Die Lebensdauer mancher Bäume ist für einen Menschen kaum zu fassen. Einige gedeihen seit mehreren Tausend Jahren, unbeirrt von natürlichen und menschengemachten Bedrohungen.

Eine feste Größe sind Bäume auch in den Reiseplänen naturinteressierter Touristinnen und Touristen. Um die ältesten, größten, skurrilsten oder schönsten Bäume bewundern zu können, nehmen Besucherinnen und Besucher oft weite Wege auf sich. Der reisereporter stellt eine Auswahl an Bäumen vor, die so manchen Menschen vor Ehrfurcht erstarren lassen.

1. Der Schönste: Die Weide im Lake Wanaka in Neuseeland

Der vielleicht schönste Baum der Welt steht nicht etwa an Land. Er wächst inmitten eines Sees – des Lake Wanaka auf der Südinsel Neuseelands.

Internationaler Baum-Promi: Die Bruchweide im Lake Wanaka zählt zu den beliebtesten Fotomotiven in Neuseeland.

Vermutlich spross die Bruchweide einst aus einem alten Zaunpfahl hervor. Sie steht deshalb völlig schief, hat nur ein paar Äste und ist auch ziemlich klein geraten. Doch vor dem malerischen Hintergrund der Südalpen wirkt der „Crack Willow Tree“ wie eine natürlich geschaffene Skulptur, vor allem wenn sich die sanft beleuchteten Südalpen bei Sonnenuntergang im Wasser spiegeln.

Fotos in den sozialen Medien haben der Weide in den vergangenen Jahren zu ungewolltem Weltruhm verholfen. Inzwischen zählt die Weide zu den meistfotografierten Motiven Neuseelands und viele Touristinnen und Touristen planen den Baumbesuch im Vorfeld ihrer Neuseeland-Rundreise fest ein.

Doch für das empfindliche Gewächs wird der Hype nun zur Gefahr. Es gibt immer wieder Berichte von Besucherinnen und Besuchern, die den dünnen Baum hinaufklettern und dabei Äste abbrechen.

2. Der Älteste in Europa: „Old Tjikko“ in Schweden

Als dieser Baum aus der Erde keimte, nutzten die meisten Menschen noch Steinwerkzeuge.

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Es scheint unvorstellbar, aber die Fachleute sind sich sicher: Diese Fichte ist mindestens 9550 Jahre alt und damit der älteste bekannte „Klonbaum“ Europas. Die Pflanze steht im Nationalpark Fulufjället in der schwedischen Provinz Dalarna, wenige Kilometer von der Grenze zu Norwegen entfernt.

„Old Tjikko“, eine knorrige Fichte im schwedischen Nationalpark Fulufjälle, ist Zeitzeuge einer 9550 Jahre langen Baumgeschichte.

Der Stamm der fünf Meter hohen Fichte ist „nur“ einige Hundert Jahre alt – wie ihre zahllosen Vorgänger in den vergangenen Jahrtausenden wird auch sie bald absterben.

Doch der Baum selbst existiert weiter, indem er sich sozusagen immer wieder selbst wiederbelebt. Zum Beispiel durch Äste, die im Boden neue Wurzeln schlagen oder durch neue Stämme, die sich aus dem Wurzelsystem entwickeln. Ihr Entdecker, Forscher Leif Kullmann, taufte die Überlebenskünstlerin nach dem Namen seines Hundes auf „Old Tjikko“.

Einen ausgeschilderten Weg zur Seniorenfichte gibt es nicht, um das uralte Gewächs vor Besuchendenmassen zu schützen. Doch der Nationalpark bietet geführte Touren an (umgerechnet 24 Euro pro Person). Einen Besuch wert ist der Park ohnehin: Er beheimatet Steinadler, Bären, Wölfe, Polarfüchse, Lemminge, Elche und einen 93 Meter hohen Wasserfall. 

3. Die „Ziegenbäume“ von Marokko

Das Bild ging um die Welt: ein Arganbaum in Marokko, auf dem Ziegen umherkraxeln. Wie die Tiere dort hinaufkamen und warum sie ausgerechnet auf einem Baum leben, blieb lange unklar.

Alles nur ein Fake? Dass in Marokko wirklich Ziegen auf den Bäumen leben, darf bezweifelt werden.

Inzwischen hat der britische Fotograf Aaron Gekoski das Rätsel nach eigenen Angaben gelöst. Er sagt, dass Bauern die Ziegen aus dem Umland holen und auf den Baum setzen, um Touristinnen und Touristen in die Region zu locken. „Sie bringen die Ziegen am späten Nachmittag nach Hause, bevor sie bei Sonnenaufgang wieder in die Bäume zurückgebracht werden“, so Gekoski.

