Die Bedeutung der Hanse ist heute kaum noch bekannt – allenfalls beim Erraten von Autokennzeichen-Kürzeln spielt der Titel „Hansestadt“ in der Gegenwart noch eine größere Rolle. Doch das soll sich bald ändern.

Im Mittelalter war die Hanse eine mächtige Vereinigung von Kaufleuten und Städten. Schon zu den Anfängen im zwölften Jahrhundert war das vorrangige Ziel, die Sicherheit der Kaufleute und ihren Schutz auf Überfahrten zu gewährleisten. Ab dem 17. Jahrhundert wandelte sich die Hanse allmählich zu einem Städte- und Händlerbund für die Vertretung gemeinsamer wirtschaftlicher Interessen. Dem Bündnis gehörten zeitweise bis zu 200 Städte an.

Heute haben diese Rolle längst große Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften übernommen. Doch viele Kommunen bemühen sich wieder um den Hanse-Titel. Sie erhoffen sich davon einen Aufschwung für ihren Tourismus und die Ausrichtung des „Hansetages“ – eines besucherreichen Fests, auf dem sich alle anderen europäischen Hansestädte präsentieren dürfen. Den Titel „Hansestadt“ haben zuletzt unter anderem Hannover, Uelzen, Stade und Buxtehude den Titel zurückerhalten. Die Vereinigung zählt in Deutschland aktuell rund 100 Mitgliedsstädte. 

Die bekanntesten Mitglieder des Hansebundes in Deutschland sind Hamburg, Bremen und Lübeck. Doch es gibt auch kleinere Hansestädte, die ebenfalls einen Besuch wert sind. Der Reisereporter stellt eine Auswahl an Geheimtipps für Ausflüge und Kurzurlaube in Deutschland vor.

1. Hansestadt Haltern am See

Aufgrund der Grenzlage zwischen Münster und Köln waren viele Kaufleute aus Haltern am See bereits im 16. Jahrhundert in der Hanse aktiv. Die Lage an der Lippe und der frühzeitige Bau einer Festungsmauer manifestierten die Bedeutung von Haltern als einem sicheren „Hafen“ im mittelalterlichen Handelsverbund.

Die Zeugnisse des Mittelalters sind bis heute in Haltern am See zu sehen, darunter das historische Rathaus von 1577 und der Siebenteufelsturm von 1502, das Wahrzeichen Halterns. Auch die Antike hat in Haltern Spuren hinterlassen. Siedlungsspuren der Römer sind bis heute im Raum Haltern zu finden. Viele Funde, darunter Waffen, Helme und Geldschätze, sind im Römermuseum in Haltern ausgestellt. 

Über der Altstadt von Haltern wacht die katholische Kirche St. Sixtus.

Heute ist Haltern am See als modernes, regionales Zentrum zum Einkaufen, Urlaubmachen und als Standort für Tagungen und Kongresse bekannt – die Altstadt ist mit ihren Restaurants und einem bunten Kultur-Programm zugleich ein beliebtes Ziel für Tagesausflüge.

Trotz vieler Modernisierungen hat sich die Kleinstadt (rund 38.000 Einwohnerinnen und Einwohner) ihren geschichtsträchtigen Charme bewahrt und die regionale Bedeutung mit einem Wasserwerk sowie dem Haltener Stausees und der Stevertalsperre erhalten.

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Naherholung wie im Urlaub: Am Halterner Stausee gibt es einen rund 1000 Meter langen Sandstrand.

Außerhalb der Stadt lässt sich die „Lunge des Ruhrgebietes“ erkunden, zum Beispiel auf einem von insgesamt 51 Rundwanderwegen durch Wälder, Heidelandschaften und um die großen Seen. Besonders beliebt ist das Seebad am Halterner Stausee mit einem rund 1000 Meter langen Sandstrand.

2. Hansestadt Brilon

Auf den ersten Blick bietet Brilon vor allem eines: Wald. Sehr viel Wald! Die historische Hansestadt liegt im idyllischen Hochsauerland in Nordrhein-Westfalen an der Grenze zu Hessen und ist mit fast 80 Quadratkilometern eigener Waldfläche die größte kommunale Waldbesitzerin in Deutschland.

