Rot getünchte Wolken hängen über der Steilküste, der dunkle Dunst über den Bergen im Inselinneren kündigt die blaue Stunde an. Der Leuchtturm von Portoferraio schickt seine Signale in Richtung der Fähre, das Licht begleitet das Schiff ebenso wie eine Handvoll Möwen in den Hafen.

Reise in den Nordwesten von Elba

Die einstündige Überfahrt vom Festland nach Elba entschleunigt, stimmt auf das Reiseziel Sant’Andrea ein: Denn während in der Inselhauptstadt Portoferraio das Leben pulsiert, scheinen hier an der westlichen Küste die Uhren ein wenig langsamer zu ticken. „Eine Insel auf der Insel“ wird der kleine Ferienort von den rund 200 Bewohnerinnen und Bewohnern auch genannt. 

Schon die Anreise mit der Fähre nach Elba ist erholsam.

Eine kurvenreiche Panoramastraße endet hier direkt am 150 Meter breiten Strand. Das Wasser ist klar, der helle Sand weich, der Strand fällt in den ersten Metern nur flach ab. An beiden Enden des Strandes ragen Granitfelsen in die Höhe. Sie schützen die Bucht vor den strengen Westwinden und sind außerdem ein beliebter Treffpunkt bei Sonnenuntergang.

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Massentourismus gibt es hier nicht, Sant‘Andrea verfügt nur über etwa 570 Gästebetten. Im Ortskern befinden sich ein Supermarkt, eine Handvoll Restaurants und Geschäfte sowie ein Boots- und Tauchausrüstungsverleih. Die Gebäude des Ferienortes schmiegen sich an die Hänge, ziehen sich hinauf bis in die Ausläufer des größten Bergmassivs der Insel, des Monte Capanne.

Der Strand von Sant'Andrea auf Elba: klein, aber fein.

Der Westen Elbas ist sehr gebirgig und stark zerklüftet, das landschaftliche Bild rund um Sant’Andrea hat sich in den vergangenen Jahrzehnten jedoch gewandelt. Wo heute vor allem mediterrane Macchia mit immergrünem Gebüsch zu sehen sind, prägten noch vor einigen Jahrzehnten landwirtschaftliche Flächen im Terrassenstil das Bild. Denn bis in die Sechzigerjahre wurden die Hänge hauptsächlich für den Weinanbau genutzt.

Sant'Andrea und die Zeit als Weinanbau-Gebiet

Loriano Anselmi hat diese Zeit als Kind miterlebt: „Große Segelschiffe kamen damals in den Hafen, um viele Fässer Wein an Bord zu nehmen und in andere Länder zu transportieren“, erzählt der 70-Jährige. Doch der Weinanbau war wegen der steilen Berge mühsam.

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Mit dem Aufkommen des Tourismus eröffneten viele Bauern Unterkünfte für die Reisenden – so auch die Eltern von Loriano Anselmi. Das Hotel gibt es heute noch, der 70-Jährige führt es gemeinsam mit seinen Söhnen. Mit der Zeit ist die Anzahl der Zimmer gewachsen, doch einige der alten Obstbäume und Weinberge wurden bis heute erhalten. Dort geht Anselmi seiner großen Leidenschaft nach.

Loriano Anselmi hat ein Hotel – doch seine Leidenschaft gilt dem Weinanbau.

Aus den Rebsorten Sangiovese und Erbario Toscano produziert er den Dessertwein Aleatico sowie weitere Rotweine. „Früher haben wir den Wein mit den Füßen gestampft, das erledigt heute natürlich eine elektrische Presse“, sagt der 70-Jährige. Eines ist aber geblieben: Nach wie vor setze er weder Zucker noch Hefe zu. Im Handel verkaufen darf er die etwa 1000 Liter Wein, die er pro Jahr keltert, wegen der italienischen Weingesetze daher nicht. Aber er schenkt die Eigenproduktion im eigenen Hotel aus – das heute Gallo Nero heißt.

