Was wir heute als Luxus-Hotel bezeichnen, waren im frühen 20. Jahrhundert die Grandhotels. In ganz Europa baute man zu dieser Zeit Ferienunterkünfte der Extraklasse, oft in Metropolen oder besonders schönen Regionen, zum Beispiel in Kurorten, auf Alpenpässen, an Seeufern oder der Meeresküste. Eben dort, wo die Reichen und Schönen ihre Ferien verbringen wollten. 

Das machte die Luxushotels so besonders

Dass der normale Arbeiter in diesen Häusern nicht willkommen war, machte die palastähnliche Architektur der Luxushotels schon von außen klar. Im Inneren zeugten die großzügige Architektur, die herrschaftliche Ausstattung der Zimmer und die feine Küche von dem großen Luxus, den sich die extravaganten Feriengästinnen und ‑gäste gönnten. 

Die wirtschaftliche, politische und künstlerische Elite traf sich dort zur sogenannten „Sommerfrische“: Kaiserinnen, Könige, Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Profisportler oder Opernsängerinnen ließen sich verwöhnen.

Viele dieser traditionellen Häuser beherbergen auch heute noch Reisende, die das nötige Geld haben. Andere wurden mit der Zeit unwirtschaftlich und begannen zu verfallen, heute gelten sie als Lost Places. Sechs davon stellen wir dir in diesem Artikel vor. 

1. Grand Hotel Des Bains (Lido bei Venedig)

Im Jahr 1900 öffnete das Grand Hotel Des Bains an der Strandpromenade der Insel Lido bei Venedig erstmals seine Pforten für gut betuchte Gästinnen und Gäste. Seine Ausstattung war damals für die meisten Menschen purer Luxus: fließendes Wasser, eigene Badezimmer, elektrisches Licht, Eisschränke, Aufzüge, ein schöner Salon – und natürlich der Blick über den Privatstrand auf das Mittelmeer.

Das Grand Hotel Des Bains auf der Insel Lido bei Venedig wurde im Jahr 1900 gebaut, 110 Jahre später steht es leer.

Aktuelle Deals

Bekannt wurde das Des Bains in Deutschland durch den Schriftsteller Thomas Mann, der hier selbst für einige Zeit im Jahr 1911 logierte. Das vornehme Haus inspirierte ihn zu seinem Roman „Tod in Venedig“, 60 Jahre später drehte Regisseur Luchino Visconti hier einige Szenen für den gleichnamigen Film. 

Seit 2010 steht das altehrwürdige Grand Hotel Des Bains nun allerdings leer. Kurz vor der Schließung empfing es noch Urlaubsgästinnen und Urlaubsgäste. Bei Holidaycheck berichtet eine Frau von ihrem Aufenthalt im Jahr 2009: „Einiges ist defekt im und am Haus, die rückwärtige Fassade bröckelt, das Hotel müsste dringend saniert werden.“

Das ehemalige Grand Hotel Des Bains auf der Insel Lido wurde nach der Schließung abgesperrt. Inzwischen schützen Holzplatten an den Stellen, wo einst Glasfenster waren, vor Wind, Wetter und Eindringlingen.

Von innen wusste das imposante Gebäude allerdings noch immer zu überzeugen: „Die nostalgischen Salons und Speisesäle sind traumhaft schön und spiegeln den Glanz längst vergangener Zeiten. Das ganze Hotel ist auf liebenswerte Art altmodisch.“ Wer hingegen Wert auf Perfektion und Luxusurlaub lege, sei hier am falschen Ort, erklärte sie. Immerhin: In der Vorsaison sei der Urlaub dort auch für Normalverdiener erschwinglich. 

Und heute? Bereits im Jahr 2003 hatte laut „Bauwelt“ ein Investor das Grandhotel gekauft, um es mit Luxusapartments wiederzubeleben. Doch bis 2022 hat sich mit Ausnahme einiger erneuerter Bauzäune dort nichts verändert. Nur kurzzeitig öffnete das Grand Hotel Des Baines während der Filmfestspiele 2019 in Venedig für eine Ausstellung. Heute können Neugierige durch die Zäune einen Blick auf die herrliche Fassade erhaschen. 

2. Grandhotel Waldlust (Schwarzwald)

Das Schlosshotel Waldlust bei Freudenstadt im Schwarzwald zählte lange zu den Top-Hoteladressen in Deutschland. In idyllischer Hanglage, umgeben von meterhohen Fichten, genossen die reichen Gästinnen und Gäste ab 1902 den Urlaub im prunkvollen Jugendstil-Gebäude. Hier residierten unter anderem König Gustav V. von Schweden oder die US-Filmstars Douglas Fairbanks und Mary Pickford, berichtet der „Südkurier“. 

