Ein echtes Reiseschnäppchen ergattert und plötzlich fordert der Anbieter doch mehr Geld für den Urlaub? Wer eigentlich einfach nur bei einer Pauschalreise auf Teneriffa, Sardinien oder in einem anderen Urlaubsparadies entspannen wollte, sieht sich auf einmal mit steigenden Preisen für Kerosin, Energie und Lebensmittel konfrontiert. 

Doch nicht in jedem Fall müssen die Reisenden den Aufpreis tatsächlich bezahlen. Anwalt und Experte für Reiserecht Paul Degott hat dem reisereporter verraten, wann die Nachzahlung bei der Pauschalreise fällig wird und welche Optionen du dabei hast. 

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Pauschalreise plötzlich teurer geworden: Diese Bedingung müssen erfüllt sein

Um überhaupt eine nachträgliche Preiserhöhung zu verlangen, müssen die Reiseanbieter die Möglichkeit zur Preiserhöhung in den allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) festgelegt haben. Ist dies nicht der Fall, dürfen sie auch keine Erhöhungen verlangen. Ein Blick ins Kleingedruckte ist in diesem Fall ratsam. Dort muss festgelegt sein, wie sich der Preis genau ändern kann, ansonsten kann die Klausel ungültig sein. 

Die steigenden Kerosinpreise dürfen Reiseanbieter zum Teil auf Kundinnen und Kunden umlegen, zumindest bis zu einer Höhe von 8 Prozent des Reisepreises.

Dass die Reiseanbieter diese Klausel einbauen und die gestiegenen Kosten tatsächlich auf die Reisenden umlegen, komme eher selten vor, sagt Degott. Denn die Unternehmen müssten im Umkehrschluss gleichermaßen auch Preissenkungen an die Kundinnen und Kunden weitergeben – ein enormer bürokratischer Kraftakt und daher nur schwer umsetzbar, meint der Experte für Reiserecht.

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Pauschalreise darf bis zu 8 Prozent teurer werden

Ist die Klausel rechtsgültig gestaltet, darf der Reiseanbieter den Preis der Pauschalreise nach Vertragsabschluss ändern. Bis zu 8 Prozent mehr darf er verlangen, allerdings nur für bestimmte Leistungen wie Beförderungskosten – Kerosin und Sprit – sowie Hafen- oder Flughafengebühren. Auch geänderte Wechselkurse dürfen Reiseanbieter auf die Kundinnen und Kunden umlegen. In diesem Fall haben die Urlaubenden keine Wahl: Sie müssen die erhöhte Rechnung zahlen. 

Pauschalreisen nach Spanien, hier Nerja, sind seit jeher beliebt unter deutschen Reisenden. Es locken lange Strände und gut ausgebaute Infrastruktur.

In diesen Fällen müssen Reisende nicht zahlen

Widerrechtlich sei die Erhöhung allerdings dann, wenn sie den Kundinnen und Kunden zu spät mitgeteilt werde. „Ab dem 20. Tag vor Reiseantritt darf der Anbieter keine Veränderung am Preis mehr vornehmen“, sagt Degott. Das Zurückrechnen der Tage bis zum Start lohnt sich also: Urlauberinnen und Urlauber müssen in diesem Fall nicht zahlen. 

Fordert der Reiseanbieter mehr Geld als die gesetzlich festgelegte Obergrenze für Erhöhungen von 8 Prozent, haben Reisende die Wahl. Sie können dem neuen Reisepreis zustimmen und den Urlaub wie geplant antreten. Es sei allerdings auch möglich, den Trip kostenfrei zu stornieren. Dazu muss der Erhöhung in einer „angemessenen Frist“, so Degott, widersprochen werden. In der Regel handelt es sich dabei um mehrere Tage. 

Eine Familie genießt die Abkühlung im Pool bei ihrer Pauschalreise.

Pauschalreisenden bleibt die Möglichkeit zur Diskussion 

Gefällt weder die eine noch die andere Option, dann könne beim Anbieter auf das alte, günstigere Angebot gepocht werden. Dazu müssen die Urlaubenden den erhöhten Reisepreis zunächst unter Vorbehalt zahlen – „und dann später mit dem Reiseanbieter diskutieren“, sagt der Anwalt. Das sei eine taktische Möglichkeit, um den Reisepreis zunächst auf dem alten Niveau zu halten. Um am Ende damit durchzukommen, benötige es Verhandlungsgeschick – oder eben einen Anwalt, sagt Degott.