Weite offene Flächen, beeindruckende Panoramen: Fernab großer Städte wie New York und Los Angeles sind die USA vor allem für ihre spektakulären Landschaften und Naturwunder bekannt. 

Eines dieser amerikanischen Naturwunder versank in den 60er-Jahren im Wasser. Der Glen Canyon, mit über 5000 Quadratkilometer Fläche größer als der berühmte Grand Canyon, starb 1963 den „blauen Tod“: Seine Schluchten wurden geflutet und verschwanden unter dem türkisblauen Wasser des Lake Powell im Grenzgebiet von Arizona und Utah.

Ein Fels in der Mitte von Lake Powell. Die weiße Schicht zeigt, bis wohin das Wasser einmal gereicht hat.

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Stausee Lake Powell wird zum Touristen-Hotspot

In dem See staut die gewaltige Talsperre Glen Canyon Dam seitdem den Colorado River an, um Wasser und Strom für den amerikanischen Westen zu erzeugen. Bei maximaler Stauhöhe ist der Lake Powell 300 Kilometer lang und damit der zweitgrößte Stausee der USA.

Jedes Jahr reisen mehrere Millionen Besucherinnen und Besucher in die Glen Canyon National Recreation Area. Rund um den See gibt es ein breites Angebot an Freizeitaktivitäten: Da lässt es sich wandern, campen, angeln und Boot fahren. Der See gehörte damit bislang zu den beliebtesten Zielen in dem Nationalpark.

Der Glen Canyon Dam am Lake Powell: Hinter der gewaltigen Mauer staut sich der Colorado River.

Dürre lässt den Pegel sinken

Doch seit einigen Jahren sinkt der Wasserstand des Lake Powell. Wie die ARD im „Weltspiegel“ berichtet, haben Dürre und übermäßiger Wasserverbrauch den Pegel in vergangenen Jahren um 50 Meter schrumpfen lassen. Das zweitgrößte Wasserreservoir der USA ist nur noch zu einem Drittel voll.

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Nach und nach tauchen damit die spektakulären Felswände des Glen Canyon wieder aus dem Wasser auf. Oberhalb der Wasserlinie lässt das Wasser auf dem rötlichen Sandstein eine ausgeblichene Schicht zurück.

Das Naturwunder wird wieder zugänglich

Wanderwege und Schluchten, die jahrzehntelang überflutet waren, lassen sich bei einem Besuch im Glen Canyon jetzt zum ersten Mal seit rund 60 Jahren wieder betreten. Über mehrere Tausend Jahre haben Wasserdruck und Wind den Canyon aus dem Sandstein gemeißelt und in seine heutige Form gebracht.

Die Cove of the Winds, eine Formation in der Glen Canyon Recreation Area.

Wenn das Licht der Sonne entlang der engen Schluchtwände gleitet, können Besucherinnen und Besucher im Glen Canyon ein spektakuläres Spiel an Farben, Lichtern und Schatten verfolgen. Besonders in der Mittagszeit kannst du dort beeindruckende Fotos von der Farbenpracht der roten Felsen schießen.

Einige der Schluchten darfst du allerdings nur mit einem Navajo-Führer besuchen, denn sie liegen im Land des zweitgrößten Indianerstamms der USA.

Dass der sinkende Wasserpegel die Schönheit des Glen Canyon langsam wieder freigibt, freut auch US-amerikanische Naturschützerinnen und Naturschützer. Sie protestieren seit dem Bau des Dammes gegen den Stausee im Glen Canyon. Jetzt fordern sie, das Wasser vollständig abzulassen und den Canyon wiederzubeleben. 

Stromversorgung und Jobs sind in Gefahr

Doch das Wasser aus dem Stausee versorgt Millionen Menschen im Westen der USA mit Strom, der in einem Wasserkraftwerk am Lake Powell erzeugt wird. Insgesamt sieben Bundesstaaten sind darauf angewiesen. Der niedrige Pegel des Lake Powell stellt die US-Behörden deswegen bereits jetzt vor Probleme.

Und an den Ufern des Lake Powell haben über die Jahrzehnte Tausende Menschen ein Leben aufgebaut: Als Anbieter für den Angeltourismus zum Beispiel, oder für Bootstouren. Sie fürchten um ihre Jobs, wenn der Wasserstand weiter sinkt. 

Der Lake Powell: Das zweitgrößte Wasserreservoir der USA.

Wie der „Spiegel“ berichtet, haben die US-Behörden angekündigt, in diesem Jahr zusätzlich mehr als 600 Millionen Kubikmeter Wasser aus einem nahe gelegenen Stausee in den Lake Powell abzulassen. Außerdem sollen weitere 592 Millionen Kubikmeter Wasser, die normalerweise aus dem Lake Powell abgelassen worden wären, zurückgehalten werden.

So wollen die Behörden sich Zeit verschaffen, um langfristige Strategien für die Wasserversorgung zu entwickeln – und über die Zukunft von Lake Powell und den Glen Canyon zu entscheiden.