Für viele Passagiere beginnt der Urlaub bereits im Flugzeug. Für andere Fluggäste ist es nicht ganz so einfach. Sie erleben jeden Flug auf dieselbe Art: als Mutprobe. Das muss nicht so sein. Gegen Flugangst gibt es gute Hilfsmittel.

Wer weiß, warum Turbulenzen dem Flugzeug nicht schaden, was welche Geräusche im Flugzeug bedeuten, warum die Piloten kurz nach dem Start den Schub reduzieren und warum harte Landungen manchmal besser sind als weiche, blickt dem nächsten Flug deutlich gelassener entgegen als ohne dieses Wissen.

Eines vorweg: Flugangst ist nicht gleich Flugangst. Handelt es sich bei ihr um eine sogenannte Phobie, wie sie manche Menschen zum Beispiel auch vor Spinnen haben, hilft Information nicht. In den meisten Fällen aber tritt Flugangst als sogenannte Realangst auf. Angst machen dann Turbulenzen, unbekannte Geräusche oder das Gefühl, den Piloten ausgeliefert zu sein. Dagegen helfen Informationen.

Wissen, wie ein Flugzeug fliegt, kann bei Flugangst helfen

Das beginnt mit dem Wissen darüber, warum ein Flugzeug fliegt. Das ist nämlich weder wunderbar noch von den Launen der Natur abhängig – sondern basiert auf der verlässlichen Kraft der Naturgesetze. Ursache ist die spezielle Form der Tragflächen. Diese sind nicht gerade wie ein Brett, sondern nach oben immer stärker als nach unten gewölbt.

Aktuelle Deals

Aufgrund dieser Form strömt die Luft schneller über die Oberseite des Flügels als unterhalb, wenn sich das Flugzeug in Bewegung setzt. Fließt die Luft aber schneller, nimmt gleichzeitig der Druck in ihr ab. Dadurch entsteht ein Sog nach oben. Das ist der Auftrieb, der das Flugzeug zunächst abheben und dann fliegen lässt.

Wer weiß, wie ein Flugzeug fliegt, hat weniger Angst bei Geräuschen und Turbulenzen.

Triebwerke fallen aus: Warum das nicht unbedingt ein Problem ist

Für die Vorwärtsbewegung des Flugzeugs sorgen die Triebwerke. Die meisten Verkehrsflugzeuge haben zwei davon, manche sogar vier. Und was ist, wenn diese einmal ausfallen? Dann fällt das Flugzeug nicht sofort wie ein Stein vom Himmel – sondern gleitet ganz ruhig weiter wie ein Segelflugzeug. Solche Fälle hat es tatsächlich schon gegeben.

Der bekannteste ereignete sich 1982, als ein Jumbo von British Airways über dem Pazifik in die Aschewolke eines gerade ausgebrochenen Vulkans geriet. Alle vier Triebwerke fielen gleichzeitig aus. Bis es den Piloten gelang, die Motoren neu zu starten, vergingen zwölf Minuten – die das über 300 Tonnen schwere Flugzeug in einem ruhigen Gleitflug verbrachte. Und nach all der Gleiterei war es bei Start der Motoren immer noch fast 4000 Meter hoch. Eine Strecke von 150 und mehr Kilometern ist für ein Verkehrsflugzeug im Gleitflug kein Problem.

Dass Verkehrsflugzeuge mindestens zwei Motoren haben, folgt übrigens einem sehr wichtigen Prinzip: In der Verkehrsfliegerei sind alle Systeme redundant, das heißt mindestens doppelt vorhanden. Auch das wichtigste „System“, der Pilot, sitzt doppelt im Cockpit.

Weiterlesen nach der Anzeige

Anzeige

Flugzeuge können auch starke Turbulenzen locker überstehen

Das mildert aber natürlich nicht die Angst vieler Passagiere vor Turbulenzen. Die können tatsächlich zu Verletzungen führen, wenn Fluggäste nicht angeschnallt sind.

Für das Flugzeug selbst sind sie ungefährlich. Die durch Turbulenzen entstehenden Beschleunigungskräfte werden mit der Maßeinheit g gemessen. In einem kräftigen Herbststurm, in dem die Kabine immer wieder hin- und hergerissen wird, treten zum Beispiel 1,8 g auf. Konstruktiv ist ein Flugzeug wie der Airbus A340 aber dafür ausgelegt, Belastungen von 4,5 g ohne Schaden zu ertragen.

Besonders bei Turbulenzen können Passagiere beim Blick durch das Fenster beobachten, dass sich die Tragflächen des Flugzeugs bewegen und zum Beispiel nach oben durchbiegen. Das ist konstruktiv so gewollt. Allein schon durch den Auftrieb werden die Flügel um rund einen Meter – gemessen an der Flügelspitze – noch oben gebogen. Bei Turbulenzen sind es schon einmal 2,70 Meter. Ein Airbus A340 verträgt aber locker 4,90 Meter.