In den Fachwerk-Gasthäusern am Markt lässt sich die Abendsonne genießen.

Auf den zweiten Blick sticht in Brilon die von Fachwerk geprägte Altstadt heraus. Bei einem Stadtbummel bekommen Besucherinnen und Besucher zum Beispiel das älteste Rathaus Deutschlands zu Gesicht – und lernen beim Blick auf die Info-Tafeln, dass Brilon einst Hauptstadt des Herzogtums Westfalens war.

Brilon ist als Ausgangspunkt für tolle Wanderungen durch das Sauerland sehr beliebt. In den Hotels, Gasthöfen und Ferienwohnen in Brilon gibt es rund 2000 Betten. Einer der besten Wanderwege Deutschlands ist der 157 Kilometer lange Rothaarsteig, der von Brilon über Willingen und Winterberg nach Dillenburg führt. Der 49 Kilometer lange „Briloner Kammweg“ trägt das Gütesiegel „Wanderbares Deutschland“, außerdem ist Brilon Mitglied der „Sauerland-Wanderdörfer“, einer Gemeinschaft von besonders wanderfreundlichen Städten und Gemeinden. 

Seerundfahrt im Naturpark Diemelsee in Brilon: Rund um den Stausee führen schöne Wege zum Wandern und Radfahren.

Naturliebhaberinnen und ‑liebhaber sollten außerdem einen Abstecher in das nahe gelegene Mühlental mit mehr als 1000 Wasserquellen und einen Ausflug an den naturbelassenen Diemelsee einplanen. 

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3. Hansestadt Marienmünster

Marienmünster besteht aus 13 Orten, die sich in eine bewaldete Berglandschaft zwischen Weser und Teutoburger Wald im Kreis Höxter (Nordrhein-Westfalen) schmiegen. Der heutige Verwaltungssitz in Vörden spielte in den alten Hanse-Zeiten nur eine untergeordnete Rolle, zählt aber zum heutigen Hanse-Bund dazu.

Bekannt ist Marienmünster vor allem für seine schönen Fachwerkhäuser und die fast 1000 Jahre alte Benediktinerabtei mit einer schönen Park- und Gartenanlage. Mönche leben nicht mehr auf dem idyllischen Gelände, doch das romanisch-barocke Kirchengebäude ist bis heute Ziel für Wallfahrten.

Die Türme der Abtei Marienmünster prägenden den Ort Vörden im Weserbergland.

Um den Erhalt des Klosters kümmert sich eine Kulturstiftung, die in den Sälen regelmäßig Konzerte ausrichtet. Einen besonderen Ohrenschmaus bietet die prächtige Kirchenorgel. Die Kirche ist in der Regel von Dienstag bis Sonntag für Besucherinnen und Besucher geöffnet.

Westfälische Orgelbaukunst: Die Orgel in der ehemaligen Abteikirche wurde 1738 Johann Patroclus Möller entworfen.

Einen weiteren Hingucker bietet der „staatlich anerkannte Luftkurort“ Vörden auch mit einem barocken Herrenhaus, das 1730 auf einem ehemaligen Schloss-Gelände errichtet und seitdem sorgsam erhalten wurde. Die zentrale Lage Vördens nutzen viele Besucherinnen und Besucher für Ausflugsfahrten, Wanderungen und Radtouren zu weiteren Schlössern im Weserbergland.

4. Hansestadt Uelzen

In den alten Hansezeiten entwickelte sich Uelzen im heutigen Niedersachsen schon wenige Jahre nach der Stadtgründung zu einem Handelsplatz. Die Stadtarchive dokumentieren erste Geschäfte im 14. Jahrhundert, unter anderem mit Händlern aus Spanien und Livland (heute Estland und Lettland).

