, sondern auch die Espadrilles stammen von hier.


Das Haus, in dem der Sonnenkönig damals wohnte, heißt heute nach ihm Maison Louis XIV., genauso wie der belebte Platz davor, den viele Cafés und Restaurants säumen. Ganz in der Nähe befindet sich die Kirche Saint-Jean-Baptiste, in der die Trauung stattfand.

Unter der Decke der reich ausgestatteten Kirche hängt ein Schiff, das Napoleons Frau Eugénie gespendet hat und das angeblich das Wetter vorhersagt. Zeige der Bug zum Altar, scheine die Sonne, zeige er in die entgegengesetzte Richtung, ziehe Sturm auf, heißt es. Beides gehört zu der ­Region und macht ihren Reiz aus.

Tipps für deine Reise ins Baskenland

Anreise: Direktflüge nach Bordeaux oder ­Biarritz gibt es ab Frankfurt am Main – zum Beispiel mit Lufthansa. 

Beste Reisezeit: Von Juni bis September ist es angenehm warm im Baskenland, die Temperaturen liegen dann zwischen 20 und 25 Grad Celsius. Es kann durchaus auch im Sommer regnen. 

Attraktionen: Ein einstündiger Ausflug mit dem Elektroquad durchs baskische Hinterland mit ­Randoeko ist ab 55 Euro buchbar. 

Die Reise wurde unterstützt von ­Atlantikküste Frankreich. Über Auswahl und Ausrichtung der ­Inhalte entscheidet allein die ­Redaktion.