Auch die selbst gekochte Zitronenmarmelade von Lonia Fiorillo gibt es nicht im Supermarkt. In den Genuss kommen nur die Gäste am Frühstücksbuffet der touristischen Unterkunft, die sie mit ihrem Mann betreibt. Die Früchte stammen aus eigenem Anbau: Im mehr als 10 000 Quadratmeter großen Garten, der sich hinter dem Haus erstreckt, wachsen nicht nur Kirschen, Pflaumen, Bananen, Aprikosen und Birnen, sondern auch Dutzende unterschiedliche Zitronensorten.

Dazu gehört auch die auf Elba heimische Sorte – sie ist ziemlich rund, hat eine sehr dicke Schale und safthaltiges Fruchtfleisch. „Auf Elba hat fast jede Familie mindestens einen Zitronenbaum im Garten“, sagt Fiorillo. Vermutlich sorge der sandige, granithaltige Boden dafür, dass die gelben Früchte auf der Insel so gut gedeihen.

Lonia Fiorillo hat einen mehr als 10.000 Quadratmeter großen Garten, in dem Dutzende unterschiedliche Zitronensorten wachsen.

Wandern auf den alten Pfaden der Weinbauern

Im Hinterland von Sant’Andrea eröffnet sich ein Labyrinth von Wanderwegen – auf denen sich erahnen lässt, wie die Landschaft rund um den Ferienort früher einmal ausgesehen hat. Kleine Pfade ziehen sich steil und kurvig zwischen Esskastanien, Eichen, Farnen und Erdbeerbäumen mit leuchtend roten Früchten den Berg hinauf.

„Die Wege waren früher die Trampelpfade für die Weinbauern, der ganze Berg war terrassiert“, erklärt Federica Ferrini, Geologin und Wanderführerin im Nationalpark Toskanischer Archipel. Tatsächlich sind zwischen den Bäumen immer wieder zerfallene Steinterrassen zu sehen. Die meisten wurden von Tieren wie Wildschweinen zerstört, erklärt Ferrini.

Beim Wandern im Nordwesten von Elba gibt es zahlreiche spezielle Felsen zu sehen, und immer wieder auch Sant'Andrea von oben.

Eine Besonderheit sind auch die Figuren in den steil am Wegesrand aufragenden Granitfelsen. Mit etwas Fantasie sehen sie aus wie Drachenköpfe oder Krokodile. „Unsere Felsmonster – sie dienten früher Bauern als Orientierungspunkte“, sagt Ferrini. Geformt haben sie Erosionen und Witterungseinflüsse.

Und zwischen den Felsformationen eröffnet sich immer wieder der Blick auf das Meer und Sant’Andrea. Wie verstreute Farbtupfer stehen die Häuser mit den terracottafarbenen Dächern da. Im Kontrast zur grünen Macchia, dem klaren blauen Meer und den grauen Granitfelsen, die die Bucht umschließen. Wie eine Insel auf der Insel.

Tipps für deine Reise nach Elba

Anreise: Elba ist mehrmals täglich mit der Fähre von Piombino Marittima, etwa 110 Kilometer südlich von Pisa, aus erreichbar. Die Überfahrt nach Portoferraio dauert etwa eine Stunde, mit dem schnelleren Tragflächenboot (nur für Passagierinnen und Passagiere ohne Auto) sind es 35 Minuten. Vom Hafen aus sind es noch 35 Kilometer nach Sant’Andrea.

Unterkunft: In Sant’Andrea gibt es etwa 570 Gästebetten, vor allem kleine Hotels und Pensionen.

Das Hotel Gallo Nero (drei Sterne) liegt etwa 750 Meter vom Meer entfernt auf einem Hügel und ist in die alten Weinterrassen integriert. Vom Haupthaus und den Gästebungalows aus bietet sich ein Blick auf den mediterranen Garten und die Bucht.

Das Hotel Cernia (drei Sterne) liegt etwa fünf Gehminuten vom Strand entfernt. Eine Besonderheit ist der etwa 10 000 Quadratmeter große Garten, in dem nach Angaben von Hotelbesitzerin Lonia Fiorello etwa 500 verschiedene Pflanzenarten wachsen. Sie bietet regelmäßig Führungen an.

Die Reise wurde unterstützt von Capo Sant’Andrea. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.