„Hey, Kapitän! Alessandra, erfahrene Seglerin (mehr als 40.000 nautische Meilen auf See), sucht nach einem Boot von Horta zum Festland. Kann Wache halten, steuern, kochen, putzen. Spreche Italienisch, Französisch, Englisch und Spanisch.“

Inserate wie diese hängen an den Balken des Tresens vom Café Sport in Horta dicht an dicht. Hier haben all jene ihre Botschaften angebracht, die auf der Suche nach einem Boot sind, das sie mit zum nächsten Hafen nimmt, oder die ihr eigenes Boot wieder loswerden wollen.

Wimpel und Flaggen aus aller Welt

Im schummerig beleuchteten Gastraum des Lokals am Hafen der Inselhauptstadt stehen schlichte hölzerne Stühle und Tische. Die Wände und die Decke sind übersät mit bunten Flaggen und Wimpeln und anderen nautischen Erinnerungsstücken, die Besucherinnen und Besucher mit hierhergebracht haben. Das Café ist eine Institution.

Hier treffen sich Seglerinnen und Segler und andere Seeleute aus aller Welt – und das schon seit mehr als 100 Jahren. „Wenn du nach Horta segelst und Peter’s nicht besuchst, dann bist du eigentlich nie in Horta gewesen“, heißt es.

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Im Gastraum des Peter Café Sport in Horta auf Faial erinnern Flaggen und Wimpel an Gäste aus der ganzen Welt.

Familie betreibt Café in fünfter Generation

„Wir waren schon immer mehr als ein Café“, erzählt Mariana Azevedo. Ihr Ururgroßvater war es, der einst den Grundstein für das Geschäft in Horta legte. Ernesto Lourenço S. Azevedo kaufte ein kleines Gebäude am Hafen, in dem er das Azorean House, also das Azoreanische Haus, eröffnete. Hier verkaufte er zunächst Spitze, Stickereien, Strohhüte und Seile von der Insel. Doch schon bald begann er auch, Getränke anzubieten.

Sein Sohn Henrique Lourenço Ávila Azevedo übernahm 1918 das Geschäft und eröffnete in einem Nebengebäude das Café. Weil er sich für Fußball und Rudern begeisterte, nannte er es Café Sport. Er war es auch, der dafür sorgte, dass im Café Gin Tonic angeboten wurde. Azevedo lernte es dank der Engländer kennen, die sich auf der Insel aufhielten, um Unterseekabel zu verlegen. Seinem Sohn José Azevedo aber ist zu verdanken, dass aus dem Café Sport das Peter Café Sport wurde.

Mariana Azevedo zeigt die Listen, in denen Post und ­Pakete verzeichnet sind, die im Peter Café Sport auf Faial von Seeleuten abgeholt werden können.

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Peter ist nur ein Spitzname

Der junge Mann arbeitete nicht nur im Café, sondern auch auf einem Schiff der britischen Marine, das vor Horta ankerte. Dabei hatte er engen Kontakt zu den Seeleuten. Weil er ihn so sehr an seinen eigenen Sohn erinnerte, nannte ihn einer der Offiziere eines Tages Peter. Schnell etablierte sich der neue Spitzname und weil er einfach auszusprechen war, behielt José Azevedo ihn bei.

Azevedos halfen den Seeleuten

Dank Peter wurde der Kontakt zu Seeleuten, die nach Horta kamen, immer enger. Konnten sie nicht an Land kommen, weil sie zum Beispiel krank waren, brachte er ihnen mit einem Boot Lebensmittel oder Medikamente zum Schiff. Während der Corona-Pandemie wiederholte sich die Geschichte. „Auch wir haben Segler oder Seeleute, die in Quarantäne auf ihren Schiffen bleiben mussten, versorgt“, erzählt Mariana Azevedo.

Die 26-Jährige, die Marketing studiert hat, kümmert sich heute darum, dass die Geschichte des Familiengeschäftes lebendig bleibt. Ihre Brüder Pedro und João unterstützen ihren Vater José Henrique Gonçalves Azevedo bei der Leitung des Cafés.

Segelnde kommen seit den Sechzigerjahren

Seit den Sechzigerjahren ist das Café Sport ein beliebter Treff von Seglerinnen und Seglern. Es wurde zu einer wahren Institution für alle, die sich auf den Weg machen, um den Atlantik zu überqueren.

Bis heute kommen sie und andere Seeleute, um am Tresen Post und Pakete abzuholen, Informationen zu bekommen oder ganz ohne Gebühr Geld in andere Währungen zu tauschen. Hier bekommen sie auch Farbe, die sie dazu nutzen, sich wie viele andere vor ihnen an der Kaimauer mit einem Bild zu verewigen.

Wer mit dem Schiff nach Horta auf der Azoreninsel Faial kommt, verewigt sich an der Kaimauer mit einem Bild.

Gin ist eines der beliebtesten Getränke

Und natürlich kommen viele auch einfach, um die Stimmung im Café Sport zu genießen und Speisen wie Fischsuppe (2 Euro) oder Esparguete preto com camarã, also schwarze Spaghetti mit Garnelen (12,90 Euro) sowie fangfrischem Fisch (Tagespreise) zu verzehren. Der Gin Tonic (2,90 Euro) ist nach wie vor eines der beliebtesten Getränke. Seit mehr als 20 Jahren gibt es auch einen hauseigenen Gin – den Gin do Mar, eine Kombination mit dem beliebten Maracujalikör der Azoren.

Museum zeigt Kunst auf Zähnen

Wer ins Café kommt, sollte unbedingt auch das Museu de Scrimshaw im ersten Stock besuchen, das die Familie 1986 eröffnet hat. Hier ist eine eindrucksvolle Sammlung zu sehen, die eng mit der Geschichte der Insel verknüpft ist. Bis 1983 lebten die Menschen auf den Azoren auch vom Walfang.

Im ersten Stock des Peter Café Sport in Horta sind im Museu de Crimshaw Kunstwerke aus Walknochen und -zähnen zu sehen.

Die Scrimshaws sind Walknochen oder -zähne, in die beeindruckend detailreiche Miniaturen geritzt oder graviert sind. „Sie wurden von den Seeleuten oft dazu genutzt, um im Café zu bezahlen“, erzählt Mariana Azevedo. Nach eigenen Angaben ist so die größte Sammlung der Welt zusammengekommen. Auf jeden Fall ein Grund mehr, das Peter Café Sport anzusteuern.

Tipps für deine Reise nach Faial

Anreise: Per Schiff (N 38º 32’, W 28º 38’) oder mit dem Flugzeug über Lissabon nach Ponta Delgada auf São Miguel, der größten Insel der Azoren. Dann weiter mit der Fähre oder dem Flugzeug.

Beste Reisezeit: Die Azoren eignen sich ganzjährig für eine Reise. Am beliebtesten ist der Zeitraum zwischen Juni und September.

Attraktionen: Peter Café Sport, Rua José Azevedo 9, Horta. Geöffnet: montags bis samstags 9 bis 24 Uhr, sonntags 10 bis 24 Uhr. Museu de Scrimshaw: geöffnet montags bis samstags 10 bis 13 und 14 bis 17.30 Uhr (Sommer), sowie montags bis samstags 11 bis 13 und 14 bis 16 Uhr (Winter). Eintritt: 2,50 Euro.

Die Reise wurde unterstützt von Visit Azores. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.