Klein, aber fein: Anders als an den beliebtesten Radrouten in Deutschland führen die Radwege an kleineren Flüssen meistens durch ebenso schöne Landschaften – aber deutlich weniger überlaufene Städte und Dörfer. Auf diesen Routen lässt sich eine noch unberührte Seite Deutschlands bestens mit dem Fahrrad erkunden. Wir stellen fünf Radweg-Perlen vor.

1. Innerste-Radweg

Von Welterbe zu Welterbe: Der noch recht unbekannte „Innerste-Radweg“ entlang der Innerste in Niedersachsen führt an zahlreichen Sehenswürdigkeiten vorbei – vom Harz über Hildesheim zur Leine-Mündung. Die mittelschwere Strecke ist etwa 150 Kilometer lang und auf drei Etappen aufgeteilt.

Das Oberharzer Wasserregal zählt zum Weltkulturerbe der Unesco.

Radtour startet im Harz

Vor dem Start in Goslar lohnt sich zunächst ein Besuch des historischen Stadtzentrums mit der Kaiserpfalz und dem ehemaligen Bergwerk Rammelsberg – beides zählt zum Weltkulturerbe der Unesco. Danach werden die Drahtesel für die Fahrt zum ersten Zwischenziel im 13 Kilometer entfernten Clausthal-Zellerfeld gesattelt.

Unterwegs lohnt sich eine kleine Pause am Schalker Aussichtsturm, der einen tollen Blick auf den Brocken bietet, den höchsten Berg (1142 Meter) im Harz. Danach geht es über die idyllische Oberharzer Wasserwirtschaft, die ebenfalls zum Weltkulturerbe zählt, zum Hotel oder Gasthof.

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Harzer Fachwerk: Goslar hat sich seinen ursprünglichen Charme bewahrt.

An Tag zwei haben die Radfahrerinnen und Radfahrer eine 73 Kilometer lange Etappe vor sich, die über weite Strecken bergab verläuft. Vom Rathaus in Clausthal-Zellerfeld geht es zunächst zur Quelle der Innerste, dann bergab zum Bärenbrucher Teich und dem Oberharzer Wasserregal. Auf dem Weg nach Lauthental zeigt sich die riesige Innerste-Talsperre, bevor der abenteuerliche Teil der Route beginnt. Der Radweg führt direkt am Flussufer entlang zum Schloss nach Ringelheim. Ziel der zweiten Etappe ist Grasdorf.

Weltkulturerbe in Hildesheim entdecken

An Tag drei verlassen die Radfahrerinnen und Radfahrer das Bergland und fahren 57 Kilometer weit nach Sarstedt. Unterwegs empfiehlt sich ein kleiner Abstecher nach Bad Salzdetfurth (zehn Kilometer Umweg). Auf der Weiterfahrt zeigt sich am Horizont schon bald der Turm des Hildesheimer Doms und der Kirche St. Michaelis. Beide Bauten zählen auch zum Weltkulturerbe. Diese und weitere Sehenswürdigkeiten von Hildesheim sind mit einer kleinen Rundtour in die Radroute integriert.

  • Länge der Strecke: 105 Kilometer ab Clausthal-Zellerfeld
  • Schwierigkeit: mittelschwer
  • Höhenmeter: 603

Für diese dreitägige Radtour wurde kürzlich eine offizielle Smartphone-App mit Karte entwickelt.

2. Oste-Radweg

Hoch im Norden führt der beschauliche „Oste-Radweg“ auf einer Länge von 145 Kilometern von der Quelle der Oste in Tostedt durch hübsche Dörfer und weitläufige Landschaften bis zur Mündung in die Elbe.

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Etwa 30 Kilometer nach dem Startpunkt am Bahnhof in Tostedt erreichen Radwandernde die Wassermühle von Sittensen und das Naturschutzgebiet Tister Bauernmoor. Das Café an der zweiten Wassermühle in Eitz lädt zu einer Kaffeepause mit selbst gebackener Torte ein. Frisch gestärkt lässt sich danach die unberührte Flusslandschaft rund um die Bauerndörfer Granstedt, Ober Ochtenhausen und Sanbostel erkunden.

Das Ostesperrwerk schützt die Region vor Überflutungen.