Die ausgehungerten Tiere würden die Kletter-Show nur deshalb mitmachen, weil auf den Bäumen reichhaltige Argan-Nüsse wachsen. Dennoch sei das lange Ausharren der Ziegen in der prallen Sonne schädlich.

Die Manipulation entzaubert die Geschichte von „Ziegenbäumen“ natürlich grundlegend. An der überraschenden Tatsache, dass marokkanische Ziegen wahre Kletterprofis sind, ändert das aber nichts.

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4. „General Sherman“: Das größte Lebewesen der Welt

Für seine Mammutbäume ist der Sequoia-Nationalpark in Kalifornien weltberühmt. Die Baumriesen werden bis zu 80 Meter hoch und im Durchmesser bis zu elf Meter breit. Der größte Baum im Park trägt den Namen „General Sherman“ – Trapper James Wolverton Tharp benannte ihn nach einem General aus dem amerikanischen Bürgerkrieg.

Der Baumriese ist etwa 2000 Jahre alt und rund 84 Meter hoch. Um einmal um den Stamm herumzugehen, müsste man eine Strecke von 31 Metern zurücklegen.

Familienfoto mit „General Sherman“: Der Riesenmammutbaum lockt jährlich mehrere Millionen Besucherinnen und Besucher an.

Die größte Besonderheit: Das immense Stammvolumen (etwa 1500 Kubikmeter) macht den „General“ zum größten einzelnen Lebewesen der Welt.

Der Sequoia-Nationalpark, auch „Land der Giganten“ genannt, liegt in Mittelkalifornien und wird jährlich von etwa zwei Millionen Gästen und Gästinnen besucht. Bei Anreise mit dem Auto kostet der Eintritt insgesamt 35 Dollar (rund 33 Euro) für alle Mitfahrenden. 

5. „Árbol del Tule“: Der dickste Baum in Mexiko

Auch der „Árbol del Tule“ in Mexiko zählt zu den größten Lebewesen der Welt. Mit seinem Stammdurchmesser von 14 Metern hält die mexikanische Sumpfzypresse den Weltrekord als dickster Baum.

Mexikanischer Riese: Der „Árbol del Tule“ steht im gleichnamigen Ort im Bundesstaat Oaxaca.

Die Heimat des Baumes, Santa María de Tule, ist nur rund zehn Kilometer von Oaxaca de Juárez, der Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates, entfernt.

Die romantische Architektur Oaxacas macht die Stadt zu einem der beliebtesten Reiseziele für Mexikanerinnen und Mexikaner, aber auch für Touristinnen und Touristen aus aller Welt. Und bei den meisten Reisenden in Oaxaca steht ein Ausflug zum Árbol del Tule fest auf dem Reiseplan.

Der gigantische Stamm der Sumpfzypresse in Tule hat einen Umfang von 46 Metern.

Die Ausmaße des 1400 bis 1600 Jahre alten Baumes sind beeindruckend. Der 41 Meter hohe Gewächs wiegt nach offiziellen Angaben 636 Tonnen und hat einen Stammumfang von 46 Metern. Mit etwas Fantasie gleichen die Auswüchse des knorrigen Stammes Tierfiguren – deshalb wird der „Árbol del Tule“ auch als „Baum des Lebens“ bezeichnet.

6. Die mystischen Tempel-Bäume von Kambodscha

Der Anblick ist weltweit einmalig: Die mystische Tempel von Angkor in Kambodscha werden von riesigen Urwaldbäumen überwuchert. Das Gewicht der bis zu 60 Meter hohen Würgefeigen und ihrer mächtigen Luftwurzeln scheinen die alten Tempelgemäuer beinahe zu erdrücken. 

Der Ta-Prohm-Tempel, Weltkulturerbe der Unesco, ist ein beliebtes Reiseziel. Doch die historische Baustruktur wird von den Bäumen bedroht.

Um die uralte Baustruktur aus dem 12. und 13. Jahrhundert zu schützen, wurden die meisten Wurzeln und Bäume inzwischen abgeschlagen. Doch einige Tempel sind so stark mit den Bäumen verwoben, dass man die Sandsteingemäuer ebenfalls abreißen müsste, wollte man den Bäumen zu Leibe rücken. 

