Dass Deutschland viele schöne Ausflugsziele zu bieten hat, ist klar. Wer auch einmal abseits von München, Dresden, der Ostsee und den weiteren Urlaubsklassikern genauer hinsieht, entdeckt mitunter skurrile Reiseziele. Journalist und Autor Daniel Wiechmann hat genau das getan und 120 verrückte Orte in Deutschland aufgestöbert.

In seinem neuen Buch „Der verrückteste Reiseführer Deutschlands. Verborgene Orte, kuriose Bauwerke und mysteriöse Gegenden“ stellt er sie vor. Mit dabei: verblüffende Naturwunder, Bauwerke aus fremden Regionen, skurrile Überbleibsel aus vergangenen Jahrhunderten und vieles mehr. 

Im seinem Buch „Der verrückteste Reiseführer Deutschlands“ stellt Daniel Wiechmann kuriose Orte vor. Viele davon sind echte Geheimtipps.

Wie kam er auf diese Idee? „Wegen Corona konnte man lange Zeit nicht reisen. Da haben wir gelernt, unsere Umgebung in Deutschland wieder mehr wertzuschätzen“, erklärt Daniel dem reisereporter sein Projekt. Reisen an besondere Orte hält er für essenziell: „Geschichte ist etwas Abstraktes. Aber das Gefühl wird plötzlich real, wenn man ein Gebäude oder eine Landschaft betritt, das oder die diese Geschichte erzählt.“

Lust auf eine Deutschland-Tour? Dann lass dich von Daniels verrückten Reisevorschlägen inspirieren: 

1. Stabkirche Hahnenklee, Goslar

Lust auf Skandinavien? Dazu musst du nicht über die See reisen, sondern bloß nach Goslar. Im Stadtteil Hahnenklee steht eine Stabkirche, wie sie ursprünglich im 12. und 13. Jahrhundert in Norwegen errichtet wurden. Das Besondere: Dabei wurden die Holzstäbe senkrecht verbaut und nicht waagerecht wie bei einer Blockhütte. Das Ergebnis wirkt fast märchenhaft. 

Gibt es so eigentlich nur in Norwegen: Die Stabkirche bei Goslar-Hahnenklee zählt in Deutschland eher zu den exotischen Kirchen.

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Doch wie kommt dieses skandinavische Bauwerk in den Harz? Ganz einfach: Der Erbauer der Kirche, Karl Mohrmann, war ein großer Norwegen-Fan und wünschte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts Skandi-Flair auch in der Heimat. „Moormann schwindelte die Verantwortlichen damals ein bisschen an, indem er behauptete, dass es in früheren Zeiten in Norddeutschland überall Stabkirchen gegeben hätte“, erklärt Daniel. 

Zum Glück. Denn bis heute beeindruckt die Kirche ihre Besucher. „Die Kirche ist der Wahnsinn. Wenn man im Inneren steht, fühlt man sich wie in einem alten Holzschiff“, sagt der Autor über das besondere Bauwerk. 

Adresse: Professor-Mohrmann-Weg 1, 38644 Goslar

2. Teufelstisch Hinterweidenthal, Pfalz

„Man hat ein wenig Angst, sich diesem Gebilde zu nähern“, gibt Daniel zu. Doch wer sich trotzdem traut, der wird belohnt mit dem verrückten Anblick des Teufelstischs in der Pfalz. Auf einem elf Meter hohen Stein, quasi dem Tischbein, thront eine vier Meter hohe und 50 Quadratmeter große Platte. Das Gebilde sieht aus wie ein Tisch – allerdings einer, an dem wohl niemand gern sitzen möchte. Denn er wirkt, als könnte er beim nächsten Windhauch einstürzen.

Der Teufelstisch ist nicht von Menschen gebaut worden, er entstand durch Eriosion.

Dabei steht der Teufelstisch seit Jahrhunderten an Ort und Stelle. Seine Standfestigkeit verdankt er der Geologie: Auf einer verwitterungsanfälligen Gesteinsschicht entstand eine verwitterungsbeständige. „Den Rest erledigen Wind, Wasser und die Zeit. Sehr viel Zeit“, erklärt Daniel in seinem Buch. 

