Eine faszinierende Unterwasserwelt, traumhafte Strände und Kulturdenkmäler aus mehr als 5000 Jahren Geschichte: Ägypten gehört nicht ohne Grund zu den beliebtesten Reisezielen der Deutschen.

Schnorchler und Taucherinnen zieht es wegen der Korallenriffe in das nordafrikanische Land, um dort Fische in allen Farben, Schildkröten, Stachelrochen und sogar Delfine zu beobachten. Bei den Pyramiden und Tempelanlagen kommen Kulturfans ins Staunen. Und Sonnenliebhaber sowie ‑liebhaberinnen schätzen die ganzjährig hohen Temperaturen.

Doch viele Urlauberinnen und Urlauber fragen sich nach Jahren mit mehreren Regimewechseln, Aufständen, Anschlägen und Revolutionen: Ist eine Reise nach Ägypten aktuell sicher?

Die Sphinx-Allee in Luxor ist eines der Unesco-Weltkulturerbe in Ägypten.

Ägyptischer Frühling, Umstürze, Anschläge

Nach der Revolution in Ägypten im Jahr 2011, die Teil des sogenannten Arabischen Frühlings war, übernahm zunächst ein Militärrat die Regierungsgeschäfte und erließ verschärfte Notstandsgesetze. 2012 kam die Muslimbruderschaft unter Mohammed Mursi an die Macht. Bereits 2013 kam es zum erneuten Umsturz – nach tagelangen und teilweise blutigen Massenprotesten wurde Mursi vom Militär gestürzt. Geführt wurde es von Militärratschef Abdel Fattah al-Sisi.

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2014 gewann Abdel Fattah al-Sisi die Wahl zum Präsidenten und konnte eine weitgehende innenpolitische Stabilisierung des Landes erreichen.

Nach Anschlägen der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) auf zwei Kirchen in Alexandria und in Tanta bei Kairo im Jahre 2017 rief al-Sisi den Ausnahmezustand aus. Damit wurden die Befugnisse von Armee und Polizei erweitert. Reisende erlebten danach ein erhöhtes Sicherheitsaufgebot in den beliebten Touristenregionen, ob am Flughafen, auf den Straßen oder bei der Zufahrt der Hotelanlage.

Dennoch kam es immer wieder zu terroristischen Anschlägen. Diese richteten sich meist gegen ägyptische Sicherheitsbehörden, vereinzelt aber auch gegen ausländische Ziele und Staatsbürger sowie Staatsbürgerinnen. Zuletzt forderte am 4. August 2019 ein Autobombenanschlag im Zentrum von Kairo mindestens 20 Todesopfer und zahlreiche Verletzte.

Ausnahmezustand seit 2021 aufgehoben

Nach mehr als viereinhalb Jahren hat Staatschef Abdel Fattah al-Sisi den Ausnahmezustand im Oktober 2021 aufgehoben. Ägypten sei „dank seiner großartigen Menschen und loyalen Männer eine Oase der Sicherheit und Stabilität in der Region“ geworden, schrieb er auf Twitter.

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Sicherheitskräfte stehen im Gaza-Streifen vor einem Plakat des ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi.

Die Sicherheitskräfte und das Militär sind im Zuge der Terrorismusbekämpfung in Ägypten dennoch weiter sehr präsent und haben erhebliche Eingriffsbefugnisse. Vor allem nachts ist mit verstärkten Kontrollen durch Sicherheitskräfte zu rechnen.

Teilreisewarnung für Ägypten: Welche Orte sind gefährlich?

Dennoch: „Es besteht landesweit weiterhin ein Risiko terroristischer Anschläge. Diese richten sich meist gegen ägyptische Sicherheitsbehörden, vereinzelt aber auch gegen ausländische Ziele und Staatsbürger“, teilt das Auswärtige Amt mit. Das Ministerium warnt vor Reisen in den Norden der Sinai-Halbinsel, das ägyptisch-israelische Grenzgebiet (mit Ausnahme von Taba) und entlegene Gebiete der Sahara. Denn in diesen Regionen finden militärische Einsätze statt, in den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu Terroranschlägen.

Zu den besonders betroffenen Gebieten gehören die Straßen abseits der Küste, unter anderem auch zum Berg Sinai und zum Katharinenkloster. Zu Anschlägen kam es in der Vergangenheit beispielsweise im Ferienort Taba, in der Provinz Sheikh Zuwayd und in Bir al-Abed im Norden der Halbinsel. Ein besonders schwerer Angriff erfolgte im November 2017, bei dem nach dem Freitagsgebet in einer Moschee in Bir al-Abed mehr als 300 Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt wurden.

Für den Süden der Sinai-Halbinsel gilt zwar keine Reisewarnung, das Auswärtige Amt rät jedoch von unbegleiteten individuellen Ausflügen in die Gegend ab.

Badeorte sind für Urlaub sicher

Die Touristenregionen sind jedoch von diesen Reisewarnungen nicht direkt betroffen, die Lage in Scharm el-Scheich sowie in den anderen Badeorten wie Hurghada, Makadi Bay, Marsa Alam, Soma Bay, und El Gouna ist relativ sicher. Auf ein hohes Maß an Sicherheitsvorkehrungen wird geachtet. Allerdings rät das Auswärtige Amt, auch in den Touristenorten immer Vorsicht walten zu lassen.

