Es gibt Momente, da möchte man sein Handy einfach gegen die Wand werfen. Wenn der Chef oder die Chefin etwa mal wieder im Feierabend nervt, wenn Tante Erna unbedingt den neuesten Familienklatsch austauschen will oder die schlechten Nachrichten auf der Welt einem zu arg zusetzen. 

Auch wenn wir uns Handy-Auszeiten vornehmen und fest entschlossen sind, das Gerät auch mal auszuschalten, immer wieder klappt das nicht. Aber es gibt Abhilfe: Wie wäre es beispielsweise mit einem Urlaub oder einem Kurztrip in ein Land oder Hotel, in dem es schlicht keinen Handyempfang und kein Wi-Fi gibt? Digital Detox nennt sich der Trend, sich bewusst eine Auszeit von technischen Geräten und dem permanenten Informationsfluss zu nehmen.

Das Wadi Rum ist eine der spektakulärsten Landschaften in Jordanien.

Da gibt es einerseits Orte auf dieser Welt, beispielsweise in den Wüsten Namib in Namibia (zumindest außerhalb der touristischen Zentren wie dem Sossusvlei) oder Wadi Rum in Jordanien, wo es schlicht keine Anbindung gibt. Aber es gibt auch Unterkünfte, deren Konzept das bewusste Abschalten (und Ausschalten) ist.

Auf der Website „Digital Detox Destinations“ sind diese gelistet. In den drei Kategorien „soft detox“ (Zeiten und Bereiche, in denen die Handynutzung untersagt ist), „high detox“ (das Handy muss beim Check-in abgegeben werden) oder „black hole“ (absolutes Funkloch oder kein Stromanschluss) sind Hotels und Apartments oder gar ganze Orte und Inseln aufgeführt, wo du nicht in die Versuchung kommst, doch den einen Anruf zu tätigen oder Google anzuwerfen. Wir stellen dir einige vor – für unter 100 Euro pro Nacht.

Koh Tonsay (Rabbit Island), Thailand

Die kleine Insel Koh Tonsay, auch Rabbit Island genannt, in Thailand bietet alles, was du für Digital Detox brauchst: Handyempfang, Wi-Fi und Co. gibt es hier nämlich nicht! Selbst Strom findest du hier eher selten, was ein Aufladen deiner elektronischen Geräte erschwert, den deines eigenen Akkus aber beschleunigt. 

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Während die meisten Reisenden nur einen Tagesausflug auf die Insel machen, lohnt es sich auch, hier zu verweilen. Die Unterkünfte auf Koh Tonsay sind eher im Low-Budget-Bereich und ohne großen Luxus, mehr als 15 Euro die Nacht zahlt man in den Bungalows in der Regel nicht. Dafür gibt es unendlich viele natürliche Erlebnisse: Rund um die Insel finden sich intakte Korallenriffe, die du beim Schnorcheln oder Tauchen erkunden kannst. Und wenn du nachts am Strand bist, wirst du Zeuge eines tollen Spektaktels: Auf Koh Tonsay findest du nämlich leuchtendes Plankton.

Kysuca, Slowakei

Zehn Häuser und drum herum nichts: Wer die Slowakei mal ursprünglich erleben möchte, sollte sich auf eine Reise in den Südwesten des Landes begeben, nach Kysuca. Drei Unterkünfte gibt es in dem Dorf, zwei Cottages und eine Lodge, alles andere ist jedoch weit entfernt. Den nächsten Supermarkt findest du etwa in 20 Autominuten Entfernung – und das bei Selbstversorgung in den Unterkünften.

In Kysuca bist du auf allen Ebenen abgeschnitten von der Zivilisation. Nur zwei der zehn Häuser sind dauerhaft bewohnt. Handyempfang und WLAN gibt es hier nicht. Hier hast du also genug Zeit, dich auf dich selbst zu fokussieren oder mit deinen Mitreisenden Karten zu spielen und Geschichten auszutauschen. Wenn du gern aktiv bist, kannst du etwa wandern oder raften. Durch das Dorf fließt nämlich ein Fluss, der frisches Quellwasser bringt.

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De Zeekraal auf Terschelling, Niederlande

Umgeben von Schafen und Hühnern kannst du auf dem Bauernhof De Zeekraal auf der niederländischen Nordsee-Insel Terschelling verweilen – und zwar im letzten Dorf. Wenig verwunderlich also, dass es weder Internet noch Handyempfang gibt, dafür aber jede Menge Naturerlebnisse, von Wattwanderungen bis zu Radtouren. Und die 250 Schafe wollen auch versorgt werden – dabei dürfen Besuchende gern anpacken. Aus der Milch, die die Schafe geben, wird vor Ort beispielsweise Käse hergestellt.

