Andalusien ist südspanische Leidenschaft, Flamenco, architektonische Schönheit und Strände zum Niederknien. Auch die andalusischen Dörfer versprühen ihren ganz eigenen Zauber.

Entlang der Route der weißen Dörfer, spanisch: Ruta des los Pueblos Blancos, können authentische Fleckchen und charakteristische Landschaften entdeckt werden, die diese Region Spaniens so einzigartig machen. Angesiedelt sind die weißen Dörfer in den Provinzen Málaga und Cádiz und sowohl Ronda als auch Arcos de la Frontera bieten sich als Ausgangspunkte an. 

Die Landstraßenroute Ruta de los Pueblos Blancos führt durch schöne, teilweise gebirgige Landschaften und an Kleinstädten und Dörfern entlang, die vom achten bis ins 15. Jahrhundert von den Mauren erbaut wurden. Ihre Markenzeichen sind die weiß gekalkten Häuser und die verwinkelten Gassen, wie man sie sonst auch in Nordafrika findet. Der Sinn des Kalkanstrichs der Häuser ist die Reflexion des Sonnenlichts, um die Häuser im Inneren kühl zu halten. Insgesamt 30 Orte gehören zu der Route. Der reisereporter stellt dir eine Auswahl vor.

1. Grazalema

Malerisch im Naturpark Grazalema gelegen befindet sich das weiße Dorf Grazalema. Zwei Kirchen und ein idyllischer Ortskern können in Grazalema entdeckt werden.

Das Dorf ist bekannt für sein vielfältiges Handwerk. Korkmöbel und Flechtarbeiten, Schafs- und Ziegenkäse, Kosmetika aus Olivenöl und Keramikarbeiten haben hier Tradition. 

Der Ort am Fuße der Sierra del Pinar eignet sich außerdem als Ausgangspunkt für Aktivurlaubende, die sich für eine Kletterpartie und für Wanderausflüge begeistern. Eine beliebte Wanderroute ist El Pinsapar durch einen Wald aus Pinsapo-Tannen. 

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Da die Region die regenreichste Spaniens ist, ist ab und an auch ein Schauer möglich. Bei den extrem hohen Temperaturen Andalusiens im Sommer kann das wohl als weiterer Pluspunkt gewertet werden.

Hübsch im Naturpark der Sierra de Grazalema gelegen: Das weiße Örtchen Grazalema.

2. El Bosque

Neben den hübschen weißen Häuschen schmücken das kleine Dorf El Bosque Orangen- und Zitronenalleen. Auf dem Dorfplatz sind die Obstbäume besonders zahlreich zu bestaunen. Hier befindet sich auch ein kleiner Laden, der Käse- und Fleischspezialitäten anbietet.

Ein besonderes Highlight ist die Mühle am Ortseingang. Der Molino de Abajo ist noch heute in Betrieb. An der dort ansässigen Touristeninformation erhält man Informationsmaterial über lokale Wanderwege. Empfehlenswert ist beispielsweise ein Spaziergang durch den botanischen Garten El Castillejo.

Das weiße Dorf El Bosque in Andalusien beherbergt Europas südlichste Forellenzucht.

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3. Villaluenga del Rosario

870 Meter über dem Meeresspiegel befindet sich das höchstgelegene weiße Dorf der Provinz Cádiz. Villaluenga del Rosario wurde direkt an den Felsen gebaut.

Enge Gassen am Berg führen durch den Ort. Neben der Kirche Iglesia San Miguel aus dem 16. Jahrhundert und zwei Wallfahrtskapellen ist auch der Friedhof sehenswert. Außerdem gilt die viereckige Stierkampfarena in Villaluenga del Rosario als älteste der Provinz. Für Höhlenliebhaber und ‑liebhaberinnen bieten mehr als 80 Höhlen Einblicke in die bedeutendsten Höhlensysteme Andalusiens.

Kulinarisch darf der Payoyo-Käse auf keinen Fall ausgelassen werden, der aus der Milch der dort grasenden Ziegen und Schafe hergestellt wird. Er zählt zu den besten Käsesorten weltweit und wurde mehrfach mit dem World Cheese Award ausgezeichnet. 

Stars der Region: Aus Milch der Payoyo-Ziege und des Merino-Schafs entsteht eine der weltweit besten Käsesorten.

