Zugegeben: Mit Meerwasser, maritimen Brisen und dem Rauschen der Wellen bieten Deutschlands Küsten ziemlich erfüllende Bedingungen für Menschen mit Abkühlungsdrang. Doch was tun, wenn die Hitze unbarmherzig drückt, Nord- und Ostsee aber weit entfernt sind? 

Neben Badewanne, Planschbecken und Freibad bleibt dann nur eine Alternative: ein Badesee. Zum Glück hat Deutschland davon viele, sehr viele sogar.

Das Umweltbundesamt hat 2010 mal durchgezählt. Ergebnis: Zwischen Alpen und Küste gibt es mehr als 12.000 natürliche Seen. Der peniblen Datensammlung zufolge umfassen davon etwa 750 Gewässer eine Wasserfläche von mehr als 50 Hektar und dürfen damit auch nach wissenschaftlichem Regelwerk offiziell als Badesee bezeichnet werden.

Land NRW hat Karte für alle Badeseen entwickelt

Auch das Umweltministerium und das Landesamt für Natur in Nordrhein-Westfalen machen sich regelmäßig die Mühe und begutachten ihre Seen. Ein großer Aufwand, schließlich gibt es allein in NRW knapp 100 Badegewässer, darunter Kiesteiche, Stauseen, Trinkwasserseen, Tagebauseen und natürliche Seen. Die gute Nachricht: An fast allen Badestellen ist die Wasserqualität gut bis ausgezeichnet.

Die Daten haben die Experten auf einer digitalen Karte zusammengetragen und dazu Informationen zur aktuellen Wasserqualität bereitgestellt – die Datensammlung ist angesichts strenger europäischer Richtlinien zur Wasserqualität ohnehin erforderlich, bietet in Form der jederzeit abrufbaren Karte nun aber auch badenden Bürgerinnen und Bürgern einen tollen Service. Einfach Karte im Netz aufrufen, See finden und Wasserqualität prüfen.

Praktisch: Mithilfe der Filterfunktionen lassen sich zum Beispiel die Anfahrtszeiten mit dem Auto oder dem Fahrrad anzeigen. Nur die Badesachen muss man noch selbst packen. Und die Sonnencreme nicht vergessen.

Nicht in die behördliche See-Bewertung eingeflossen sind dagegen Badespaß-Faktoren wie Sicherheit, gastronomische Angebote, Sanitäranlagen und Schönheit. Zum Glück hat der reisereporter eine Auswahl der besten Badeseen in Nordrhein-Westfalen für dich gesammelt!

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1. Möhnesee

Aufgrund seiner Größe wird der Möhnesee auch als Westfälisches Meer bezeichnet. Noch schöner als dieser hochtrabende Titel klingt da nur die Auszeichnung, die das Gewässer schon mehrfach erhalten hat: „Lieblingssee Nordrhein-Westfalens“.

Gigantische Ausmaße: Die 650 Meter lange Staumauer am Möhnesee im Kreis Soest hält etwa 126 Millionen Kubikmeter Wasser zurück.

Das Naherholungsgebiet rund um die größte Talsperre im Sauerland ist in der Tat ein äußerst beliebtes Ausflugsziel. Mitten im Naturpark Arnsberger Wald können Touristinnen und Touristen eine abwechslungsreiche Erholungslandschaft erleben, zum Beispiel beim Bootfahren, Segeln und Wandern. Weite Ausblicke auf das Möhnetal verspricht zum Beispiel ein Skywalk, der 30 Meter über den 78 Meter hohen Liethsteilhang hinausragt.

Zur Abkühlung gibt es am Möhnesee zwei kostenlose Badestellen mit Liegewiesen: In Delecke (Linksstraße 20) und im Seepark Körbecke. Badegästinnen und Badegäste in Delecke können die Duschen und Toiletten des angrenzenden Wohnmobilstellplatzes nutzen und auf der Terrasse des Restaurants Pier 20 die Aussicht genießen. Auch in Körbecke gibt es frei zugängliche Toiletten sowie mehrere Restaurants und Imbisse. 

Karibisches Badeflair mit Strandkörben, Beachvolleyballfeld, Cocktailbar und Badeaufsicht bietet das Strandbad Uferlos am nördlichen Ufer des Möhnesees. Für die Besucherinnen und Besucher wurden dort rund 1700 Tonnen weißer Sand aufgeschüttet.

Eintritt: Erwachsene 5 Euro, Kinder (bis zwölf Jahre) 3 Euro

2. Biggesee

Bei einem Open-Air-Konzert am Ufer hat Sänger Mark Forster den Bigggesee kürzlich auf den Namen „Biggi“ getauft. Ob er damit auf eine Verniedlichung der immensen See-Größe oder auf die Rap-Legende Notorious BIG anspielte, ist nicht bekannt. 

