Zwei Millionen Einwohnerinnen und Einwohner zählt Lettland – mehr als ein Drittel von ihnen lebt in der Hauptstadt Riga. Das macht die Stadt an der Daugava zur Sehenswürdigkeit Nummer eins des kleinen Baltikumstaats. Dennoch lohnen sich auch Besuche in anderen Städten – viele beeindrucken mit spannender historischer Architektur.

1. Riga: Weltoffene Hauptstadt

Riga gilt als kosmopolitisches Zentrum des Baltikums. Die bewegte Geschichte der lettischen Hauptstadt mit ihren 600.000 Einwohnerinnen und Einwohnern spiegelt sich im Stadtbild wider: Hier finden sich mittelalterliche Gebäude genauso wie Holzarchitektur, Jugendstil- und Renaissancebauten sowie brachial wirkende Sowjetbaustile.

In der historischen Altstadt östlich des Flusses Daugava stehen berühmte Gebäude wie das Schwarzhäupterhaus – 1334 für die Gilden der Stadt errichtet – die Nationaloper oder die Petrikirche mit ihrer 123 Meter hohen Panoramaplattform. Reisende können durch schmale Kopfsteinpflastergassen und breite Flanierstraßen mit vielen Geschäften und Lokalen schlendern.

Wer der Kalku iela, der größten Straße der Altstadt, Richtung Nordosten folgt, gelangt zu einem Wahrzeichen Rigas: Auf dem 42 Meter hohen Denkmal Brivibas piemineklis erhebt sich Milda – eine Frauenfigur, die drei goldene Sterne in die Höhe reckt. Diese stehen für die historischen Regionen Kurzeme, Vidzeme und Latgale. Das Monument von 1935 sollte die Unabhängigkeit Lettlands symbolisieren.

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Das Schwarzhäupterhaus ist eines der beliebtesten Ziele von Reisenden in der Altstadt von Riga.

Ein Monumentalbau im sogenannten Zuckerbäckerstil steht in der Moskauer Vorstadt südöstlich der Kalku iela: Die lettische Akademie der Wissenschaften stammt aus stalinistischer Zeit. Von der Aussichtsplattform im 16. Stock kann man bei gutem Wetter die Ostsee sehen. Genießer sollten auch den nahen Zentralmarkt (Rigas Centraltirgus) besuchen.

2. Jurmala: Badeort am Meerbusen

Reisende, die von Riga aus an die Ostsee wollen, erreichen den bekanntesten Strandabschnitt Lettlands mit der Bahn binnen einer halben Stunde. Nur wenige Kilometer nordwestlich von der Hauptstadt beginnt der Bade- und Ferienort Jurmala. Er umfasst 15 Ortsteile und schmiegt sich auf einer Länge von 25 Kilometern an den weißen, breiten Sandstrand des Rigaischen Meerbusens.

Jurmala gilt als einziger Kurort des baltischen Staates. Die hiesigen schwefelhaltigen Quellen, der Heilschlamm und die Kiefernwälder des Naturparks Ragakapa locken seit dem 19. Jahrhundert Erholungsuchende an. Etliche Hotelresorts bieten Wellnessurlaube an. In der 49.700-Einwohner-Stadt gibt es außerdem zahlreiche historische Holzvillen – 103 Baudenkmäler von nationaler und 295 von lokaler Bedeutung und in unterschiedlichem Erhaltungszustand stehen hier.

Der lettische Badeort Jurmala ist bekannt für seinen langen Badestrand.

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Auf etwa 1,1 Kilometer Länge zieht sich die Jomas iela in direkter Strandnähe durch den Ort. Die Fußgängerzone mit Geschäften, Bars und Restaurants zählt zu den ältesten Hauptstraßen des Badeorts. Wer der Geschichte des Kurorts nachspüren möchte – einst war die Stadt nur ein Fischerdorf – besucht das Freilichtmuseum Jurmala, in dem nicht nur alte Holzhütten, sondern auch historische Anker und Fischerboote zu sehen sind.

3. Kuldiga: Altes Handelszentrum

Kuldiga war einst das wichtigste Handelszentrum des Landes. Die Stadt, etwa 160 Kilometer westlich von Riga, in der heute rund 12.000 Einwohnerinnen und Einwohner zu Hause sind, wurde 1242 erstmalig urkundlich erwähnt. Seit dem 14. Jahrhundert gehört sie der Hanse an. Bis heute verströmt sie mittelalterlichen Charme.

