Die ersten Sonnenschirme werden schon am frühen Morgen an den Strand gebracht und in die Ständer gesteckt, die wie kleine, bunte Tische aussehen. Daneben stehen auch schon die ersten Liegen, allerdings noch zusammengeklappt. Auch die Schirme bleiben noch geschlossen. Doch es liegt Aufbruchsstimmung in der Luft von Lignano Sabbiadoro.

Im Sommer kommt der Ansturm

Einige der rund 7000 Einwohnerinnen und Einwohner der italienischen Stadt, die etwa eine Autostunde nördlich von Venedig an der oberen Adria liegt, bereiten sich auf den großen Ansturm vor.

Denn mit der Ruhe, die auf den noch leeren Straßen und Stränden in Lignano herrscht, ist es bald vorbei. Im Sommer kommen bis zu 120.000 Touristinnen und Touristen in das beliebte Seebad und verbringen ihren Familienurlaub hier.

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Die Halbinsel Lignano von oben. Das berühmteste Merkmal ist der etwa acht Kilometer lange Sandstrand an der Küste der oberen Adria.


All diejenigen, die ihre Urlaubsorte nicht gern mit allzu vielen anderen Menschen teilen, müssen Lignano aber nicht direkt zu den Akten legen. Der Ort befindet sich in der Region Friaul-Julisch Venetien – direkt in der außergewöhnlichen Lagunenlandschaft.

Lagunenlandschaft lockt Naturfans

Daniele Ciprian lebt in und von der Lagune. Er ist Fischer und arbeitet im Naturschutzgebiet Foci dello Stella etwa 30 Kilometer nördlich von Lignano. Das idyllische, grüne und verwunschen bewachsene Areal gehörte schon seinem Großvater, erzählt er. Hinter einem recht offen gestalteten Holzhaus liegt einer von unzähligen Kanälen, die durch die Lagune verlaufen. Bilancia di Bepi, also Bepis Gleichgewicht, nennen die Einheimischen das traditionelle Pfahlhaus, dessen Besonderheit einst sogar Ernest Hemingway begeisterte, wie Ciprian erzählt.

Er drückt auf einen Knopf, und plötzlich steigt ein riesiges Fangnetz aus dem Kanal empor. In der Mitte ist das große, viereckige Netz zu einem Trichter zusammengebunden, in dem sich dann die Fische sammeln – sofern es welche gibt. Diesmal hüpft nur eine kleine Flunder auf dem Netz auf und ab.

Fischer Daniele Ciprian schaut in seinem Netz nach, ob sich etwas Essbares verfangen hat.

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„Wir haben nachmittags mehr Fisch im Netz, wenn die Flut kommt“, sagt Ciprian. Das kommt ihm entgegen: „Fischen am frühen Morgen ist nichts für mich, deshalb ist das genau der richtige Ort für mich“, erklärt er. Die gefangenen Fische werden hier direkt verarbeitet, in einem Foodtruck vor Ort zubereitet und verkauft.

Vögel beobachten im Naturpark

20 Minuten Autofahrt von dem berühmten Fischernetz entfernt, unweit des Fischerortes Marano Lagunare, offenbart sich ein kleines Paradies für Vogelliebhaberinnen und -liebhaber. Zahlreiche Stelzenläufer, außergewöhnlich gezeichnete Brandenten, Krickenten und sogar Eisvögel leben hier und teilen sich die Teiche und Kanäle, die früher einmal reine Fischteiche waren. Kleine Wege durch dichtes Grün führen durch das Areal Valle Canal Novo.

Weine sind sehr mineralisch

Wer im Obergeschoss einer der Hütten für Vogelbeobachtung aus dem Fenster schaut, kann direkt nebenan Weinreben entdecken. Die gehören Fausto Ghenda. Seine Weinstöcke haben schon 26 Jahre auf dem Buckel und bescheren ihm jedes Jahr acht verschiedene Lagunenweine: drei weiße, drei rote, einen Dessertwein und einen Schaumwein. Die Weine seien sehr mineralisch, erklärt Ghenda, im Sommer bilde sich sogar eine feine Salzschicht auf den Blättern der Weinreben.

Winzer Fausto Ghenda betreibt sein Weingut in der Lagune bereits in dritter Generation.


Seit 100 Jahren gibt es das kleine Weingut inmitten der Lagune schon, Fausto führt es in der dritten Generation. Er, seine Frau und die etwa 30 Stockenten, die zwischen den Reben umherhuschen, sind sympathische Gastgeberinnen und Gastgeber. Die Weine gibt es direkt im Weingut schon ab 4,50 Euro flaschenweise zu kaufen.

Das Weingut von Fausto Ghenda liegt inmitten der Lagune.

Lagune mit dem Boot erkunden

Im Hinterland von Lignano Sabbiadoro spielen Traditionen eine wichtige Rolle – genauso wie die Natur. Diese muss nicht mit dem Auto erkundet werden, auch eine Bootsfahrt direkt durch auf den Kanälen der Lagune ist eine beliebte Art, die Gegend zu entdecken. Am Strand von Lignano gibt es verschiedene Anbieter. Oder man entscheidet sich fürs Fahrrad und radelt die Strandpromenade entlang. Dann offenbart Lignano seine Vielfalt in Form von zwei weiteren Stadtteilen: Pineta und Riviera.

Der Weg hierher ist gesäumt von den ortstypischen Schirmpinien. Diese sind vor allem in Pineta reichlich vorhanden. Der äußerst grüne Stadtteil versprüht den Charme eines Strandortes aus den Siebzigerjahren. Auf der Promenade flanierte schon Ernest Hemingway. Das verraten zahlreiche Infotafeln entlang der Einkaufsstraße. Sie führt zum Strand, auf dem schon die Liegen und Schirme bereitstehen – für den großen Ansturm im Sommer.

Tipps für deine Reise an die Adria

Anreise: Mit dem Flugzeug nach Venedig. Dann weiter mit Zug, Bus, Shuttle-Service, Mietwagen oder Taxi. Letzteres dauert etwa eine Stunde.

Unterkünfte: Hotels gibt es in Lignano Sabbiadoro im wahrsten Sinne wie Sand am Meer, nämlich direkt am Strand. Im Vier-Sterne-Hotel Vittoria gibt es kleine, aber feine Doppelzimmer ab 66 Euro pro Nacht. Wer lieber abseits der Hotelmeile nächtigen möchte, wird ein paar Kilometer weiter im Landesinneren fündig. Der Bauernhof Ca’del Lovo steht in Carlino, etwa 30 Kilometer nordöstlich von Lignano Sabbiadoro. Geschlafen wird im ehemaligen Kornspeicher. Eine Übernachtung ist ab 100 Euro buchbar. Direkt am Wasser gibt es auf dem Gelände außerdem ein Tinyhouse mit Blick über die Lagune (ab 50 Euro pro Nacht).

Die Reise wurde unterstützt von Lignano Sabbiadoro. Über die Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.