Lust auf eine geballte Ladung Reiseinspiration? Dann aufgepasst: Das bekannte „Time“-Magazin hat wie jedes Jahr seine „World’s Greatest Places“ gekürt.

Zu den 50 Reisezielen gehören sowohl klassische Tourismus-Hotspots als auch weniger bekannte Orte rund um die Welt. Sie alle bieten „neue und aufregende Erfahrungen“. Außerdem „florieren, wachsen und verändern“ sie sich, zeigen „einen Weg zur wirtschaftlichen Erholung“ auf und „investieren in Nachhaltigkeit“, so das „Time“-Magazin.

Ein deutsches Ziel ist in diesem Jahr in der Liste nicht vertreten – allerdings elf in Europa. Diese Orte stellen wir dir genauer vor.

Dolni Morava in der Tschechischen Republik

Dolni Morava ist eine Gemeinde in Tschechien, die bei Reisenden vor allem wegen ihres Skigebietes beliebt ist. Direkt unter dem 1425 Meter hohen Gipfel des Glatzer Schneebergs finden sich zwei miteinander verbundene Skizentren.

Doch haben Reisende auch die Möglichkeit, auf der längsten Fußgänger-Hängebrücke der Welt spazieren zu gehen. Grund genug für die „Time“-Platzierung. Die Sky Bridge 721 ist nach zwei Jahren Bauzeit im Mai 2022 eröffnet worden. Mit einer Länge von 721 Metern in bis zu 95 Metern Höhe überspannt sie ein ganzes Tal am Schneeberg etwa 200 Kilometer östlich von Prag an der tschechisch-polnischen Grenze.

Der Anfang der Sky Bridge liegt im Skigebiet von Dolni Morava.

Die Sky Bridge 721 ist satte 154 Meter länger als die bisherige Rekordträgerin, die Gandaki Golden Bridge in Nepal. Bekannter in Europa ist die 516 Arouca in Portugal – die erst 2021 eröffnet hat und sich selbst ebenfalls als „längste Fußgänger-Hängebrücke der Welt“ titulierte. Die neue tschechische Brücke übertrifft sie sogar um 205 Meter.

Mit der Sky Bridge 721 ist das Resort von Dolni Morava um eine Attraktion reicher. Erst 2015 wurde dort ein Skywalk mit einer 55 Meter hohen Aussichtsplattform und einer rund 100 Meter langen Rutsche eröffnet. Außerdem gibt es eine alpine Achterbahn und diverse Skigebiete.

Valencia in Spanien

Die alte Hafenstadt Valencia an der Südostküste Spaniens bietet rund 300 Tage im Jahr Sonnenschein. Wer dorthin reist, erlebt neben Strandtagen auch eine der schönsten Altstädte des Landes, moderne Wahrzeichen, Märkten voller Leckereien und gemütliche Restaurants.

Außerdem startet Spaniens drittgrößte Stadt auch in Sachen Kreativität durch: Im Jahr 2022 wurde sie von der World Design Organization (WDO) zur Welthauptstadt des Designs gekürt. Gefeiert wird das mit Events, Ausstellungen und neuen Kulturzentren.

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Auf dem Rathausplatz hat kürzlich ein neuer Veranstaltungspavillon des valencianischen Architekten Santiago Calatrava eröffnet. Spektakulär ist das Caixa-Forum – das von außen aussieht wie eine geschlossene Muschel. In dem modernen Gebäude der Ciutat de les Arts i les Ciències (Stadt der Künste und Wissenschaften) finden Konzerte, Sport und andere Events statt. 

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Zu Gast ist 2022 das „Ron Arad 720°“ – die Konstruktion war bereits in London, Jerusalem und Singapur aufgebaut. Bis zum Ende des Sommers werden auf den acht Meter langen Vorhang aus 5600 Silikonstäben verschiedene künstlerische Arbeiten projiziert.

Ein weiterer Punkt für die Platzierung in der Liste der „World’s Greatest Places“: Valencia ist jetzt noch schneller von Madrid aus zu erreichen – mit dem neuen und günstigen Avlo von Renfe.

Devon in England

Die Grafschaft Devon im Südwesten Englands ist für die pittoresken Küstenstädte, die zerklüfteten Küsten sowie die Nationalparks Dartmoor und Exmoor bekannt. Doch laut „Time“ lohnt sich ab 2022 auch in kulinarischer Hinsicht ein Besuch.

