Brad Pitt muss Malta-Fan sein. In drei Filmen, die dort gedreht wurden, hat er mitgespielt: „Troja“, „By the Sea“ und „World War Z“. Die Insel diente darin als Kulisse für das antike Troja, das in der heutigen Türkei gelegen haben soll, für einen französischen Badeort in den Siebzigerjahren und für Jerusalem. Regisseure schätzen das Licht und die alte Architektur, doch die Insel spielt sich selten selbst. Sie ist ein heimlicher Filmstar. Oder hat jemand Malta in „Gladiator“ erkannt?

Stadttor wurde zu Teil von Westeros

Wir stehen vor dem Stadttor von Königsmund an der Ostküste von Westeros. Innerhalb der Stadtmauern befindet sich der Eiserne Thron, um den in „Game of Thrones“ gekämpft wird. Auch die erste Staffel der US-Serie wurde auf Malta gedreht. In Wahrheit befinden wir uns vor dem Stadttor von Mdina, der jahrhundertealten früheren Hauptstadt des zwischen Sizilien und Nordafrika gelegenen Archipels.

Das Stadttor von Mdina diente als „Game of Thrones“-Kulisse.

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Geschichte ist wechselhaft

„Was die Sehenswürdigkeitsdichte betrifft, kommt Malta gleich hinter Rom, weil alle mal hier waren“, sagt die deutsch-maltesische Reiseleiterin Sabine Attard. Sie meint die Römer, die Phönizier, die Araber, die Johanniter-Ritter und plündernde Franzosen, die schließlich von den Engländern vertrieben wurden. Noch immer herrscht hier Linksverkehr, und es gibt die Tea Time.

Die historischen Gebäude, die Masse an mondfarbenen Häusern ist überwältigend. Der blassgelbe Kalkstein wird bis heute beim Bau verwendet. In Mdina leben etwa 300 Menschen. Wie schön wäre es, wenn Emilia Clarke, die in „Game of Thrones“ Daenerys Sturmtochter spielt, durchs Tor geritten käme. Ihre drei Drachen am Himmel.

„Es bricht uns immer noch das Herz, wenn Malta es mal wieder nicht auf eine Wetterkarte geschafft hat“, sagt Attard, die seit 30 Jahren hier lebt. Viele Touristinnen und Touristen haben das kleinste Mitgliedsland der Europäischen Union dennoch auf dem Schirm.

Beliebt bei Sprachschülerinnen und -schülern

Der Flug dauert nicht länger als bis nach Mallorca, doch man fühlt sich hier, mitten im Mittelmeer, weit weg von zu Hause. Sprachschülerinnen und -schüler, die in der ehemaligen britischen Kolonie Englisch lernen wollen, kommen schon lange. Seit einigen Jahren reisen auch immer mehr Strandurlauberinnen und -urlauber und Geschichtsinteressierte an; so viele wie 2019, dem letzten Jahr vor der Covid-19-Pandemie, waren noch nie da.

365 Kirchen gibt es im Land. „Für jeden Tag eine“, sagt Attard. Sie beschreibt die Einheimischen als sehr katholisch und eher konservativ. Dennoch gibt es Frauen, die sich in diesen eher patriarchalen Strukturen erfolgreich behauptet haben: die Preca-Schwestern zum Beispiel.

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Es gibt viele Powerfrauen

Die Köchinnen Ramona und Roberta Preca, beide Ende 30, betreiben Restaurants in Maltas Hauptstadt Valletta und treten regelmäßig im Fernsehen auf. Sie sind ziemlich bekannt. Ihr vor vier Jahren gestorbener Vater ist ihr Idol. Dessen Restaurant war für sie eine Art Spielplatz. Schon mit sechs, sieben Jahren standen sie neben ihm in der Küche und halfen bei den Tapas.

„Es ist schwierig, gleichzeitig Mutter und Küchenchefin zu sein“, sagt Ramona. „Wir versuchen unseren eigenen Kindern Zeit zu widmen, was unser Vater nicht immer geschafft hat“, sagt Roberta. Ihre Küche ist ein mediterraner Mix. Man schmeckt sowohl Italien als auch Arabien.

Einheimische gehen gern essen

700 Restaurants gibt es in Malta. Malteser, lernen wir, gehen gern essen. Und sie lieben den Eurovision Song Contest. So wie Christabelle Camilleri. Die 30-Jährige nahm sogar dreimal am Wettbewerb teil. 2018 in Lissabon, bei ihrem dritten Anlauf, schaffte sie es mit ihrem Song „Taboo“ bis ins Halbfinale. Heute leitet sie die von ihrem Vater gegründete Baufirma und sitzt in der Jury von „Shark Tank“, dem maltesischen Pendant zu „Die Höhle der Löwen“.

Christabelle Camilleri nahm mehrfach am Eurovision Song Contest teil.


„In der Dunkelheit fühle ich mich zu Hause“, singt sie in ihrem ESC-Beitrag. Mit dem autobiografischen Lied wollte sie Aufmerksamkeit auf das Thema Depressionen lenken. Auch als Geschäftsfrau widmet sie sich ihrer Herzensangelegenheit. „Alle Malteser sollten kostenlose psychologische Hilfe in Anspruch nehmen können“, fordert sie. „Es ist keine Schande, mit einem Psychologen über seine Gefühle zu sprechen.“


„Die Menschen haben die Verbindung zu ihrem Essen verloren“, sagt Emanuela Degiorgio. Die 39-Jährige verkauft in ihrem Hofladen The Veg Box Biogemüse und Secondhandkleidung. „Früher arbeitete ich in der Luxushotelbranche “, erzählt sie. Irgendwann stellte sie sich die großen Fragen: Was ist der Sinn des Lebens? Was will ich selbst? Sie stieg aus und wurde Gärtnerin. Seitdem setzt sie sich für Nachhaltigkeit und Gleichberechtigung ein. Die Leute, besonders die Bauern, alles Männer, haben sie zunächst ausgelacht. Heute verkauft sie auch deren Gemüse.

Emanuela Degiorgio verkauft in ihrem Hofladen selbstangebautes Bio-Gemüse.

Marsaxlokk ist ein Fischerdorf

Wir besuchen das Fischerdorf Marsaxlokk. Wolken und Wind. Die bunten Boote im Hafen tragen aufgemalte Augen, die die Fischer vor Unheil bewahren sollen. Auch hier: keine Spur von Emilia Clarke und ihren Drachen. Dafür sind wir anderen Sturmtöchtern begegnet, die ihr Land im Jahr 2022 prägen.

Auch typisch Malta: Die bunten Boote im Hafen des Fischerdorfes Marsaxlokk.

Tipps für deine Reise nach Malta

Anreise: Von verschiedenen deutschen Flughäfen gibt es Direktflüge nach Malta.

Beste Reisezeit: In Malta herrscht mediterranes Klima bei ganzjährig milden Temperaturen. Die Insel hat mehr als 300 Sonnentage im Jahr.

Unterkünfte: Es gibt eine große Auswahl an Hotels in unterschiedlichen Preisklassen. Das Corinthia Palace Hotel ist ein vornehmes, ruhiges Haus, von üppigem Grün umgeben. Es steht nur wenige Fahrminuten entfernt von der mittelalterlichen Stadt Mdina und Maltas Hauptstadt Valletta und ist ein perfekter Ausgangspunkt für Touren über die nur 27 Kilometer lange Hauptinsel.

Die Reise wurde unterstützt vom Fremdenverkehrsamt Malta. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.