Doch beides wäre mehr oder weniger passend, schließlich zählt der See mitsamt des Vorbeckens der Listertalsperre, die in den Fünfziger- und Sechzigerjahren zur Regulierung von Bigge, Lenne und Ruhr angelegt wurde, sowohl zu den größten als auch zu den berühmtesten Gewässern im See-Genre.

Maritime Szenen im Sauerland: Ein Segler braust mit seinem Katamaran über den Biggesee.

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Die schöne Seelandschaft im Naturpark Sauerland-Rothaargebirge lässt sich am besten mit dem Rad oder zu Fuß erkunden. Wassersportlerinnen und Wassersportler können den Biggesee auch beim Segeln, Surfen und Tauchen erkunden. Von Mitte April bis Mitte Oktober dreht die „MS Westfalen“ ihre Runden über den Biggesee.

An den Ufern des Biggesees gibt es viele kleine, romantische Badestellen. In der Waldenburger Bucht auf der nördlichen Seeseite versteckt sich ein gemütlicher Strand mit Liegewiese, Beachvolleyballfeld und kostenlosen Parkplätzen. Am Sondener Kopf treibt ein kleiner Hüpf- und Rutschpark im Wasser. Neben einer Badeinsel gibt es auch eine lustige „Blob Base“ – ein luftgefülltes Gummikissen, mit dem man sich gegenseitig in die Luft und ins Wasser schleudern kann.

3. Xantener Süd- und Nordsee

Mittelmeer-Flair in Nordrhein-Westfalen – das gibt es in Xanten am Niederrhein, wo bis 1994 zwei große Seen miteinander verbunden wurden. Unter den Füßen knirscht nun feiner Sand, Holzschirme spenden Schatten für die gemütlichen Liegen und auf dem Wasser flitzen Wasserski-Sportlerinnen und ‑Sportler mehr oder weniger wackelig hinter flinken Sportbooten her.

Der überwachte Strand an der Xantener Südsee ist ein tolles Ausflugsziel für Familien mit Kindern.

Das Naherholungszentrum hat sich zu einem Mekka für Freizeitsportlerinnen und ‑sportler entwickelt. Die nördliche Seeseite ist als Xantener Nordsee bekannt, die südliche Seite als Xantener Südsee. In den Ortsteilen Wardt und Vyne gibt es zwei Sport- und Freizeithäfen.

Für Besucherinnen und Besucher mit Urlaubssehnsucht lässt das kleine Strandparadies im Naturbad FZX kaum einen Wunsch offen. Es gibt Liegewiesen, einen Familienstrand, Spielflächen, einen Wasserspielplatz mit Rutschen, Klettertürmen, Hängebrücke und Trampolinen. Auch ein Sprungturm, mehrere Badeinseln, Gastro-Angebote und ein FKK-Bereich gehören zum Strandangebot. Im See wurde außerdem ein 25 mal 12,5 Meter großes Becken für unsichere Schwimmerinnen und Schwimmer eingelassen.

Eintritt: 7 Euro, Kinder 3,50 Euro, Familien (Eltern und zwei Kinder bis 16 Jahre) 18,50 Euro

4. Bergsee am Meisterstein

Nein, wir sind nicht in Kroatien, auch wenn es so aussieht. Steile Felswände rahmen diesen türkisblauen See, der um 1930 im Zuge des Diabas-Abbaus entstanden ist, ein. Der mit Grund- und Regenwasser gefüllte Bergsee am Meisterstein, einem Steinbruch zwischen Siedlinghausen und Silbach, ist zwischen sieben und neun Meter tief.

Das Wasser im idyllischen Bergsee des Meistersteins bei Siedlinghausen ist türkisblau.

Wer im Bilderbuchsee schwimmen möchte, muss sich das Vergnügen aber erst erarbeiten. Der See ist in Besitz eines niederländischen Unternehmens, das dort einen speziellen Kletterpark betreibt. Für die Öffentlichkeit ist das Gelände lediglich an Aktionstagen geöffnet, an denen eine lokale Freizeitagentur Klettertouren für Familien anbietet. Die Belohnung für den Klettertag am Bergsee: ein erfrischender Sprung ins kühle Nass.

Wer den Bergsee ohne Guide besichtigen möchte, sollte schwindelfrei und vorsichtig sein, da nicht alle Steilwände abgesichert sind.

5. Sechs-Seen-Platte in Duisburg

Die Sechs-Seen-Platte im Duisburger Stadtteil Wedau besteht aus Wambachsee, Masurensee, Böllertsee, Wolfssee, Wildförstersee und Haubachsee. Die riesige Gesamtwasserfläche: 150 Hektar.

