Das „Wunder des Saltonsees“ (englisch: Salton Sea) in Kalifornien begann vor rund 120 Jahren mit einem Unfall: Nach heftigen Niederschlägen brach ein Deich am Colorado River – Wassermassen flossen fast zwei Jahre ungehindert in eine Tiefebene, formten diese zu einem gigantischen See.

Es entstand eine Wüstenoase, etwa 250 Kilometer von Los Angeles entfernt. Mit dem aufkeimenden Tourismus wurde der Saltonsee in den 20er-Jahren allmählich zur Badeattraktion. 

Eine Postkarte aus den 70er-Jahren zeigt, wie beliebt der Saltonsee einst bei Touristen war.

Die Behörden setzten bald Tausende Fische aus. Zunächst mit Erfolg: Der reiche Fischbestand machte den Saltonsee schon wenige Jahre später zu einem Paradies für Anglerinnen und Angler sowie Vogelbeobachterinnen und Vogelbeobachter, die mit ihren Ferngläsern unter anderem Eisvögel, Reiher und Fischadler bestaunen konnten. 1930 wurde ein Teil des 60 Kilometer langen und 20 Kilometer breiten Sees sogar zum Schutzgebiet erklärt.

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In der Blütezeit lockt die „Salton Riviera“ eine halbe Million Besucher

In der Blütephase ab den 60er-Jahren vergnügten sich an der „Salton Riviera“ jährlich bis zu 500.000 Besucherinnen und Besucher, vor allem in den Urlaubsorten Salton City und Bombay Beach.

Für die Promis aus Los Angeles bauten Investoren unter anderem einen Jachthafen und richteten Motorbootrennen aus, planten Wohngebiete, Luxus-Hotels, ein Einkaufszentrum und einen Flughafen.

Zugemauert: Dieses Café aus den 70er-Jahren ist schon lange nicht mehr in Betrieb.

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Doch das natürliche Gleichgewicht im isolierten See schwankte, es fehlten ein Zu- und ein Abfluss. Die vielen Nährstoffe führten im Lauf der Jahrzehnte immer wieder zu massenhafter Algenbildung, wodurch es zunächst zu Überpopulationen einzelner Fischbestände kam, die dann an Sauerstoffmangel verendeteten. Ab den 70er-Jahren begann der See umzukippen.

Die Katastrophe gipfelte am 4. August 1999: Schätzungsweise 7,6 Millionen Fischkadaver trieben plötzlich im See. Dazu bedrohten Düngemitteleinträge aus der Landwirtschaft und der steigende Salzgehalt die Fisch- und Vogelbestände.

In der stinkenden Wüsten-Oase türmen sich Fisch-Skelette

Der einst vitale See wurde zu einem lebensfeindlichen Becken. An den Ufern treiben zahllose Fisch-Skelette. Aus der wachsender Salzkruste ragen tote Bäume empor, an den Ufern verrosten zurückgelassene Wohnwagen und Autos.

Ein Werbeplakat für Bombay Beach, den einstigen Ferienort am Ostufer des Salton Sea im sonnigen Kalifornien.

Das größte Problem für den Tourismus ist aber der Gestank, der immer öfter über der Region wabert. Den beißenden Geruch nach faulen Eiern verursachen Bakterien im Wasser. Viele Hotels, Häuser und Cafés sind deshalb längst verlassen, fast alle Pläne für eine blühende Tourismus-Oase und weitere Wohnsiedlungen aufgegeben. 

Trauriges Ende: Das Ufer des austrocknenden Sees säumen zahllose Fischskelette.

Ob der künstliche Naturraum gerettet werden kann, ist ungewiss. Die bisherigen Pläne würden jedenfalls Kosten in Milliardenhöhe nach sich ziehen. Dabei geht es den Behörden inzwischen aber weniger um Naherholung als um den Schutz der Bevölkerung vor giftigem Staub, der sich aus den verlandeten Seeteilen verbreitet und vermehrt zu Asthma-Erkrankungen führen soll.

Ein zurückgelassener Wohnwagen aus den 70er-Jahren verrostet im Sand.

Bei Touristinnen und Touristen wird der Saltonsee deshalb immer unattraktiver – bei Fans von Lost Places, die sich für einzigartige und surreale Grusel-Fotos begeistern, dagegen immer beliebter. Der spektakuläre Anblick des versalzenden Wüstensees lockt immerhin noch 150.000 Besucherinnen und Besucher pro Jahr.