Sie haben Berge erklommen, sind in den Ozeanen dieser Welt geschwommen und können in mindestens 20 Sprachen „Danke“ sagen. Die Erlebnisse einer Weltreise prägen Reisende auch nach der Rückkehr in die Heimat weiter.

Doch was passiert nach dem großen Trip? Dieser Frage hat Weltenbummlerin und Journalistin Uta-Caecilia Nabert nachgespürt. Sie war selbst zwei Jahre auf Weltreise – und interviewte danach 23 Langzeitreisende über deren Leben nach der Rückkehr. Darunter sind auch bekannte Reisende wie Extrem-Radfahrer Johannes Erdmann und Langfahrtsegler Helge Timmerberg. Aus den Gesprächen entstand das Buch „Wieder da und doch nicht hier“.

Beim Lesen wird klar: Die Ankunft in Deutschland ist für die meisten Reisenden mindestens ebenso prägend wie die Reise selbst. 

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Reisende kehrt nach einem Jahr zurück – nach der Weltreise ist alles anders

Eine der 23 Weltenbummlerinnen ist Sofia Thalbach. Sie kam nach einem Jahr Weltreise in fernen Ländern, fremden Kulturen und mit unzählbaren neuen Eindrücken in Deutschland an. Sie freute sich auf Familie und Freunde. Ihre tollen Erlebnisse wollte sie endlich mit ihren Liebsten teilen.

Doch schnell kam die Ernüchterung: So richtig interessierte sich niemand für das, was sie gesehen hatte. Ihre Freunde freuten sich zwar, dass sie wieder da war, doch sie sprachen lieber über den neuesten Kinofilm als über ihre Abenteuer. Dabei waren diese doch für Sofia gelebtes Kino gewesen: jeder Tag anders, kein Platz für Alltag und kleine Gedanken. 

Eine junge Frau bestaunt die Weite von einem Berg aus. Auf grandiose Aussichten müssen viele Rückkehrer nach der Weltreise leider verzichten.

Für die Frau Mitte zwanzig fühlte es sich an, als würde der Blockbuster, zu dem ihr Leben während der Reise geworden war, zu einer mäßig interessanten Vorabendserie werden. Sofia rutschte zurück in den Alltag, begann ein Studium, der Alltag hatte sie wieder. Oft weinte sie, das Fernweh war groß. Es dauerte Jahre, bis sie auch mental wieder zu Hause angekommen war.

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Südamerika-Fan graut es vor der Rückkehr in den Job 

Auch David Pattison erlebte diesen Blues: Er war für ein paar Monate nach Südamerika gegangen und hatte sich dort verliebt. Weil er Thrombose bekam, musste er vorzeitig nach Hause fliegen. Er richtete sich auf dem Sofa seiner Mutter ein – und es graute ihm davor, an seinen alten Arbeitsplatz zurückzukehren.

Die Christusstatue begrüßt einen sonnigen Tag in Rio de Janeiro. Davids Weltreise führte ihn unter anderem durch Südamerika, wo er seinen Trip plötzlich aus gesundheitlichen Gründen abbrechen musste.

David hielt es in Deutschland nicht auf Dauer aus: Sobald er gesund war, ging er nach Thailand. Er unterrichtet heute Englisch, und in seiner Freizeit sonnt er sich auf der Dachterrasse seiner neuen Freundin.

Rückkehr nach der Weltreise braucht Zeit – viel Zeit 

Bis das neue Glück nach einer Rückkehr greifbar wird, vergeht mitunter viel Zeit. Zwei Jahre dauere es laut Autorin Uta-Caecilia Nabert im Schnitt, bis die Reisenden auch mental so ganz wieder zu Hause ankommen.

Viele ertragen die Enge danach nicht. Sie wachsen aus ihrem alten Leben heraus. Konflikte, Kündigungen, beendete Freundschaften und Beziehungen inklusive. Die Welt, in die die Reisenden aufbrechen, fühlt sich für viele überwältigend weit an, schreibt Nabert in ihrem Buch. Die Herausforderung nach der Heimkehr sei, diese Weite für sich weiterhin einzufordern – trotz Alltag und Verpflichtungen.

Die Heimkehr nach der Weltreise ist hart. Uta-Caecilia Nabert hat für ihr Buch „Wieder da und doch nicht hier“ mit 23 Reiserückkehrern gesprochen.

Viele schaffen den Wandel und leben jetzt das Leben, das sie sich wünschen. „Anfangs ist es nie einfach, doch langfristig bewährt sich die Weltreise für viele als Glücks- und Karriere-Booster“, schreibt Nabert.