Da die Altstadt im Zufluss der Venta mit dem Wasserlauf Alekšupite liegt und die Häusersockel das Ufer des Alekšupite bilden, trägt die Stadt den Beinamen Venedig der nordischen Länder. Schmale Gassen führen durch die Altstadt von Kuldiga, in der historische Gebäude aus dem 13. bis 19. Jahrhundert zu sehen sind.

Die Altstadt von Kuldiga ist besonders sehenswert.


Nördlich der Altstadt können Reisende den Ventas Rumba bestaunen – die Stromschnelle gilt mit 240 Metern als breitester Wasserfall Europas. Im Frühjahr und im Herbst können Besucherinnen und Besucher dort Lachse beobachten, die auf ihrem Weg flussaufwärts zu ihren Laichgründen versuchen, die 1,80 bis zwei Meter hohe Wasserstufe zu überspringen. Sie werden auch Kuldigas fliegende Fische genannt.

Links und rechts der Venta gibt es Wanderwege, auf denen sich ein Spaziergang lohnt. Eine 164 Meter lange Backsteinbrücke mit sieben Bögen – sie gilt als die längste ihrer Art in Europa – führt etwa 200 Meter vom Wasserfall entfernt über den Strom.

4. Cesis: Reise ins Mittelalter

Cesis gilt als eine der besterhaltenen mittelalterlichen Städte des Baltikums. Kreuzritter errichteten im 13. Jahrhundert etwa 90 Kilometer nordöstlich von Lettlands heutiger Hauptstadt Riga eine steinerne Ordensburg, um die schließlich die Stadt entstand. Ähnlich wie Kuldiga entwickelte sich Cesis dank seiner Flusslage – der Ort liegt oberhalb der Gauja am Rand des Gauja-Nationalparks – schon bald zu einer florierenden Hansestadt.

Reisende können die Ruine der mittelalterlichen Burg von innen erkunden. Dafür werden die Besucherinnen und Besucher stilecht mit Kerzenlaternen ausgestattet. Teil des Rundgangs sind ein Besuch im Turmverlies und ein Aufstieg auf den trutzigen Turm. Von hier bietet sich ein sehenswerter Ausblick auf die Altstadt von Cesis und den Park des Neuen Schlosses. Im Inneren des Neuen Schlosses, einem in die Burganlage integrierten Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert, befindet sich seit 1949 das Cesis History and Art Museum.

Das Herrenhaus des Landgutes Cesis im Stadtzentrum wird auch als das Neue Schloss bezeichnet. Im Inneren befindet sich das Museum für Geschichte und Kunst.

Zum Gelände gehört auch ein mittelalterlicher Gemüsegarten. Hier können Besucherinnen und Besucher im Sommer erfahren, welche Kräuter und Heilpflanzen vor etwa 500 Jahren angebaut wurden. Als mittelalterliche Handwerksmeister Gekleidete führen normalerweise von Mai bis Oktober jahrhundertealte Künste vor.

5. Daugavpils: Die russische Stadt

Im Südosten Lettlands, etwa 25 Kilometer von der litauischen Grenze entfernt, liegt die zweitgrößte Stadt des Landes: Mehr als 92.000 Menschen leben in Daugavpils. Die Stadt genoss bei vielen Lettinnen und Letten lange Zeit keinen guten Ruf: Der Ort gilt als russische Stadt – seit der Zeit der sowjetischen Vorherrschaft leben hier viele russischsprachige Menschen.

Gegründet wurde Daugavpils einst vom Livländischen Orden, dem eigenständigen Teil des Deutschen Ordens. Die Mitglieder errichteten im 13. Jahrhundert hier die Dünaburg. Später hinterließen auch Polen und Schweden kulturelle Spuren. Eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten ist die Festung Daugavpils am Fluss Daugava.

Die Zitadelle wurde ab 1810 als russische Festung errichtet und bis 1993 von der Roten Armee genutzt. Das zwei Quadratkilometer große Areal, in dem unter anderem ein Museum über den Ersten Weltkrieg beheimatet ist, ist von Erdwällen umgeben. Hier befindet sich auch das Mark-Rothko-Kunstzentrum, das etliche Originalwerke des amerikanisch-lettischen Künstlers zeigt.

Die Festung ist eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Daugavpils im Südosten des Landes.

Sehenswert in Daugavpils ist auch der Berg der Kirchen an der 18. novembra iela: Hier stehen im Umkreis weniger Meter die Kirchen vier verschiedener Konfessionen. Wer die Stadt aus luftiger Höhe sehen will, erklimmt die etwa 40 Meter hohe Aussichtsplattform der Martin-Luther-Kathedrale.