Deshalb bleibt der nahezu mystische Charme des Baumbewuchses zum Beispiel in den Tempeln Ta Prohm oder Preah Khan vorerst erhalten.

Die Luftwurzeln der Würgefeigen haben die 800 Jahre alten Tempel in Kambodscha fest im Griff.

Die morbide Szenerie zählt zum Weltkulturerbe der Unesco und lockt jährlich rund vier Millionen Touristinnen und Touristen nach Angkor.

7. Der älteste Organismus der Welt: Der „Pando Tree“

Vor 80.000 Jahren, etwa zur Zeit der Neandertaler, entstand im heutigen US-Bundesstaat Utah eine Zitterpappel-Kolonie. Heute gilt der sogenannte „Pando Tree“ als ältester Organismus der Welt.

Der älteste „Baum“ der Welt: Der „Pando Tree“ im US-Bundesstaat Utah besteht aus Zitterpappeln, die aus demselben Wurzelwerk wachsen.

Die Kolonie liegt am Fishlake etwa 50 Kilometer südöstlich von Richfield und besteht aus etwa 47.000 Stämmen, die über ein Wurzelwerk verbunden sind. Wie die Fichte „Old Tjikko“ in Schweden werden die einzelnen Bäume nicht älter als 120 Jahre. Doch das Wurzelwerk lebt fort und bildet immer wieder neue Stämme.

Das Gewicht des „Pando Tree“ wird auf 6000 Tonnen geschätzt – Weltrekord!

8. Der bizarre Wacholderhain von El Hierro

Der Anblick des berühmten Wacholderwaldes auf der kanarischen Insel El Hierro erinnert an Kunstwerke des spanischen Malers Salvador Dalí. Andauernder Fallwind hat die Bäume über Jahrhunderte zu bizarren Formen gestaltet und zum Wahrzeichen der Insel gemacht.

Die windverformten Wacholderbäume auf El Hierro scheinen in den Boden zurückzuwachsen.

Die Äste der „Sabinas“ scheinen auf den ersten Blick zu zerfließen und die verdrehten Stämme scheinen kopfüber in den Boden zu wachsen. Besonders mystisch ist der Anblick der „Sabinas“ bei Nebel.

Der Westen der Vulkaninsel war früher von großen Wacholderwäldern bewachsen. Zunehmende Rodungen für Baumaterial, Waldbrände und Landwirtschaft haben die Bestände aber nahezu vollständig verschwinden lassen. Geblieben sind nur die Bäume im Landschaftsschutzgebiet von El Sabinar. 

Zum Wacholderhain führt ein Wanderweg, der nahe der Kapelle Santuario Nuestra Señora de los Reyes beginnt.

9. Die bunten „Regenbogenbäume“ in Südostasien

Mal Grün, mal Gelb, mal Rot, mal Violett: Die „Regenbogenbäume“ in Südostasien haben knallbunte Stämme!

Die bunten Farben der Baumstämme des Regenbogen-Eukalyptus entstehen beim Aufbrechen der Borke.

Die faszinierende Eukalyptus-Art erneuert ihre Rinde nicht wie andere Bäume kontinuierlich, sondern schrittweise. In der Borke, also der äußersten Schicht der Rinde, entstehen dann Risse, durch die die innere, hellgrüne Rinde zum Vorschein kommt. Im Wandlungsprozess zum normalen Borkenbraun durchläuft die Rinde mehrere Farbwechsel. So wird der Stamm zur Leinwand für ein buntes „Farb-Aquarell“. 

Der Regenbogen-Eukalyptus wird bis zu 60 Meter hoch und wächst auf den Philippinen, in Indonesien und Papua-Neuguinea.

10. „Waldtraut“ ist der höchste Baum Deutschlands

Darüber, wo der älteste Baum in Deutschland steht, gibt es unterschiedliche Ansichten. Das Problem: Um das Alter eindeutig zu bestimmen, müssten die Bäume gefällt werden. Unstrittig ist hingegen, wo der höchste Baum in Deutschland zu finden ist: im Schwarzwald.

Im Mühlwald im Freiburger Stadtteil Günterstal gedeiht „Waldtraud“, eine über 100 Jahre alte Douglasie. Ihre Höhe von knapp 67 Metern wurde von einem Messteam des geodätischen Institutes der Uni Karlsruhe bestimmt. Damit steht offiziell fest: „Waldtraut“ ist der höchste Baum Deutschlands.

Wer die schöne Douglasie besuchen möchte, erreicht sie am besten bei einer Wanderung auf dem Mühlradweg ab Freiburg-Günterstal.