Das Dach schwankt, aber nur ein bisschen. Unser Guide Daniel Schmid hatte uns zuvor aufgefordert zu hüpfen, um das Dach in Schwingung zu bringen. Wir hüpften, aber es passierte nicht viel. Das Dach federte ein paarmal schwach nach, das war alles.

Vor ein paar Jahren, erzählt Schmid bei der Tour oben auf dem Zeltdach des Münchner Olympiazentrums, hätten sie mal eine Eishockeymannschaft hier gehabt. Da seien alle Spieler im Takt gehüpft und die Schwingung sei noch ganz dahinten – der Guide macht eine weit ausholende Armbewegung – da ganz ganz hinten am Dach über dem olympischen Schwimmbecken messbar gewesen.

Olympiastadion München: Hinauf aufs Dach der Superlative

Mit dem Schwingtest war klar: Es handelt sich tatsächlich um ein zusammenhängendes Dach. Den Titel „Größte Zeltdachkonstruktion der Welt“ hatte München 2010 zwar an Kasachstan verloren, aber immerhin kann sich das Olympiastadion weiter mit dem Titel „Längstes Zeltdach der Welt“ schmücken. Und inoffiziell hält es selbstverständlich weiterhin den Titel „Schönstes Zeltdach der Welt“. Die waghalsige Konstruktion, mit der das Stuttgarter Architekturbüro Günter Behnisch vor den olympischen Spielen 1972 erst die Jury und dann die Welt begeisterte, ist immer noch einen Besuch wert.

Bei gutem Wetter reicht die Sicht vom Zeltdach des Olympiastadions in München sogar bis zu den Alpen.

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Viele Infos beim Dachspaziergang

Und die Tour oben auf dem Zeltdach wäre auch ein schöner Programmpunkt für ein (verlängertes) München-Wochenende. Beim luftigen Dachspaziergang erfährt man von Daniel Schmid einiges über die Dramatik des Aufbaus („Die ganze Konstruktion war so kompliziert, dass damals keine Computersimulation in der Lage war, die Statik zu berechnen“) über die technischen Besonderheiten des Daches („Die Plexiglasplatten können nur einzeln ersetzt werden, nimmt man mehrere Platten raus, verändert sich die Statik des Daches“) und über die Stabilität der Angelegenheit („Die Pylone müssen sich bewegen können, Stabilität entsteht hier durch Flexibilität“). Interessant.


So eine Zeltdachtour ist nicht nur ein schönes Erlebnis für Technikbegeisterte, Designinteressierte und für Abenteuerlustige, die hier noch einen rauschenden Stadionüberflug am Drahtseil einer Flying Fox anschließen können, sie ist auch ein schönes Ziel für eine Radtour durch München.

München – hier der Englische Garten – lässt sich gut mit dem Fahrrad erkunden.

Viele Möglichkeiten für Radfahrer in München

Radfahren in München, das funktioniert von Jahr zu Jahr besser. Zwar ist die Stadt noch längst kein Radfahrerinnen- und Radfahrerparadies wie Kopenhagen oder Amsterdam, aber Radfahrende sind hier auch keine Ausnahmen im Verkehrsgeschehen mehr. Nicht immer ist der Radweg asphaltiert, nicht immer ist er klar erkennbar, aber irgendwie ist zu spüren, dass die Stadt sich um Radverkehr bemüht. Die wichtigen Straßen – vor allem auch die Prachtstraßen – sind von Radwegen gesäumt, an den meisten großen Plätzen gibt es ausreichend Abstellmöglichkeiten, und Leihräder findet man hier auch in großer Auswahl.

Es lohnt sich in München abzuschweifen

Ein Vorteil beim Radeln durch München ist, dass man eine Ahnung vom Zusammenhang der Stadt bekommt. Orientierungspunkte und -flächen sind der Englische Garten (der viel größer ist, als man gemeinhin denkt), die Isar mit ihren Brücken und natürlich die Altstadt mit Residenz, Kirchen, Stachus und Hofbräuhaus. Natürlich kann man sich auch verfahren – vor allem wenn man es bevorzugt, eher auf die Straßen als auf das Handydisplay mit der Routenführung zu schauen, aber in München ist es nie schlimm, mal vom kürzesten Weg abzukommen. Die Stadt lädt zu Abschweifungen geradezu ein.

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Museum lockt jetzt Sportler

Man kann sich in der Stadt gut treibenlassen – und dabei allerhand entdecken. Etwa die Neue Pinakothek, die schon immer ein wichtiger Ort für Kunstinteressierte war und seit den Lockdowns der Corona-Pandemie auch ein Hotspot für Sportlerinnen und Sportler geworden ist. Das überstehende Dach schützt vor Regen, sodass die Sportfans den Eingangsbereich zu einer Art Fitnesscenter umfunktioniert haben.

