Im Juli für unter 30 Euro mit der Bahn nach Kroatien an die Adria reisen? Das geht tatsächlich! Und auch andere beliebte europäische Reiseziele am Meer lassen sich günstig erreichen. Fahrten aus ganz Deutschland nach Italien, Frankreich, Kroatien, Dänemark und Schweden sind für 50 bis 100 Euro möglich – dafür sind aber ein paar Tricks nötig. 

Wie gut, dass Lennart Fahnenmüller sie kennt – und auch gern preisgibt! Der 32-Jährige, der sich selbst als Bahn-Nerd bezeichnet, hat auf Twitter jüngst für Aufmerksamkeit gesorgt. In einem Thread mit dem Titel „Buchungstricks Sommerurlaub mit der Bahn“ zeigt er, wie Reisende aus den Sparpreisangeboten der Deutschen Bahn am meisten herausholen:

„Die DB-Sparpreise sind zwar mit die besten in Europa, aber leider im Bahn-Buchungssystem nicht immer leicht zu finden“, sagt Lennart im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Hier und da müssen Zwischenstopps eingefügt werden, an anderer Stelle müssen Regionalzüge ausgeschlossen werden. Aber Lennart macht es uns leicht: In seinem Thread erklärt er alle Tricks inklusive Screenshots der Buchungsmaske.

Die wichtigsten Tipps für ein Bahn-Schnäppchen

1. DB-Sparpreis nutzen – soweit es geht

„Klingt banal, aber: Man muss wissen, wie weit der Sparpreis der DB gilt, um möglichst günstig ans Reiseziel zu kommen“, sagt Lennart. Diese Orte sind oft mit direkten Zügen aus Deutschland zu erreichen oder auf Grundlage von Kooperationen durchgehend buchbar.

In Belgien ist das beispielsweise Brüssel, in Frankreich Paris oder Marseille. Zugelassen sind auch einzelne TGVs ab Straßburg nach Bordeaux, Montpellier oder Nantes. In diesem Fall ist es wichtig, mit einem ICE/TGV über die Grenze zu fahren.

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Nach Italien sind drei Routen gut mit DB-Sparpreisen kombinierbar, weiß Lennart: Die Gotthardroute über Chiasso führt bis nach Sizilien. Auf der Brennerroute geht es mit Umstieg in München nach Rimini oder Venedig. Die Tauernroute führt über das österreichische Villach. So geht es nicht nur günstig nach Italien, sondern auch nach Kroatien und Slowenien.

Auch Kopenhagen ist direkt mit Zügen aus Deutschland zu erreichen und daher mit DB-Sparpreisen kombinierbar, auch für Anschlüsse nach Stockholm oder Göteborg.

Toller Ausblick: Ein Nahverkehrszug bei Sitges in Spanien.

2. Möglichst ein durchgehendes Ticket nutzen

Ganz wichtig ist: Soweit möglich, sollten Reisende immer ein durchgängiges Ticket bei der DB kaufen – und nicht etwa zwei Fahrscheine. Nur so stehen ihnen im Fall von Verspätungen oder Zugausfällen die vollen Fahrgastrechte zu. 

3. Puffer einplanen

Wer weiterfahren will, als der DB-Sparpreis es zulässt, sollte einen großzügigen Zeitpuffer zum Umsteigen einplanen, so Lennart. Die Buchung ist dann etwas komplexer, weil Reisende zusätzlich zum Ticket bei der Deutschen Bahn noch bei den staatlichen oder privaten Bahnanbietern des Ziellandes ein Ticket buchen müssen. Beispiel: Du willst über Paris noch weiter Richtung spanische Grenze oder du willst von Chiasso weiter nach Sizilien. „Die Grundregel lautet: DB-Sparpreis so weit wie möglich, Puffer, mit anderem Anbieter weiter“, so der selbst ernannte Bahn-Nerd.

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4. Bahncard

Wenn du im Sommer ein bis zwei größere Reisen mit der Bahn planst, dann könnte sich eine Bahncard 25 schon lohnen, so Lennart. Mit ihr erhältst du zusätzlich zum Sparpreis 25 Prozent Rabatt auf dem deutschen Streckenteil. Die Probebahncard ist drei Monate lang gültig und kostet 17,90 Euro.

Wichtig: Denk an die Kündigung (spätestens sechs Wochen vor Ablauf der Karte), wenn du sie nach dem Sommer nicht weiter nutzen willst.

Buchungstipps für Italien, Kroatien und Frankreich

Für welche Ziele in Italien, Kroatien und Frankreich können Reisende noch Sparpreise für den Sommerurlaub ergattern? Und wie genau müssen sie dafür bei der Buchung vorgehen? Wir haben mithilfe von Lennarts Tricks verschiedene Verbindungen in den Sommerferien (Test-Buchungszeitraum: Ende Juli) ausprobiert. Klick dich direkt zu dem Land, das dich interessiert:

Mit der Bahn nach Italien

Nach Italien sind drei Routen gut mit DB-Sparpreisen kombinierbar: Die Gotthardroute über Chiasso führt bis nach Sizilien. Auf der Brennerroute geht es mit Umstieg in München günstig nach Rimini, Venedig, Verona oder Bologna. Die Tauernroute führt über Villach in Österreich beispielsweise nach Triest. 

Wie teuer ist es? Ende Juli haben wir auf der Brenner-Route ein Sparpreis-Ticket von Hannover nach Rimini für 59,90 Euro gefunden, Umstieg in München. Dauer: 17 Stunden und 30 Minuten. Die Verbindung startet um Mitternacht – der Umstieg in München erfolgt um 6 Uhr morgens. Deutlich kürzer ist die Fahrt aus dem Osten und Süden Deutschlands. Wer in Stuttgart startet, kommt ebenfalls für 59,90 Euro nach Rimini – muss allerdings erst um 6.57 Uhr den ersten Zug nehmen und reist insgesamt nur zehn Stunden und 36 Minuten. Aus Leipzig geht’s für denselben Preis um 5.48 Uhr in elf Stunden und 45 Minuten an die Adria.

