Mit dem 9‑Euro-Ticket werden die Abteile voll. Man muss kein Reiseprophet sein, um das voraussagen zu können. Das weiß natürlich auch Detlef Neuß, Sprecher des Fahrgastverbands Pro Bahn. „Viele, die sonst ihre Ausflüge oder ihren Urlaub mit dem Auto geplant haben, wollen nun auf die Bahn umsteigen. Die Nachfrage ist bereits sehr groß.“

Er glaubt: „Da werden Leute in die Züge steigen, die vielleicht 20 Jahre nicht mit der Bahn gefahren sind.“ Da müsse man im Vorfeld einiges klären. Vor allem das: „Nicht einfach in die weißen Züge einsteigen! Denn die Weißen sind die schnellen Fernverkehrszüge. Mit einem 9‑Euro-Ticket ist man hier dann Schwarzfahrer.“

Schwarzsehende warnen schon jetzt vor einem bevorstehenden Bahn-Chaos mit völlig überfüllten Regionalzügen. Wie kann man selbst den ganzen Trubel im Zug umgehen? Der reisereporter hat den Sprecher des Fahrgastverbands Pro Bahn nach Tipps gefragt. Hier sind sie:

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1. Reiseziel – Fokus auf nebenan

Du bist beim Reiseziel noch nicht festgelegt? Dann kannst du schon bei der Planung stark befahrene Strecken meiden. Vor allem die Regionalzüge, die auf den Routen Richtung Nord- und Ostsee, zum Bodensee und in die Alpen verkehren, werden tendenziell überfüllt sein. 

Mit der Höllentalbahn unterwegs: Von diesem Zug aus genießt du spektakuläre Ausblicke.

Pro-Bahn-Sprecher Neuß rät dazu, „sich nahe Ziele zu suchen: ein Freilichtmuseum, Naturschutzgebiete in der Region, damit man nicht durch die ganze Republik fahren muss“. Hilfreich könne auch sein, wenn man weiß, ob und wann in der entsprechenden Region gerade ein Fußballspiel, ein Konzert oder eine Großdemo geplant ist, weil diese Veranstaltungen in der Regel viele Interessenten und damit auch Bahnreisende anziehen. 

2. Wochentag – wann die Züge leer sind

Natürlich kann man sich nicht immer aussuchen, an welchem Wochentag man mit der Bahn fahren kann. Lässt sich da aber etwas drehen, sollte man das nutzen. „Am wenigsten frequentiert sind die Züge am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag“, sagt Pressesprecher Neuß.

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Mit dem 9-Euro-Ticket kannst du ab Juni zum günstigen Kurs verreisen.

„Am Freitag sind die Abteile besonders auf den Strecken voll, die von vielen Wochenendpendlern genutzt werden – also rund um Ballungsgebiete“, so Neuß. Das ziehe sich vom frühen bis in den späten Nachmittag hinein, weil viele Leute am Freitag schon eher Feierabend machen könnten. „Und am Wochenende sind vor allem die Züge aus- beziehungsweise überlastet, die auf touristischen Strecken unterwegs sind.“

3. Abfahrtszeit – Pendelzeiten im Blick

Neben dem Wochentag kann die Abfahrtszeit den Reisetrubel entspannen. Auch hierbei solltest du die typischen Pendelzeiten im Blick behalten. „Relativ ruhig ist es in den Abteilen noch zwischen 4 und 6 Uhr, zwischen 11 und 15 Uhr sowie nach 18 Uhr“, meint Neuß.

Wer zwischen 6 und 11 Uhr sowie zwischen 15 und 18 Uhr unterwegs ist, müsse sich auf volle Züge einstellen, „denn dann sind in der Regel auch viele Leute auf dem Weg zur Schule, Uni oder Arbeitsstelle.“

Die Bayerische Regiobahn veröffentlicht auf ihrer Website sogar Tageszeiten, die Reisende lieber vermeiden sollten.

4. Station – vor dem Hauptbahnhof einsteigen

In kleineren Orten hat man natürlich nicht die Wahl, wenn es um den Bahnhof geht – da gibt es keine Alternative. Doch in Großstädten kann es sich lohnen, in einem Bahnhof zuzusteigen, der vor dem Hauptbahnhof liegt. „Einfach mit der S‑Bahn vorher hinfahren“, rät der Pro-Bahn-Sprecher. 

Wer sich also im Vorfeld informiert, an welchen Stationen der Regionalzug hält, kann sich einen Sitzplatz sichern.

5. Bahnsteig – nicht an der Treppe

Auch die Position am Bahnsteig will geplant sein, um nicht gleich beim Einsteigen in einer Traube Mitreisender stecken zu bleiben. „An Treppen und Aufzügen sammeln sich oft die Reisenden. Sie kommen dort hoch und bleiben dann einfach stehen“, erklärt der Pressesprecher das Problem. Wer sich also vorher über die Länge und den Haltebereich des Zuges informiert, kann sich einen entscheidenden Vorteil verschaffen.

An den Bahnsteigen könnte es wie hier am Bahnhof Stuttgart durch das 9‑Euro-Ticket voll werden.

Bei Kopfbahnhöfen sollte man am besten ans hintere Ende des Bahnsteigs laufen. „Denn viele Leute steigen gleich in einen der ersten Wagen ein, weil sie es eilig haben oder weil sie vorn gewartet haben.“

Ansonsten hat der Pro-Bahn-Sprecher noch einen generellen Tipp: „Nicht gleich aufregen! Bei einer Fahrt mit dem 9‑Euro-Ticket muss man sich nicht über volle Züge ärgern, man sollte sich lieber ausrechnen, was man auf dieser Strecke für den Sprit bezahlt hätte.“