In Freudenstadt im Nordschwarzwald lockte einst das Grandhotel Waldlust gut betuchte Gäste, inzwischen ist es zu einem Lost Place geworden.

Heute dient es allenfalls als Gruselkulisse in Filmen, denn noch immer warten dort bezogene Himmelbetten auf müde Urlauberinnen und Urlauber, Stühle stehen akkurat aufgereiht an den Tischen – ein verwunschener Anblick, denn schon seit 2005 nimmt das Haus keine Reisenden mehr auf. 

Weiterlesen nach der Anzeige

Anzeige

Der Anfang vom Ende des Grandhotels im Schwarzwald begann allerdings schon 1949. In diesem Jahr soll die Inhaberin dort brutal ermordet worden sein. Seitdem soll es in dem Gästehaus spuken, so das Gerücht. Das lässt sich zwar nicht beweisen. Sicher ist jedoch, dass das Haus nach dem Tod der Inhaberin in ein Lazarett umfunktioniert wurde.

Später versuchten immer wieder neue Besitzer, das Grandhotel zu altem Ruhm zurückzuführen, doch alle scheiterten. Wer weiß – womöglich ist an der Sache mit dem Spuk doch etwas dran. Du willst dich selbst davon überzeugen? Die Denkmalfreunde Waldlust bieten regelmäßig Führungen und Lost-Place-Fototouren an. 

3. Albergo Locarno (Tessin)

Gebrochene Holzbohlen, zerschlissener roter Teppich. Einst sollten gut betuchte Gästinnen und Gäste über diesen Boden in die Albergo Locarno im Tessin eintreten, heute krabbeln nur Spinnen über die Dielen. Die einst pompöse Empfangshalle des ehemaligen Luxushotels ist verwaist, setzt Staub an. Die Fenster sind verrammelt, das Gebäude umzäunt – um ungebetene Gäste fernzuhalten. 

Seit 1876 thront der palastartige Bau über Locarno und hat zu seinen Glanzzeiten wichtigen Politikerinnen und Politikern, Kunst- und Kulturschaffenden sowie der High Society auf Schweizbesuch ein Zuhause auf Zeit gegeben. Zwischen 1946 und 1971 diente es als Austragungsort für das Filmfestival Locarno. Auch, als dieses an einen anderen Standort verlegt wurde, blieben die Gästinnen und Gäste dem Hause zunächst weiterhin treu. 

Seit 2006 steht es allerdings leer und verfällt zusehends. Daran ändern auch die Lost-Places-Fans, die sich laut „Blick“ hin und wieder vom Hausmeister durch die leeren Zimmer führen lassen, nur wenig.

Jetzt gibt es neue Hoffnung für das ehemalige Grandhotel. Im März 2022 gab ein Investor bekannt, in der altehrwürdigen Albergo ein Vier-Sterne-Hotel mit Wellnessangebot und Konferenzräumen entstehen lassen zu wollen. Dazu soll die bestehende Bausubstanz renoviert und erweitert werden. Einen Bauantrag habe man bereits eingereicht. 

Auch der weitläufige Park soll dabei ein Facelift bekommen, unter anderem durch verschiedene Pflanzen und einen Teich. Der Investor warte allerdings noch auf eine Baugenehmigung. Wann Gästinnen und Gäste in der Albergo Locarno erneut luxuriöse Zimmer beziehen dürfen, steht noch nicht fest.

4. Wildbad Innichen (Südtirol)

Idyllisch schmiegte sich das Wildbad Innichen in Südtirol in den Hang, umgeben von hohen Tannen und dichtem Wald. Bedingt durch seine traumhafte Hanglage muss der Urlaub hier vor rund einem Jahrhundert für maximale Entspannung gesorgt haben. 

Von dem Gebäude existieren inzwischen allerdings nur noch Ruinen. Das Dach fehlt, Fenster sind herausgesprungen, ganze Stockwerke eingestürzt, Bröckchen der blanken Ziegelsteine rieseln herab. Ein Holzzaun sperrt es zur Sicherheit inzwischen von einem Wanderweg ab, so massiv ist der Verfall bereits fortgeschritten.