Ägypten ist ein Tauchparadies – in den Korallenriffen im Roten Meer leben viele seltene Fische.

Diese Sicherheitstipps sollten Reisende befolgen:

  • Generell sollten Urlauberinnen und Urlauber in Ägypten Vorsicht walten lassen, das gilt laut Auswärtigem Amt auch für die Touristengebiete am Roten Meer.
  • Während der Feiertage sollten Reisende die Nähe zu koptischen Einrichtungen meiden.
  • An belebten Orten und bei besonderen Anlässen sollten Urlauberinnen und Urlauber aufmerksam sein.
  • Wüstenexkursionen sollten nur bei professionellen Reiseveranstaltern beziehungsweise Touranbietern gebucht werden.
  • Ausflugsziele abseits gesicherter Orte und Straßenverbindungen sollten dringend gemieden werden.

Corona-Lage in Ägypten

Ägypten ist aktuell kein Risikogebiet. Die Bundesregierung hat die Reisewarnung für alle verbleibenden Hochrisikogebiete zum 2. März 2022 aufgehoben. Die Einreise in das nordafrikanische Land ist nach aktuellem Stand (22. März 2022) für Deutsche möglich, wenn sie einen Nachweis über eine vollständige Impfung gegen Corona oder einen negativen Covid-19-Test vorlegen können. Ein PCR-Test darf nicht älter als 72 Stunden sein, bei Einreise über den Flughafen Frankfurt nicht älter als 96 Stunden. Der Antigentest darf nicht älter als 24 Stunden sein. Das Testergebnis muss in englischer oder arabischer Sprache vorgelegt werden und muss einen QR-Code enthalten.

Wenn das Testergebnis keine Details zu Datum und Uhrzeit der Entnahme des Abstrichs enthält, ist mit einer Verweigerung der Einreise zu rechnen, teilt das Auswärtige Amt mit. Kinder unter zwölf Jahren sind von der Testpflicht ausgenommen.

Wer direkt nach Hurghada, Scharm el-Scheich, Marsa Alam und Marsa Matrouh fliegt, kann den erforderlichen PCR-Test kostenpflichtig bei Einreise an den jeweiligen Flughäfen vornehmen zu lassen. Für die Wartezeit bis zum Vorliegen eines negativen Testergebnisses gilt eine verpflichtende Quarantäne, zum Beispiel im Hotelzimmer. Bei einem positiven Test erfolgen Quarantänemaßnahmen, die Umsetzung ist aber laut Auswärtigem Amt nicht einheitlich. Und: Weil die Kapazitäten begrenzt sind, müssen Reisende mit Wartezeiten bei der Testung an den Flughäfen und der Ausgabe der Testergebnisse rechnen.

Sicherheit für LGBTIQ* in Ägypten

Für Schwule, Lesben, Trans- und Intersexuelle ist Ägypten nicht unbedingt das sicherste Reiseziel. Im „Gay Travel Index 2021“ landete das Land weit hinten auf Platz 190. Zwar stehen homosexuelle Handlungen in Ägypten nicht explizit unter Strafe. Jedoch bestehen weit gefasste Straftatbestände zum Schutz der Moral oder Religion, nach denen auch Homosexualität geahndet werden kann, zumal wenn sie offen gezeigt wird, schreibt das Auswärtige Amt.

Es sind in diesem Zusammenhang sowohl Geld- als auch Gefängnisstrafen vorgesehen. Bisher sei kein Fall bekannt geworden, in dem ein ausländischer Tourist oder eine ausländische Touristin tatsächlich aufgrund dieser allgemeinen Bestimmungen strafrechtlich verfolgt wurde. Aber: Verhaftungen und anschließende Abschiebungen von Ausländerinnen und Ausländern sind bereits vorgekommen. Menschenrechtsorganisationen berichten außerdem, dass ägyptische Behörden Dating-Apps einsetzen, um LGBTIQ* ausfindig zu machen. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass auch ausländische Reisende Opfer dieses Vorgehens werden könnten, so das Auswärtige Amt.

Sonstige mögliche Risiken in Ägypten

Die Kriminalität in Ägypten ist nach Angaben des Auswärtigen Amtes vergleichsweise niedrig. Kleinkriminalität wie Taschendiebstähle und auch vereinzelte Übergriffe speziell auf Frauen haben etwas zugenommen. Daher sollten insbesondere allein reisende Frauen Spaziergänge in Großstädten und außerhalb von Touristenzonen bei Dunkelheit vermeiden.

In den Urlaubsgebieten wie beispielsweise Hurghada gibt es jedoch vermehrt betrügerische beziehungsweise erpresserische Verhaltensweisen bei Taxifahrern. Tipp für Reisende: Nur Taxis mit angeschaltetem Taxameter nutzen und erst nach dem Aussteigen durch das Fenster zahlen. Der Preis sollte vor der Abfahrt oder bereits im Hotel erfragt werden.

In Ägypten kann es außerdem vermehrt zu Erdbeben kommen, weil das Land in einer seismisch aktiven Zone liegt.