„Aber ist das auch sicher?“ Eine Frage, die allein reisende Frauen in ihrem Umfeld immer wieder hören. Auch wenn in den allermeisten Fällen überhaupt nichts passiert und eine Soloreise durchaus sicher ist, gibt es in Deutschland wie im Ausland doch auch immer wieder Situationen, in denen Frauen einer Gefahr ausgesetzt sind. 

Nicht jedes Hilfsmittel, das einst empfohlen wurde, hat sich aber als zielführend herausgestellt. Wir stellen einige Präventionsmaßnahmen vor, die du vor deiner Soloreise vorbereiten kannst – und einige Gadgets, die dich auf deiner Reise begleiten können, um im Ernstfall eingesetzt zu werden.

Trillerpfeife

Vor einigen Jahren noch kaum als mögliches Abwehrmittel bekannt, ist die Trillerpfeife heute häufig eines der ersten Hilfsmittel, das genannt wird. „Der schrille Pfiff schockt den Angreifer, sodass man die Chance hat, wegzulaufen“, heißt es in einer Mitteilung der Münchner Polizei.

Dabei wirken simple psychologische Prozesse: Der Angreifer rechnet eher mit Schockstarre als damit, dass sich ein potenzielles Opfer mit lauten Pfiffen bemerkbar macht. So können Frauen den kurzen Moment der Verwirrung nutzen, um zu flüchten oder weitläufig Aufmerksamkeit auf die Situation zu ziehen – und möglicherweise auch von anderen Menschen in der Nähe Hilfe bekommen. 

Mit einer Trillerpfeife können Frauen laute und irritierende Geräusche verursachen und bei einem Angriff auf sich aufmerksam machen.

Die Vorteile der Trillerpfeife sind riesig: Das Gerät ist superklein und superleicht, es passt an den Schlüsselbund und in jede Handtasche. Im Zweifel kann die Trillerpfeife sogar um den Hals getragen werden. Die Trillerpfeife ist kostengünstig und überall zu erwerben. Deshalb ist sie für uns auch einer der nützlichsten Tipps überhaupt.

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Taschenalarm oder Alarmarmband

Ein Handtaschenalarm hat eine ähnliche Wirkung wie die Trillerpfeife, ist meist aber noch deutlich lauter und muss auch aktiv wieder ausgestellt werden, während bei der Trillerpfeife die Luft ausgehen kann.

Das Hamburger Landeskriminalamt empfiehlt daher vor allem Frauen, sich mit einem Taschenalarm oder einem Alarmarmband zu schützen. Dabei handelt es sich um kleine Geräte, die sich in einer Hand- oder Jackentasche transportieren lassen oder die wie ein Armband um das Handgelenk getragen werden. Kommt eine Frau in eine potenziell gefährliche Situation, kann sie den Alarmknopf betätigen und der Alarm schrillt los. 

„Wenn man daneben steht und das Ding heult los, dann tut das in den Ohren weh – und zwar höllisch. Das Geräusch ist dazu geeignet, den Angreifer unter Druck zu setzen, vermutlich wird er dann schnell das Weite suchen. Das Geräusch verursacht beim Angreifer ein heftiges Unbehagen“, sagt Martina Baumgart vom Hamburger Landeskriminalamt dem Magazin „Neon“. 

Ein Vorteil des Armbandes kann sein, dass es sofort lokalisierbar und aktivierbar ist, während ein Taschenalarm vielleicht erst in größeren Taschen gesucht werden muss – was im Zweifel wertvolle Zeit kosten kann. Wer sich für einen Taschenalarm entscheidet, sollte also auf jeden Fall immer wissen, wo das Gerät zu finden ist, und es griffbereit haben.

Taschenlampe

Statt einer Trillerpfeife kann auch eine Taschenlampe zum Einsatz kommen und bei einem möglichen Übergriff helfen. Die Polizei Bremen rät beispielsweise dazu, Taschenlampen mit sehr hellen Glühbirnen zu nutzen, um Angreifer zu blenden. Das kann das Gegenüber für einen kurzen Moment irritieren und Zeit und Gelegenheit schaffen, um wegzulaufen. 

Hast du eine Taschenlampe im Gepäck, kannst du Angreifer mit dem Licht blenden und dir damit Zeit zur Flucht verschaffen.

Umstehende Menschen verständigen

Zielführend ist es laut verschiedenen Polizeistellen, wenn Frauen, die bedrängt werden, laut auf sich aufmerksam machen. Wer keine Trillerpfeife oder keinen Taschenalarm bei sich hat, kann dies auch durch Schreien tun. Je nach Situation kann eine andere Art der Aufmerksamkeit hilfreich sein.