Leichtathletinnen und Leichtathleten übertreffen sich hier in der Menge formvollendeter Liegestütze, Läuferinnen und Läufer asten zur grauen Betonmauer, um dort kurz anzuticken und unverzüglich wieder umzukehren, und zwei Boxer umtänzeln einander zu Musik aus dem Lautsprecher. In ihre Musik habe die beiden sogar ein Gong-Zeichen eingebaut, ertönt der Gong, lassen sie voneinander ab – und antworten freundlich auf die Frage, wann sie diesen Ort eigentlich für ihr Boxtraining geentert haben: „Seit dem ersten Lockdown schon“, sagt Lorenzo Jäger.

Lorenzo Jäger und sein Trainingspartner boxen vor der Pinakothek der Moderne.

Er und sein Kampfpartner trainieren dreimal in der Woche vor der Neuen Pinakothek: „Das ist cool hier. Du bist gleichzeitig draußen und drinnen“. Dann müssen wir ein bisschen zur Seite treten, weil wieder die Sprinter auf die Betonmauer zurasen.

„Passt scho“, ächzt eine Läuferin. Und da hat sie Recht. Es passt. Die Boxer boxen, die Rennenden rennen und die Kunstfans, die die Pinakothek der Moderne besuchen wollen, finden locker ihren Weg durch die ganze Sportbetriebsamkeit.

Auf der Wiese der Münchner Pinakothek der Moderne steht auch das Futuro-Haus von Matti Suuronen.

München: Im Biergarten sind alle gleich

„Passt scho“ ist typisch für die Münchner. Leben und leben lassen, eine gewisse Lockerheit im Umgang, gepaart mit einer Grundfreundlichkeit, das ist Münchner Lebensart. Und weil das alles so gut zusammengeht, muss sich auch niemand schämen, dass er vielleicht a bisserl mehr verdient oder geerbt hat als andere. Die Millionärinnen- und Millionärsdichte in München ist hoch, die Sportwagendichte auch, aber alles ist überwölbt von einer angenehmen Lässigkeit. Im Biergarten sitzen sowieso alle locker beieinander.

Champagner von Kiosk

Was es in anderen Städten nicht gibt, war beim Radfahren auf der Leopoldstraße zu sehen: Champagner in einem kleinen Kioskschaufenster, ein Späti mit „Moët & Chandon“ in Magnum-Flaschen. Der Vorteil am Radfahren ist, dass man jederzeit und überall anhalten kann. Also: kleine Kurve auf den Gehweg gedreht und den Kioskbesitzer gefragt, ob die Flaschen da nur reine Deko seien, oder ob die tatsächlich zum Verkauf stünden. „Freilich“, sagt der Kioskmann, vor drei Wochen habe er wieder mal so eine Magnum-Flasche verkauft. Und der Preis? „450 Euro.“ Und dann nach einer kleinen Pause: „Das ist halt die Leopoldstraße.“ Passt scho.

Könige prägten die Stadt München

Von dem Münchner-Miteinander von Reich, Sehrreich und Nichtganzsoreich schwärmt auch Stephanie Zimmermann, Gästeführerin in München. Sie bietet Touren durch München an, meist führt sie Gruppen zu Fuß durch die Stadt, aber gelegentlich ist sie auch mit einem Pulk von Radfahrern unterwegs. Kenntnisreich erzählt sie von den Wittelsbachern, die in der Stadt als Denkmale und Straßennamen immer noch sehr präsent sind.

Sie hat auch einen Tipp, wie man sich die Namen der Regenten ganz einfach merken kann: „Max I, Ludwig I, Max II, Ludwig II, dann Prinzregent Luitpold, dann Ludwig III“. Die Könige und der Prinzregent haben die Stadt geprägt.
Nur Radwege haben sie nicht angelegt. Das mussten andere übernehmen.

Tipps für deine Reise nach München*

Attraktionen: Drei- oder vierstündige Stadtwanderungen durch München mit Guide und Einkehr im Milchhäusl beginnen an jedem zweiten Sonntag um 10 Uhr. Sie sind ab 25 Euro pro Person buchbar.

Gästeführerin Stephanie Zimmermann heißt auf Instagram steffiandthecity und gibt dort Tipps für Touren

Zeltdachtouren auf das Olympiastadion dauern 90 bis 120 Minuten. Erwachsene zahlen 43 Euro, Kinder, Jugendliche und Studierende 33 Euro.
 

Weitere Informationen: Mit der München-Card (erhältlich ab 4,90 Euro) bekommen Reisende bei vielen Sehenswürdigkeiten einen günstigeren Eintrittspreis und sind im öffentlichen Nahverkehr kostenlos unterwegs.

Die Reise wurde unterstützt von München Tourismus. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.

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