Unter anderem eröffnete im Juni das bekannte Weingut Sandridge Barton, idyllisch gelegen in einem geschützten Tal am Ufer des Flusses Dart, ein Besucherzentrum. Dort können Gästinnen und Gäste Wein verkosten sowie Produkte aus der Käserei probieren. 

Für die Natur, unter anderem in Dartmoor, ist der Südwesten Englands bekannt.

Wer Bier bevorzugt, kann sich die im April neu gestarteten Touren der Salcombe Brewery nördlich der Stadt Kingsbridge ansehen. Das Pilsner, das Session Lager und das Belgian Pale Ale, das in kleinen Mengen hergestellt wird, wurden dieses Jahr bereits ausgezeichnet. Und: Mit dem Restaurant Andria in Dartmouth ist England seit Februar um ein Michelin-Lokal reicher.

Spannend sei auch die Wiederaufnahme des Zugverkehrs auf der historischen Dartmoor Line. Nach fast 50 Jahren verbindet sie die Kathedralenstadt Exeter wieder mit dem Dartmoor-Nationalpark.

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Portree in Schottland

Schon mal von Portree gehört? Hierbei handelt es sich nicht nur um den Hauptort, sondern die einzige Stadt auf der Isle of Skye – einer zu Schottland gehörenden Insel der Inneren Hebriden. Der Name der Stadt ist königlich, bedeutet doch ihr gälischer Name „Port-an-Righ“ übersetzt „Hafen des Königs“.

Zu verdanken hat Portree seinen Namen dem schottischen König James V. Als er im 16. Jahrhundert im Hafen ankerte, mussten sich die Stammesältesten der Insel unterwerfen. Die Hafenzeile ist das Herzstück Portrees: In den bunten Häusern finden sich Restaurants sowie Pubs – und auch die kleine Shoppingmeile ist nicht weit.

Auch die Umgebung ist atemberaubend. Geprägt ist sie von Küstenklippen, zerklüfteten Hügeln und mittelalterlichen Schlössern.

Blick auf den Hafen von Portree auf der Isle of Skye.

In den vergangenen Jahren hat sich laut „Time“ einiges getan: Reisende werden nun von luxuriös ausgestatteten Gasthöfen wie dem Cuillin Hills Hotel empfangen, das am Rande eines Sees steht. Nicht weit entfernt liegt Bracken Hide, eine nachhaltig errichtete Wildnislodge, die aus 27 Hütten rund um eine nordische Sauna besteht.

Wer nach einem Ausflug in die Natur wieder feiern will, kann das seit 2022 wieder: Nach der Pandemiepause findet das jährliche „Skye Live Music Festival“ statt. Außerdem eröffnete kürzlich Torabhaig, die erste Whisky-Brennerei seit 190 Jahren.

Madeira in Portugal

Dass Madeira ein Urlaubstraum ist, ist nichts Neues. Die Insel des ewigen Frühlings ist reich an Naturwundern, die es zu erkunden gilt – ob beim Wandern, Kajakfahren, Klettern oder Tauchen. 

Das Klima ist subtropisch, die Temperaturen sind ganzjährig mild. Kein Wunder, dass sie auch den Beinamen Blumeninsel trägt: Hier blühen Exoten wie Strelitzien, Agapanthus, Hibiskus, Frangipani und Jacarandas genauso wie der Stolz von Madeira, der Madeira-Natternkopf. 

Was du sonst dort machen solltest? Korbschlitten fahren, den Sonnenaufgang vom höchsten Gipfel Pico Ruivo aus genießen und einen der naturbelassenen Levada-Wanderwege erkunden. Als Levadas werden die rund 3000 Kilometer langen, künstlichen Wasserläufe bezeichnet, die im 15. Jahrhundert zur Bewässerung der Insel mit Wasser aus dem Gebirge angelegt wurden.

Ponta do Sol war als Ausgangspunkt für Wander-Fans beliebt, heute ist der Ort ein Zentrum des digitalen Arbeitens.