Bei einem direkten, bedrohlichen und akuten Übergriff kann es helfen, laut loszuschreien. Erfolgt die Bedrängung eher ruhig und begleitet durch beispielsweise Gespräche, kann es helfen, umstehende Menschen direkt anzusprechen, etwa indem die Personen mit Merkmalen versehen werden à la: „Sie mit dem roten Schal, können Sie mir bitte gegen diesen Mann helfen?“ 

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Empfohlen wird zudem, im deutschen Sprachraum den Angreifer immer zu siezen, um Außenstehenden direkt zu verdeutlichen, dass es sich nicht um einen privaten Disput handelt, und um den Angreifer nicht weiter zu provozieren, indem man ihm zeigt, dass man ihn nicht ernst nimmt.

Die gute Nachricht: Je nach Statistik lassen bis zu 80 Prozent der Angreifer von ihrem potenziellen Opfer ab, wenn dieses sich laut zur Wehr setzt oder nicht so handelt, wie der Angreifer es erwartet.

Den Angreifer verwirren

Nicht nur Lautstärke kann helfen, einen Angreifer zu verwirren und zu erschrecken, womit du Zeit gewinnen kannst, die bedrohliche Situation zu verlassen. Die Polizei rät generell dazu, den Täter möglichst zu verwirren. Wird eine Frau etwa bedrängend in der Bahn angesprochen, kann es hilfreich sein, wenn sie zu singen anfängt oder wild mit den Armen herumfuchtelt.

Auch kann es helfen, Gegenstände wegzuwerfen – das Gegenüber schaut dann für einen Moment den geworfenen Gegenständen hinterher und ist nicht aufmerksam. In dieser Zeit kannst du weglaufen. Beim Trampen beispielsweise wird empfohlen, einen Gegenstand aus dem Autofenster zu werfen, wenn der Fahrer oder die Fahrerin zudringlich wird und nicht anhalten möchte. Durch das Verhalten wird das Gegenüber verwirrt, was Räume schafft.

Nicht den Fensterplatz wählen

In einigen Sicherheits-Broschüren findet sich der Hinweis, alleinreisende Frauen sollten in Flugzeug, Bus oder Bahn eher den Gangplatz wählen als den Fensterplatz. Auch wenn es am Fenster spannender und bequemer ist, können vor allem zu später Stunde unangenehme Situationen entstehen.

Setzt sich ein aufdringlicher Mann neben eine Frau, ist sie quasi eingekesselt und sitzt buchstäblich fest. Fluchtwege sind dadurch abgeschnitten. Wer hingegen am Gang sitzt, hält sich Fluchtwege offen und ist erst einmal in der besseren Ausgangsposition.

Auch wird Frauen geraten, möglichst nicht im Zug zu schlafen oder wegzunicken, um immer die Kontrolle zu haben, wer in der Umgebung sitzt.

Der Fensterplatz ist oft bequemer und schöner, kann bei einem Angriff aber zur Falle werden.

Ehering oder Fake-Ehering tragen

Es mag ein merkwürdiger Tipp sein, der im 21. Jahrhundert auch nicht mehr zeitgemäß sein sollte, aber selbst Polizeistellen geben ihn immer wieder: Frauen, die allein reisen, sollten einen Ehering oder einen Fake-Ehering tragen.

In einigen Kulturen und Regionen kann das dafür sorgen, dass Frauen eher in Ruhe gelassen werden, weil sie nicht als Soloreisende und Single, sondern als verheiratet und damit tabu angesehen werden. Zudem gehen einige Männer allein durch den Ehering davon aus, dass eine Frau nicht allein unterwegs ist, heißt es.

Unser Tipp: Ein Ehering oder Fake-Ehering kann helfen, aufdringliche Verehrer abzuhalten oder gar loszuwerden. Bei einem tatsächlichen Übergriff allerdings dürfte es dem Angreifer egal sein, ob du einen Ehering trägst oder nicht.

Aktiver Anruf auf dem Handy

Wenn du telefonierend durch die Gegend spazierst, kann das für potenzielle Angreifer abschreckend sein. Möglicherweise ist die Hemmung, dass jemand ihre Tat mitbekommt, zu groß und sie wenden sich von dir ab. 

Selbst wenn das aber nicht so ist, ist direkt ein Zeuge oder eine Zeugin am Telefon, der oder die umgehend die Polizei verständigen kann.

Wer am Telefon mit einer anderen Person spricht, kann potenzielle Angreifer abschrecken – und hat im Notfall Hilfe direkt in der Leitung.

Regelmäßig bei anderen melden

Zugegeben, in einer konkreten Situation kann das nicht helfen, wohl aber beim Wohlempfinden: Du solltest gerade bei Soloreisen immer wieder deiner Familie oder Freundinnen und Freunden mitteilen, wo du dich befindest. Zudem kannst du vereinbaren, wie oft du dich bei anderen meldest, damit diese skeptisch werden und Hilfe rufen, wenn sie länger nichts von dir hören.