Licht flackert beim Start? Klimaanlage fällt aus? Das sind die wahren Gründe

An Bord der Maschine kann der Passagier aber nicht nur sehen, wie sich die Flügel verbiegen – sondern eine ganze Reihe von Beobachtungen machen oder auch Geräusche hören, die verunsichern. Das fängt schon am Boden an. Während des Triebwerksstarts – der in der Regel beim Zurückstoßen vom Gate erfolgt – setzt die Klimaanlage kurz aus. Das liegt daran, dass diese mit Druckluft von der sogenannten Hilfsturbine arbeitet. Beim Start der Motoren wird diese Druckluft aber für kurze Zeit für den Startvorgang der Triebwerke benötigt und fehlt damit der Klimaanlage, die kurz pausiert.

Laufen die Motoren, kann es sein, dass das Licht kurz in der Kabine flackert oder gar ausgeht. Der Grund: Am Boden wird der Strom in diesem Moment von der bereits erwähnten Hilfsturbine geliefert. Laufen die Triebwerke, stellen diese den Strom bereit – und die Besatzung schaltet die Stromversorgung um. Dabei kann das Licht kurz flackern.

Beim Start kann das Licht flackern oder die Klimaanlage kurz ausfallen – das ist aber nicht schlimm.

Darum hörst du ein lautes Summen an Bord beim Start

In dieser Phase oder kurz danach ist oft ein lang anhaltendes oder wiederkehrenes durchaus lautes Summen aus dem Boden zu hören. Auch das ist normal. Verkehrsflugzeuge haben Hydrauliksysteme, die wie alles andere auch redundant ausgelegt sind. Oft sind drei Systeme an Bord.

In jedem arbeitet eine Pumpe, um den nötigen Druck aufzubauen. Nach dem Start der Motoren geht zunächst nur eine Pumpe in Betrieb, der nötige Druck ist nur in einem System vorhanden. In den beiden weiteren Hydrauliksystemen muss der Druck erst aufgebaut werden. Das geschieht über die sogenannte Power Transfer Unit (PTU), die bei ihrer Arbeit das summende Geräusch erzeugt.

Das passiert nach dem Start am und im Flugzeug

Es folgt der Start. Und schon kurz danach ist in der Kabine eine leichte Verzögerung zu spüren. Auch das Geräusch der Motoren nimmt etwas ab. Das aber ist kein Zeichen dafür, dass etwas mit den Triebwerken nicht stimmt. Der Start wird mit sehr großer Leistung durchgeführt. Da diese Startleistung aber für den weiteren Flug nicht nötig ist, nimmt die Besatzung kurz danach die Schubhebel etwas zurück.

Weitere Geräusche: Das Rumpeln im Boden wird vom Einfahren des Fahrwerks erzeugt, das Summen von den Tragflächen kommt vom Einfahren der sogenannten Landeklappen, die auch beim Start teilweise ausgefahren sind, weil sie den Auftrieb verbessern. Der folgende Reiseflug ist dann meist unspektakulär.

Wird das Fahrwerk beim Fliegen eingezogen, macht das Geräusche. Die sind aber kein Grund zur Beunruhigung.

Warum eine harte Landung eine Meisterleistung sein kann 

Bleibt die Landung: Auch hier weisen Rumpeln und Summen wieder auf das Ausfahren der Räder und der Landeklappen hin. Bei Passagieren gelten weiche Landungen als Zeichen fliegerischen Könnnens. Bei schlechtem Wetter mit starkem Wind ist das nicht unbedingt der Fall. Bei vielen Airlines werden Landeanflüge bei solchen Wetterverhältnissen mit höherer Geschwindigkeit geflogen. Das Flugzeug ist dann weniger anfällig für Böen. Die größere Geschwindigkeit führt aber auch zu einer härteren Landung – die in diesem Fall ein Zeichen dafür ist, dass die Crew ihr Handwerk versteht.

Kaum Menschen sterben im Luftverkehr

Was jetzt noch fehlt an Information über die Sicherheit des Fliegens sind nüchterne Zahlen. 2021 starben weltweit im Luftverkehr 121 Menschen. Im Straßenverkehr – nur in Deutschland – waren es 2569 Personen. Von einer solchen Zahl ist der Luftverkehr zum Glück weit entfernt. Sie wird gern als Argument gebracht, um unsichere Passagiere vor einer Reise zu beruhigen. Aber leider ist sie viel zu abstrakt, um wirklich zu überzeugen. Und der Passagier, der weiß, warum Flugzeuge fliegen und was sich hinter den Geräuschen und Beobachtungen an Bord verbringt, ist darauf ohnehin nicht mehr angewiesen.