4. Algodonales

115 Kilometer von Cádiz entfernt findest du Algodonales zwischen den Flüssen Río Guadalete und Río Guadalprocún. Diese Region ist besonders fruchtbar, was durch von Orangenbäumen gesäumte Straßen und viele Brunnen optisch zur Geltung kommt. Im Dorfkern von Algodonales steht die spätbarocke Kirche Iglesia Parroquial de Santa Ana aus dem 18. Jahrhundert, die hoch über der Stadt thront.

Der Ort ist außerdem bekannt für den Gitarrenbau und für die Höhlen in der Bergkette Sierra de Líjar. Archäologische Funde wurden dort gemacht und es gibt dort Höhlenmalereien aus der Steinzeit. Aufgrund von Lage und Thermik lockt der Ort viele Gleitschirmfliegerinnen und ‑flieger an. 

Algodonales ist ein beliebtes Ziel für Gleitschirmflieger.

5. Olvera

Das Markenzeichen des weißen Dorfes Olvera ist die neoklassische Kirche Señora de la Encarnación, die auf den Ruinen einer maurischen Moschee erbaut wurde und die Stadt majestätisch überragt. Fast ebenso eindrucksvoll: die maurische Burg aus dem siebten Jahrhundert, die ebenfalls erhöht liegt. Zu beiden Bauwerken lohnt der Aufstieg, der eine Aussicht über die gesamte Region garantiert.

Bekannt ist das Dorf mit seinen 8500 Einwohnerinnen und Einwohnern auch für Olivenöl, das direkt aus der Region stammt. In der Umgebung lockt zudem das Naturschutzgebiet Reserva Natural del Peñón de Zaframagón. In dem Naturreservat ist die größte Aasgeierkolonie Europas zu Hause. Und Fahrradfans sei die Vías Verdes ans Herz gelegt: Auf 36 Kilometern kann die abwechslungsreiche Landschaft in zweierlei Hinsicht erfahren werden.

Die Kirche Nuestra Señora de la Encarnación in Olvera dominiert das Stadtbild.

6. Ubrique

Ubrique liegt in landschaftlich beeindruckender Lage in der Provinz Cádiz, genauer gesagt zwischen den Gebirgszügen des Naturparks Los Alcornocales.

International bekannt ist das weiße Dorf für Lederwaren. Das Lederkunsthandwerk wurde bereits von den Mauren eingeführt und stellt heute den größten Wirtschaftszweig des Ortes dar. In einem barocken Kapuzinerkloster aus dem 17. Jahrhundert, das heute als Museum genutzt wird, kann die Geschichte der Lederproduktion des Ortes nachvollzogen werden. 

Mit den beiden Naturparks Sierra de Grazalema und Los Alcornocales vor der Haustür bietet Ubrique zudem beste Bedingungen für einen Wanderausflug oder auch zum Radfahren. Auf Bikemap sind beeindruckende 173 Fahrradrouten für die Region verzeichnet. 

Plaza General Franco in Ubrique, das als wichtiges Lederzentrum Europas gilt.

7. Arcos de la Frontera

Es ist wohl eines der bekanntesten, wenn nicht das bekannteste weiße Dorf Andalusiens: Arcos de la Frontera. Bereits von Weitem kommt die Altstadt, die auf einem etwa 200 Meter hohen, steilen Bergrücken erbaut wurde, in den Fokus.

Von der denkmalgeschützten Altstadt aus hat man freien Blick über das Tal des Río Guadalete. Am besten eignet sich dafür der höchste Punkt der Altstadt, die Plaza del Cabildo, die mit einer Aussichtsterrasse ausgestattet ist. 

Arcos de la Frontera ist reich an architektonischer Schönheit.

30.000 Einwohnerinnen und Einwohner zählt Arcos de la Frontera, das nur 35 Kilometer entfernt von Jerez de la Frontera liegt. Historisch und architektonisch Interessierten wird dort viel geboten: Ehemalige Klöster und Paläste, Kirchen, eine Burg (leider nicht zu besichtigen, da sie in Privatbesitz ist) und repräsentative Bauten Adeliger machen die vielfältige Architektur des Ortes aus, die römischen, maurischen und christlich-kastilischen Einfluss erfuhr.

Hübsch sind auch die Rundbögen, die gegenüberliegende Fassaden miteinander verbindet. Und auch kulinarisch ist Arcos ein Schmuckstück: Zahlreiche traditionelle Tapasbars bieten regionale Gerichte und lokalen Wein an.