Viaggio Italia“ – auf Deutsch „italienische Reise“ – nennt sich die Initiative, mit der die Regierung Italiens unbekannte Orte in ihrem Land bewerben will. 

Denn als Reiseziel ist das Land am Mittelmeer beliebt wie nie: Touristenhochburgen wie Rom und Venedig oder Regionen wie die Toskana werden im Sommer geradezu überrannt. Um Overtourism zu vermeiden, haben das italienische Tourismusministerium und die Nationale Tourismusbehörde deswegen eine Kampagne für die unbekannteren Dörfer und ländlichen Ziele des Landes gestartet.

1000 Dörfer, 100 Landschaften, 100 Wanderrouten

Auf der Website wird das Projekt als „eine unvergessliche Reise durch Dörfer, Landschaften, Pfade und Lebensmittel“ beschrieben: Über 1000 Dörfer, 100 Landschaften und 100 Wanderrouten werden dort vorgestellt. 

„In allen drei Bereichen geht es um unterschiedliche Weisen, das Land kennenzulernen und durch Slow Tourism und Aktivtourismus zu erleben“, sagt Maria Elena Rossi, Leiterin des Tourismusverbandes.

Auf einer Karte können Reisende Routen planen und Filter verwenden, um ein Ziel innerhalb einer bestimmten Region auszuwählen. Zu jedem Ort gibt es kurze Videos und teilweise historische Zitate, die sich auf den Ort beziehen. 

Zehn der Geheimtipps für deine „Viaggio Italia“ stellen wir dir hier vor. 

1. Scanno in den Abbruzen

Bereits die Fahrt in das Dorf Scanno in den Abruzzen ist ein Erlebnis: Gespickt mit Haarnadelkurven schlängelt sich die Straße vorbei am Sagittario-Reservat, das Wildtieren wie Wölfen, Falken und den Marsican-Bären Zuflucht bietet.

Die Stadt Scanno in den Abruzzen.

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Eingebettet in die Berglandschaft der „Monti Marsicani“ thront Scanno dann auf einem Felsvorsprung oberhalb des herzförmigen See Lago di Scanno. Das historische Zentrum ist ein Gewirr aus engen Gassen und alten Häusern, verzierten Brunnen und wunderschönen Plätzen. 

Sehenswert sind unter anderem die vielen Kirchen aus dunklem Stein, die in ihrem Inneren kleine Kunstschätze bergen. In den traditionellen Goldschmieden der Stadt kannst du die typische Goldschmiedekunst bewundern, für die Scanno auch weit über die Grenzen der Abruzzen hinaus bekannt ist. Und wer einen süßen Zahn hat, sollte beim Besuch in dem Dörfchen unbedingt die schokoladigen Mostaccioli probieren, eine lokale Spezialität.

2. Stintino auf Sardinien

Stintino ist eine hübsche kleine Stadt an der Nordostküste Sardiniens mit Blick auf den Golf von Asinara. 1885 wurde sie von Fischerfamilien gegründet, die von der Insel Asinara vertrieben wurden, um Platz für eine Strafkolonie zu schaffen. Auch heute prägt die Fischerei das kleine Dorf.

Ihre Geschichte wird unter anderem im Museo delle Tonnare erzählt, in der Thunfischfangstation „Saline“, die bis in die 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts in Betrieb war. Dokumente, Gegenstände, Fotos und Modelle erzählen vom Lebenszyklus des Thunfischs und seiner Verarbeitung.

In den Häfen liegen unzählige Holzboote, sogenannte gozzi, mit lateinischem Segel und seit 1983 wird in Stintino eine berühmte Regatta ausgetragen. 

Berühmt ist das Dörfchen außerdem für seinen Bilderbuchstrand La Pelosa mit kristallklarem Wasser in sämtlichen Blautönen und dem strahlend weißen Sand.

Der Pelosa Beach auf Sardinien.

