Die gleißende Nachmittagssonne über der türkisfarbenen Bucht brennt in den Augen. Die kollektiven Blicke aber bleiben ihr standhaft entgegengerichtet, abgeschirmt von frisch gebräunten Händen, getönten Brillen, Kameras und Handydisplays. Das Raunen der Touristinnen und Touristen nimmt zu, immer mehr wird es übertönt vom lauter werdenden, schließlich ohrenbetäubenden Dröhnen und Fauchen am Himmel. Die Show beginnt.

Nur wenige Meter über den Köpfen rauscht der wuchtige Airbus mit seinem breiten Rumpf hinweg, um Sekunden später aufzusetzen auf der Landebahn des internationalen Inselflughafens. Air-France-Flug 498 aus Paris ist gelandet.

Für Planespotter ist der Maho Beach auf St. Martin ein Must-see.

Wie an jedem Nachmittag bringt die Maschine nach neun Stunden Flug Hunderte Passagierinnen und Passagiere sowie frische Waren aus Frankreich in die Karibik – eine bedeutende Lebensader zwischen Alter und Neuer Welt, zwischen Europa und einer Antilleninsel, die ohne permanente Importe aushungern würde.

Aktuelle Deals

Maho Beach – DER Hotspot für Planespotter

Maho Beach, diese ungemütliche und nicht ganz ungefährliche Sandbucht, hat dank ihrer spektakulären Lage weltweite Berühmtheit erlangt. Die von zwei Ländern und Nationen geteilte Insel Saint-Martin/Sint Maarten und ihr internationaler Princess Julianna Airport (SXM) auf niederländischem Terrain haben mit ihm einen der bizarrsten Touristenmagneten überhaupt.

Im Internet wimmelt es nur so von Fotos, Filmen und Memes über das tagtägliche Spektakel am „Kerosin-Strand“. Kaum jemand verlässt das hübsche Eiland, ohne die landenden Jets hier einmal am eigenen Leib gespürt zu haben.

Etwas Überwindung kostet es durchaus, nicht zu zucken und stillzuhalten, wenn erst die kleinen und später auch die größeren Flieger auf den Strand zusteuern, wenn sie lautstark, scheinbar zum Greifen nah – und tatsächlich in nur weniger als 30 Metern Höhe – vorbeisausen und geradezu körperlich zu spüren sind.

Da mag man es sich vor der Reise noch so oft angesehen haben: „Man muss es einfach selbst erleben“, sagt Fabian Charbonnier vom Tourismusbüro des französischen Inselteils und selbst Hobby-Pilot.

Weiterlesen nach der Anzeige

Anzeige

Für Planespotter ist der Maho Beach auf St. Martin ein Must-see.

Landezeiten hängen am Strand aus

Wann welcher Flug erwartet wird, das wird an der nahe gelegenen, ausgesprochen einträglichen Bar auf einem zur Tafel umfunktionierten Surfbrett notiert. Längst aber haben die meisten Besucherinnen und Besucher die Vorschau in ihrer Hand: Per Smartphone-App lässt sich nur zu gut in Echtzeit verfolgen, welche Maschine da gerade im Anflug ist und wann es fürs nächste Erinnerungsfoto wieder heißen muss: „Bitte lächeln!“

Auch Starts der Flugzeuge sind spektakulär

Noch mehr Nervenkitzel als die landenden „Wide-Bodys“ bringen die startenden Flugzeuge. Bevor die in Richtung Osten abheben, müssen sie zunächst alle Kraft sammeln. Die Startbahn ist kurz, die Hügel bedenklich nahe. Nur wenige Meter von den Strandtouristinnen und ‑touristen entfernt geben die Pilotinnen und Piloten daher bereits im Stand vollen Schub.

Die Wirkung ist gewaltig, der Schubstrahl – englisch: Jetblast – ähnelt einem Orkan, bläst Luft, aber auch Steinchen und Sand in Richtung Meer. Waghalsige Touristinnen und Touristen stellen sich mitten rein in diesen Wind, können sich nur schwer auf den Beinen halten, verlieren den Halt, Mützen und Sonnenbrillen.

Ein Foto mit Flugzeug ist am Maho Beach nicht ganz ungefährlich.

„Danger“ steht in roten Lettern auf großen Schildern geschrieben. „Der Jetblast kann zu schweren Verletzungen oder gar zum Tode führen.“ Selbst wenn die meisten Besucherinnen und Besucher mit einem Lächeln davonkommen – diese Warnung sollte durchaus ernst genommen werden.

Todesfälle am Maho Beach

Mangelnde Vorsicht wurde besonders einer Neuseeländerin zum Verhängnis. Im Juli 2017 wollte sie den Start einer Boeing 737 aus nächster Nähe erleben und krallte sich mit zahlreichen weiteren Urlauberinnen und Urlaubern an den Gitterzaun in der Gefahrenzone. Dem im Wortsinn umwerfenden Jetblast war die 57-Jährige nicht gewachsen.

Die Kreuzfahrttouristin konnte sich nicht mehr halten, wurde mit voller Wucht gegen die hohen Beton-Randsteine der kleinen Küstenstraße geschleudert und erlag trotz notärztlicher Wiederbelebung ihren schweren Kopfverletzungen. Maho Beach geriet ungewohnt hässlich in die Schlagzeilen.

Diese Orte am Maho Beach sind gefährlich

Übermut ist also nicht angezeigt an diesem Touristen-Hotspot – und nicht mal nötig: Selbst Beobachter und Beobachterinnen am Rand bekommt noch eine ordentliche Portion des Schubstrahls ab und dürften auf ihre Kosten kommen; auch da fällt es schwer, die Kamera stillzuhalten. Den Bereich direkt hinter den Düsen sollte man tunlichst meiden!

Die Flugzeuge fliegen dicht über den Maho Beach auf St. Martin hinweg.

Dabei sind es gar nicht mehr die ganz dicken Brummer, die es nach SXM zieht. Der A330, wenn auch selbst kein Leichtgewicht, ist momentan das stattlichste Langstreckenflugzeug, das die kleine Karibikinsel ansteuert. Noch beeindruckender muss es gewesen sein, als KLM von Amsterdam aus noch Jumbojets auf die Strecke schickte.

Die vierstrahlige Boeing 747 vermochte es, mit ihrer geballten Kraft eine komplette Strandladung Besucherinnen und Besucher ins warme Karibikwasser zu pusten. Seit fast sechs Jahren aber sind die Jumbos hier Geschichte – und mit ihnen ein Fotomotiv der Extraklasse. Der sonderbare Reiz von Maho Beach jedoch ist geblieben.