Manchmal gleicht es einem Rätselraten, wenn man auf die Hauptstädte von Ländern oder Bundesstaaten tippt. Denn nicht immer sind die bekanntesten Metropolen identisch mit dem Regierungssitz des Landes.

Manche Städte wurden aufgrund ihrer strategischen Position zu Hauptstädten ernannt, andere sind gar aus einer Kompromisslösung entstanden. Und so ist es nicht verwunderlich, dass viele Menschen manchen Ländern falsche Hauptstädte zuordnet. Wir stellen sieben Hauptstädte vor, die oft im Schatten ihrer berühmteren Schwesterorte stehen. 

1. Bern in der Schweiz

Wer an die Schweiz denkt, dem kommen unweigerlich Bilder des malerischen Zürichs in den Sinn. Wunderschön am Zürichsee gelegen, ist es auch die größte Stadt des Landes – und würde eine gute Hauptstadt abgeben. Ist es aber nicht. Denn Bern, die Bundesstadt, wie die Schweizer ihre Hauptstadt nennen, liegt 95 Kilometer entfernt und ist mit rund 130.000 Einwohner lediglich die viertgrößte Stadt des Landes. 

1983 wurde die Berner Altstadt zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt. Sandsteingebäude, Mittelalter-Atmosphäre und zahlreiche Brunnen und Türme prägen das Stadtbild. In den schmalen Gassen kann man Boutiquen, Bars und Kleinkunstbühnen sowie hübsche Gewölbekeller entdecken. Mit insgesamt sechs Kilometer langen Arkaden findet sich in Bern auch eine der längsten wettergeschützten Einkaufspromenaden Europas.

Blick auf Bern mit dem Fluss Aare, der Berner Altstadt, der Nydeggkirche und der Untertorbrücke.

Neben Sehenswürdigkeiten wie dem Berner Münster und dem Zeitglockenturm (Zytglogge) können im städtischen Zoo Dählhölzli Leoparden, Affen und Seehunde beobachtet werden. Wie in Zürich kommt auch in Bern das Element Wasser nicht zu kurz. Die Stadt liegt direkt an der sauberen Aare, auf der sich Wasserratten im Sommer gerne treiben lassen.

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2. Ankara in der Türkei

Nach Ende des Osmanischen Reiches wurde die Hauptstadt der Türkei ins Landesinnere verlegt und Ankara löste 1923 Istanbul als Hauptstadt ab. Mit 5,7 Millionen Einwohnern ist es die zweitgrößte Stadt nach Istanbul mit 15,4 Millionen Einwohnern. Kulturliebhaberinnen und Kulturliebhaber kommen in beiden Metropolen auf ihre Kosten.

Mitten in Ankara befindet sich das Anitkabir, das Grabdenkmal und Mausoleum für den Gründer der türkischen Republik, Mustafa Kemal Atatürk. Es ist eines der wichtigsten Bauten der Türkei und liegt auf dem Monumentshügel. Auf der riesigen Anlage finden sich außerdem ein Museum, eine Bibliothek und der sogenannte Friedenspark.

Anitkabir: Das Grabdenkmal und Mausoleum für den Gründer der türkischen Republik Mustafa Kemal Atatürk.

Ein wahrer Hingucker ist auch die Kocatepe-Moschee südlich der Altstadt, die als eine der größten Moscheen der Welt gilt. Bis zu 24.000 Gläubige finden in ihr Platz. Wer nach dem Kulturprogramm entspannen möchte, kann sich in eine städtische grüne Oase zurückziehen. Im Dikmen-Vadisi-Park im südlichen Stadtzentrum warten terrassenartig angelegt unterschiedlichste Bäume und Pflanzen, Weinberge und Wasserstellen auf die Parkbesucherinnen und -besucher.

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3. Brasília in Brasilien

Wer an Brasilien denkt, hat schnell das beliebte Urlaubsziel Rio de Janeiro mit der Copacabana und dem farbenprächtigen Karneval vor Augen. Tatsächlich war Rio de Janeiro lange Zeit die Hauptstadt des südamerikanischen Landes, wurde aber 1960 von Brasília abgelöst.

Am Reißbrett geplant, wurde die Stadt in nur vier Jahren im Inneren des Landes erbaut. Zu den Sehenswürdigkeiten zählt der Palacio Itamaraty, in dem sich das Außenministerium befindet. Es befindet sich in einem quadratischen Wasserbecken und die Stützen rund um den überdachten Glaskubus ragen beeindruckend in den Himmel.

Fußballinteressierte sollten das Estádio Nacional besichtigen. Das Stadion wurde 2013 fertiggestellt und kostete rund 660 Millionen Euro. Damit ist es eines der teuersten Fußballstadien der Welt und eines der größten in Brasilien.

Im Palacio Itamaraty ist das Außenministerium von Brasilien angesiedelt.

Der Traum, mit Brasília eine ideale und gerechte Hauptstadt zu schaffen, scheiterte allerdings. Die Ärmeren können sich die Kernstadt nicht leisten und wurden an den Stadtrand gedrängt. Laut der Vereinten Nationen ist Brasília eine der Städte mit der größten sozialen Ungleichheit. Die Kriminalität ist hoch und die Mordrate liegt noch über der von Rio de Janeiro und São Paulo.

