Stockbett und Hagebuttentee sind in vielen Jugendherbergen längst Geschichte. Natürlich kannst du diese Eigentümlichkeiten in einigen Häusern noch immer bekommen, wenn du dich nach dem Klassenfahrtsgefühl deiner Kindheit sehnst. Doch viele Häuser bieten inzwischen Zimmer mit Doppelbett und eigenem Bad an.

Nicht nur das: Vielerorts in Deutschland kannst du ganz ausgefallene Übernachtungsmöglichkeiten kennenlernen. Acht besondere Exemplare zeigt dir der reisereporter in diesem Artikel. 

Für die Übernachtung musst du jedoch eine Voraussetzung erfüllen: Du musst Mitglied im DJH, dem Deutschen Jugendherbergswerk, sein. Das kostet für Familien und Einzelmitglieder 22,50 Euro pro Jahr, für junge Menschen bis 26 Jahre 7 Euro. Für diesen Beitrag profitierst du von günstigen Übernachtungsmöglichkeiten in über 400 Häusern. Die Mitgliedschaft kannst du ganz einfach bei der Buchung über das DJH beantragen. 

1. Jugendherberge im Leuchtturm

Aussicht auf das Wattenmeer gefällig? Dann auf in die Jugendherberge Wangerooge, denn hier kannst du im 56 Meter hohen Leuchtturm übernachten. Gleich nach dem Aufwachen genießt du hier den Fernblick über Sand, Watt und Dünen. Draußen weht dir eine frische Nordsee-Brise um die Nase, denn zum Strand ist es von der Herberge aus auch nicht weit. 

Urlaub an der Nordsee: In der Jugendherberge von Wangerooge übernachtest du im Leuchtturm.

Wangerooge bietet das richtige Setting, wenn du dich gern in der Natur bewegst. An der Jugendherberge leihst du dir ein Fahrrad und erkundest so die acht Quadratkilometer große Insel. Oder du lernst das Wattenmeer bei einer geführten Wanderung genauer kennen. Wenn es dich weiter nach draußen auf die See zieht, versuche dich im Wind- oder im Kitesurfen und erlerne den Umgang mit dem Seekajak. Vielleicht grüßt dabei sogar ein Seehund von den Seehundbänken. 

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2. Schlafen im historischen Umformerwerk

Das sächsische Chemnitz ist bekannt für seine Schwerindustrie. Wieso also nicht direkt im historischen Umformerwerk übernachten? In dieser besonderen Jugendherberge und um sie herum bestaunst du eine historische Laufkatze und eine Schwungradhälfte. Und auch sonst durchdringt Industriecharme dieses Haus, allerdings modern interpretiert. 

Vor den Toren der Jugendherberge im Zentrum putzt sich Chemnitz gerade heraus, denn im Jahr 2025 trägt die Stadt den Titel Kulturhauptstadt. Willst du dich schon jetzt davon überzeugen, dass dieser Titel gerechtfertigt ist, solltest du das Wasserschloss Kaffenbach, die Burg Rabenstein, den Theaterplatz und das Rathaus auf dem Zettel haben. Vergiss auch nicht die alten Zeugen der Industriekultur, indem du eine Fahrt mit der Dampflok der Parkeisenbahn durch den Küchenwald unternimmst. 

Dich zieht es auch in die Natur? Die markanten Felsgebilde der Sächsischen Schweiz erreichst du von Chemnitz aus in rund einer Stunde mit dem Auto. Wenn du nicht so weit fahren willst, kannst in der Gegend um den Harrasfelsen schöne Wandertouren unternehmen. 

3. Übernachten im Baumzelt

Wer braucht schon ein Bett, wenn man sich von Bäumen in den Schlaf wiegen lassen kann? Die Jugendherbergen Hohe Fahrt (Edersee) und Hoherodskopf in Hessen haben Baumzelte in die umliegenden Wälder geknotet, in denen du fast wie in einer Hängematte schlafen kannst – nur eben geschützt durch die Zeltwände und mit mehr Platz zum Ausstrecken. 

Übernachten im Baumzelt: In Hessen schweben die ungewöhnlichen Unterkünfte zwischen den Bäumen.

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Nach einer erholsamen Nacht in den Bäumen kannst du am Edersee baden, Kayak oder Kanu fahren, segeln, surfen, angeln, tauchen oder die Natur auf einer Wanderung erkunden. Am Abend warten die Grillstellen an der Herberge darauf, befeuert zu werden.

Aktiv- und Outdoorurlaub stehen auch für diejenigen auf dem Programm, die sich für die Baumzelte an der Herberge Hoherodskopf entscheiden. Neben Basketball, Fußball und Volleyball kannst du hier auch im Kletterwald, auf dem Baumkronenpfad oder auf der Sommerrodelbahn deinen Adrenalinpegel nach oben treiben. 

4. Jugendherberge in der Feuerwache

Über die Rutschstange in den Frühstücksraum gleiten – schneller kannst du kaum am Tisch sitzen. Möglich ist das, weil die Jugendherberge im sächsischen Plauen in einer ehemaligen Feuerwache untergebracht ist.

