Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion entstanden in Bulgarien zahlreiche Lost Places. Denn mit dem Fall des kommunistischen Regimes wurden viele der ehrgeizigen und teilweise größenwahnsinnigen Projekte der Diktatoren im Handumdrehen eingestellt.

So kann man heutzutage eine faszinierende Komposition von verfallendem Mauerwerk, farbenfrohen Graffiti und der sich Stück für Stück zurückkämpfenden Natur bewundern, wo noch vor zwei Generationen die Führungsriege Bulgariens tagte, talentierte Schüler unterrichtet werden sollten oder Textilien in Handarbeit gefertigt wurden. Lass dich in eine schon fast vergessene Zeit entführen – eine Vergangenheit, in der Hammer und Sichel über allem schwebten und Träume noch in brutalistischer Form aus Beton gegossen wurden.

Buzludzha-Monument – das Ufo mit Weitsicht

Nahe dem kurvigen Schipkapass thront hoch oben auf dem Gipfel des Chadschi Dimitar ein Bauwerk, dass vor allem Alien-Fans leuchtende Augen bescheren wird. Denn nicht nur auf den ersten Blick scheint es, als ob dort oben Besuch aus dem All gelandet sei und nun die Weitsicht über die faszinierende Bergwelt des zentralen Bulgariens genießt.

In Wirklichkeit wurde dieses reizvolle Gebäude im Jahr 1981 von Georgi Stoilow zu Ehren der gewonnenen Schlacht der Bulgaren gegen die Türken erbaut. Es diente als Symbol kommunistischer und sozialistischer Widerstandskraft. Diese Widerstandskraft war auch notwendig, als mit dem Fall der Sowjetunion auch der Betrieb – vor allem Kongresse und Tagungen – nach einem knappen Jahrzehnt komplett eingestellt und das Denkmal dem rauen Gebirgsklima, Vandalismus und somit dem Verfall ausgeliefert wurde.

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Das Buzlduzha-Monument ist ein echtes Highlight für alle Lost-Places-Fans!


Mittlerweile sind alle Zugänge zum Gebäude verschlossen und werden Tag und Nacht von einem einsam wirkenden Security-Guard bewacht, während im Inneren ein internationales Restaurierungsteam damit beschäftigt ist, größere Schäden durch Schnee und Eis zu verhindern und die vielen Kunstwerke zu konservieren. Dazu zählen unter anderem detailreiche Mosaike, die auf über 500 Quadratmetern das ehemalige Auditorium umhüllen und – man ahnt es – die drei Kommunisten Lenin, Marx und Engels zeigen.

Direkt neben dem „Ufo“ lud einst ein 70 Meter hoher Turm mit Fahrstuhl zu einem Ausblick über das Balkangebirge ein. Die beiden riesigen Sterne aus rotem Rubinglas, welche hoch oben in den Beton integriert wurden, sollten mit ihren 32 Lichtprojektoren bis zu den Grenzen Bulgariens mit Rumänien und Griechenland erstrahlen.

Die zwölf Kilometer lange Straße, die vom Schipka-Pass hoch auf den Berg und zu diesem einmaligen Denkmal führt, ist holprig und erfordert gute Nerven. Aber sobald du einmal vor diesem imposanten Bauwerk stehst, den Hauch des Sozialismus aufsaugst und deinen Blick über die Bergkulisse schweifen lässt, weißt du, dass es das wert war!

Perla 2 – die werdende Residenz des letzten Diktators

Perla 2 am Schwarze Meer – nicht zu verwechseln mit Perla 1, welches eine weitere Villa Todor Schiwkows an einer anderen Stelle des Strandes ist – kann als klassisches Beispiel für die typische sowjetische Brutalismus-Architektur herhalten.

Rauer Beton, gewaltige Stahlbögen und ein mehrstöckiger Arkadenhof, von dem aus zahlreiche Gebäudeflügel und unzählige Zimmer abgehen, lassen nur im Ansatz erahnen, welchen ausschweifenden Lebensstil der ehemalige Staatschef und Diktator nahe der Stadt Primorsko leben wollte.

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Ganz in der Nähe der populären Schwarzmeer-Strände rund um den Ort Primorsko findest du, versteckt im Wald, die nie vollendete Residenz des bulgarischen Diktators Todor Schiwkow.

Das rohe Treppenhaus führt zur weitläufigen Rooftop-Terrasse mit Blick auf das Schwarze Meer. Der Zahn der Zeit und das raue Klima in den Wintermonaten haben diese allerdings so langsam zu einem Sumpfgebiet verwandelt, sodass sich selbst einzelne Bäume auf dem Beton wieder heimisch fühlen.