Für die „Time“-Reporter sind vor allem Hotelneueröffnungen spannend. Die Gruppe Savoy Signature bietet nun das moderne Next Hotel in Funchal, nur wenige Minuten von der Uferpromenade entfernt. Das komplett renovierte All-inclusive-Resort am Meer, das Hotel Riu Madeira in Caniço de Baixo, wurde im April mit zwei neuen Restaurants wiedereröffnet. Und: Die neue Rooftop-Bar des Three House bietet einen atemberaubenden Blick auf Funchal und den Atlantischen Ozean. 

Spannend für uns ist außerdem: Auf Madeira gibt es das weltweit erste „Digital Nomad Village“. Wir haben uns in Ponta do Sol umgeschaut – und selbst dort gearbeitet.

Alentejo in Portugal

Lissabon und Algarve gehören zu den beliebtesten Reisezielen in Portugal. Doch Reisende sollten unbedingt einmal einen Blick auf die Orte dazwischen werfen: Das Alentejo ist die ländlichste und am dünnsten besiedelte Region Portugals. Die malerischen Städte dort sind von Korkeichenwäldern und Olivenhainen umgeben.

Doch viele neue Aktivitäten bieten einen Kontrast zum gemächlichen Tempo: In Estremoz können sich Reisende im neuen Museu Berardo Estremoz über traditionelle Handwerke wie die Fliesenherstellung informieren. In Esperança führt ein etwa 16 Kilometer langer Wanderweg durch den Naturpark Serra de São Mamede vorbei an 6000 Jahre alten Höhlenmalereien. Auch Raubvögel können beobachtet werden, darunter Bonelli-Adler und Gänsegeier.

Ein Mann radelt in Portugal in den Sonnenuntergang, vor ihm der Ozean.

Auch zum Übernachten bieten sich seit 2022 neue Unterkünfte an – darunter die Vila Galé Collection Elvas, Travassos 11 und das Hotel O Canto in den Städten Elvas und Évora, die beide zum Unesco-Weltkulturerbe gehören.

Kaunas in Litauen

Kaunas trägt den Titel „Kulturhauptstadt 2022“. Die zweitgrößte Stadt Litauens überzieht mehrere Hügel und ist gegliedert in die Altstadt sowie die Neustadt. Bei Reisenden aus Deutschland ist Kaunas bisher nicht so bekannt – Zeit, dies zu ändern.

Von 1920 bis 1940 war sie Litauens Hauptstadt. Damals geschah auch der Ausbau zur Großstadt – geprägt durch Gebäude des Bauhausstils, die auch heute noch die Boulevards säumen. Gemütlicher geht es in der Altstadt zu, mit gepflasterten Gassen und Plätzen. Hier dominieren Gotik und Barock.

Die Altstadt von Kaunas in Litauen.

Das einjährige Programm zur Kulturhauptstadt erforscht die turbulente Geschichte der Stadt – unter der Nazi-Besatzung im Zweiten Weltkrieg und später als unfreiwilliger Teil der Sowjetunion – durch Ausstellungen von Künstlern und Künstlerinnen wie Marina Abramovic, William Kentridge und Yoko Ono.

2022 eröffnete der kulturell-kreative Raum der „CulturEUkraine“-Initiative. Es soll ukrainischen Menschen helfen, die vor dem Krieg geflohen sind. Sie sollen dort ihre kreativen Aktivitäten fortsetzen können, Inspiration und Kommunikationsmöglichkeiten finden.

Skellefteå in Schweden

Von Skellefteå haben wohl bisher die wenigsten Reisenden gehört. Obwohl er nur 200 Kilometer südlich des Polarkreises liegt, strahle der Ort unbestreitbar Wärme aus, schreibt das „Time“-Magazin. Fachwerkhäuser säumen die Hauptpromenade, die durch das neu eröffnete Wood Hotel unterstrichen wird – eines der größten Gebäude der Welt, das vollständig aus Holz gebaut wurde.

Verrückt: In der Innenstadt gibt es jetzt beheizte Bürgersteige für den kalten skandinavischen Winter. In Skellefteå findet viel Engagement für Nachhaltigkeit statt – vom mit Biogas betriebenen Nahverkehr bis zur Elektrobatteriefabrik, die zu den größten Europas gehört und direkt vor der Stadt betrieben wird. Außerdem werden 2022 elektrische Schneemobile eingeführt, mit denen auch Touristinnen und Touristen die Weite Lapplands erkunden können.

Holzhäuser der alten Kirchsiedlung Bonnstan im schwedischen Skellefteå.