Ein Handelskontor aus London kaufte beispielsweise Leinen auf, außerdem wurden Tonkrüge und Bier gehandelt. 1470 richtete Uelzen den ersten „Hansetag“ aus. Verheerende Brände, brutale Kriege und die Pest-Katastrophe stürzten die Stadt in der Lüneburger Heide jedoch schon bald in eine wirtschaftliche Krise. Erst im 19. Jahrhundert ging es wieder aufwärts.

Uelzens putziger Bahnhof wurde nach Plänen des Künstlers Friedensreich Hundertwasser gebaut.

Die bewegte Geschichte Uelzens ist noch immer spürbar, zum Beispiel bei einem Spaziergang auf der von Fachwerk gesäumten Lüneburger Straße, bei einem Besuch der gotischen St.-Marien-Kirche oder bei einer Besichtigung des historischen Gildehauses und der Heiligen-Geist-Kapelle aus dem 15. Jahrhundert. Die vermutlich schönste Adresse in Uelzen ist „Hannemann’sche Twiete“ – eine gemütliche Mini-Gasse mit schmuckem Café und dem „Alten Bürgerlichen Brauhaus“.

Auf das berühmteste Gebäude in Uelzen stoßen Besucherinnen und Besucher, die mit dem Zug anreisen, bereits bei der Ankunft. Der Hundertwasser-Bahnhof, im Zuge der „Expo 2000“ nach Plänen des Künstlers Friedensreich Hundertwasser geschaffen, gilt als einer der schönsten Bahnhöfe der Welt.

Idyllische Heidelandschaften: Im Kreis Uelzen gibt es tolle Wanderwege – mit etwas Glück trifft man dabei auf einen Schäfer.

In der Heidelandschaft rund um Uelzen gibt es außerdem viele tolle Routen zum Wandern und Fahrradfahren. Empfehlenswert ist zum Beispiel ein Zwischenstopp am Oldenstädter See und an der Woltersburger Mühle.

5. Hansestadt Naumburg (Saale)

In den romantischen Tälern von Saale und Unstrut verbirgt sich eine deutsche Kultur-Perle: die Domstadt Naumburg.

Von der Händler-Hektik hat sich das einstige Hanse-Zentrum schon lange gelöst. In der fast 1000 Jahre alten „Stadt der steinernen Wunder“, gelegen inmitten eines idyllischen Weinanbaugebietes, geht es ruhig und gemütlich zu. In der schönen Altstadt erinnert nur der Marktplatz mit seinem geschlossenen Ensemble aus Renaissance- und Barockhäusern noch an die rege Handelstätigkeit im Mittelalter – vor allem beim Budenzauber auf dem Weihnachtsmarkt im Winter.

Der Naumburger Dom St. Peter und Paul wurde größtenteils im 13. Jahrhundert gebaut und gehört zu den bedeutendsten Kulturdenkmälern des Mittelalters.

Das Wahrzeichen der Stadt ist der spätromanisch-frühgotische Dom St. Peter und Paul aus dem 13. Jahrhundert. Die ehemalige Kathedrale des Bistums Naumburg zählt zum Weltkuturerbe der Unesco. Sehenswert ist auch die Stadtkirche St. Wenzel mit einer Hildebrandtorgel, die von Johann Sebastian Bach höchstpersönlich abgenommen und für gut befunden wurde. Ein weiterer Promi-Naumburger war Philosoph Friedrich Nietzsche – sein Wohnhaus dient heute als Museumüber seine Lebensgeschichte. 

Burgruine Rudelsburg bei Bad Kösen: Über dem Saaletal thronen etliche alte Burgen und Ruinen.

In Naumburg gibt es vieles zu erkunden. Besucherinnen und Besucher sollten aber unbedingt genügend Zeit für den ein oder anderen Ausflug in die Natur einplanen. Über den Flusstälern thronen viele urige Burgen und Ruinen, die an die Zeit der Könige und Kaiser erinnern.

6. Hansestadt Mühlhausen

Die mächtige Stadtmauer, die Mühlhausen in Thüringen bereits ab dem 13. Jahrhundert vor Angriffen schützte und zu einem sicheren Handelsplatz machte, ist bis heute größtenteils erhalten. Ebenso wie das historische Rathaus, viele schöne Fachwerkhäuser, die schmalen Altstadtgassen sowie die prächtige Marienkirche und zehn weitere gotische Gotteshäuser. Nicht viele deutsche Kleinstädte können mit so viel Geschichte zum Anfassen glänzen.