3. Bova in Kalabrien

Dominiert von den Ruinen einer normannischen Burg und auf einem Hügel gelegen, erhebt sich das Dorf Bova im östlichen Aspromonte. Einer Legende zufolge wurde es von der griechischen Königin Oichista gegründet, die ihre Fußsohle auf den Felsen setzte, auf dem sich heute die Burg befindet.

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Bova ist eine der wenigen Städte, in denen noch ein Dialekt griechischen Ursprungs gesprochen wird. Zusammen mit den anderen Dörfern der Bovesìa, wie Gallicianò und Roccaforte, gehört sie damit zum Weltkulturerbe.

Außerdem werden hier orientalische Traditionen bewahrt, besonders im Textilhandwerk: In Bova fertigen erfahrene Handwerkerinnen und Handwerker prächtige bunte Teppiche in orientalischem Stil.

Architektonische Wahrzeichen der Stadt sind das Schloss und die Kathedrale mit einer Basilika, die aus dem 9. Jahrhundert stammt und später erweitert und umgebaut wurde.

4. Sperlinga auf Sizilien

Sperlinga liegt im Herzen Siziliens, 750 Meter vom Meer entfernt und hat nur etwa 700 Einwohner. Der Name leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet „Spelonca“, auf Deutsch: Höhle. 

Mindestens 50 Räume wurden von Menschenhand in den Stein gegraben. Früher dienten sie als Häuser, inzwischen wurden einige von ihnen von der Gemeinde aufgekauft und in ein ethnografisches Museum umgewandelt.

Häuser in einer Felswand in Sperlinga.

Auch die Burg wurde direkt in den Fels gehauen. Über steile Treppen kannst du alte Lagerhallen, Gefängnisse, Regenwasserzisternen, eine Kirche und vieles mehr erkunden und von den Zinnen eine tolle Aussicht genießen.

5. Grottammare in den Marken

Grottammare ist auch als „Perle der Adria“ bekannt. Reisende erwartet in der Stadt an der Riviera delle Palme ein herrlicher Strand, gesäumt von Palmen, Orangenbäumen und Oleander, der zum Baden einlädt.

Beim Schlendern an der Promenade blicken Besucherinnen und Besucher auf der einen Seite auf das weite adriatische Meer. Auf der anderen Seite erstreckt sich die Viale Marino, wo Palmen und Carrara-Marmor wunderschöne Jugendstilvillen aus dem frühen 20. Jahrhundert schmücken. Wer dann durch die Gassen des Ortskerns auf dem Borgo Antico geht, fühlt sich fast ins Mittelalter zurückversetzt.

Die Stadt Grottammare in den Marken.

6. Lerici in Ligurien

Das Dorf Lerici liegt an der Riviera di Levante und überblickt den Golf der Dichter: Zwei der berühmtesten Dichter, Percy Bysshe Shelley und Lord Byron, verbrachten hier einige Zeit ihres Lebens. 

In der Mitte einer kleinen Bucht erhebt sich die Burg von Lerici, die vor Jahrhunderten als Wachposten diente, um Piraten frühzeitig kommen zu sehen. Heute befindet sich dort das Geopaläontologische Museum.

Blick auf Lerici in Ligurien.

Noch heute sind die Spuren der Adeligen in der ganze Stadt durch große Villen präsent. Im Laufe der Zeit hat sich Lerici jedoch vor allem zum Ferienort entwickelt. Der lange goldene Sandstrand in San Terenzo, dem kleinen Vorort von Lerici, lädt zu einer Badepause ein.

Ein Highlight in Lerici ist das Fest von Sant’Erasmo, dem Schutzpatron der Seefahrer: Eine große nächtliche Prozession beleuchtet dann die ganze Bucht mit Tausenden von Kerzen und die Statue des Heiligen wird in einer Prozession durch die Straßen des Dorfes getragen.

