Am wolkenlosen Sommerhimmel fallen sie besonders auf: Kondensstreifen, die sich hinter Flugzeugen über den Himmel ziehen. Manchmal sind sie schmal, manchmal sehr breit, manchmal strahlen sie ganz deutlich in Weiß, manchmal sind sie nur schwach zu erkennen. 

Doch wie entstehen die Kondensstreifen überhaupt – und wieso ranken sich so viele Verschwörungstheorien um diese Erscheinung? Der reisereporter klärt auf.

Verschwörungstheorien um die Kondensstreifen – was ist dran?

Unter der Bezeichnung Chemtrails gehören die Kondensstreifen längst zu den Klassikern unter den Verschwörungstheorien. Ihre Anhängerinnen und Anhänger glauben, dass Fluggesellschaften für geheime Auftraggeber Chemikalien am Himmel versprühen. Ihr angebliches Ziel: die Bevölkerung zu manipulieren.

Aktuelle Deals

Ein Frühlingstag im Siegerland: Am Himmel zeichnen sich Kondensstreifen ab.

Manchmal heißt es auch, Chemtrails sollten den Klimawandel bremsen, hätten aber ungewollte Folgen, erklärt die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Eine weitere Theorie: Die angeblich versprühten Gifte sollen die Menschheit auslöschen. Eine Kopfbedeckung aus Aluminium soll die Menschen davor schützen.

Als Auftraggeber für die Chemtrails werden in Verschwörungstheorien oft die USA, aber auch Geschäftsleute, Staatschefinnen und -chefs oder sogar Queen Elizabeth II. genannt. Welches Interesse sie daran haben könnten, die Menschheit zu vernichten, verraten die Anhängerinnen und Anhänger nicht.

Doch wieso denken sich die Menschen solch wilde Theorien aus? „Leute entwerfen eine alternative Erklärung für etwas, das sie nicht verstehen“, erklärt die bpb. 

Weiterlesen nach der Anzeige

Anzeige

Wie entstehen Kondensstreifen? Und wieso entstehen sie manchmal nicht?

Dabei ist das Phänomen schnell erklärt: Jedes Flugzeug verbrennt Kraftstoff, und das wiederum erzeugt Abgase. Als Nebenprodukt entsteht dabei auch Wasserdampf.

Der Kondensstreifen entsteht dann „durch die Kondensation des in der Luft enthaltenen Wasserdampfes“, erklärt das „Wetterkontor“. Fast wie bei der natürlichen Wolkenbildung. Das heißt: Die Wassertröpfchen haften an den winzigen Rußpartikeln und gefrieren in der kalten Luft in einer Höhe zwischen 8000 und 12.000 Metern. Es entstehen Eiskristalle, die das Sonnenlicht reflektieren. Auf der Erde erkennen wir das dann als Kondensstreifen. 

Urlaub am Bodensee: Kondensstreifen bieten einen interessanten Kontrast zum blauen Himmel und dem klaren Seewasser.

Allerdings hinterlässt nicht jeder Urlaubsflieger die markanten Streifen am Himmel. Wieso? Entscheidend dafür ist die Luftmasse, die das Flugzeug umgibt. Sie beeinflusst maßgeblich, ob Kondensation stattfindet und wie lange ein Streifen am Himmel zu sehen ist. So kann es auch vorkommen, dass hinter manchen Flugzeugen gar keine Kondensstreifen zu erkennen sind.

Das hängt auch mit der Sättigung der Luft zusammen, wie „Quarks“ erklärt. Natürliche Wolken, so genannte Zirruswolken, entstehen bei eienr Übersättigung von 40 Prozent, Kondensstreifen bei nur 20 Prozent. Heißt: Auch am sonst wolkenlosen blauen Himmel können die Kondensstreifen entstehen.

Ältere Flugzeuge hinterlassen übrigens seltener Kondensstreifen, weil sie weniger Wasser ausstoßen als moderne Maschinen. Auch die Nutzung von nachhaltigem Bio-Kerosin reduziert laut dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt die Eiskristallanzahl in Kondensstreifen. 

Wieso sind manche Kondensstreifen länger am Himmel zu sehen als andere? 

In der Regel ist ein Kondensstreifen kurzlebig, könne unter passenden Umständen aber auch einige Stunden am Himmel bleiben. Das hängt unter anderem mit den Temperaturen in der Luft zusammen. Bei mehr als minus 40 Grad sind die künstlichen Wolken nur kurzzeitig zu sehen. In trockener Luft lösen sie sich zudem schneller auf als in feuchter. 

Bleiben sie länger am Himmel, werden sie oft vom Wind kräftig durchgepustet und ändern dadurch ihr Erscheinungsbild: Sie können in die Breite gezogen werden oder verwehen. Das sieht dann von der Erde aus wie kleine Wirbel innerhalb des Streifens aus. 

Was machen die Kondensstreifen mit dem Klima?

Kondensstreifen bedecken einen Teil des Himmels, wodurch das von oben herabscheinende Sonnenlicht reflektiert wird. Das sorgt für mehr Kühle auf der Erde. Auf der anderen Seite absorbieren die künstlichen Wolken die Wärmestrahlung, die vom Erdboden ausgeht. So halten sie einen Teil der eigentlich abgehenden Wärme zurück. 

Laut DLR tragen die Kondensstreifen daher „möglicherweise genauso stark wie das von Flugzeugen ausgestoßene CO2“ zur Erderwärmung bei.

Was ist mit „Geoengineering“?

Es kommen auch immer wieder Diskussionen zum Thema „Geoengineering“ auf – darunter werden Eingriffe zusammengefasst, welche die Folgen des Klimawandels abmildern sollen. Auch für Eingriffe in die Chemie der Atmosphäre werden solche Maßnahmen diskutiert, vor allem das sogenannte „Solar Radiation Management“ (SRM). Damit soll die Menge der Sonnenstrahlen, die auf die Eroberfläche treffen, reduziert werden. Größe Feldversuche gab es hier aber noch nicht – getestet wurde bisher größtenteils an Modellen. Allerdings birgt das SRM auch Risiken, wie „Quarks“ berichtet.