Die goldfarbenen Strände, die rauen Klippen und das türkisblaue Wasser zwischen Porto im Norden und der Algarve im Süden sowie die pulsierenden Städte stellen das Hinterland Portugals aus Sicht vieler Urlauberinnen und Urlauber in den Schatten. Doch bei einem genaueren Blick auf die Berglandschaften zeigt sich Portugal von einer ursprünglichen Seite, die Reisenden an den Küsten verborgen bleibt.

Die alpinen Landschaften des rund 1000 Quadratkilometer großen Naturparks Serra da Estrela (deutsch: Sternengebirge) beheimaten einzigartige Naturräume mit seltenen Pflanzen und Tieren. Und die schönen Wanderwege (insgesamt 357 Kilometer lang), an denen es nach Rosmarin, Wacholder und Kiefern duftet, haben Reisende oft ganz für sich allein. Der reisereporter stellt die schönsten Orte in der Serra da Estrela vor.

1. Torre: Aus 1193 Metern Höhe über Portugal blicken

Nach der rund dreistündigen Anfahrt von Lissabon zur Wanderbasis im Ort Mateigas können sich Urlauberinnen und Urlauber zum Start ihrer Reise durch die Serra da Estrela zunächst einen Überblick vom Torre (deutsch: Turm) aus verschaffen. Die größte Erhebung auf dem portugiesischen Festland ist 1193 Meter hoch und bietet einen schönen Ausblick auf die alpinen Landschaften.

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Auf die Bergkuppe führt ein rund 15 Kilometer langer Wanderweg (700 Höhenmeter), den erfahrene Wanderinnen und Wanderer mit Zwischenstopps am malerischen Bergsee Lagoa de Peixão, am rauschenden Fluss-Rastplatz Covão d’ametade und natürlich auf dem Gipfel des Torre in sechs Stunden schaffen und genießen können. 

Spektakulär ist auch ein Abstecher zum Poco do Inferno. Um den etwa zehn Meter hohen Wasserfall führt ein separater, knapp drei Kilometer langer Wanderweg.

Im Winter können Urlaubende auf Auto und Wanderschuhe verzichten und sich gemütlich mit einem Sessellift auf den Gipfel bringen lassen. Am Torre befindet sich das einzige Skigebiet Portugals mit ganzen sechs Pistenkilometerchen. Die Bergkuppen sind oft bis in den Mai von Schnee bedeckt.

2. Das mysteriöse Wasserloch Covão dos Conchos

Mitten im Nirgendwo der Serra de Estrela stoßen Wanderinnen und Wanderer auf ein geheimnisvolles Wasserloch. Die Covão dos Conchos (Muschelgrube) liegt inmitten eines Bergsees und ähnelt einem Waschbecken-Abfluss – als hätte jemand einen überdimensionalen Stöpsel aus dem alpinen Gewässer gezogen.

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Tatsächlich fließt das Wasser aus dem künstlich angelegten Stausee wie in einem Abfluss durch ein 1500 Meter langes Tunnelsystem in den Stauseee Lagoa Comprida, der wiederum ein Kraftwerk antreibt. Nach dem Bau des Ingenieur-Meisterwerks im Jahr 1955 hat sich an den Rändern des Wasserloches ein kleines Biotop entwickelt. 

Die Covão dos Conchos war viele Jahre lang weitestgehend unbekannt, bis sich der surreale Anblick 2016 in den sozialen Medien verbreitete. Inzwischen steht die Covão dos Conchos auf den To-do-Listen der meisten Besucherinnen und Besucher in der Serra da Estrela. Das Wasserloch ist auf einer neun Kilometer langen Wanderung vom Aussichtspunkt des idyllischen Stausees Lagoa Comprida erreichbar.