Adresse: Im Handschuhteich 29, 66999 Hinterweidenthal
Koordinaten: 49°11’41.86“N, 7°44’37.87“O

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3. Schwerbelastungskörper, Berlin

Ein seltsames Relikt aus der Nazi-Zeit ist der Schwerbelastungskörper in Berlin. Fast unschuldig steht dieser riesige Zylinder mit einem Durchmesser von 21 Metern in der Botanik. „Wenn man sich ihm nähert, empfindet man erst einmal gar nichts“, sagt Daniel über das merkwürdige Stück. „Kennt man aber die Geschichte dahinter, nimmt man ihn ganz anders wahr.“ 

Und die lautet so: In Auftrag gegeben hat diesen seltsamen Betonblock Hitlers Architekt Albert Speer. Mit dem Schwerbelastungskörper wollte er testen, ob sich in dem weichen Boden ein Triumphbogen mit gigantischen Ausmaßen errichten ließe. Anscheinend von Größenwahn getrieben, sollte der Bogen 117 Meter hoch und 170 Meter breit werden. Hitler verlor den Krieg, die Pläne wurden nie realisiert, der gigantische Block aber blieb: Eine Sprengung hätte die Statik der umliegenden Häuser zu sehr gefährdet. 

Adresse: General-Pape-Straße 34a, 12101 Berlin

4. Hängeseilbrücke, Geierlay

Die Hängeseilbrücke Geierlay ist nichts für schwache Nerven. Sie misst 360 Meter und gehört damit zu den längsten Hängebrücken Deutschlands. An der höchsten Stelle schaukelt sie 100 Meter über dem Boden. Bei Wind und mutigen Mitwanderinnen und -wanderern, die die Belastungsmöglichkeiten dieses Bauwerks mit beherztem Auf-und-nieder-Springen testen, kann es schon mal wackelig werden. 

Auf der Hängeseilbrücke Geierlay können Besucherinnen und Besucher auch mal ins Schaukeln geraten, doch der Ausflug lohnt, ist sich der Autor sicher.

Dabei dürfen maximal 950 Personen gleichzeitig auf der Brücke stehen. „Ob ich mich mit so vielen anderen Menschen auf der Brücke allerdings wohlfühlen würde, bezweifle ich“, schmunzelt der Autor. Wem der Gang über die Brücke zu gewagt ist, der erfreut sich an der schönen Landschaft, die sie umgibt. 

Adresse: 56290 Mörsdorf
Koordinaten: 50°5’24”N, 7°20’28”O

5. Idagrotte, Sächsische Schweiz

Daniel ist bekennender Fan der Sächsischen Schweiz. Besonders schön und zugleich skurril sei dort die Idagrotte, die auf einem der bekannten Felsen liegt. „Man fühlt sich dort fast wie in den Rocky Mountains“, sagt der Autor. Schon der Weg nach oben ist abenteuerlich: Gerade einmal schulterbreit schlängelt sich der Pfad stellenweise an den Felsen entlang, hin und wieder muss auch geklettert werden. Wer nach oben will, sollte schwindelfrei sein. 

Hier ist Schwindelfreiheit gefragt: Der Wanderweg zur und um die Idagrotte in der Sächsischen Schweiz bietet, oben angekommen, eine tolle Aussicht.

Oben erkunden Wanderinnen und Wanderer dann die Idagrotte. Durch niedrige Gänge erreichen sie eine große Halle mit mehreren Öffnungen. Taschenlampe nicht vergessen! Neben dem Weg und der Kluft- und Schichtfugenhöhle selbst zählt die Aussicht über das Elbsandsteingebirge zu den absoluten Höhepunkten bei einem Trip zur Idagrotte. 