Jugendliche genießen die Abendstimmung an der Duisburger Sechs-Seen-Platte.

Die Seen-Platte liegt in einem riesigen Naherholungsgebiet mit vielen Freizeitangeboten und abwechslungsreichen Spazierwegen (Gesamtlänge: 25 Kilometer). Die einzelnen Seen unterscheiden sich zum Teil deutlich. Wer die Landschaft noch nicht kennt, bekommt auf einem 22 Meter hohen Aussichtsturm am Wolfsberg einen Überblick. Besonders spektakulär ist der Ausblick bei den Regatten der rivalisierenden Segelclubs.

Zum Schwimmen und Baden gibt es viele kleine Wassereinstiege. Doch Vorsicht: Manche Uferabschnitte sind steil und können abbrechen. Sicheres Baden und entspanntes Strandflair garantiert das Freibad am Ufer des Wolfssees.

Eintritt: 4,50 Euro, Kinder (bis 14 Jahre) 3 Euro

6. Rursee

Der Rursee ist einer der größten Stauseen Deutschlands und gleichzeitig einer der schönsten Badeseen der Republik. Aber auch eine Tour um den See herum wird dich begeistern: Die dichten Laub- und Nadelwälder des Nationalparks Eifel säumen das Ufer, das du auf einer 27 Kilometer langen Fahrradtour oder beim Wandern erkunden kannst.

Der ursprüngliche Rursee verbirgt sich in den urigen Wäldern des Nationalparks Eifel.

Du möchtest lieber aufs Wasser? Dann kannst du dir ein Segel- oder ein Motorboot mieten oder mit einem der Rurseeschiffe über den See fahren. Oder du leihst dir ein Kanu oder ein SUP-Board aus und entdeckst die vielen Buchten per Paddelschlag.

Baden ist natürlich auch erlaubt, allerdings nur an ausgewiesenen Stellen, zum Beispiel im Naturerlebnisbad Einruhr oder in der Woffelsbacher Bucht.

7. Seebad in Haltern am See

Ein gut behütetes Badevergnügen in Nordrhein-Westfalen erleben Besucherinnen und Besucher im Seebad in Haltern am See. Auf 30.000 Quadratmetern Wasseroberfläche zwischen Münsterland und Ruhrgebiet ist reichlich Platz zum Bahnenziehen, zum Planschen und zum Ballspielen. Und zum Hüpfburgenerobern. Im Wasser. Ja, genau. Hier stehen die Hüpfburgen auch im Wasser – ebenso wie die Rutschen!

Der Halterner Badesee von oben: Entlang des großen Strands gibt es reichlich Platz zum Schwimmen.

Das Beste am idyllischen See in Haltern ist aber der 800 Meter lange Strand. Wer mehr braucht, muss mindestens an die Nordseeküste. Doch wer möchte den weiten Weg von NRW schon auf sich nehmen, wenn es sich in den Strandkörben von Haltern genauso gut entspannen lässt und die nächste Bude (also der Kiosk) immer gleich um die Ecke ist?

Falls im Badetrubel doch mal etwas Unentspanntes passieren sollte, flitzt auch schnell eine Rettungsschwimmerin oder ein Rettungsschwimmer vom Wachturm der DLRG heran. Auch das macht das Seebad zu einem sehr guten Ort für einen Badetag mit Kindern.

Eintritt: 5,50 Euro (Kinder: 3,90 Euro, Familien mit drei Kindern 18 Euro). Die Tickets gibt es auch online. Parken kostet extra (5 Euro/Tag).

Adresse: Seebad Haltern, Hullerner Straße 52, 45721 Haltern am See

8. Strandbad Otto-Maigler-See bei Köln

Vor den südlichen Toren Kölns finden sich Seebesucherinnen und ‑besucher im Badetrubel wie auf Ibiza wieder. Das Strandbad Otto-Maigler-See zählt vor allem wegen seiner Lage zu den beliebtesten Badeseen in NRW. Und weil die Strandtage prima im großen Beachclub mit Live-DJs, Palmen, chilligen Sofas und kühlen Drinks ausklingen.

Am feinen Sandstrand stehen reichlich Liegestühle bereit. Alternativ kann man es sich auf einem von sechs Himmelbetten oder auf der Terrasse mit 160 Sitzplätzen gemütlich machen. Für die kleinen Strandbesucher gibt’s ein Kinderanimationsprogramm. Direkt am Strand ist Wassersport nicht möglich, es gibt aber einen Surfclub, der auch Stand-up-Paddling anbietet.

Eintritt: Tageskarte 6 Euro, Kinder (bis 14 Jahre) 3 Euro. Für Autofahrerinnen und Autofahrer gibt es einen Parkplatz mit 1500 Stellplätzen.