3. Relaxen am Wasserfall Poço da Broca da Barriosa

In der Nähe der Kleinstadt Vide bildet der Bergbach Alvôco den paradiesischen Flussabschnitt Poço da Broca da Barriosa. Das versteckte Idyll schätzen die einheimischen Menschen schon lange als Quelle für Inspiration und Entspannung.

Der Alvôco stürzt im Südwesten der Serra da Estrela über zwei Klippen in einen kleinen See. Besucherinnen und Besucher können sich im kristallklaren Wasser treiben lassen, durch den rauschenden Wasserfall schwimmen und den zwitschernden Vögeln lauschen. Der friedliche Ort hat eine besondere Wohlfühl-Aura, die auch die Tierwelt zu schätzen weiß. An den Ufern des Alvôco leben zum Beispiel Reiher, Fischotter und Eisvögel. 

Manche Familien verbringen einen ganzen Tag am Poço da Broca. Dank eines Picknickbereichs und eines Restaurants mit Terrasse lässt sich der Outdoor-Genuss bei sonnigem Wetter bedenkenlos in die Länge ziehen. Das Baden empfiehlt sich allerdings nur im Sommer, da das Bergwasser recht kühl ist. 

4. Kultur-Roadtrip auf den kurvigen Bergstraßen

Wandern auf dem 357 Kilometer langen Wegenetz, Klettern an der Geisterwand Perede dos Fantasmas, Gleitschirmfliegen über Linhares da Beira, Kajakfahren auf dem Stausee Represa de Vale Rossim … Für sportliche Menschen bietet das Sternengebirge jede Menge Abwechslung.

Wer mal eine Pause braucht, kann sich aber ohne Gewissensbisse ins Auto setzen und zu einem Roadtrip aufbrechen. Denn durch den Naturpark verlaufen die mitunter schönsten Straßen in ganz Portugal.

Besonders schön ist eine Fahrt durch die Gebirgslandschaft im Zêzere-Tal. Die Route beginnt im malerischen Flusstal und schlängelt sich über teilweise enge Serpentinen hoch in eine karge und bizarre Granitlandschaft, die einst von Gletschern geformt wurde.

Alternativ bietet sich ein Kulturtrip durch die historischen Bergdörfer an. Zu den bekanntesten zählen das romantisch angelegte Bergdorf Piódã und der Ort Belmonte mit seiner mächtigen Burgfestung aus dem Jahr 1456 an der Grenze zu Spanien.

Bollwerk im Westen des Sternengebirges: Die Burg von Belmonte wurde 1456 errichtet.

Das uralte Dorf Linhares da Beira mit seinen zum Teil über 1000 Jahre alten Steinhäusern ist ebenfalls einen Ausflug wert. 

5. Deftige Käseprobe in Celorico da Beira

Mit etwas Glück stoßen Wanderinnen und Wanderer bei einer Tour über die weitläufigen Weiden auf die älteste Tradition in der Serra da Estrela: das Hirtenwesen. Die Schafhaltung gehört in Portugals Bergen schon seit dem 16. Jahrhundert zum Alltag und anders als in vielen anderen Ländern ist sie dort noch immer lukrativ.

Der Queijo da Serra da Estrela ist der bekannteste Käse Portugals. Die Rezeptur wird in Portugals Bergen seit Jahrhunderten weitergegeben.

Das liegt vor allem am Queijo da Serra, dem ältesten und bekanntesten Käse Portugals. Die besondere Rezeptur zur Herstellung mit Distelblüten wird in den kleinen Bergdörfern ebenfalls seit Jahrhunderten weitergegeben.

Das rustikale und leicht säuerliche Aroma können Besucherinnen und Besucher zum Beispiel bei einem Glas Wein in Celorico da Beira kosten. Die Kleinstadt gilt als Mekka für Käsefans aus aller Welt. Wer mehr über die Geschichte des Ortes und der Schafhaltung erfahren will, kann sein Käsewissen im Landwirtschafts- und Käsemuseum Museu do Agricultor e do Queijo erweitern.