Über den Dächern der historischen Stadt Mühlhausen in Thüringen zeigt sich die riesige Marienkirche.

Wirtschaftlich blühte Mühlhausen im Mittelalter mit der Textilproduktion, der Lederverarbeitung und der Getreideverarbeitung in 26 Mühlen auf. Im 14. Jahrhundert zählte Mühlhausen infolge der Eingemeindung von 19 Dörfern sogar zu den größten Städten in Mitteldeutschland. Die Kaufleute trieben über die Wasserwege von Werra und Weser blühenden Handel mit den Städten in Norddeutschland. 1430 trat Mühlhausen mit Erfurt und Nordhausen schließlich der Hanse bei.

In den schmalen Gassen in Mühlheim eröffnen sich hübsche Blicke auf die Altstadt.

Den mittelalterlichen Charme hat sich die Kleinstadt, in der Komponist Johann Sebastian Bach als Kirchen-Organist tätig war, trotz vieler bedrohlicher Ereignisse in ihrer Geschichte bewahren können.

7. Hansestadt Tangermünde

Im Schutz einer riesigen Burg an der Elbe entwickelte sich im 13. Jahrhundert die Hansestadt Tangermünde. Die sehenswerte Altstadt wird bis heute von einer nahezu vollständigen Stadtmauer mit Türmen und Toren umschlossen.

Die riesige Stadtmauer von Tangermünde umringt fast die komplette Altstadt.

Innerhalb der Backsteinmauer erinnern viele Fachwerkhäuser aus unterschiedlichen Epochen an historische Zeiten – zum Beispiel das älteste Wohnhaus von 1543, das heute das Burgmuseum beheimatet, oder das Rathaus von 1430 mit seinem markanten Schaugiebel. Die Silhouette der Stadt prägt auch die St.-Stephans-Kirche mit ihrem 87 Meter hohen Turm. 

Als Hansestadt wurde Tangermünde im heutigen Sachsen-Anhalt erstmals im Jahr 1368 erwähnt. Die Tangermünder Kaufleute profitierten von der Lage an der Elbe und verkauften unter anderem Tuch, Getreide und Holz bis nach Flandern und England.

Für Ausflüglerinnen und Ausflügler gibt es rund um Tangermünde mehrere Themenrouten, die zu historischen Stätten führen und dort interessante Geschichten erzählen, zum Beispiel über Theodor Fontane und Otto von Bismarck.

8. Hansestadt Osterode

Auch im Harz florierte einst die Hanse. Mithilfe des Handelsnetzwerkes konnte die Stadt Osterode ihren durch Bergbau und Eisenhütten erlangten Wohlstand noch weiter ausbauen.

Fachwerk und Schiefer: Hinter den schönen Häusern in Osterode ragt die St. Aegidien-Marktkirche hervor.

Osterode liegt im sonnigen Südharz. Über der charmanten Fachwerkstadt wachen die Ruine der alten Welfenburg und die St.-Aegidien-Kirche. Die schöne Altstadt mit ihren jahrhundertealten Bürgerhäusern, putzigen Gassen, traditionellen Handwerksläden und urigen Cafés lädt zum Bummeln oder zu einer geführten „Segway“-Tour ein.

Schönes Wandergebiet: Der Sösestausee in der Nähe von Osterode versorgt u.a. Göttingen und Bremen mit Trinkwasser.

Neben Gemütlichkeit bei Kaffee und Torte bietet Osterode aber auch viele aufregende Fitness-Abenteuer für Aktivsportlerinnen und Aktivsportler. In den Bergen gibt es zum Beispiel Mountainbikestrecken mit einer Gesamtlänge von 2200 Kilometern, etliche Routen für Läuferinnen und Walker und Wanderinnen und Wanderer. Auch ihr Talent beim Fliegenfischen können Besuchende testen.