Übernachtet wird in rustikalen Zelten, die etwa mit Hochbetten aus Holz ausgestattet sind. Toiletten und Duschen gibt es in einem Extraraum, in Gemeinschaftsräumen sollen sich die Urlaubenden untereinander kennenlernen. Auf dem 15 Hektar großen Hof gibt es allerdings auch genug Möglichkeiten, einfach abzuschalten und es sich mit einem Buch gemütlich zu machen.

Aspros Potamos auf Kreta, Griechenland

Durch die Berge wandern, frische Oliven probieren und dazu fantastische Aussichten genießen – klingt nach einem Traumurlaub, oder? Während auf der griechischen Insel Kreta aber nahezu alle Unterkünfte mit kostenlosem Wi-Fi locken, gibt es eine, die auf Digital Detox setzt: das Aparthotel Aspros Potamos im Dorf Makry Gialos im Südwesten von Kreta. 

Du machst dabei Urlaub in einem der zehn 300 Jahre alten Steinhäuser mit Blick aufs Meer und in die Berge. Jedes Haus verfügt über ein Bad und eine Küchenzeile, wenn du aber Auszeit pur willst, bekommst du auch Frühstück in der Pension. Steckdosen gibt es auf den Zimmern nur für den Kühlschrank.

Mwagusi Safari Camp im Ruaha-Nationalpark, Tansania

Der Ruaha-Nationalpark, immerhin der zweitgrößte in Tansania (nach der Serengeti), ist bekannt für seine Artenvielfalt und die große Population an Elefanten: Mehr als 10.000 Elefanten leben hier, so viele wie nirgendwo sonst in Ostafrika. Und mittendrin findet sich das Mwagusi Safari Camp. Möglicherweise kommt zum Frühstück sogar ein Dickhäuter vorbei. 

Reisende übernachten in rustikalen Zelten und Holzhütten mitten im Nationalpark, umgeben von wilden Tieren. Warmwasser und Licht gibt es, auf jeden anderen Luxus müssen Besucherinnen und Besucher verzichten – stattdessen können sie sich voll und ganz auf Natur, Landschaft und Tierwelt einlassen, etwa bei einer Safari-Tour im Jeep. Deine Reise-Erlebnisse kannst du dann allerdings nicht sofort mit den Daheimgebliebenen teilen. 

Lapland Retreat in Snesnudden, Schweden

Keine Elektrizität, kein fließendes Wasser – dafür ganz viel Qualitätszeit in der Natur, das bietet die Unterkunft Lapland Retreat in Snesnudden in Schweden. Der Luxus in der Öko-Lodge in einem Waldgebiet in Schwedisch-Lappland liegt in der Ruhe und Abgeschiedenheit – und in den Saunen, in denen du dich wärmen kannst. 

Vor allem im Winter hat die Landschaft ihren Reiz, wenn die Gegend schneebedeckt ist und am Abend Nordlichter am Himmel flackern. Dann ist es noch gemütlicher, am Holzofen zu sitzen und die Ruhe zu genießen. Versorgt wirst du vom Personal vor Ort mit einheimischen Bio-Produkten. Wenn dir nach anderen Menschen ist: In einem Gemeinschaftsraum gibt es regelmäßig Aktivitäten für alle Gästinnen und Gäste, etwa gemeinsames Singen. 

Mtentu Lodge im Mkambati Nature Reserve, Südafrika

An die raue Wild Coast in Südafrika verschlägt es nicht so viele Touristinnen und Touristen wie an die Gardenroute oder in den Kruger-Nationalpark, doch wer eine Auszeit sucht, wird hier fündig. In der Mtentu Lodge kannst du dein Smartphone nur als Kamera nutzen, denn Handyempfang und Internet gibt es hier am Rande des Mkambati-Naturreservats nicht.  

Je nach Standard übernachten Reisende in selbst mitgebrachten Zelten, aufgestellten Zelten oder Holzhütten. Wer Ruhe sucht, kann stundenlang am Strand spazieren gehen und sich die Meeresbrise des Indischen Ozeans um die Ohren wehen lassen. Wer es hingegen aktiver mag, wandert und klettert zu Wasserfällen, macht Ausritte mit Pferden, unternimmt eine Kajak-Tour oder geht wandern. 

Maglami-Lami Water House auf Pulau Bum Bum, Malaysia

Bist du jemand, der im Urlaub immer mit der Kamera herumrennt und die Bilder direkt nach Hause schickt? Nun, dann ist das Maglami-Lami Water House auf der Insel Pulau Bum Bum in Malaysia vielleicht nicht der beste Ort. Oder vielleicht gerade deshalb, denn hier musst du mit Gewohnheiten brechen. 

In den idyllischen Bungalows auf dem Wasser beziehungsweise auf der gesamten Anlage gibt es nur selten Strom und tagsüber garantiert nicht. Handyempfang ist auch schwierig – und damit ist Maglami-Lami Water House der perfekte Ort für den Urlaub im „Black Hole“. Statt Instagram und Facebook steht hier das Leben mit dem Wasser im Vordergrund beim Schnorcheln, Tauchen oder Kajaken.