Extra-Tipp Italien:„Innerhalb Italiens ist der private Hochgeschwindigkeits-Anbieter Italo oft günstiger als Trenitalia“, so Lennart Fahnenmüller. Jedoch gelten für den Übergang von DB-Tickets keine Fahrgastrechte, daher solltest du einen großzügigen Umstiegs-Zeitpuffer einplanen.

Das ist auch beim „Chiasso-Trick“ der Fall. Hierbei fährst du zunächst mit dem DB-Sparpreis bis zu dem Ort an der schweizerisch-italienischen Grenze – das geht am 26. Juli von Hannover aus ab 29,90 Euro (mit einem Nachtzug). Von dort aus fährst du dann mit einem Sparpreis von Trenitalia weiter an die Adria. Das Coole ist: Du musst zwar ein zweites Ticket kaufen, kannst aber in Chiasso im gleichen Zug sitzen bleiben. Der fährt dann als Eurocity 307 oder 319 weiter nach Bologna. Von dort kann es beispielsweise weiter nach Rimini, Sanremo oder Sizilien gehen.

Mit der Bahn nach Kroatien

Über die Tauern-Route können Reisende den DB-Sparpreis auch bis nach Kroatien ausnutzen – das klappt laut Lennart am besten aus dem Süden Deutschlands.

Wie teuer ist es? Tatsächlich haben wir Ende Juli einen Sparpreis von 29,90 Euro für die Verbindung von München nach Rijeka gefunden! Dauer: elf Stunden und zwölf Minuten, Abfahrt um 7.10 Uhr, drei Umstiege.

Reisende kommen mit einem Regiojet in Rijeka an der kroatischen Adria an.

So musst du vorgehen

  • Bei der Reiseauskunft den Startbahnhof (in unserem Fall München) sowie den Zielbahnhof Rijeka eintragen.
  • Auf „weitere Optionen“ klicken.
  • Im Reiter „Zwischenhalte“ bei „über 1“ Salzburg eintragen.
  • Im Reiter „Verkehrsmittelauswahl“ den Streckenabschnitt bis Salzburg auswählen und nur die ersten zwei Kästchen (Hochgeschwindigkeitsverkehre sowie Eurocity-, Intercity-Züge, IC-Busse) aktivieren.

Mit der Bahn nach Frankreich

Einmal pro Tag fährt ein TGV von Frankfurt am Main nach Marseille – auf der ganzen Strecke gilt der DB-Sparpreis. Abfahrt ist um 13.56 Uhr, Ankunft um 21.49 Uhr. Durch die Abfahrtszeit am Mittag können Reisende den TGV aus vielen Orten Deutschlands bequem erreichen, findet Lennart. Ein Wermutstropfen für Weiterreisende: Die Fahrt in einen kleinen Küstenort wäre bei der späten Ankunft in Marseille nicht mehr so einfach zu bewerkstelligen.

Wie teuer ist es? Ende Juli haben wir ein Sparpreis-Ticket von Hannover nach Marseille für 62,90 Euro gefunden, Umstieg in Frankfurt. Dauer: elf Stunden und acht Minuten.

Reisende können außerdem von dem „Straßburg-Trick“ profitieren, sagt Lennart. Dahinter steckt Folgendes: „Einige TGV ab Straßburg sind für den DB-Sparpreis zugelassen – etwa Bordeaux, Montpellier oder Nantes.“ Dafür müssen in der Buchungsmaske einige Häkchen gesetzt werden, damit die DB-Reiseauskunft nur Verbindungen anzeigt, die über Straßburg führen.

Wie teuer ist es? Ende Juli haben wir ein Sparpreis-Ticket von Hannover nach Montpellier für 94,90 Euro gefunden, Umstiege in Karlsruhe und in Straßburg. Dauer: elf Stunden und zwölf Minuten.

So musst du vorgehen: 

  • Bei der Reiseauskunft den Startbahnhof (in unserem Fall Hannover) sowie den Zielbahnhof (Montpellier, Bordeaux oder Nantes) eintragen.
  • Auf „weitere Optionen“ klicken.
  • Im Reiter „Zwischenhalte“ bei „über 1“ Strasbourg eintragen.
  • Im Reiter „Verkehrsmittelauswahl“ zwei Dinge ändern: Unter „Hinfahrt“ musst du den Streckenabschnitt Köln–Strasbourg auswählen und die Nahverkehrszüge ausschließen, indem du die Häkchen in den ersten drei Kästchen aktivierst. Damit schließt du alle Nahverkehrszüge aus.
  • Im Streckenabschnitt Strasbourg–Montpellier musst du den Reiter „Umstiege zulassen“ auf „Direktverbindung“ umstellen.

Mit der Bahn nach Dänemark und Schweden

 Auch Stockholm, Göteborg und Kopenhagen sind direkt mit Zügen aus Deutschland zu erreichen und daher mit DB-Sparpreisen kombinierbar.

Wie teuer ist es? Ende Juli haben wir eine Verbindung von Hannover nach Stockholm gefunden, die 69,90 Euro kostet. Umstiege in Hamburg und Kopenhagen. Dauer: 13 Stunden und fünf Minuten, Ankunft um 23.41 Uhr. Der Preis für die Fahrt nach Göteborg ist derselbe, die Fahrt dauert aber nur elf Stunden und 44 Minuten. Wer nur bis Kopenhagen fährt, kommt für 44,90 Euro dorthin.