Und noch immer steht dort alles im Zeichen der Brandbekämpfung: Die Farben Rot und Schwarz beherrschen die öffentlichen Räume der Herberge, die Wandbemalung zeigt Fantasiehelden, die brennende Drachen löschen, und die riesigen Fenster zum Hof dienten einst als Zufahrt für die Feuerwehrautos. 

In Plauen selbst geht es dagegen gemächlich zu. Die Stadt ist bekannt für die Tuchmacherei und das Spitzenhandwerk. Zeuge davon wirst du im Vogtland-Museum, das in ehemaligen Wohn- und Geschäftshäusern aus der Textilzeit untergebracht ist. Auch die historischen Gebäude am Altmarkt, etwa das alte Rathaus, sind eine tolle Fotokulisse. 

5. Ausblick aus dem Wasserturm

40 Meter ragt der Wasserturm in Konstanz in die Höhe. Das runde, weiße Gebäude der Jugendherberge wurde schon bei seiner Planung zugleich als Jugendherberge und Wasserspeicher konzipiert. Seit 1929 übernachten dort Feriengästinnen und ‑gäste sowie Schulklassen mit Ausblick auf den Bodensee, über ihnen der 300 Kubikmeter fassende Wasserbehälter. 

Die Jugendherberge von Konstanz liegt direkt am Bodensee. Der weiße Turm ist auch aus der Ferne gut zu erkennen.

Wasser wird dort heute nicht mehr gespeichert, doch die Nähe zum Bodensee und die Sicht auf die Alpen bei gutem Wetter ist der Herberge geblieben. Rund 200 Meter trennen dich in dieser besonderen Unterkunft vom Ufer des größten Sees Deutschlands. Und auch die Stadt Konstanz lohnt sich für einen ausgiebigen Städtetrip: Römerkastell und Konzilgebäude sind nur zwei der Must-sees.

Auch eine Tour in die Schweiz, nach Österreich oder in die Berge der Alpen lassen sich von der Jugendherberge in Konstanz aus leicht realisieren. 

6. Eine Nacht im Urwald

Im Urwald-Life-Camp im thüringischen Lauterbach bist du ganz nah dran an der Natur. Übernachten kannst du hier entweder im Baumhaus oder im Tipidorf. So wirst du am frühen Morgen von den Vögeln geweckt, mit denen du sozusagen auf Augenhöhe nächtigst. 

Nach einer ausgiebigen Mütze Schlaf kannst du deine Energie in den umliegenden Wäldern nutzen, um Wanderungen zu unternehmen. In der Nähe liegt der Baumkronenpfad im Nationalpark Hainichen, von dem aus du den Wald aus einer neuen Perspektive kennenlernst. Drei weitere Erlebnispfade in der Umgebung laden dazu ein, den Naturpark mit all seinen Facetten zu entdecken. 

7. Übernachten mit Mittelalter-Flair

Um in einer prächtigen Burg zu übernachten, musst du keine Millionenerbin und kein Millionenerbe sein. Einige herrliche Anwesen von einst wurden zu Jugendherbergen umfunktioniert, somit ist die Übernachtung auch für Normalverdienende erschwinglich. Eine von ihnen ist die Burg Breuberg im hessischen Odenwald. 

Burg Breuberg thront über den Ortschaften im Odenwaldkreis. Heute dient die Burg als Jugendherberge.

Im zwölften Jahrhundert wurde diese Burganlage gebaut, bis heute zählt sie mit ihrem mittelalterlichen Flair zu den besterhaltenen in Deutschland. Wer nach der Führung durch die Gemächer und das historische Museum nicht genug von diesem Kleinod bekommen hat, bucht noch eine Übernachtung in der Jugendherberge dazu. Bei schönem Wetter lädt dort die Burgschenke in den Biergarten ein.

Von dieser historischen Übernachtungsmöglichkeit ausgehend lohnt sich für Mittelalterfans auch ein Ausflug nach Michelstedt, ein von Fachwerkhäusern geprägtes Städtchen im Odenwald. Das mittelalterliche Rathaus lässt die Geschichte des Ortes lebendig werden. Auch die Kulturstadt Aschaffenburg erreichst du innerhalb von 40 Minuten mit dem Auto. 

8. An der Wasserkante

Wasserratten, ahoi! In Bremen kannst du direkt auf dem Wasser übernachten, und zwar im schwimmenden Gästeschiff der Jugendherberge Bremen. Der Name ist hier Programm: Das Schiff heißt „Die Weser“ und treibt auf ebendieser gemächlich am Ponton 8. 

Nicht nur Wasserratten, sondern auch Geschichtsfans können hier ihrer Leidenschaft frönen, denn „Die Weser“ ist ein originalgetreu nachgebauter Weserraddampfer. Mahlzeiten kannst du dir in der schiffseigenen Kombüse zubereiten. Hier hat man zum Wohle der Reisenden auf historische Genauigkeit verzichtet und eine moderne Küche eingebaut. 

Nach der Stärkung erkundest du dann Bremen. Das Boot beweist sich dabei als guter Ausgangspunkt für einen Stadtrundgang, denn es liegt zentrumsnah. Ein Bummel durch das Schnoorviertel, ein Besuch in den Museen der Stadt und im Universum Bremen gehören bei jedem Besuch in der Hansestadt dazu.