Die zweite Etappe ab Bremervörde verläuft entlang der „Deutschen Fährstraße“ zur Elbmündung. Highlight ist die Überfahrt mit der Schwebefähre Osten-Hemmoor. Auf dem finalen Abschnitt passieren Radlerinnen und Radler zum Beispiel das Oste-Sperrwerk, das die Region vor Überflutungen schützt.

  • Länge der Strecke: 144 Kilometer
  • Schwierigkeit: leicht
  • Höhenmeter: 354

3. Nidda-Route

Die 95 Kilometer lange „Nidda-Fahrradroute“ in Hessen beginnt an der Quelle der Nidda und endet an deren Mündung. 

Der charmante Radweg führt durch vielfältige Landschaften von Schotten nach Höchst. Fahrradfahrer und Fahrradfahrerinnen werden von Wäldern und Wiesen am vulkanischen Vogelsberg flankiert, durchqueren die Auen der Wetterau und schließlich die Rhein-Main-Ebene. 

Auf den Radwegen entlang der Nidda zeigt sich die hessische Landschaft von ihrer idyllischen Seite.

Auf der Route lohnen sich Zwischenstopps in Staden, bekannt als „Klein-Venedig der Wetterau“, sowie in den Fachwerkstädtchen Schotten und Nidda. Die Tour endet in Frankfurt-Höchst.

  • Länge der Strecke: 93 Kilometer
  • Schwierigkeit: einfach
  • Höhenmeter: 539

4. Lenne-Route

Die „Lenne-Route“ lotst Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer entlang der Lenne in Nordrhein-Westfalen durch das schöne Sauerland von Winterberg zur Flussmündung nach Hagen.

Die vielfältige Tour führt durch viele charmante Kleinstädte, darunter Schmallenberg, Finnentrop und Iserlohn-Letmathe. Dazwischen durchqueren Radlerinnen und Radler ein üppiges Mittelgebirge mit Wäldern, Hügeln, Wiesen und Tälern, aus denen kleine Burgen hervorragen. 

Pause mit Flussblick: Ein Fahrradfahrer fotografiert den Fluss Lenne im Ortsteil Saalhausen.

Unterwegs lernt man viel über die Industriegeschichte und den Bergbau – zum Beispiel in der historischen Fabrikanlage Maste-Barendorf oder im Deutschen Drahtmuseum in Altena.

  • Länge der Strecke: 142 Kilometer
  • Schwierigkeit: mittelschwer
  • Höhenmeter: 365

5. Siegtal-Radweg

Der „Radweg Sieg“ in Nordrhein-Westfalen beginnt dort, wie der Fluss endet: an der Mündung der Sieg in den Rhein. Die Route von Niederkassel-Mondorf nach Windeck ist knapp 64 Kilometer lang und an einem Tag schaffbar.

Zunächst geht es ein kurzes Stück flussaufwärts zu zwei Seitenarmen der Sieg und durch die Auenlandschaft von Troisdorf. Die Wartezeit für eine optionale Überfahrt mit der Siegfähre lässt sich im schönen Biergarten versüßen, bevor es entlang der Deiche durch idyllische Auenlandschaften zum Sieglarer See und weiter nach Siegburg geht. Dort empfiehlt sich eine Rundfahrt durch das schöne Stadtzentrum und ein Abstecher zur Abtei Michaelsberg.

Die Sieg schlängelt sich bei Hennef-Blankenberg durch die schöne Landschaft.

Hinter Hennef werden die Ströme der Sieg turbulenter und das Flussrauschen lauter. Nach einem Stopp an der Burgruine Blankenberg bietet sich der dazugehörige Ort für eine optionale Übernachtung an.

Der Radweg führt dann entlang der Siegschleifen nach Auel und über das Schloss Merten zu einem steilen Anstieg in ein Waldgebiet, bevor es durch Lützgenauel wieder hinab zum Siegufer geht. Der folgende Abschnitt verläuft eng am Fluss entlang durch schöne Wälder und über saftige Wiesen. Nach der Siegschleife folgt eine Steigung auf den Maueler Berg und anschließend ein Stopp am Siegwasserfall und der Burgruine in Windeck-Schladern.

Der Rückweg kann mit der Bahn zurückgelegt werden. 

  • Länge der Strecke: 64 Kilometer
  • Schwierigkeit: einfach
  • Höhenmeter: 255