4. Ottawa in Kanada

Mit Kanada verbindet man Toronto. Mit fast drei Millionen Einwohnern ist es die größte Stadt von Kanada und das Finanz- und Wirtschaftszentrum. Die Hauptstadt von Kanada ist es aber nicht, denn den Titel trägt Ottawa. Das stetig wachsende Ottawa ist mit etwa 930.000 Einwohnern die sechstgrößte Stadt Kanadas.

Eine der Sehenswürdigkeiten ist der Parliament Hill (deutsch: Parlamentshügel) in Ottawa, auf dem das Gebäude des kanadischen Parlaments direkt am Ufer des Flusses Ottawa thront. Im Parlament sind geführte Touren möglich. Sehr beliebt ist auch der Rideau-Kanal, an dessen Ufer man spazieren kann, der zu Bootsfahrten einlädt und im Winter als größte Natureisbahn der Welt umfunktioniert wird.

Der Rideau-Kanal in Ottawa zur Blauen Stunde.

Unweit des Parliament Hill bietet der Byward Market Kunsthandwerkern, Händlern und Bauern Raum, ihre Waren anzubieten. Hier finden sich auch exzellente Restaurants, Kneipen und Cafés, in denen man den Nachmittag aus- und den Abend einläuten kann.

5. Albany im Bundesstaat New York

Was ist die Hauptstadt des Bundesstaates New York? Man ist geneigt, die gleichnamige, pulsierende Metropole zu nennen. Aber: falsch. Es ist das mit rund 100.000 Einwohnern viel überschaubarere Albany. 

Unaufgeregt verhält es sich auch mit den Sehenswürdigkeiten des Ortes. Das New York State Executive Mansion, das dem aktuellen Gouverneur von New York als Wohnsitz dient, und das dekorative New York State Capitol, der Sitz des Parlamentes des Bundesstaates, können besichtigt werden. 1979 wurde Letzteres zum National Historic Landmark erklärt. Wer die Stadt vom Wasser aus erkunden möchte, bekommt bei einer Bootstour auf dem Hudson River historische Hintergünde zur Stadtgeschichte erzählt.

Albany ist die Hauptstadt des Bundesstaates New York.

6. Rabat in Marokko

Nicht Marrakesch oder Casablanca, sondern Rabat ist die Hauptstadt Marokkos. Und die Königsstadt hat einiges zu bieten. Das Viertel der Medina ist die Altstadt von Rabat und seit 2012 Teil des Unesco-Weltkulturerbes. Die Gassen der Altstadt sind breiter als in der touristisch populäreren Stadt Fès, und in der Einkaufsstraße Rue des Consuls kann man autofrei schlendern und Händler mit verschiedenster Ware von Gewürzen über Schmuck bis zu Süßwaren und Kleidung entdecken. 

Die Kasbah des Oudaya bietet beeindruckende Farbspiele und Einsichten in die Geschichte.

In Rabat, einer von vier Königsstädten den Landes, steht auch der Königspalast. Er ist der Haupt- und Amtssitz des Königs von Marokko. Die Bemalungen und Ornamente des Sandsteingebäudes können von außen besichtigt werden, der Zugang ins Innere ist strengstens untersagt.

Auch die Besichtigung der Kasbah des Oudaïa lohnt. Die im zwölften Jahrhundert entstandene Wehrburg beherbergt beispielsweise die älteste Moschee der Stadt und ein Schmuckmuseum. Im traditionsreichen maurisches Café Maure kann man mit einem marokkanischen Tee in der Hand die Aussicht auf die Nachbarstadt Salé genießen.

7. Canberra in Australien

Sydney und Melbourne sind die wahrscheinlich bekanntesten Städte Australiens und Hauptziel vieler Australien-Reisenden. Also wird eine von beiden doch wohl die Hauptstadt Australiens sein? Weit gefehlt. Diese liegt 286 Kilometer von Sydney entfernt und heißt Canberra. Tatsächlich führte die Rivalität der Städte Sydney und Melbourne dazu, dass man Canberra im Landesinneren 1927 zur Hauptstadt ernannte. Sie ist die achtgrößte Stadt des kleinsten Kontinents der Welt. 

Das Parlamentsgebäude Canberras ist eine der Sehenswürdigkeiten der Stadt. Es befindet sich auf einer Anhöhe zentral in der Stadtmitte und neben einem riesigen Brunnen auf dem Vorplatz sticht vor allem die Fahne, die auf 81 Metern Höhe über dem Gebäude weht, ins Auge. Das Regierungsgebäude kann auch von innen besichtigt werden.

Das Australian War Memorial in Canberra: Im dazugehörigen Museum geht es um die Rolle Australiens in diversen Kriegen und Konflikten.

Ebenfalls sehenswert ist das Australian War Memorial, das nationale Kriegerdenkmal Australiens. Es ist eines der bekanntesten Wahrzeichen von Canberra und beherbergt auch das National Military Museum.

Neben zahlreichen weiteren Museen und Galerien, die oftmals kostenfrei zugänglich sind, lockt in Canberra auch die Natur. Im botanischen Garten der australischen Hauptstadt wachsen 5500 zum Teil gefährdete Pflanzenarten.