7. Percile in Latium

Mit rund 200 Einwohnerinnen und Einwohnern ist Percile ein kleines Juwel im Naturpark der Lucretili-Berge. In den schmalen Gassen mit frei liegenden Steinhäusern ist der Geist des mittelalterlichen Dorfes noch zu spüren. Zentrum des Stadtlebens ist die Kirche Santa Lucia, einst eine Palastkapelle.

Das ganze Jahr über finden hier Feste und Feiern statt: Im Dezember beispielsweise das Ramiccia-Festival, das einer besonderen Form der Fettuccine gewidmet ist, im Mai die Festa dei Laghi, die die Saison für Outdoor-Ausflüge eröffnet. Dafür sind die Lagustelli, zwei Gewässer in einem geschützten Feuchtgebiet, das perfekte Ziel. Inmitten von unberührter Natur können Besucherinnen und Besucher herrlich spazieren gehen, ausreiten oder mit dem Mountainbike fahren.

8. Molveno in Trentino-Südtirol

Molveno ist eine Stadt mit etwas mehr als 1000 Einwohnern und liegt 40 Kilometer von Trient entfernt am Ufer des gleichnamigen Sees. Der Molveno-See, ein Alpensee natürlichen Ursprungs, wird regelmäßig als einer der schönsten Seen Italiens ausgezeichnet.

Der See Lago di Molveno in den italienischen Alpen.

Die Stadt ist außerdem ein beliebtes Ziel für Wanderer und Ausgangspunkt für Ausflüge in die eindrucksvollen Seitentäler oder zu den hoch gelegenen Berghütten, wo Bergsteigende die Trentiner Küche genießen können.

Auch Kunstfans werden hier fündig: Zum Beispiel in der alten Kirche S. Vigilio aus dem 13. Jahrhundert, die der Schriftsteller und Dichter Antonio Fogazzaro einst als „kostbare Perle“ bezeichnete. 

9. Marciana Marina in der Toskana

Marciana Marina ist die kleinste Stadt der Toskana. Das Dorf auf der Insel Elba, umgeben von einem dichten Wald aus Kiefern, Kastanien und Eichen, ist bekannt für seine malerischen Viertel mit engen Granitgassen und pastellfarbenen Häusern.

Seine Geschichte ist eng mit der Fischerei verbunden: Lange Zeit produzierte und exportierte die Insel große Mengen an gesalzenem Thunfisch. 1958 zerstörte dann eine starke Strömung die Großfanganlage und beendete damit den Thunfisch-Fischfang auf Elba.

Übrig geblieben von der Fischereigeschichte ist unter anderem das alte und romantische Fischerviertel Cotone. Die alten Gebäude mit den farbigen und vom Salzwasser ausgeblichenen Fassaden stehen direkt auf den Klippen über dem Meer, wo die Fischerboote aus dem Wasser gezogen wurden.

Marciana Marina in der Toskana.

10. San Lorenzello in Kampanien

Das historische Zentrum von San Lorenzello ist geprägt von kleinen Plätzen, engen Gassen und der sogenannten Majolika: farbig bemalter italienischer Keramik. Entdecken können Reisende diese unter anderem in der Kirche Maria SS. della Sanità und in der Pfarrkirche mit einer Dauerausstellung antiker und moderner Keramik.

Aber auch in zahlreichen Geschäften wird die Keramiktradition des 18. Jahrhunderts vom Vater an den Sohn weitergegeben. Vor den Augen von Besucherinnen und Besuchern wird dort eine Vielzahl an Majolika-Artefakten produziert.

In San Lorenzello findet außerdem an jedem letzten Wochenende im Monat die Antiquitätenmesse MercAntico statt. Besucherinnen und Besucher können zwischen Juwelen, Möbeln und Einrichtungsgegenständen stöbern und die typischen Produkte probieren, darunter die Taralli-Kekse mit Öl, Schmalz, Pfeffer, Zucker, glatt oder gedreht.