Wenn dir der atemberaubende Blick von oben auf die vor sich hin rostenden Arkaden oder den dichten Wald rundherum noch nicht Nervenkitzel genug ist, kannst du den Treppen auch noch bis ins Untergeschoss folgen und der hier lebenden Fledermauskolonie einen Besuch abstatten.

Vidin-Synagoge – verlassenes Gotteshaus, Lager oder Konzerthalle?

Nur 100 Meter entfernt vom Ufer der Donau stehen im tiefen Nordwesten Bulgariens die Ruinen der ehemals zweitgrößten Synagoge des Landes. Das 1894 mitten im Serbisch-Bulgarischen Krieg erbaute Gotteshaus erinnert in seiner baulichen Gestaltung mit Doppelsäulen, Bogenfries und Ecktürmen von außen eher an eine Basilika.

Im Zuge des Zweiten Weltkriegs und des Verlusts der jüdischen Gemeinde in Vidin verlor allerdings auch die Vidin-Synagoge ihren Nutzen und wurde im Kriegstreiben teilweise zerstört. Unter sowjetischer Herrschaft wurde sie, wie viele andere Gebäude auch, verstaatlicht und zum Teil als Lagerhalle genutzt.

Der Bau der Vidin-Synagoge gleicht eher der einer Basilika.


Nachdem ein Erdbeben in der Region dazu führte, dass das gesamte Gebäude einzustürzen drohte, plante das Kulturministerium in den 1970er-Jahren eine umfangreiche Restauration und Umfunktionierung zur Konzerthalle. Als das kommunistische Regime 1989 kollabierte, verloren sich diese Pläne allerdings und die Synagoge wurde, mittlerweile nur noch aus den Außenwänden bestehend, wieder einmal sich selbst und den Elementen überlassen.

Die Ruine ist für jeden frei zugänglich und dem Zustand zum Trotz weitestgehend ungefährlich zu begehen. Es empfiehlt sich aber, beim Erkunden festes Schuhwerk zu tragen, um Verletzungen durch die vielen herumliegenden Glassplitter zu vermeiden.

Alte Textilfabrik in Veliko Tarnovo

Schon die rostige, schmale Hängebrücke, die über den Fluss zum Gelände führt, lässt das Herz eines jeden Lost-Places-Fans höherschlagen. Einmal in der riesigen Produktionshalle der alten Textilfabrik von Veliko Tarnovo angekommen, leuchten der Besucherin oder dem Besucher unzählige farbenfrohe Graffiti entgegen: Von Farmern und DJ-Hunden über weiße Tiger bis hin zu traditionellen Propaganda-Motiven des Kommunismus ist alles dabei.

Überschattet von der beeindruckenden Festungsanlage Tsarevets liegen am anderen Ufer des Yantra-Flusses die nicht weniger beeindruckenden Überreste eines verlassenen Textilfabrik-Komplexes.

Viele kleinere Räumlichkeiten und Treppen zweigen von der Haupthalle ab und lassen anhand ihrer Bauweise und noch vorhandener Überbleibsel ihre damalige Funktion erahnen. Die Melange aus der hier erhaltenen sowjetischen Atmosphäre und der modernen, urbanen Ausgestaltung lassen dich unter Garantie mit offenem Mund in eine bewegte Geschichte eintauchen.

Die Fabrikhallen findest du am leichtesten, wenn du nach der Hängebrücke über den Buswendeplatz hinweg der leicht bergan führenden Straße folgst.

Arkutino-Schule für Hochbegabte

Um den Bekanntheitsgrad bulgarischer Kultur weltweit zu erhöhen, plante die Tochter des Diktators Todor Schiwkow ein Bildungszentrum für künstlerisch hochbegabte Kinder und Jugendliche aus aller Welt. Nach dem überraschenden Tod seiner Tochter setzte der Diktator 1985 ihre Initiative in die Tat um und ließ einen riesigen Komplex nahe der Stadt Primorsko errichten – mit Auditorium, verschiedenen Klassen- und Proberäumen und geplanten Workshops und Sommerprogrammen.

Hoch über dem hellen Sandstrand am Schwarzen Meer erinnert ein Millionen-Grab als überwachsenes Betonskelett an einen unvollendeten sozialistischen Traum.

Als mit der Wende auch der sowjetische Block zerbrach, wurde das Projekt allerdings von heute auf morgen eingestellt. So bleibt die Arkutino-Schule trotz mehrerer Versuche, sie wiederzubeleben, bis zum heutigen Tage unvollendet. Wenn du ganz genau hinschaust, findest du an den Wänden noch die Namen der Bauarbeiter, die an diesem halbfertigen Projekt mitgewirkt haben.

Am besten ist das Gelände zu erreichen, wenn du vom Arkutino Family Resort aus das schwarze Eingangstor passierend der leicht bergan führenden Straße folgst, bis du links über dir die Betonstrukturen siehst.