Wenn du beispielsweise auf eine Wanderung aufbrichst, kann es klug sein, vorab jemandem die ungefähre Route mitzuteilen und auch, wann du wieder zurück sein möchtest. Kommst du nicht an (es muss ja nicht immer ein Angriff sein, vielleicht stolperst du auch nur, kannst nicht mehr auftreten und damit nicht mehr allein zurückwandern), können Rettungskräfte gezielt nach dir suchen. 

Selbstverteidigungskurs

Eine der sinnvollsten und nachhaltigsten Varianten ist ein Selbstverteidigungskurs. Den solltest du optimalerweise vor deiner Reise abgeschlossen haben – und auch immer wieder das Wissen auffrischen.

Es gibt verschiedene Arten von Selbstverteidigung. Manche Kurse sind gezielt auf Frauen ausgerichtet, die sich gegen potenzielle Angreifer wehren wollen, bei anderen hingegen handelt es sich um gewöhnlichen Kampfsport. Die Techniken kannst du aber auch bei einem möglichen Angriff anwenden, um den Angreifer außer Gefecht zu setzen. 

Bei einem Selbstverteidigungskurs lernen Frauen, wie sie sich gegen Männer, auch wenn die stärker oder gar bewaffnet sind, wehren können.

Das Ziel ist, dass du im Kurs lernst, wie du das Gegenüber, auch wenn es stärker und größer ist als du, durch gezielte Angriffe für den Moment kampfunfähig machst. Trifft man beispielsweise gewisse Körperstellen, kann das zu Ohnmacht oder Schwindel führen. Ist der Angreifer kurz benommen, kannst du die Chance zur Flucht ergreifen.

Messer und andere Waffen

Messer und andere Waffen sind nicht unbedingt die besten Abwehrmittel, wenn es um Verteidigung geht. Die Gefahr, sich durch nicht korrektes Nutzen selbst schwer zu verletzten, ist hoch. Möglicherweise schaffst du somit erst Gelegenheit, dass der Angreifer dich außer Gefecht gesetzt antrifft. 

Außerdem sind viele Waffen waffenscheinpflichtig oder generell illegal. Reisende sollten bedenken, dass viele Waffen in Flugzeugen verboten sind und auch die Einfuhr in andere Länder nicht immer erlaubt ist. 

Zu den Waffen zählen wir in diesem Fall auch Einsatzgeräte wie Kubotan, die nur in manchen Ländern illegal sind. Dabei handelt es sich um einen kleinen Stab, der beispielsweise am Schlüsselbund befestigt wird. Mit dem Kubotan kann man unter richtiger Verwendung starke Schmerzen beim Gegenüber auslösen. Bei nicht fachgerechter Anwendung kann der Angreifer die Waffe aber auch abnehmen oder aus der Hand schlagen und sie möglicherweise sogar gegen dich verwenden. 

Pfefferspray

Noch immer hält sich der Glaube, dass es eine gute Idee sei, Pfefferspray griffbereit zu haben. Die Polizei rät davon jedoch aus verschiedenen Gründen ab. In vielen Ländern ist Pfefferspray eine Waffe und darf nicht genutzt werden – und als Gefahrengut darf es auch im Gepäck beim Fliegen nicht zu finden sein.

In Deutschland zählt Pfefferspray zu den Waffen, lediglich die Dosen, die als Tierabwehrspray gekennzeichnet sind, sind frei verkäuflich. Sie dürfen aber auch eigentlich nur zur Tierabwehr eingesetzt werden. Nutzt du Pfefferspray gegen einen Angreifer, machst du dich also im Zweifel strafbar, denn es handelt sich um Körperverletzung. Ermittlerinnen und Ermittler müssen dann feststellen, ob tatsächlich Notwehr vorgelegen hat. 

Noch relevanter ist im Zusammenhang mit Pfefferspray allerdings, dass die meisten Menschen den Umgang damit nicht kennen. Um Pfefferspray zielgerichtet einzusetzen, musst du beispielsweise in der konkreten Gefahrensituation binnen Millisekunden entscheiden, aus welcher Richtung der Wind kommt. Sprühst du gegen den Wind, kannst du dich selbst schwer verletzen – und damit noch einfacher zum Opfer machen. 

Wer sich dennoch für Pfefferspray entscheidet, sollte auf jeden Fall die Windrichtung im Hinterkopf haben und zuvor einmal den Umgang mit dem Spray geübt haben – etwa in einem Waldstück, in dem keine Menschen in der Nähe sind, die durch das Spray geschädigt werden können.