In den Jahrhunderten zuvor hatten dort etliche Menschen ihre Leiden kuriert. Bereits 1586 hatte ein Arzt an dieser Stelle ein Sanatorium errichtet, später wurde es zum Grandhotel umgebaut. Vor allem um die Jahrhundertwende gingen hier die höchsten Gesellschaftsschichten der preußischen und österreichischen Monarchie ein und aus, um in den Genuss der fünf Heilquellen des Wildbads zu kommen. 

Das Wildbad Innichen, ehemaliges Luxushotel, hat seine beste Zeit bereits hinter sich. Inzwischen ragen nur noch Ruinen in die Höhe.

Im Ersten Weltkrieg wurde das Bad teilweise zerstört. Wegen der schweren Schäden gaben die Besitzer das einst pompöse Haus auf. Seitdem verschlechtert sich der Zustand des Wildbads Innichen zusehends. Das ehemalige Luxushotel zieht vielleicht gerade deswegen bis heute die Vorbeikommenden in seinen Bann. Davon zeugen die Bänke, die in sicherer Entfernung um den Holzzaun herum um das Gebäude aufgestellt sind.  

5. Grand Hotel Regnier (Wallonie)

Die Ufer des Flusses Maas waren um das Jahr 1900 herum ein beliebtes Ausflugsziel in der belgischen Wallonie. Dort entstand 1904 in Waulsort das Grand Hotel Regnier mit einer schönen Terrasse direkt am Wasser. Einen regelrechten Boom erlebte der Ferienort in den 1920er-Jahren, als er an die Eisenbahnlinie angeschlossen wurde. Weitere Hotels entstanden, immer mehr Touristinnen und Touristen verbrachten ihre Ferien in Waulsort. 

In den 1980er-Jahren verlor der Urlaub in der Heimat allerdings an Reiz. Günstige Fernreiseangebote lockten jetzt immer mehr Urlauberinnen und Urlauber in den Süden Europas. Der Tourismus in Waulsort und Umgebung brach ein, etliche Hotels mussten für immer schließen. 1995 macht auch das Grand Hotel Regnier endgültig dicht.

Dass das Grand Hotel Regnier einst ein fröhlicher Ort gewesen sein muss, davon zeugen heute nur noch die bunten Tapetenreste und Putzsprenkel, die mit letzter Kraft an der Wand haften. An manch geschützter Ecke hat ein fröhliches Gemälde die Zeit überdauert.

Das schöne Restaurant lockte in seinen besten Tagen mit seinem mondänen Glasdach, doch inzwischen regnet es hinein, auf dem Fußboden wächst Gras. Die schöne Terrasse am Wasser – dem Verfall preisgegeben.

6. Grand Hotel Belvedere (Istrien)

An der kroatischen Adria in Opatija steht in erster Reihe bis heute das Grand Hotel Belvedere. Doch die Balkone, von denen aus sich früher gut betuchte Gästinnen und Gäste am Glitzern des Wassers erfreuten, sehen teilweise inzwischen lebensgefährlich aus: Von der Balustrade ist stellenweise kaum etwas übrig geblieben. Manche Fenster sind gesprungen, grüne Vorhänge wehen im Wind. Die einst in Richtung Meer zeigende Terrasse ist leer gefegt.

Dabei fing das Urlaubsglück hier eigentlich so vielversprechend an: Die österreichische Südbahngesellschaft errichtete um die Jahrhundertwende eine Bahnstrecke vom italienischen Triest bis nach Opatija. Die Verbindung ließ den Ort erblühen, schicke Hotels für die Wiener Oberklasse entstanden an den schönsten Flecken der Küste. Unter den illustren Gästinnen und Gästen waren Kaiser Franz Joseph, Kaiser Wilhelm und das schwedische Königspaar, berichtet der „Kurier“.

Doch Jahrzehnte später blieben sie aus. Der Verfall des Grand Hotels Belvedere ging schleichend voran, noch vor etwa zehn Jahren übernachteten dort Urlaubsgästinnen und ‑gäste. Heute ist damit Schluss, doch schon damals zeigten sich viele Urlaubende unglücklich mit dieser Unterkunft.

„Das ganze Hotel ist renovierungsbedürftig, die Teppiche abgenutzt, bei einem Fenster hing der Griff aus der Angel und die Wände waren schmutzig. Die Fugen meiner Dusche haben großflächig geschimmelt“, beschwerte sich ein Gast im Jahr 2011 beim Bewertungsportal „Holidaycheck“. 

Andere urteilten damals gnädiger über das historische Hotel: „Man muss dieses Hotel nur lieben lernen.“ Ob sich auch in Zukunft wieder Gästinnen und Gäste in das Hotel verlieben? Ungewiss.