Adresse: 01814 Reinhardtsdorf-Schöna
Koordinaten: 50°54’43.75“N, 14°14’46.67“O

6. Monte Kali

Huch, wie kommt der denn hier hin? In einer eigentlich flachen Gegend im östlichen Hessen erhebt sich ein weißer Berg, der je nach Sonneneinstrahlung in verschiedenen Farben leuchtet. Eigentlich gehört diese bizarre Formation, genannt Monte Kali, nicht hierher. Genau genommen handelt es sich sogar um nichts anderes als Abfall. 

Der Monte Kali ist von weit her zu sehen.

Denn der Monte Kali ist menschengemacht. Arbeiterinnen und Arbeiter luden hier Überreste aus dem Kalibergbau ab. Der Hügel wuchs zu seiner heutigen Größe an, doch inzwischen ist er aus der Landschaft nicht mehr wegzudenken. Wer mag, kann ihn sogar im Rahmen einer geführten Wanderung erklimmen: „Die Aussicht von oben ist super“, lobt Daniel. 

Adresse: Dickesstraße 1, 36266 Heringen (Werra)

7. Glasscherbenvilla, Passau

Aus der Ferne sieht die Glasscherbenvilla in Passau aus wie ein Zuckerbäckerbau. Wer näher herantritt, entdeckt die Eigenwilligkeit dieses besonderen Wohnhauses: In die Fassade sind unzählige Scherben eingebaut, zum Teil aus Glas, zum Teil aus Nippesfiguren. Gemeinsam ergeben sie fantasievolle Muster. Und wenn die Sonne scheint, funkeln sie miteinander um die Wette. Das gibt ein „irres Bild“ ab, sagt Daniel. 

Doch wozu das Ganze? Der italienische Architekt Aristide Ostuzzi liebte es zu dekorieren. Das Haus hat er zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht nur im Renaissance-, Barock- und Jugendstil gestaltet, sondern eben auch mit den Scherben. Was vor rund 100 Jahren große Verwunderung ausgelöst hat, wird heute gefeiert: Die Straße, in der das Haus steht, ist inzwischen nach dem Architekten benannt. 

Adresse: Ostuzzistraße 3, 94032 Passau

8. Lieberoser Wüste

Dass hier einmal eine Kulturlandschaft entstehen würde, haben die Soldatinnen und Soldaten in ihren Panzern sicherlich nicht vermutet. Einst diente das Gelände, das heute als Lieberoser Wüste bekannt ist, als Militärgelände. Regelmäßig übten die Männer und Frauen hier in Brandenburg den Umgang mit Panzern. 

Auf dem Gelände rund um den alten Generalshügel, einen ehemaligen Übungsplatz der Panzerbrigaden der Weststreitkräfte der Roten Armee, ist ein bislang deutschlandweit einzigartiges Lehrobjekt entstanden.

Das Militär benötigt die Fläche inzwischen nicht mehr, die Natur könnte sich jetzt ungehindert ausbreiten. Es gibt allerdings ein Problem: Die schweren Panzer haben den Boden im Laufe der Jahre so stark verdichtet, dass hier kaum noch etwas wächst. Die Erde kann kaum noch Wasser aufnehmen – schlechte Bedingungen für Begrünung.

Nur einige Grasbüschel haben sich ihre Nische hier gesucht, ansonsten bestimmt Sand das Erscheinungsbild dieses skurrilen Ortes. Das willst du dir selbst ansehen? Am besten funktioniert das mit einer geführten Wanderung, denn abseits der Wege ist das Areal noch immer munitionsbelastet. 

Adresse: 15868 Lieberose
Koordinaten: 51°56’1.255“N, 14°20’57.026“O

Du willst noch mehr skurrile Reiseziele in Deutschland kennenlernen? Diese acht besonderen Orten waren nur der Vorgeschmack. In „Der verrückteste Reiseführer Deutschlands. Verborgene Orte, kuriose Bauwerke und mysteriöse Gegenden“ hat Autor Daniel Wiechmann über 100 weitere kuriose Orte in ganz Deutschland aufgestöbert. Es erscheint am 17. Mai im Riva-Verlag.