In den letzten Jahren sind auch viele Kreative aus den Großstädten Schwedens zugewandert und haben die Läden in Skellefteå mit Kunstgalerien und Straßenimbissen belebt, was der frischen lappländischen Luft eine unerwartet kosmopolitische Atmosphäre verleihe für eine Stadt mit weniger als 74.000 Einwohnerinnen und Einwohnern, schreibt „Times“.

Thessaloniki in Griechenland

Thessaloniki ist ein Topziel für Foodies. Kürzlich wurde die zweitgrößte Metropole Griechenlands als erste Stadt des Landes in das Netzwerk der Unesco Creative Cities of Gastronomy aufgenommen. Wie passend, dass der größte Markt der Stadt im September 2022 wieder öffnen wird – frisch renoviert.

Der Modiano ist in einem Gebäude im Basilikastil untergebracht und dient seit 1925 als Einkaufszentrum. Ab Herbst wird er zusätzlich zu seinen regulären Ständen auch Gastgeber für gastronomische Festivals und Pop-ups sein.

Der Markt wurde von einem Nachfahren sephardischer Juden entworfen und ist ein Zeugnis für die Vielfalt der Stadt: Christliche, muslimische und jüdische Kulturen haben in Thessaloniki jahrhundertelang nebeneinander gelebt. Diese gemischte Kulturgeschichte wird das ganze Jahr über gefeiert, wenn Griechenland den 100. Jahrestag des Endes des griechisch-türkischen Krieges von 1921 bis 1922 begeht.

Thessaloniki – die zweitgrößte Stadt Griechenlands direkt am Meer.

Marseille in Frankreich

Für die Aufnahme Marseilles in die Liste der „World’s Greatest Places“ gibt es mehrere Gründe.

Erstens: Die zweitgrößte Stadt Frankreichs hat sich mit der Wiedereröffnung der Villa Méditerranée im Juni zu einem der führenden Kulturziele in Südeuropa entwickelt, findet das „Time“-Magazin. Das Museum im Alten Hafen von Marseille beherbergt eine maßstabsgetreue Nachbildung der berühmten Grotte Cosquer, einer Höhle im malerischen Calanques-Nationalpark.

Sie wurde in prähistorischer Zeit von Menschen mit Kunstwerken versehen, allerdings liegt der Eingang unter dem Meeresspiegel. Somit können nur Taucherinnen und Taucher sie erreichen – zumindest theoretisch. Denn die Höhle steht unter Naturschutz, ein Besuch ist verboten. In die Nachbildung in der Villa Méditerranée fahren Besucherinnen und Besucher in autonomen Elektrofahrzeugen.

Marseille kann auch idyllisch: Blick auf die Rue du Panier in der Altstadt.

Zweitens: Marseille ist eine von zehn Etappen des neuen Wanderweges „Auf den Spuren von Maria Magdalena“. Auf 222 Kilometern wird die biblische Reise von Maria Magdalena durch die Provence nachgezeichnet.

Drittens: Kulinarik. Marseille hat das erste zu 100 Prozent solarbetriebene Restaurant Europas: Le Présage hat sich in einer grünen Ecke des Technopôle de Château Gombert niedergelassen. Und im Juli eröffnete außerdem die Markthalle Les Grandes Halles du Vieux-Port mit 15 Essensständen in der Nähe des Hafens.

Kopenhagen in Dänemark

Nach dem Start der diesjährigen Tour de France hat Kopenhagen seinen Ruf als Fahrradhauptstadt weiter gefestigt: Das dänische Verkehrsministerium hat 2022 zum Jahr des Fahrrads erklärt und investiert allein in diesem Jahr umgerechnet 64 Millionen Dollar in zusätzliche Radwege im ganzen Land.

Fahrradfahrer sind auf der Inderhavnsbroen in Kopenhagen unterwegs.

Wer mit dem Zweirad reist, kann eine Pause im Ark einlegen, einem vegetarischen Gourmetrestaurant, oder in seinem neuen veganen Schwesterrestaurant Souls. Ein weiterer Stopp lohnt sich im renovierten Design Museum Denmark, wo im Herbst auf der Museum Plaza die Ausstellung „Matters-rethinking materials“ gezeigt wird, in der fünf nordische Spitzendesigner vorgestellt werden.